Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 49 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Friedensbewegung Kundgebungen des Liberalen Rabbineroerbandes und der Sgudas Iifroel. Einer gemeinsamen Anregung des Jüdischen Friedensbundes .und des Präsidiums des Allgemeinen Rabbineroerbandes in Deutschland folgend, haben anläßlich der Hohen Feiertage mehr als 150 Rabbiner in über hundert Gemeinden Deutschlands über die Friedensidee gepredigt und die tätige Förderung der jüdischen Friedensbewegung der Iudenheit aufs wärmste empfohlen. In Berlin allein haben, mit den Vorsitzenden des All-, gemeinen Rabbineroerbandes und des Verbandes Berliner Rabbiner, Tr. B a e ck und Dr. Weiße, an der Spitze, 85 Rabbiner zur Friedensidee Stellung genommen. Diese Kundgebung der deutschen Rabbinerkreise, ja, man kann wohl sagen, des deutschen Rabbinerstandes, darf nach verschiedenen Richtungen hin als außerordentlich bedeutsame Erscheinung gewertet werden. Vor allem ist der Unklarheit der Auffassung des Krieges, der im Laufe der letzten Jahrzehnte, unter dem Truck der all- , gemeinen politischen Lage^ manchmal als unvermeidliche göttliche Fügung dargestclll wurde, nunmehr ein Ende gemacht worden. Wenn die evangelische und katholische Geistlichkeit, früher von militaristischer Politik -beeinflußt, ihren Weg zur religiösen Anschauung zurückgefunden hat, so haben sich nunmehr die Rabbiner ihrerseits mit aller Entschiedenheit auf den Boden der Friedensgebote der jüdischen Lehre gestellt. Vie'e Rabbiner gehören übrigens bereits seit Jahren verschiedenen Friedensgesellschaften als tätige Mitglieder an. In vielen Zentren haben die Friedenspredigten einen nhgewöhnlich starken Widerhall gefunden. Tie Rabbiner wurden ajich von Andersgläubigen zu ihren Ausführungen beglückwünscht. Auch wurden sie von verschiedenen Seiten eingeladen. Vorträge über die Friedensidee zu halten und Aufsätze über Diesen Gegenstand zü veröffentlichen. In manchen Städten w.irden die Predigten auf Kosten der Gemeinden gedruckt und verbreitet. So hat diese kollektive Beschäftigung der geistlichen Führer dcsr Iudenheit mit dem frriedensgedanken das erfreuliche Ergcfbnis gezeitigt, daß eine neue jüdische Friedens- I i;t e r a t u r i m Entstehen begriffen ist. Viele von den Foiedensprediglen waren kleine wissenschaftliche Abhandlungen. Dp Verfasser haben nicht nur wenig.bekannte tiefsinnige Ausfpsücke räbbinischer Größen der vergangenen Jahrhunderte aus dem Schatz ihrer Kenntnisse hcrvorgehoit, sondern auch selbst mönchcn unserer Zeit angcpaßten geistvollen Gedanken über das Friedensproblem formuliert, der vielleicht dereinst von späteren Gl schlecblern ^in^t werden wird. J Der I ü d i s ch e F r i e d e n s b u n d plant die Zusammenung der interessantesten Stellen der zahlreichen Friedensdigten und ihre Beröffentlichung in Form einer Schrift. x - ' * Parallel mit dem Auftreten der liberalen Rabhiner für den Frieden -erfolgte eine bedeutsame Kundgebung der o rjt f) o ö o x. c n I u denheit für die neue religiöse Friedensbewegung. Führende Persönlichkeiten der Orthodoxie, wie Rabb. Dr. Piüchas Kohn. Jakob Rosenheim Frankfurt a. M.. Rabb. Tr. Auerbach-Halberstadt, Oberradb. Tr. Schreiber-Hamburg, Rabb. F. M. Lewin Warschau. Rabbi Grodsensky-Wilna, Oberrabb. Lewin-Rzeszow u. a.. werden vom Jüdischen Friedensbund in - bezug auf die Entwicklung der interkonfessionellen und jüdischen Frieöensbestrebungen aus dem laufenden gehalten. Der erste australische General der britischen Armee ein Jude Generalleutnant Sir John M o n a s h , der die australische Artnee im Weltkrieg befehligte, wurde zum General der britischen Armee befördert. Er ist. der erste australische Offizier, der den Rang eines Generals bekleidet. Sir John Monash, den man den „größten Australier" nennt, Ist ein treuer Jude. Er wurde am 27. Juni 1867 in Melbourne geboren und studierte an der dortigen Universität Maschinenbautechnik. 1887 wurde er Leutnant und stieg allmählich zum höchsten Offizier der australischen Armee empor. In den Kriegsberichten wurde er achtmal wegen besonderer Leistungen erwähnt. Bei Anzac trägt das Monafh-Tal seinen Namen. Er ist Ehrenpräsident der 886 Zionistischen Föderation von Australien. Er leitete in der To, Hast zu Melbourne die Protestversammlung gegen die Grc . in Palästina und schloß seine Rede mit der Erklärung, daß d jüdische Nationalheim ungeachtet aller Schwierigkeiten miede aufgebaut werden wird. Ein Sportplatz und ein Ledigenheim der Berliner Gemeinde Pie Repräsentantenversammlung nähm einstimmig die Bo läge ^betreffend Pachtung eines großen Sportplatzes von d, Stadt Berlin im Grunewald an; für die Vorbereitung der Früb jahrsvrbeit hatte die Versammlung bereits 20 000 Mark b. williüt. Ter Eemeindeoorsitzende K a r e s k i dankte den G meinhebeamten, den Sportvereinen und dem Magistrat für i, Zusammenwirken bei dieser Arbeit. , Äuf eine Anfrage teilte Direktor Kareski mit, daß alsda auf einem der Gemeinde gehörenden Grundstück ein Ledige heim für 120 Insassen errichtet werden wird. - 1 Das palästinawerk Hm vierzehnten August dieses Jahres, merkwürdigerwcijc einen Tag vor Beginn des Araberaufstandes in Palästina, wurde in Zürich eine Einigung zwischen Zionisten und Nichtzionistei zustande gebracht und die Erweiterte Iewish Agency gegründet liebet ibie Zwecke dieser Vereinigung wurde am Sonntag, dem 17. d. M., im Großen Kroll Saal berichtet. Es sprachen für die Zionisten Professor Brodetzky aus London, für die deutschen Nichtzionisten Alfred Leonhard Tietz aus Köln, Kurt Blumen feld, Ver,in, Ministerialrat Tr. ■ Hirsch aus Stuttgart. Das Palästinawerk wird gemeinsam weitergeführt, damit wertvolle Arbeit^ nicht zugrunde geht und vor allem die Ostjuden d e mühsach erworbene Heimat nicht wieder verlieren. Dr. Hirsck betonte ausdrücklich, daß die deutschen Juden, die deutsche Staatsbürger find und bleiben wollen, gern gemeinsam mit de. Zionistin an einem Werk der Nächstenliebe Mitarbeiten werden Sie werden auch den Standpunkt der Zionisten bei dieser ge meinsainen Arbeit nicht bekämpfen, verfangen aber die gleich, Duldung für ihre Anschauungen. Am Tage vorher, Sonnabend, den 16 ü. M., sprach Arnold Zweig im Rathenau-Haus übe dasselbe Thema und zeigte einen Film „Frühling in Palästina' der die Tätigkeit der jüdischen Kolonisten in Stadt und La»^ in gutstn Aufnahmen ror Augen führtei ' Die jüdische Frau als Atdettgeberm Es ist eine schöne Sitte des Berliner Hausfrauen v e r e iin s, alljährlich am Buß- und Bettag treue Hausangestelli, zu prättiieren. Hausmädchen, Köchinnen, Diener und Portiers, die lange Jahre hindurch ihrer Herrschaft treue Dienste geleist,> haben. Ibekommen an diesem Festtag Diplome, Broschen und neuerdings auch eine Geldspende. Es ist schön, dieser Feier al stiller Beobachter beizuwohnen und rührend, die treuen Haus geister an den Tisch der Vorsitzenden heyantreten zu sehen, un ihre Auszeichnung in Empfang zu nehmest. Manche der Mädchc und Frpuen kommen mit vor Glück leuchtenden Augen. Man sieht ihüen ihre Freude an, die Genugtuung über die Anerken nung ihrer Arbeit. Andere stehen wie beschämt mit nieder geschlagenen Augen. Sie sind es gewhhnt, in der Stille z, wirken, daß ihnen schon das laute Aufrufen ihres Namens das Blut zum Kopf treibt. In den Reihen des dichtgefüllten Rai haussaajles hört man manch eifriges Gespräch, das plötzlich ab bricht, wenn ein neuer Name aufgerufen oder ein besonders schönes.Zeugnis verlesen wird. Man schmiedet Pläne, zäh!' zum ersparten Geld die Prämie des Festtages hinzu, nimm! Glückwünsche entgegen und genießt so recht von Herzen di Feststunde. Die Angehörigen und Freunde der prämiierter Hausangestellten sind mitgekommen zu der Feier, aber auch die Damenj. bei denen sie in Stellung sind. i Es ist interessant, zu beobachten, wie manche Mädchen zur Familie zu gehören scheinen wenn fk zehn, zwanzig, ja dreißig und vierzig Jahre Freud und Leid ihrer Herrschaft geteilt haben. Es ist noch interestanter und eine Genugtuung für uns Juden, die wir von allen Seiten angegriffen und schlecht gemacht werden^ festzustellen, daß die allermeisten der aufgerufenen Hausangestellten in jüdischen Familien sind, dort ein Heim. Verständstis, ostmals liebevolle Sorge und Pflege gefunden haben. E.Cz.