Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 42/43 (22.10.1929)
- Date
- 1929-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i wirk noch hinzugefügt, datz der Vorbereitung zum Universitätsstudium in Deutschland der ungarische Lehrplan nicht angepaßt fei. Bisher sollen mindestens 150 ungarische Studenten, die sich an deutschen Universitäten zur Aufnahme gemeldet haben, zurückgewiesen worden' sein. Arnolt Bronnen wird vom Hitler-Organ abgeschüttelt. ' Der Dramatiker und Roman-Schriftsteller Arnolt Bronnen Kat unlängst einen Roman „2. S.“ erscheinen lassen, der ganz im Geiste der Hakenkreuzler und Antisemiten geschrieben war. Anläßlich der jüngsten Verhaftungen der Bombenverschwörer wurde bekannt, daß Arnolt Bronnen mit den kompromittierten Personen einen sreundschaftlichen Verkehr pflog. Jetzt veröffentlicht das Hitler-Organ „Völkischer Beobachter" einen vier Spalten langen Artikel gegen Arnolt Bronnen, der ganz und gar abgeschüttelt wird. Das Hitler-Organ zitiert das Werk ^„Erotik und Raste" von Herwig Härtner, in welchem festgestellt wird, datz Bronnens Vater, Ferdinand Bronner. ein Wiener IGymnasialprofestor, Jude ist. Bei Bronnen zeige sich weder das ^Bestreben, sich in deutsches Wesen einzusügen, noch auch ist irgendwie ein Bekenntnis zum Judentum festzustellen: er gestaltet überhaupt nur das Triebhafte schlechthin. Bronnen, der als Mischjude weder zu den Deutschen gehört noch zu den Juden, «ist einer, der keine Wurzel im Volkstum hat und auch nach seiner Verwurzelung strebt, sondern völlig im Triebhaften aufgeht. Ti« Bewachung der Klagemauer in den Rosch-Haschanah-Tagen. Eindrucksvoller militärischer Aufmarsch. — Verbot jeden Durchgangsverkehrs. ' Während der Rösch Hafchänah Tage war die Klagemauer, an der eine große jüdische Gemeinde betete, militärisch sehr scharf bewacht. Schon am Freitag, den 4. Oktober, 10 Uhr vormittags, wurde eine mit Maschinengewehren und Handgranaten cusgerüstete starke Infanterie-Abteilung zur Verstärkung der Polizeiwache an die Klagemauer beordert. Sie rückte von drei weiten an und nahm an der David Zitadelle Ausstellung. Als «m 4 Uhr nachmittags die Juden sich zum Gebet an die Klagemauex begaben, umsäumten Abteilungen Soldaten mit Stahlhelmen die zur Klagemauer führenden Strahen und Wege. Tie kürzlich aus Aegypten eingetrossenen Panzerautos hatten an d:n Haupttoren der Altstadt strategische Positionen eingenommen. Am Ftceitag vormittag wurde eine militärische Versügung b -treffend sie jüdischen Gottesdienste an der Klagemauer verö fentlicht, m der die Juden daran gemahnt werden, datz an der Iigemauer nur diejenigen Gegenstände benutzt werden können, in der Verfügung der Regierung umschrieben worden sind, s von den Moslemiten neu geöffnete, zur Omar-Moschee sühide Tor an der rechten Seite der Klagemauer bleibt während jüdischen Feiertage geschlossen. Auch wurde den Arabern boten, ihre Maultiere an der Klagemauer vorbei zu treiben,! sie dies an jüdischen Feiertagen in früheren Jahren zu tun egten. Ueberhaupt wurde jeder Durchgangsverkehr an der igemauer während der jüdischen Feiertage verboten. > Ter Marsch der Truppen, die Feldküchen und Munitions- Knien mit sich führten, zur Klagemauer lockte große Menscheninstssen aus den Häusern auf die Strotzen, insbesondere auf die zup Altstadt führende Jaffa Straße. In der Luft kreuzten mehrere Aeroplane. Es war offenbar Absicht der Regierung, di^ militärische Kundgebung so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten.! Andauernde Flucht der Juden aus Jemen. { Soft täglich treffen in Aden größere Scharen jüdischer Flüchtlinge aus dem Jemen ein. die erzählen, datz sich die Lage der Juden im Jemen unter der Herrschaft des Imans Iahija n n Tag zu Tag verschlechtert: die Behörden üben einen Druck hin aus, datz die Juden zum Islam übertreten. Juden re,. den gezwungen „trefe“ (rituell verbotene) Nahrung zu sich nehmen. Ein erwachsenes jüdisches Mädchen, eine Waise, sol:e mit einem Juden getraut werden. Im letzten Augenblick wur^ die Braut auf Grund des Gesetzes, daß Waisenkinder unter b:; Obhut der Behörden stehen, weggeholt, damit man sie zu--. Islam bekehrt. Tie flüchtenden Juden des Jemen lassen ih e ganze Habe zurück. Sie sind nun in Aden in groher Zahl vl rsammelt, befinden sich aber wirtschaftlich in so elender Lac> datz sie betteln müssen. Ihre einzige Hoffnung ist Palästir ihr ganzes Bemühen ist darauf gerichtet, eine Einreife-Erlaubn nach Palästina zu bekommen. Hakenkreuze aus jüdischen Grabsteinen. In Niederstetten bei Mergentheim sind in den israe; tischen Friedhof unbekannte Täter eingedrungen und haben n 14 Grabsteine Hakenkreuze eingekratzt. i Rückkehr zum jüdischen Glauben in Ungarn. Aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage sind wiederum i Ungarn mehrere Personen, die in den kritischen Nachkrieg jahren den jüdischen Glauben verlassen hatten, zum Iudentu, zurückgekehrt. Die Massentaufen hatten bekanntlich 1918 b, gönnen. Tie Bemühungen der Rabbiner, die durch die damal gen traurigen Vorgänge aus der Fassung geratenen Leute, di.- ihren Glaubensübertritt anmeldeten, zu beruhigen und aufzr klären, hatten nur geringen Erfolg. Eine Massenpsychose Halt- Teile der jüdischen Massen Ungarns erfaßt, die glaubten durc, die Taufe über alle Widerwärtigkeiten und Verfolgungen Ijtr.: wegzukommen. „Eggenlöfeg" veröffentlicht einen detaillierten Bericht übe: die Bewegung für Rückkehr zum Judentum. Vom 1. Augus 1919 bis 31. Juli 1929 find 567 Männer. 481 Frauen und 88 Kin der zum Judentum zurückgekehrt. Von diesen 567 Männeri waren 52 Gewerbetreibende, 121 Kausleute, 193 Angestellte 41 Aerzte. 35 Rechtsanwälte. 27 Ingenieure. 14 Landwirte 6 Lehrer. 60 Schriftsteller, 70 Studenten und 45 Angehörig! anderer Berufs Diese Zahlen betreffen allein die Pester Isr Kultusgemeinde. Auch die Ofener Kultusgemeinde und zahl reiche andere Kultusgemeinden verzeichnen niese Rückkehrer i Jenseits der Grenze -Man schreibt uns: Tie einst so blühende jüdische Gemeinde Tuchel ist seit Los trsnnung vom deutschen Vaterlande vollkommen in Verfall ge ratest. Nur noch weniae jüdische Familien sind dort ansässig und -leider nicht in der Lage, aus eigenen Kräften auch nur die allernotwendigsten Ausgaben zur Aufrechterhaltung der Gemeinde aufzkbringen. Seit Jahren schon hat die Gemeinde keinen Kultusbeamten mehr. Jetzt droht die Mauer des altehrwürdigen jüdischen Friedhofes, auf dem viele Geschlechter zur letzten Ruhe gebettet sind, zu zerfallen. Es ist dringend erforderlich, schleunigst Abhilfe zu schaffen. Die kleine Gemeinde selbst tut alles, was in ihren Kräften steht, jedoch find stie verfügbaren Mittel sehr gering. Alle Glaubensgenossen, die auf dem Tucheler Friedhof Gräber von Angehörigen und Verwpndtrn haben, werden dringend gebeten, jeder nach seinen Kräften etwas zur Aufrechterhaltung des Friedhofes zu geben. (Konto des Herrn Max Cohn, Berlin, Leipziger Straße 116, bei der Htadtbank, Berlin SW., Zimmerstratze 90/91, auf das Sepalatkonto „Friedhof Tuchel" Nr. 1515.) sie idich nicht treffen und Allah hat geholfen, inshallah (G. s. T-). Ha t du auch die Ziegen mit nach B a g a m o j o gebracht? frägt er mich. Donnerwetter, die habe ich im Boot gelassen! Der Reger und dazu noch der schwarze Koch eines Europäers denkt stet; ans essen, besonders da er die besten Stücke für sich behält. Bnana, du bist hungrig, deshalb habe ich dein größtes Huhn für dict geschlachtet. Ich konnte dem braven Kerl nicht böse sein, obr iohl er mein bestes Legehuhn abgemurkst hatte. Am nächsten Tage kamen nach und nach meine 6 Bootsleute und meirt Boy mit dem Hund nach stundenlangem Marsch auf meinem Posten an. Jeder brachte mir etwas mit und zwar war^n es Gri vatsplitter in jeder Große. Mit 15 bis 30 Zentiijeter- Kaiiber hatten mich die Engtänder beehrt. Hunderttaufende mag ihn in wohl diese Expedition gekostet haben und der Ersolg war: eini alte ausrangierte T h a u, 4 Ziegen und 36 Lasten Reis. Das Testament eines inbisch.jübischen Millionärs Sfr Sassoon Jakob David, ein reicher jüdischer Kaufmann aus Pombay, der vor einigen Tagen verstorben ist, hat seinem Sohn Sir Percival Viktor David, ein Vermögen von 24 Millionen Rupien (zwei Millionen Pfund) hinterlassen mit der Bedingung, daß er den jüdischen Glauben nicht verläßt und auch seine Kinder! im , Geiste des Judentums erzieht. Ein Passus im Testament > lautet: „Halte fest an unserem jüdischen Glauben und halte die Gebote der Thora. Hilf dexuiü^die in Not sind. Erziehe deine Kinder im Geiste unserer Religion!" — Der Verstorbene hat größere Legate für die jüdische Gemeinde in Bombay und für soziale Zwecke hinterlassen. ) 3N