Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 46/47 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sefalenen-Sebächtnlsfeier des Fronlbmdes Der Vaterländische Bund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete Sonntag, den Li. September li£:9, aus dem Begräbnisplatz der Gemeinde in Ohlsdorf! eine Gedüchtwisseier für die im Weltkrieg gefallenen Kameraden, zu welcher außer den Angehörigen und ^Freunden der Kriegsgefauenen eine große Anzahl Ehrengäste erschienen war. Als Vertreter des Senats war Staatsrat Tr. Lippmajnn anwesend, als Vertreter des Reichswehrministers Konteradmiral Geifer; der Vizepräsident der Bürgerschaft, Grevsmühl, war für die Deutsche Volkspartei erschienen, die Herren Beyrich und Biedermann für den Gauvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot Gold, letzterer gleichzeitig auch für den Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei: Herr Scheel für das Landwehr-Insanterie-Regiment 7b: Zolldirektor i. R. Carl S a u e r für den Hamburgischen Landesoerein vom Roten Kreuz: Oberschulrat Prof. Dr. Schober, Frau Ferdinand Fera und Fräulein Pesuhr für den Landesverband Hamburg des Volksbundes deutscher Kriegsaräberfürsorge. Ter Vorstand der Gemeinde war durch Herrn Jacob Heck scher, das Repräsentanten-Kollegium durch Herrn .. R. Bachrach. die Jüdische Gemeinde Wandsbek durch Herrn S. Steinberg vertreten. Außerdem hartem eine ganze Anzahl jüdischer Organisationen und Vereine Hamburgs ihre Vertreter entsandt. Die Feier fand wegen des wundervollen Spätsommertages außerhalb der Kapelle auf dein Vorplatz des Friedhofs statt, aus welchem eine Abteilung des Reichsbanners in Uniform und mit umflorter Fahne Aufstellung genommen hatte. Nach dem Vortrag des Chopinschen Trauermarsches durch eine Kapelle ehemaliger Militärmusiker erklang, vom jüdischen Chorverein vorgetragen und von Oberkantor K o r n i tze r meisterhaft begleitet, das ergreifende Lied „Seele, was betrübst du dich?". Tann ergriff Rabbiner Dr. Italiener das Wort zur Gedächtnisrede, deren Gedankengänge an-anderer .Stelle dieses Blattes ausgeführt sind. Darauf sprach Rechtsanwalt Tr. U r i a s namens des Vorstandes des Frontsoldatenbundes kernige, 'aufrechte Worte, die erneut ein Bekenntnis des deutschen Juden zum deutschen Paterlande darstellten. Wohl klang aus seinen Worten die Bitterkeit darüber heraus, daß der deutsche Jude trotz der Opfer, die seine Gemeinschaft gebracht hat. nach immer verfolgt und verfemt werde. Aber der deutsche Iudz, so schloß der Redner, wolle den - Glauben nicht fahren lassen, dgß einst der Tag komme, an dem der Deutsche dem Deutschen die Bruderhand reiche und an dem es licht und bester werde „in Unserem, ja trotz allem in unserem deutschen Vaterlande". Nach abermaligem Chorgesang begab sich die Versammlung in ernster Stimmung auf den Kriegerehrenfriedhos, auf welchem zunächst Oberschulrat Prof. Schober bas Wort ergriff. Er sprach nur wenige Worte, aber sie trafen die Anwesenden im innersten Herzen. Er dankte njamens des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge den toten ^jüdischen Soldaten, bie der Volksbund inmitten seiner Glaubensgenossen ehren wolle, und gelobte ihnen Treue um Treue. Ten, Kranz des Frontsoldatenbundes legte mit Worten ehrenden Gedächtnisses für die 12 000 jüdischen Kriegsgefallenen Rechtsanwalt Tr. Fürth nieder. Schulter an Schulter hätten Christen und Juden im Weltkrieg miteinander gestritten, gekämpft und unendliches Leid erduldet. Daher gelte die Ehrung des heutigen Tages!« l le n Opfern des Krieges ohne . Unterschied des Bekenntnisses. I— Weitere Kränze legten nieder Vertreter der Ortsgruppe K i e I des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und das Reichsbanner Schwarz-Rot Gold. ' In ernster Stimmung lauschte die Versammlung dem Kaddischgebet, das Rabbiner Dr. Italiener sprach, und während die Kapelle das Lied „Ich halt' einen Kameraden" intonierte, ging die Versammlung schweigend auseinander. Sind wir noch Frontsoldaten? Von Kam. Harry Goldstein. Hamburg. Als wir vor 11 Jahren heimkehrten, die Alten und Jungen, eben dem Fegefeuer des Weltbrandes entronnen. ahnten die wenigsten von uns jüdischen Frontsoldaten, daßwir nur eine kurze Atempause haben sollten. Ein neuer Grabenkrieg stand uns bevor. Politische und militärische Finsterlinge, die« der gerechte Unwillen des Volkes nach dem Zusammenbruch hinweggescheuchl hatte, krochen aus ihren Schlupfwinkeln wieder hervor und begannen ein schändliches Kesseltreiben judenfeindlicher, Hetze gegen uns. Zehnmal jährt sich jetzt der Tag. der uns geschlossen in der neuen Front unseres Bundes, wieder'die Alten und die Jungen, zusammenstehen sah. Gegen das Gift des Hasses, der Verleumdung, das unsere 366 Ehre als deutsche Frontkämpfer jüdischen Glaubens zfr fressen sollte, gab es keine Gasmasken. Mit offeye. Brust, nur mit den reinen Waffen der Wahrheit us Gerechtigkeit traten wir dem heimtückischen Gegner e> gegem. In langem zähen Ringen haben wir unser bla. kes Chrenschild von den Giftschwaden dex völkischen Hoi gereinigt und es ist schon lange still geworden in'8. feindlichen Gräben. Durften wir uns des Sieges freuen? — Der Gegitc hatte nur einen Stellungswechsel vorgenommen. Seü neue Front wurde stärker und besser ausgebaut denn!j» Anfangs in unterirdischer Minierarbeit und später i dreisten offenen Angriff gegen den jungen deutsche Volksstaat, zu dem wir ehemaligen jüdischen Frontsoldo ten in überwältigender Mehrzahl uns in dankbare Treue mit ganzem Herzen bekannten, glaubt der alte Gegner in überheblicher Verblendung bald die Stunde zum Generalangriff gekommen. Viele unserer Kameraden haben längst das Gebot der Stunde erkannt unL schließen daher nicht nur in unserem Bund die Reihen enger zusammen, sondern wirken tätig für ihre Ge sinnung in den entsprechenden politischen Gruppen. Sie stehen Seite an Seite mit unfern nichtjüdischen Kante raden in denjenigen großen republikanischen Organisa tionerj, die in erster Linie dazu berufen, machtvoll und stark genug sind, jeden Angriff auf unfern freien degt schon Bolksstaat, mit dessen friedvollem Bestand auch nju auf Gedeih und Verderb auf das engste verbunden sind, vernichtend zurückzuschlagen. Leider scheinen manche unserer Kameraden müde und gleichgültig geworden zu sein. Sollten sie es wirklich über sich bringen, ihre alten Kriegskameraden zu verlassen und die Zahl der Heimkrieger zu verstärken? Ihnen gilt heute unsere ernste Frage: Seid ihr noch Frontsoldaten? Bremen gratuliert An den Landesverband jüdischer Frontsoldaten, Hamburg. Am Tage der 10jährigen Gründungsfeier des Landesverban des Nordwestdeutschland im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten will auch die Bremer Ortsgruppe ihre herzlichsten Glückwünsche und Grüße überbringen. Ten so bewährten Führern des Landesverbandes sind wir von der Wasserkante aufs engste verbunden für die Anregungen, durch die wir im abgelaufenen Jahrzehnt so manche wertvolle Förderung für unsere Arbeit erfahren haben. Wcthrer Hanseatengeist ist immer aus Hamburgs Toren hin aus in pie Welt gewandert und hat versöhnend oder geschäftlich bindend geistige Ketten geschmiedet, er hat sich auch in unserem Frontbund bewährt. Was bisher uns vereinte, soll auch in Zukunft erfrischend und verjüngend zugleich die Beziehungen der Bünde in den freien Hansestädten gestalten. Eist dreifaches Vivat unserem Landesverband! Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, E. V. Ortsgruppe Bremen. I.A.: H. Meyer. Ruf an alle Kameraden. Von Kamerad Dagobert Kahn, ' Vorsitzender der Ortsgruppe Unterweser. Ich möchte die Kameraden in dieser Sondernummer Nordwcstdeutschlands keinesfalls mehr mit der Vergangenheit beschäftige». Denn die Gegenwart ist so bedeutsam, daß wir unser ganzes Augenmerk und unsere ganze Tätigkeit auf die Zukunst richten müssen. Fast! täglich haben wir den Beweis, daß unser Bund nicht überflüssig ist, sondern, datz unser Dasein notwendiger ist als je. Ganz gleich, welcher politischen Richtung jemand angehört, ganz gleich, wie einer jüdisch politisch denkt, die Frontsoldaten gehören zusammen. Als wichtigste Aufgabe betrachte ich, für das kommende Jahr die dem Bunde verloren gegangenen Kameraden zurürkzugewinnen und die nicht dem Bunde angehörenden Kameraden restlos zu erfassen. \ Wenn jedes Mitglied des Frontbundes mil Fleiß und Geschick an diese Aufgabe herangeht, dürfte sich die Mitgliederzahl unseres Bundes in kurzer Zeit bedeutend erhöhen, und werden wir auch den letzten Abseitsstehenden bald in unseren Reihen sehen. Ich! bin überzeugt, daß der Frontbund seine schwierigste Auf gäbe noch vor sich hat, darum rufe ich Euch zu: ^Kameraden, stehet fest zusammen wie ein Mann!"