Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 46/47 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-r'" I o , Iiuen, daß im Weltkrieg alle davon durchdrungei j >'.ere Geschlossenheit des gesamten Volkes sime Not bannen. So ist es unsere befonh . .,crer Ehr« nicht minder als zum Segen des ibetzung und Zersplitterung unserer Tage t b uns dafür einzusetzen, dah alle Deutschen. . .cn und Gerechtigkeit üben wollen, anerkenh > waren, nur die nne die gemeinere Ausgabe zu Volksganzen de» htgegenzuarbeiten i>ie ihr Vaterland en: Ein Volk ist kulturell und ethisch danach zu bewerten, wie es im Bewußtsein seiner Macht einer Minderheit Schutz und Gerechtigkeit gewährt. Gegen den kulturellen Tiefstand, der mit Lügen und Wahngebilden Fanatiker und Friedhofsschänder züchtet und Urteilslose zu Gewalttätigkeiten aufreizt, muh jeder rechtlich denkende Deutsche den Abwehrkampf ausnehmen. Jen ©efallcttctt jum Gedächtnis Aus einer Gedächtnisrede Don Kam. Rabbiner Dr. Italiener-Hamburg. .Warum lassen wir sie nicht ruhen in! ihren Gräbern, :»m rufen wir ihr reines und verklärtes Bild uns immer >s neue vor die Seele? Weil sie uns nicht ruhen lassen, ii sie un» rufen und drängen und mahnen, weil ihr Tod :i Opfer bedeutet, und jedes Opfer eine Verpflichtung ist, weil ..cs Opfer «ine Schuld bedeutet, der Gesamtheit auferlegt . . . .... We^n wir aus der Welt der Unrast auf den Gotteskommen, mit der einen Sehnsucht im Herzen, Frieden zu imdcn, dann § sollen wir etwas vernehmen von! der Frage, öle Ni-fc jungen Menschen, die sich in der Blüte ihrer Jahre geopfert haben, an uns richten: Hast du eingelöst die Schuld, die ui:scr Tod dir auferlegt? Du, der du draußen charst und glückheimgekehrt bist, hast du eingelöst das Gelübde, das du ior.test in Graus und Not, das Gelübde der Treue, das Gelübde oer Kameradschaft nicht nur den Toten, sonder» den Lebenden gegenüber? > Vor allem aber sollen die Frage der Toten hören auch alle diejenigen, bin nicht draußen waren und vielfach in all dem Tand, der uis umgibt, vergessen haben, wieviel zerstörtes Lebensglück, ipieoiel Opfersinn hinter jenen Gräbern sich verbirgt, und wi« groß darum das Maß der Verpflichtung ist, das -ns, den Uebtrlebenden, obliegt. In der Bfbel, im 1. Buch Mose, lesen wir: „Ein Zeuge ist dieser Stein."! Diese Worte, sie gelten auch füc jenen Stein, der drüben am dem Ehrsnfriedhof mahnend emporragt. Wir lebenj in einer Zeit der Zerrissenheit und schwerster i.irischaftlicher, Bedrängnis unseres deutschen Taterlandes. Wie oft werden solche Feiern, wie wir sie heute begehen. :',i Anlaß genommen, die alten Kriegsleidensä »asten wachzur::>cn und durch Erregung neuer Hahgefühle die Saat zu legen für neue Kriege und neue Opfer und neue Gräber. Diese Stunde lall ein anderes lehren. Ein Zeuge ist jener St;in, ein Zeuge d■.ar, wohin oie Menschheit kommt, wenn statt des Willens ' r Verstänhigang und Versöhnung der Völker, der Rasten und der Klasten Haß- und Rachegesühle das Zepter führen. Nein, diese Stunde predigt keinen Haß. Diese Stunde ruft im Geiste unserer Religion, im Geiste dieser Toten, dieser deutschen Juden, uns das eine Wort entgegen, das am Bersöhnungstage in den jüdischen Gotteshäusern erklingt: „Friede, Friede dem Fernen wie dem Rahen." J _ Ich nannte Unsere Toten deutsche Juden. Als solche sind sie gefallen, als solche sprechen sie zu uns, die wir ihnen nyhestehen, und die wir gleich ihnen kämpfen um unser Recht, kämpfen um unsere deutsche Heimat. Aber nicht nur für uns kämpfen wir, sondern für ein freieres, von Recht und Frieden erfülltes deutsches Vater,and. Alte jüdische Weisheit hat uns folgendes sinnige Gleichnis übermittelt: Das Holz fragte das Eisev, das auf dem Amboß gehämmert wurde: „Warum schreist du so, wenn man dich schlägt? Schau auf mich: wenn mich die Härte des Eisens trifft, dann stöhne ich wohl auf in dumpfer Qual, niemals aber dringt, ein solcher Schrei, wie du ihn ausstöht, von mir hinaus in die Welt." Da antwortete das Eisen: „Nimmer empfindest du das Leid so tief, wie ich es empfinde. Du wirst nur von fremder Hand geschlagen, ich ober werde von meinem Bruder geschlagen, und das tut so wehl"- Juden und Nichtjuden, als Brüder sind sie hinausgezogen ins Feld, als Brüder haben sie in Not und Gefahr vor dem Feinde zusammengestanden, brüderiich oft das Letzte zusammen geteilt. Und jetzt?! Wie ist nach dem verlorenen Kriege der Judenhaß in manchen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes aufgeflammt! Ja, mit den Worten unseres Gleichnistes müssen wir sprechen, weh tut es, doppelt weh. wenn wir von unseren deutschen Brüdern um unsere»'Glaubens, um unseres Stammes willen gekränkt, gleichsam seelisch geschlagen werden. Aber nicht nur eine Versündigung gegen uns, die Lebenden, ist es,"sondern viel mehr noch gegen unsere Toten. „Dieser unser Stein ist Ehrenfriedhof auf dem Friedhof der deutsch-israelitischen Gemeind« in Kamdurg-Ohlsdors 363