Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 50 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Tieres führen. Diese Sachlage ändert sich vollkommen mit dem Auskommen der Zivilisation. Die immer weiterschreitende Arbeitsteilung ermöglicht es mehr und mehr, daß auch Menschen mit den verschiedensten körperlichen und seelischen Defekten in solchen Berufszweigen Unterkommen und ihr Auskommen finden, in denen ihre Anomalie ohne Belang ist, wie z. B. ein schwaches Herz für einen Schneider oder geringe Geistesgaben für einen Straßenkehrer. Dazu kommt durch Hygiene und Arzt die Verhinderung der großen Epidemien, die sonst durch den Tod der Schrvächsten und Hinfälligsten den Durchschnitt der Bevölkerung widerstandsfähig erhielten, und vieles andere mehr. Um es kurz auszudrücken, die ZiviKsation. bemüht sich, die natürlichen Auslesevorgänge au/ Lebenslüchligkeit zu unterdrücken und leistet dadurch einer zunehmenden Degeneration Vorschub. Tie Zivilisation ermöglicht A r h e i t s - t e i l u n g und damit soziale Schich 1 ung. Es kann nun nach den Forschungen der letzten Jahrzehnte nicht mehr zweifelhaft sein, daß der sozialen eine biologische Schichtung entspricht, daß im Durchschnitt die sozial höherstehenden Schichten einen für das Volksganze wertvolleren biologischen Typus darstellen, als die Angehörigen der,sozial niederstehenden Kreise. (Daß es davon Ausnahmen gibt, versieht sich von selbst, das liegt im Wesen des Durchschnitts:) Diese durch die Gunst oder Ungunst bestehenden Ausnahmen von dieser Regel haben nun aber außerdem noch beständig die Neigung, ihren Ausnahmecharakter aufzugeben, da ein dauerndes Absinken der Schlechtesten und Aufsteigen der Besten stattfmdel, sowohl in Einzelfällen als auch dadurch, daß ganze Schichten sich in ihrer Lage nicht mehr halten können und durch andere abgelöst werden. Diese erbbiologische Verschiedenheit der Schichten wäre an sich nicht schlimm — denn die Menschen sind nun einmal von Natur ungleich — wenn sich nur die verschiedenen Schichten in gleichem Ausmaße fortpflanzen würden. Das ist nun aber ganz und gar nicht der Fall. Es sei da nur an die Spätehe and an die Kinderarmut bei den geistigen Berufen im Gegensatz zum übrigen Volke erinnert. Da nun aber deren Unterschiede geistiger wie körperlicher Art im wesentlichen erblicher Natur sind, wie wir es eben andeuteten, so führt diese Unterfruchtbarkeit der Oberschicht zu einer ständigen Abnahme dieser guten geistigen Erbanlagen in der Bevölkerung zugunsten von weniger wertvollem Erbgut. So beraubt sich die Gesellschaft durch die ungleiche Vermehrung ihrer Schichten beständig ihrer besten Kräfte (Lenz). Solch ein Prozeß kann in einer Bevölkerung natürlich nur so lange vor sich gehen, wie in den sozialtiefen Schichten noch Begabungen vorhanden sind, die durch die Ungunst der Verhältnisse dort festgehalten waren und nun in die Stellungen, die durch das Aussterben der Herrenschicht frei geworden sind, einrücken können. Ist aber diese Quelle erst einmal erschöpft, dann sind die Kräfte einer Kultur gebrochen, und es bedarf nur noch eines kleinen Anstoßes von außen, um sie zum Wanken zu bringen. Fassen wir jetzt noch einmal alles kurz zusammen, so zeigt sich, daß durch die Zivilisation ein Fehlen der normalen Auslesevorgänge und durch die ungleiche Fruchtbarkeit der sozialen Schichten eine Gegenauslese bedingt ist, d. h. eine vorwiegende Vernichtung der Besten und Erhaltung der Schlechtesten. Diese beiden Faktoren zusammen sind die Ursache des Verfalls der Kulturvölker. Gleichzeitig ergibt sich aber auch, daß das Ende eines Vollres keine Naturgesetzlichkeit ist, wie der Tod des einzelnen, falls es gelingen sollte, die Gründe der Degeneration wirksam zu bekämpfen. Wie nun die Ursachen doppelter Natur sind, wenn sie sick auch in mannigfachen Wechselbeziehungen innig durchflechten, so muß auch die Therapie eine doppelte sein; wegen der Enge des zur Verfügung stehenden Raumes mag nur ganz kurz prinziviell gezeigt werden, welche Wege beschritten werden müssen. Der Niedergang besteht z. T. darin, daß ungünstige Erbanlagen sich in der Bevölkerung ausbreiten konnten. Ihre Weiterverbreitung kann gesetzlich durch Forderung eines ärztlichen Gesundheitsattestes vor der Eheschließung bekämpft werden. Ehen, aus denen mit großer Wahrscheinlichkeit mit schweren Krankheiten erblich belastete 894 Kinder zu erwarten sind, dürfen nicht geschlossen werde:-, bestehen sie bereits, kann nach Aufklärung der 'Gatten zur Kinderlosigkeit geraten werden. Ferner bestände d . Möglichkeit einer gesetzlich geregelten Sterilisierung eu lich Minderwertiger, die in manchen Staaten bere., durchgeführt wird, ünd vieles andere mehr. Voran setzung für diese Maßnahmen ist eine staatlich durchz führende Untersuchung über die erbliche Beschafsenhc. der Gesamtbevütkerung. Der andere Weg besteht darin, die ungleiche Fruä. borkeit in den sozialen Schichten auszugleichen, bz wenn möglich, die der Wertvollsten über die Norm?, steigern. Das wäre prinzipiell auf zwei Weisen möglinämlich entweder dadurch, daß man auch bei den sozi niederen Schichten die Geburtenzahl zu senken versuch?, oder aber dadurch, daß die Geburtenzahl der Oberschicgehoben wird. Ter erste Weg ist allein schon aus de, Grunde ungangbar, weil dann die absolute Volksza:- ständig verringert werden würde, so daß schließlich au diesem Grunde ein Zerfall erfolgen müßte. Es bleib: also nur der Weg, die Fruchtbarkeit der gefährdete Kreise zu steigern. Neben erzieherischem Einfluß, de durch Schule, Kirche usw. ausgeübt werden müßte, under überhaupt eine der wichtigsten Vorbedingungen dasü ist, daß die Ideen der Eugenik Verwirklichung finde: können, ist hier sicher auch auf gesetzgeberischem Wege viel zu erreichen. Würde z. B. das Erbrecht etwa in der Weise modifiziert, daß in kinderlosen Ehen nach dein Tode, der.beiden Gatten das gesamte Vermögen an den Staat fällt, wenn ein Kind vorhanden ist, nur zwei Drittel bei zwei Kindern nur ein Drittel und bei drei Kindern gar nichts mehr, so würde diese Maßnahme, die ja aus schließlich die besitzenden Kreise betreffen würde, zwei fellos die Kinderzahl dieser Ehen steigern. Ist es dock heute so, daß das Einkindersystem in vielen Fällen au: dem Grunde bevorzugt ist, um dem einzigen Kinde eine, ganz besonders gute Ausbildung und pekuniäre Siche, run« zuteil werden zu lassen; dieser Grund würde dann hinfällig.! All das kann hier nur angedeutet werden. Dic . Schwierigkeiten sind groß, darüber darf man sick nicht ckinwegtäuschen; aber sie sind nicht unüber wi-jckoll i ch, wenn es gelingt, die Kulturvölker in letzte Stünde zurückzureißen von dem beschrittenen Wege und sie szur energischen Durchführung der Maßnahmen ,• veranlassen, die es verhindern können, daß sie dem siche ren Untergang entgegengehen, der alle früheren Kulturei ereilt hat. - Aktive katholische Abwehr gegen Ludendorh;3m großen Waanersaale in München fand eine Dersami lnng des Ludendorfffchen Tannenbergbundes statt, in der de- Schriftleiter der von General Ludendorsf herausgegebcne „Dolkswarte". Hans Kurth, über ..Iefuitismus und Judentum fpre hen sollte. Tie aus Katholiken bestehende große Mehrhci der Versammelten wehrte sich gegen die Hetze gegen Katholi zisnt»^ und Judentum und erzwang die Unterbrechung dc Vcr ammlung. Mit dem bekannten kriegsverletzten Iesuite. patcjr-Rupert Meyer an der Spitze zogen die Katholiken in ei andtces Lokal zu einer Versammlung, iin der der Wille zu Ausdruck kam, sich im katholischen München solche Beleidigungc nichs mehr bieten zu lassen. Das neu« Statut der Jüdischen Gemeinde Berlin genehmig! _ Ter von den Berliner Gemeindebehörden eingereichi Sta utenentwurf für . die Wahlen zur Repräsentantenversamm lung isst von der Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Dana: end> t ibie Wahlperiode der gegenwärtigen Repräsentanten Versammlung am 31. Dezember 1930. Tie neue Repräsentanten Versammlung wird aus 11 Mitoliedern. der Gemeindevorstan^ nits; 11 Mitgliedern bestehen. Tie Stellvertreter kommen ii Fortfall. -i b a Cefl Klar- Amerikanische Mahnung an Oesterreich. Ter hervorragende amerikanische Publizist Artur B r i s > e richtet im „New Aork American" eine Mahnung an erreich, die in. den folgenden Worten ausklingt: Oesterreich t. daß Großbritannien kein Vertrauen in die Stabilitä: