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Der Schild · 1929-10-22 · 42/43 (22.10.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
42/43 (22.10.1929)
Date
1929-10-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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! Zorn Gottes ruht. Das weiß jeder, der die Tragödien I vor Gericht verfolgen bann. Manaffe Friedlander ist»! fürchte ich, einer von ihnen. Der Bruder, den er erschoß, i stand auf dem Standpunkt — ihm ist doch nicht zu helfen, l Wahrscheinlich hat er recht. Aber es ist dies ein entfetz- I liches Wort, weil es so ganz ohne Liebe ist. ' Manches Typische hingegen brachte der Prozeß Sally! Bergmann. Es ist richtig, Bergmann war vorbestraft, Volksbund Deutsche Kriegsgraberfürforge e. D. i Der BolKsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnet aus > Anlaß seines zehnjährigen Bestehens am 20. Oktober 1920 in der neuen Wache, Berlin, Unter den Linden eine Ausstellung „Kriegsgräberfürsorge". I Im Zusammenwirken mit den zuständigen Reichsbehörden Lat der Volksbund bisher in Frankreich, seinem augenblicklichen Hauptarbeitsgebiet, 62 große Sammeianlagen in Arbeit genommen oder fertig ausgebaut. In den übrigen Ländern ist Hie Gesamtzahl der betreuten Stätten größer, ihre Ausdehnung aber geringer. Tie Ausstellung gibt Beispiele für die geleistete Arbeit.! Tie Ausstellung ist zunächst vom 20. bis einschließlich 27. Oktober, vom 1. bis 3. November und am Totensonntag, dem 24. November, in der Zeit von 10—20 Uhr geöffnet. Ter Eintritt ist frei. i^ber er war wirklich alles andere als ein Mensch, der aus „verbrecherischer Neigung" handelte. Es ist, nicht übertrieben — wir alle auf der Iournaliftenbank hatten Bergmann einfach gern. Das lag daran, daß er sich als ei« grundgutmütiger Kerl entpuppte, der in seine Affäre richtig „hineingeschliddert" war. Man soll doch nicht glauben, daß ein Kaufmann gern zum Betrüger wird. Hsm Anfang des Verbrechens steht in den weitaus meisten Fällen die Not, hier also schlechter Geschäftsgang, der nun wieder die verschiedensten Ursachen hat. Bergmann wollte nicht nur, sondern mußte auch leben. Denn es gab eine gpnze Reihe von Menschen, die von ihm leben wollten. Ich bin fest davon überzeugt, daß er bei Gründung seines Lombardhauses an keinen Schwindel dachte. Und als er sich einbildete, das Geschäft ginge gut. trat eine sympathische und bei Juden häufige Eigenschaft hervor: lebcht und leben lasten. Da aber seine allzu große Gutmütwkeit seine Intelligenz mit Nebelschwaden umzog, trieb :r dieses Prinzip zu weit, so daß schließlich kein Halten mehr war. Und so kam denn diese tragikomische Figur zustande, die auf ihrem Stühlchen vor dem Amtsgerichtsrc t Wartenberg hockte, verzweifelt die Hände rang ui,z klagte: alle haben sie nur genommen, alle haben nur vot mir gewollt, ich mußte geben und geberr ohne End-. Natürlich sah er dann, daß es nicht mehr mit rechte, Dingen zuging in seinem Lombardhaus. Natürlich kniier dann beide Augen fest zu und ließ sich von seine, optimistischen Temperament einslüstern, es ließe sich bis an sein Ende ein Loch mit einem anderen Loch zustopfe, Aber ein raffinierter Betrüger, ein Gauner, ein Blut sauger, Halsabschneider und Wucherer — das war Berg mann nicht. Ganz gesondert liegt die Sache mit den galizische, Taschendieben. Ich muß bekennen, daß ich für dies, Kategorie von Menschen eine ausgesprochene Schwäch« habe. Das liegt daran, daß diese fröhlichen Gauner übe, eine Liebenswürdigkeit verfügen, die so tief in ihne, verwurzelt ist, daß sie in keiner Situation versagt. Mar muß nur einmal solch einem Prozeß zugeyört und beobachtet haben, wie sie mit bestrickendem Lächeln zu geben, i was sich nicht bestreiten läßt, wie sie mit den, gleichen Lächeln bestreiten, was sich nicht beweisen läßt, wie sie mit vollendeter Höflichkeit und grandiosem Ein fühlungsvermögen auf die Art ihres nicht gerade immer gedüldigen Richters eingehen, wie sie sich zu kleinen unbedeutenden Würmchen machen, die sozusagen nur aus Versehen von des Herrgotts Lebensbaum gefallen sind und denen in ihrer Bescheidenheit und Harmlosigkeit nichts ferner liegt als ein Taschendiebstahl. Dafür verstehen sie ihr Handwerk auch aus dem Grunde. Sie wissen wie man ein künstliches Gedränge erzeugt, um fern' Opfer abzutasten. Sie kennen den Trick, wie man einest Knopf öffnet, ohne daß der Betreffende es merkt, sie verstehen meisterlich zu „decken" und zu „ziehen" und sie Ipssen ihre Beute verschwinden wie Hexenmeister. Es sindGentlemen auch aus Berufsgründen. Denn ihre Arbeitsstätten find die Theater und großen Kinos, die Renn plätzjr und Nsenbahnwagen erster Klasse. Trotzdem haben sie kjein leichtes Leben. Denn die Beamten des Taschen Zänzibars und vor allem, ob sich die Mastspitzen der im englischen Hafen liegenden Schiffe bewegten, also in Fahrt waren. Ales meldete klare Luft und so ließ ich aus meiner Dhau die Segel hissen und lossahren. Eine solche Dhau ist ein seetüchtiges Fahrzeug, mit dem Reisen nach Persien und Indien unternommen werden. Jeder Indien- und Ostasienreisende kennt diese eigenartigen Segelschiffe. Ich nahm 6 Baharias sBootsleutei, 2 Askaris und meinen Bog mit an Bord. Nicht vergessen darf ich meinen Hund, ein kleiner Foxterrier, dem ich aus dieser Fahrt mein Leben zu verdanken bade, wie wir später sehen werden. Ferner nahm ich 36 Lasten Reis und 4 Ziegen für die Kompagnie in Bagamojo mit. Tie Fahrt über See dauert in gewöhnlichen Zeiten von meinem Posten bis Zollamt Bagamojo 4—5 Stunden. Ich wählte zur Fahrt die eintretrnde Flui, um bei eventueller Havarie gegen die Küste zu geschmissen zu werden. Vor der Rufu-Mündung befindet sich eine große Sandbank, die weit ins Meer hinausreicht. Ich konnte nicht warten, bis die Flut diese Sandbank vollständig überflutet hatte und war dadurch gezwungen, ziemlich weit auszuholen und mich dadurch etwas näher als gewünscht der Küste von Zanzibar zu nähern. Glücklicherweise hatten wir gute Brise und dos Segelschiff lag dadurch gut vor dem Wind. Wir waren bereits etwa 2 Stunden in Fahrt und hatten schon die große Sandbank hinter uns. Ich ließ nun auf die deutsche Küste zu halten, als plötzlich der am Bug stationierte Askari rief: bwana. manowari angelest! Herr, ein englisches Kriegsschiff! Sofort ließ ich das groß« Segel einholen und mit aller Macht nach Land zu rudern. Mächtig kommt das feindliche Fahrzeug auf. Ein neuer Schrei: bado ningine. bwana! Noch ein anderes, Herr! Harm, Haya, wotu! ao muataka kufa! los. los, oder sollen wir versaufen, rief ich den wacker arbeitenden Bootsleuten zu. Aber es kam noch schlimmer. Ich höre von drüben, der Zanzibarseite her ein mir bekanntes Geräusch. Ein Flieger! Schon hält er auf uns zu. Glücklicherweise hatten meine Neger keine Ahnung von der Gefährlichkeit dieses englischen Fliegers. Sie hatten ja noch nie einen gesehen und riefen deshalb: bwana, tazama, 336 ndegs ulaya! Da schau, ein europäischer Vogel! Die Einge borenen kannten ja das Wort „Flieger" nicht in ihrer Sprache Ich wußte aber aus Erfahrung von der Vernichtung der „Königs berg" und von der Bombenbelegung Daressalams her, was der Flieger beabsichtigte. Schon waren wir bis auf etwa 150 Meter an die Küste herangekommen, als die Engländer aus ihren Schiffsgeschützen das Feuer auf mein Boot eröffneten. Da sie ungefähr 2000 Meter von Land ab lagen, weil der Tiefgang der englischen Kreuzer ein näheres Herankommen nicht gestattete, so ließen sie eine armierte Pinasse zu Wasser und solche fuhr unter ständigem M.-G.-feuern auf mein Boot zu. Inzwischen »erreichten wir den Mangrovengürtel. Da gab es für meine Bootsleute kein halten mehr. Kopfüber ins Master und weg ivaren sie. Wir brachten das Boot noch ziemlich tief zwischen die weit auseinander stehenden Mangroven hinein, so daß ich glaubte, es hier vor den Engländern gesichert zu haben. Glück licherweise traf uns keines der um uns her einschlagenden Ge schosse. Die Fliegerbomben sielen auch nicht an die richtige Stelle, sodaß es mir mit meinen beiden Askaris und meinem Boy gelang, unverwundet das Segelboot zu verkästen. Das Master reichte uns bis über die Brust. Nun hieß es, Land unter die Füiße zu bekommen; denn wir staken mitten im Rufu-Twlta. Da hissen wir meinen Hund bellen. Bwana. namchukua! Herr, ich Hotz ihn, ruft mein braver Ali und wirklich bringt er ihn nach bongen Minuten auf seinen Kopf gestülpt zu uns. Der Sonne nach mag dies ungefähr gegen 8 Uhr morgens gewesen sein. Nach swndenlangem Waten durch Schlich und Schlamm, furchtbar geplagt von den gerade in den Mangrovengürteln sich in ungeheuren Schwärmen aufhaltenden Fliegen sAnophelesst. erreichten wir gegen 2 Uhr mittags festes Land. Schon längst hatte ich nur noch Rock und Stiefel an. Die Kaki-Hose hing zerrissen am Mangrovenstrauch. Aber wir waren gerettet. Gewehr und Patronengürtel unversehrt. Immer noch feuern die englischen Kreuzer in Richtung meines Postens. Bin ich einzelner Deutscher dem Feinde soviel Munitionsvrrschwendung wert? Wie sparsam mußten wir mit unserer Munition um-

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