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Der Schild · 1929-11-22 · 48 (22.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
48 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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t\ ur sere Tradition, und wir bringen dem deutschen Vaterla ide eine gute Gabe mit, den Geist der alten Makkabäer, di> schon vor 2000 Jahren gezeigt haben, wie man ein Lcnd befreit. Wir lehnen es aber ab. daß man u is nach den Taten irgendwelcher Außenseiter beurteilt, jede Gemeinschaft darf nir eingeschätzt werden nach den hohen sittlichen Werten, die in ihnen wohnen. Nach den Beweisen der Opferfreudigkeit für Deutschland, die wir gegeben haben, brauchen wir uns nicht mehr um ein Vertrauen zu bemühen, wir verlangen/daß man es uns entgegenbringt!“ Begeisternde Zustimmung wurde auch diesem Redner zuteil. Der Dichter Ernst Lissauer wies besonders auf die Zerklüftung hin, in der heute das deutsche Volk zerrissen sei. Wir leben, so hob er hervor, heute in einer Zeit von unerhörter Gefahr für die abendländische Kultur. Dagegen gäbe es nur eines: .einander hören und einander nicht verurteilen. Wohl Gegnerschaft, aber keine Feindschaft aufkommen zu lassen, sachliche, aber nicht persönliche Kampfesart zu pflegen; der Kampf der Geister dürfe nicht zum Kampf aller gegen alle werden. Ueber die weiteren Festveranstaltungen in Hamburg berichten wir in der nächsten Nummer! Kamerad Iuftizrat Chodziefner 60 Jahre! Ich weiß, daß Sie, lieber Kamerad- und Freund C h o d - z i > s n e r, wenn Ihr Blick auf diese Stelle des ..Schild'" fällt, zun ichst einmal mit einigen kräftigen Flüchen feststellen werden, daß da irgendein Schnüffler doch hera^gebracht hat, daß Sie am 21. November Ihren 60. Geburtstag feiern. Ta aber die guten Wünsche, die Sie diesem und auch vielleicht dem Schreiber dieser Zeilen, bei dieser Gelegenheit zunächst einmal zuteil werden lassen, glücklicherweise nicht in Erfüllung gehen, kann ich unbesorgt Ihnen hier das sagen, wäs ich heute für Sie auf dem Herzen habe. :Sie haben in all den Jahren, in denen Sie unserem Bunde angthören, und besonders in den Äemtern, die Sie bei uns ausüben, so viel Gutes für unsere Sache geleistet, daß ich im einzelncn hier nicht alles anfühxen kannte, sondern mich darauf be-. schränken mutz, Ihnen an Namen des Bundes heute an Ihrem Ehrentage die besten Wünsche zu übermitteln. Wie Sie einst als Soldat und Offizier: an vorderster Front für das Vaterland Ihre Pflicht taten, obschon' Sie gs auf Grund Ihres Alters gar nicht nötig gehabt hätten. ' so Haffe ich, daß weiterhin Ihnen, Ihrer Iugendfrische und- Ihrem gesunden Humor auch ~ die kommenden Jahre, so viele es auch fein mögen, nichts anhabcn können. In diesem Sinne dankt Ihnen heute der RjF. und rechnet auch weiterhin, wie bishser. auf ihre erprobte Hingabe kür unsere Sache. > - ' Dt. Leo- Löwenstein, Bundrsoorsitzender. Ein soziales Werk Auswandererfürforge des Hilfssiereins der deutschen Juden. Tie Auswandererfürforge dfs Hilfsvereins der deutschen Jude» wird durch das Büro seiner Zentrale in Berlin, den Bahnhofsdienst am Schlesischen Bahnhof irt Berlin, die Komitees in Hämburg und Bremen, die Bahnhofsdienste iii Stentsch und Osnaorück und Vertrauensleute im Reiche wahrgenommen. Ä» Jahre 192!» hat sich die Zahl der Auswanderer und Turchivanderer. denen seine Füiisorge galt, stark erhöht, insbesondere was den Durchgangsverkehr au^'demvDchlesischcn Bahnhof in Berlin anbetrisft. ' Unter der Fürsorge des Hflssvereins passierten: Berlin «Bahnhofsdienst dcsHiifsvereins, jSchlesischer Bahnhof. Aus-und Rückwanderer 1. Januar bis 30. September 19-2!»): 91 042 Personen. Ihren Weg nahtncn ül er Stentsch <1. Januar bis 90. September 192!»): 0967Personen; Osnabrück: 1279 Personen, Hamburg II. Januar bis 60. September 1929): 9400 Personen; Bremen (1. Januar bis 9jl. Augüst 1929): 7.70 Personen. Im Büro der Berliner Zentrale fangen eingehende Beratung und Hilfe vom 1. Januar bis 80. September 1929 732 Personen. Der Schlesische Bahnhof wird von Auswanderern aus osteuropäischen Staaten passiert, die nach deutschen, belgischen, französischen und holländischen Häfen zwecks Auswanderung nach Uebersee gehen bzw. zurückwandern oder aber kontinentale Reiseziele erreichen wollen. Es handelt sich dabei um einzelne 378 Reisende sowie um Auswanderertransporte, die von Schiii. gesellschaften oder jüdischen Emigrationsvereinen organisier, werden. In dem großen Saale, den die Eisenbahnbehörden de Hilfsverein zur Verfügung gestellt haben, wird den Passantc vorübergehend Unterkunft gewährt; sie erhalten dort auch E frischungen. Der Dienst auf dem Schlesischen Bahnhof wi Lürch.drei vom frühen Morgen bis spät nachts tätige Beami versehen. Den Auswanderern wird Beratung zuteil. S werden, wenn es sich als notwendig erweist, an zuständ, Stellen, ^Behörden und. Konsulate in Berlin verwiesen. Es ci folgt ihre Ueberführung nach anderen Berliner Bahnhöfen. E wird versucht, mit Angehörigen in Deutschland wie im Au lande Verbindungen hcrzustellen. Gepäckangelegenheiten werde: erledigt, insbesondere auch, wo es sich um Gepäckrecherchei liegengebliebenes oder verlorengegangenes Gepäck Handel Ueberdies wird für die Isolierung und Behandlung Kranke gesorgt. Die Beamten überwachen auch ständig die den Schlei sehen Bahnhof durchfahrenden Züge aus dem Osten und au dem Westen, um durchreisenden Emigranten oder Rückwanderer, die des Rates und der Hilfe bedürfen, beizustehen. Namentli. gilt die Fürsorge Frauen und Kindern. Das Berliner Büro sowie die Zweigstellen des Hilfsverei, in Hamburg und Bremen lassen den Emigranten weitgehendindividuelle Fürsorge zuteil werden, und zwar durch Beratung Besorgung von Pässen, Bisen und Affidavits, durch Inter ventionen bei Behörden, Konsulaten, Schiffahrtsgesellschaften wie bei den Angehörigen der Emigranten innerhalb und außerhalb Deutschlands. Der Hilfsverein übernimmt in besonders schwierigen Fällen die Kosten für längeren Aufenthalt in Deutsck land, für ärztliche Behandlung, Erholungskuren ufw. Der Hilfsverein läßt sich ferner den Kampf gegen die Ausbeutung von Auswanderern durch betrügerische Elemente, die gerade in solchen Zeiten ihr Wesen treiben, in denen die Einwanderung nach den meisten Staaten außerordentlich erschwert ist, angelegen sein. Durch Gewährung von Subventionen an jüdische Orga nisationen an der deutschen Ost- und Westgrenze erleichtert der Hilfsoerein die Fürsorgearbeit an diesen Plätzen. Der Hilfsverein steht mit jüdischen Emigrationsgesellschafle» des Auslandes in ständiger enger Verbindung und ist internatio nalen Körperschaften für den Wandererschutz angeschlossen. Das vom Hilfsverein herausgsgebene „Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen" bringt aufschlußreiches Material über wirtschaftliche Verhältnisse in den Einwande rungsländern, über Einrcisebestimmungen, über Statistik der Durchwanderung usw. Durch feine Fürsorgetätigkeit trägt der Hilfsverein zur Entlastung jüdischer Gemeinden und Organisationen in Deutsch land erheblich bei. Der Reichsbund im Wahlkampf Ta die vorhergehende Nummer des „Schild" als Sondernummer schon früher in den Besitz unserer Hamburger Kameraden gelangen mutzte, konnte dieser Bericht nicht mehr in sie ausgenommen werden. Er ist auch nach der Wahl noch für unsere Leser interessant. Am 11. November veranstaltete die Berliner Ortsgruppe des RjF. in der Stadthalle eine Wahlkundgebung, die stark besucht war und einen eindrucksvollen Verlauf nahm. Zum ersten Male, so führte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Kam. Tr. London, aus, geschieht es, daß der RjF. öffentlich Stel lung zu "den Kommunalwahlen nimmt. Bisher habe er sich ausschließlich an den Wahlen für das Reichs- und Staatsparla ment beteiligt. Wenn der RjF. heute zu den Kommunalwahlen Stellung nimmt, so geschieht dies im Hinblick auf das drohende Anwachsen der nationalsozialistischen Woge. „Wir jüdischen Frontkämpfer begrüßen es freudig, daß das Reichsbanner Schwarzrotgold unseren Abwehrkampf gegen die Hakenkreuzler. der keineswegs nur eine jüdische, sondern auch eine deutsche Angelegeüheit ist, wirkungsvoll unterstützt." Vier Redner — der Stellvertretende Vorsitzende des Reichs bundes. Kam. Rechtsanwalt Dr. E l k e l e s, Oberstudienrat Landsb^rg, Senatspräsident Tr. Grohmann und der Vorsitzenddes Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,! Iuftizrat Brodnitz, — rechneten in temperament vollen Ausführungen, die häufig von lebhaften Beifallsstürme» unterbrochen wurden, mit der nationalsozialistischen Bewegung ab. Sie stellten gleichzeitig in überzeugenden Worten die Auf bauarbeit dar. die in Berlin in den letzten Jahren geleistet worden ist, Und alle vereinigten sie sich in der Forderung, am kommenden Wahltage für die verfassungstreuen Parteien zu stimmen, lim so dem Ansturm der Hakenkreuzler zu wehren. Alle Redner fanden lebhaften und lang anhaltenden Beifall.

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