Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 50 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Generale unter Franz Josef vov einigen Tagen in ^Brütin ocrftorbene (deneral ini Huljeftanjb Schwarz war »ich, der einzig^ ,'üdische General der a ten Monarchie. Ein Teil von ihnen, zum Beispiel der .or einigen Jahren verstorbene General Simon Vogel, er- >elt den Generalsrang «°j^,anlätzlich seiner Versetzung in den Ruhestand acl konores. Tie^grützte Karriere hat jedoch der gleichfalls bereits verstorbene Generäl Ritter Eduard z>on Schweitzer in der alten Armee gemacht. Gleich Simon ' Vogel hqt auch Schweitzer als gemeiner Soldat begonnen. Leine Biographen behaupten, datz er als Baikanreisender zum Militär eingerückt sei und die bosnische Okkupation bereits als Feldwebel mitgemacht hat. Hier geschah es, dah eine ungarische Abteilung, die eine alte Burg verteidigte, von den aufständischen Herzegowinern umzingelt wurde und nahe daran war. sich ergeben zu müssen, als Feldwebel Schweitzer, der die Sprache, Sitten und Gebrauche der Bevölkerung kannte, sich .rbötig machte, durch eine» lebensgefährlichen Nachrichtendienst Me Lage auszukundschaften und zwischen der eingeschlossenen Abteilung und den Kerntruppen die Verbindung herzustellen. Das Unternehmen gelang, und seine Heldenitat wurde vom Feld .eugmeister Philippovies an den Kaiser semelöel. Nach Beendigung der Okkupation wurde Schweitzw in die Kadettcnschule kommandiert, kam von dort als junger Tubalternoffizier .'.um Gereralstab, nachdem er schon vorher für seine glänzende Kriegsdünstleistung in den Rittersianü.erhoben worden war. Bon da pn galt er in der Armee als beso iderer G ü n ft 1 i n g des Kaisers und machte sehr rasch Karriere. Er wurde bald Rechmentskommandant des in Gran stationierten Fnfanicrieregirpnts „Grohfürst Michael", das ha d darauf nach Wien verlegt ipurde. In Wien wurde Schweitzer wiederholt von seinen Kameraden und Vorgesetzten, aber a ich von den einfluhreichen Hofstellen bedrängt, damit er zum Christentum übertrete. Schweitzer lehnte jedoch alle ähnlichen Vorschläge und Drohungen ab. Einmal kam es beinahe zu einem ernsten Zerivürfitis. Zur Zeit, als er Kommando nt des den Namen des russischen Grohfürsten Michael tragenden Regiments war, ieierte d^r Regimentsinhaber fein äOjähriges Tienstjubiläum, '.u welcher' Feier er auch die Vertreter seines österreichischmgarischen Regiments einlud. Es bot grohe Schwierigkeiten,' Ke Offiziersaborünung, die nach P e t ejr s b u r g entfahbt werben sollte, zusammenzustellen. Man konifte den jüdischen iegim^ntskommandanten nicht gut umgehen, anderereiis wies Schweitzer auch bei diesem Anlaß das Ansinnen, sich aufen zu lassen, mit Entrüstung', zurück. So hatte sich denn >e Offiziersabordnung unter Führung des!Regimentskommandanten Ritter von Schweitzer nach Petersbürg begeben, wo' sie auch vom Zaren empfangen wurde. Die i fresse der gesamten Welt besprach damals die sensationelle Zerimonie, mit welcher der Kaiser von Ruhländ den jüdischen Lffiziw mit dem Trotz» kreuz ves-Sankt Anna-Ordens mit den Dia - uanteif dekorierte. Bald darauf wurde Schweitzer zum aktiven Ejeneralmajor befördert undzrmBrigadekommandanten vhn Kafchau ernannt. Einige Iah e später erkrankte General Schweitzer, und da er, wie er erklärte, nur dann seinen Posten als aktiver Soldat behalten wolle, wimn er auch in volluommener Gesundheit den Dienst zu oerseien vermag, bat er um seine Beisetzung in den Ruhestand, roc-, > ihm unter besonderer Anerkennung seiner langjährigen verdienstvollen Dienste oewilljgt ivurde. Es verdient verzeichnet zu werden, dah Seneral Schweitzer. . dls er inj Wien Regimentskommandant nxir, Franz Lehar, den heute berühmten Musiker und Komporisten. kennenlernle und, seine Fähigkeiten erkennend, zum Kapellmeister und Nusiklehrer seines Regiments ernennen lieh und auch ionft als Protektor Lehars sehr viel zu des len weiterer künsterischer Entwicklung beitrug. Als Jude hat Seneral Schweitzer sich gleichfalls aktiv be- -ätigt. Während seiner Dienstzeit in Budap'st war er als Förderer aller jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen bekannt und war lauge Jahre Vorstandsmitglied der Budapester C he w rach ad ischa.' Er war häufiges Besucher der Gottesdienste im Tabaktempel, wo er an Feiertagen in o o l l e r Ele n e r a l s» uniform mit allen feinen Dekorationen erschien und sich stets freute, wenn er damit beehrt WrSe, ausder Bundeslade die Thorarolle 'zu heben und zum Almemör zu tragen. Dis kommunistische Räteüiktatur in Ungarn hatte General Schweitzer, der damals in Budapest lebte, offiziell aller seiner Offiziers- Würden und sonstigen Ausnahmestellungen für verlustig erklärt. Er starb, noch bevor die Proletarierdiktatur von der rassenschiitz.erischen Diktatur abgelüst worden war, und so waren die Herren Ivan H e j j a s und die übrige Garde der Judenmörder, > der unangenehmen Pflicht enthoben, dem nackensteifen, pflichttreuen General die letzten'Ehrungen zu erweisen. <„Neue Welt", Wien.) prytest gegen den „Stürmer" Die folgenden Ausführungen wurden den" grützeren bayerischen Tageszeitungenaller Richtungen laut Beschluh des Landesverbandes Bayern . des RjF. zur Veröfsentlichung übersandt. Ter „Stürme r", diese üble Wochenschrift, deren sich nach der Aussage' des christlichen deutschen Staatsanwalts Joch- Heim jeder Nichtnurnverger schämen müsse, wird natürlich auch in München vertrieben. Und so haben auch wir Münchener Juden tagtäglich die Gelegenheit, die über dem Titelblatt laufende Querschrist zu lesen: „Die Juden sind unser Ung l ü cft." Wir sind durch jahrelange Schmähung und ungerechte Behandlung schon fast resigniert : geworden. Es gibt unter uns Juden auch Stimmen, die deit ehemaligen Volksbildner und Lehrer Streicher, der in dem Nürnberger Prozeh mit voller Ueberzeugung seinen Glauben an Ritualmord und ähnliches rortrug, nur pathologisch nehmen. Aber wenn auch dieser fanatische Hetzer und Schimpfer nur unter dieser Einstellung zu beurteilen wäre, so brauchen doch nicht die zum Schutz der Religionsgemeinschaften berufenen Behörden völlig zu versagen! Und so sollte gerade auf der Landesoerbandstagung deutscher Juden, die vor dem Feind ihr Deutschtum mit Opfern und Wunden bewiesen hatten, ein Protest-erklingem der aus dem gesunden Empfinden einer schwer beleidigten Religionsgemeinschaft in die deutsche Lessentlichkeit dringen sollte. Wir Juden sind in allen möglichen politischen Parteien vertreten, wir haben Kommunisten und Sozialdemokraten, wir haben bayerische Bolksparteiler und wir haben Monarchisten, jawohl. Monarchisten unter «ns. Und wir haben Staatsanwälte und Kaufleute, haben Künstler und Handwerker und leider auch Taufende von Juden unter uns, die — „ft e m p e I n“ gehen. Sie alle bindet nicht die Politik, nicht der Beruf und nicht die Rasse, welche Lang-! und Kurzschädel. 'blonde und schwarze, glatte und gekräuselte Haare, gerade und krumme Nasen unter uns zeigt. Nur ejines bindet uns — die Zugehörigkeit zur jüdischen Religioif, für die unsere Alten auf dem Scheiterhaufen gestorben sind und für die wir heute noch deschimpft werden! Der Herr Minister möge sich nur einen Augenblick vorstellen, datz irgendeine Wochenschrift die lieber» Kaneraden erneuert rechtzeitig das znm 1. Januar 1938 397