Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1929-11-22 · 48 (22.11.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
48 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4911661-5448526-5449149--2423-4913811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I i erschein« -»«chetztllch. Abonnementlyr«!»! I/>ZMdI«rt«lILbrljch»u»> ,'i.ii«bllch Poftbrftellgrsb. y--au»q»b«k u. 'Biritgct: Reichsbunb ILtlfcher gron«fot6a««n[*.<D Ttr Schild komm« Srt'tagmorgen durch bol Pos,. z.ikllngGomt zum Persanb. "ür Aufnadmr und Rück, i. nbung unverlang« «ihg«. fjnbtrr Manuskript« wird («in« Drwühr getriftet. ZEITSCHRIFT m Alleinig« Anzeigen«Annahm« durch Bepa-Berlag. Benstl & Pakuscher, Berlin W A,Blume-tzof 5 1*L:B39Tol(mt)f ÖM1/42 Anzeigenschluß: Jeden Sonnabend für bl« nüchfterfcheinenb. Nummer Aazelgenrexte. bi« bi» zu dieiem Tag« nicht bet un» eingeqangen find. Verben in der darauffolgenden Nummer ausgenommen. Verantwortlich für den Anzeigenteil: _ H. Log«. Berlin »Wettzense« Nummer ei« Berlin, S2. November 1S2S Jahrgang IPtUfommctt zuv Vun-est<rgung Bon Kam. Dt. Leo Löwenstein. In schwerer und kritischer Zeit treten wir zur Peratung unserer Angelegenheiten zusammen. Statt zur erhofften allmählichen Einigung und Beruhigung haben die Tinge im deutschen Baterlande sich immer mehr zu Zersplitterung und innerem Streit entwickelt, so datz jnan eigentlich nur noch darüber staunt, daß überhaupt derartigst Spannungen von Staat, Bolk und. Wirtschaft ausgehalten werden können. In diesem streit glauben besonders demagogisch eingestellte Richtungen. datz die Hetze gegen uns Juden ein besonders zugkräftiges Agitanonsmittel ist. In verantwortungslosester Weise ivird daher mit 13uöenf)afe und Iudenhctze gearbeitet. Unser Bunil mit seinen Zehntausenden von Männern, die ciiift an der Front ihre Pflicht für unser Bamrland getan haben, ist dadurch diesen demagogischen Richtungen gegenüber, Re es sogar wagen, sich national zu nennen, das jbcftc Zeugnis mfür, wie unanständig diese Hetze ist gegenüber siner kleinen Minderheit, die! überall für das Baterland ihre ^Pflicht getan uai wie jeder Andere Deutsche. Wir glauben allerdings,,datz der gesunde Sinn des deutschen Bolkes doch diese demagogische Hetze von sich weist, wenn es in seinen Massen die Wahrheit Uber uns deutsche Juden erkennt. Der RjF. sieht es jedenfalls als eine besondere Aufgabe an. diese Wahrheit über uns im deutschen Bolke nach Möglichkeit zu verbreiten. Das ist insbesondere notwendig und auch möglich bei unseren ehemaligen Kameraden, deren Zahl nicht gering ist: sind doch von ihnen allein mehr als acht Millionen Männer in den Verbänden ehemaliger Kriegsteilnehmer organisiert. Mit seinem Kampf gegen diese Lüge und Verhetzung wirkt der RjF. nicht nur für die Ehre-der deutsche» Juden, sondern in hohem Matze-auch für inser deutsches Vaterland, dessen ganze Zukunft davon abhängt! aus dem vernichtenden Kampf aller gegen alle eine einheitliche deutsche Front aller für alle zu schaffen. In diesem Sinne wollen wir die Arbeit unserer Hauptversammlung leisten und unsere Front von innen und nach autzcn stärken. Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz! 10 Fahre Ortsgruppe Hamburg Die Hamburger Ortsgruppe des RjF., der „Daterandische Bund jüdischer Frontsoldaten", veranstaltete aus Anlatz seines Ilsiährigen Bestehens am 17. November unter Vorsitz von Kam- Dr. U r i a s eine stark besuchte Kundgebung, auf der als Hauptredner die Dichter Walter Vloem und Ernst Lissauer über das Thema: i„Der deutchen Zwietracht mitten ins Herz!" sprachen. Walter Ä l o e m, wiederholt von starkem Beifall der Versammung unterbrochen, schilderte die Tragik der jüdischen Frontsoldaten, für die es vor und auch «noch mähend des Krieges in der alten Armee grundsätzlich keine Aufstiegsmöglichkeiten gab und! die trotz ieffter Verbitterung bis zum Kriegsende! oder bis zum Heldentod ausgeharrt haben. Das deutsche Bolk sei gegenüber dem Judentum dem Grundgedänken der Emanzipation r icht treu geblieben. Kein lebender Dichter der Gegenchart, so meinte Bloem, habe«mehr zum -^uhme der alten Armee getan als er. Er fühle sich aber vrechtigt, zu soiZen, datz diese alte Armee dem Judentum keine Gerechtigkeit habe widerfahren lassen. Was er heute spreche, was er bisher schon trotz heftigsten Anfeindungen für die jüdischen Kameraden gesprochen und geschrieben habe, so betonte Bloem, sei aus nationaler Gesinnung geschehen. Mit der gleichen Offenheit müsse er aber auch sagen, datz auch von jüdischer Seite Fehler ge«^ macht worden seien, wenn auch wieder in Verallgemeinerung solcher Fehler ken Juden viel Unrecht geschehen sei. Der Antisemitismus «werde überwunden werden können, wenn die Juden so. wie sie sich im,Kriege unter Einsatz ihres Blutes zum Deutschtum bekannt haben^ auch im Frieden ihr Deutschtum bekennen und betätigen. , Trotz manchen Widerspruches, der bei der Erwähnung gegnerischer Argumente laut wurde, hörte die Versammlung atemlos die packenden Worte des Dichters an, um zum Schluß in minutenlangen Beifäll auszubrechen. Kam. Dr. U r i a s dankte ihm für feine mannhaften und offenen Worte und erteilte das Wort Kam. Dr. Leo Löwen st ein. dem ersten Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß der RjF. den Rahmen für eine solche Kundgebung abgeben durfte. Wenn es einen Boden gebe, auf dem gegenseitiges Verstehen möglich sei, dann seien es die Vereinigungen der Frontsoldaten, bie heute schon in Deutschland insgesamt über 8 Millionen Mitglieder verfügen. Endziel aber ist ein einziger Bund für das ganze Reich, und wenn er«erreicht fei, wolle auch der RjF. sich gerne auflösen. „Wir Juden sind stolz auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.