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Der Schild · 1929-10-22 · 42/43 (22.10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
42/43 (22.10.1929)
Date
1929-10-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Hudeir vov Gepicht D«r bekannte Gerichtbberichterstatter der „Bossifchen Zeitung" Gert o. Klotz teil» auf Veranlassung der Redaktion hier sein« Beobachtungen aus den Berliner Gerichten mit. soweit sie für die Leser des „Schild" von be« fonderem Interesse sind. Wenn ich mich hier zu dem Themci ..Juden vor Gericht" äußern soll, so möchte ich voraysschicken. daß es sich nicht um eine erschöpfende StudieS handelt, sondern um die Wiedergabe von Eindrücken, die in einer dreijährigen Tätigkeit als GerichtsberichteMatter in Moabit gewonnen wurden. j Ich habe nie empfunden, daß der Jude vor Gericht ein „typisch jüdisches" Verhalten zur Schau getragen hat. In diesem großen Brennpunkt des Lebens benimmt sich der Jude wie jeder andere Mensch auch. Er kämpft um seine Freiheit mit allen Mitteln, diel ihm zu Gebote stehen, mit Schlauheit und List, mit Tränen und Mitleid erweckenden Gebärden, mit Wahrheit usgd Lüge, mit Beredsamkeit. Zornausbrüchen und zweckvollem Schweigen. Gerade hier wird deutlich, wieviel stärker als alle sogenannten Rassenunterschiede das reit, Menschliche ist, auf welch gleicher Basis im Menschliche! i wir alle stehen. Es gibt Juden vor Gericht von größt, r Zähigkeit und innerer Widerstandskraft wie die Barnats und solche, die weich und leicht zu Tränen gerühr sind, wie Sally Bergmann. Es gibt Verstockte und weltmännisch Fröhliche, wie die galizischen Taschendiebe, denen man unmöglich böse sein kann, solange sie nichf einem selbst die Taschen ausgeleert haben. Es gibt Gerissene, die aalglatt durch die Maschen des Gesetzes schlüpfen. die meist in unendlich langweiligen und unendlich komplizierten Betrugsprozessen auftreten, und es gibt Toren, die durch irgendeine Gutmütigkeit oder Schwäche stvchfällig wurden. Und solche Menschen wird es überall und von allen Lorten vor Gericht geben. Typisch aber ist, mit welchen Gesetze; Paragraphen der Jude in Konflikt kommt und mit, welchen nicht. Es stehen mir über diese Frage keine Stai istiken zur Verfügung. Ich muß mich also auch hier nur auf meine Beobachtungen verlassen. Da ist nun das eine sicher, daß der Jude mit seiner vorwiegend kaufmännischen Betätigung am häufigsten gegen diejenigen Paragraphen verstößt, die auf dieses Gebiet Bezug nehmen. Das sind also die Paragraphen des Konkursgesetzes und die Letrugs- und Urkundenfälschungs-Paragraphen. Im Berufsverbrechertum ist er mir nur als Taschendieb bekannt, deren Zunft sich ja vorwipgend aus dem galizischen Judentum ergänzt. Dagegün fehlen Juden völlig bei Roheitsdelikten, bei Straftaten, wie Raub und Körperverletzung. ebenso bei Einbruchsdiebstählen und im allgemeinen auch bei Totschlagsdelikten. > Der Fall Manasse Friedländer, der so großes Aufsehen erregte, ist ein Einzelsall. der meines Erachtens nichts Typisches hat. Es ist mir anläßlich meiner Berichterstattung über diesen hochinteressanten Prozeß in der „Bossifchen Zeitung" gesagt worden, der Fäll Manasse Friedländer sei von Nichtsuden einfach nicht zu verstehen, er erkläre sich aus dezn jüdischen Milieu und es wirkten hier speziell jüdische Ressentiments, die anderen nicht verständlich seren. Ich habe in Debatten über diese Frage immer zum Ausdruck gebrächt, daß ich diesen Standpunkt fi',r «Sn;« ki»it äne GeschichteVvon Kain und der Geschichte des jüdinfang der ^Geschichte der «nasse Friedländer beging, für völlig verkehrt hielt. Abel steht nicht am Anfa schen Volkes, sondern am Menschheit. Die Tat, die läßt sich nicht erklären aus scher Eigenart. Sie hat zur lilieu, Erziehung und jüdi- Zoraussetzung den Menschen Manasse Friedländer. Und der war, so sehr er im übrigen Jude gewesen sein mag.jin erster Linie ein unglückseliger. in der Anlage verfehlter Mensch, auf den vielleicht das geheimnisvolle uni furchtbare Wort aus dem 4. Kapitel des ersten Buches Mosis paßt: „Wenn du fromm bist, so bist du angenehm, bist du aber nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der Tür und nach dir hat sie Verlangen." — Mag psycho-, malytische Tiefenforschung manche Zusammenhänge erhellen, es wird hier immer ein Rest bleiben, der sich nicht aufteilen läßt. Es gibt Menschen, die unter einem-Fluch leben, aus denen der Mtt knapper Not entronnen Ein Kriegserlebnis aus Deutfch-OAafrika. Von Theodor Freudenberger, Frankfhrt a. M. B a g a m o j o war in früheren Zeiten cr der arabischen Sklavenhändler aus Zan cutsch-ostafrikanisckö Külte nur durch eine. i'QS V1Scutsch-ostafrikanischö Küste an etwa 18 Seemeilen von dem gerade ,>afen Zanzibar entfernt liegt. Deshalb w, >ährend des Krieges sozusagen ständig in S Elchen Geschütze, ganz abgesehen von den schissen, die wir bei Tag und Nacht vor u > allen. Aus diesem Gruüde würde längs der Meter langen ostafrikanischen ^Küste ein sch nterhalten.j Da uns ja nchr wenige Streitkrä landen, so chehnte sich der! Machtbereich der uützpunkte wie Lindi, 'Daressalam Tanga auf mehrere hundert Kilometer au rotzyn Garnisonen, die mit höchstens einer 'kann Askaris und 6 Deutschen) besetzt wäre 'osten gestellt, die mit einem Unteroffizier o' andsturmmann belegt wurden, dem noch e .'ilfskrieger zugeteilt waren. Ich hatte die ^ung zu bewachen. Dieser zweitgrötzte Fli ordlich Bagamojos vorbei in den Indisch ekannt als einer der krokodilreichsten Flüsst inzusetzen, datz er auch mit ungeheuer vieler ölkert ist. Mir unterstanden noch 4 kleine ->on meinem „Ausguck" konnte ich mit bloße stihrt in den englischen Hafen Zanzibar beoln l icdes ein- und ausfahrende Fahrzeug sofort i'arnison B a g a m o j o berichten konnte. Fr ciegsschiff südlich in Richtung Daressala rlwa 1 Stunde erreichte, so war dort die K alarmiert und die Frauen und Kinder im fiele Haupteinsallsibar, da hier die schmalen Kanal -ä-vis liegende» r diese Garnison ckutzweite der engfündlichen Kriegsrsserer Nase liegen etwa 2900 Kilorrfer Küstenschutz te zur Verfügung einzelnen Haupta g a m o j o und Von diesen Kompagnie (125 i, wurden Unter-! er einem maroden inige Askaris und trotze Rufu-Münh Afrikas führt jtzn Ozean. Er ist und kann ich Flußpferden be re Küstenposten. )n Auge die Einchten, so daß ich elefonisch an die yr ein englisches m. das es in hmpagnie bereits ren Unterstand: denn ohne diese ungeschützte Stadt zu beschießen das oder sehr oft mehrere englische Kriegsschiffe Fahrt. Dasselbe spielte sich in Tanga ab unternahm, nicht diese wenn ich Fahrt der lachts zu erfüllen. Da hieß es e Landung beabsichtigt wird die rüber nach Zanzibar n; denn das Spionagesystem wie auf den anderen Kriegs zur Nachrichtenübermittlung e Trommel, deren Töne man feindlichen Fahrzeuge nach Normen meldete. Ter Hauptzweck der KUstenwache» war jedoch des . “ gut auspassen, ob keine feindli oder die Eingeborenen abfange oder von dort her zu uns woll blühte hier draußen genau so gu schauplätzen. Ta sich die Nege der Ngoma bedienen, d. i. die go . besonders während der Nacht aufs öv Kilometer weit hört, so war dieses Ngoma-fchlagen an d^r Küste strengstens verboten: denn noch keinem Europäer ist cß gelungen, die Geheimsprache dieser Trommelei zu entziffern. ' Im April 1916 erhielt B ä gfa m o j o einen neuen Garnisonkommandanten. Er ivollte gerne seine Unterführer kennen lernen. Da jedoch die ganze Küstf durch das ständige Patrouillieren der englischen Kriegsschiffe 'blockiert war. so hätte er die Küsteninspizierung längs des Landweges machen müssen. Aber gerade in diesem Jahre war eine derartig grotze Regenzeit, datz die Küstenwege bis weit ins Innere nicht passierbar waren. Ta ich nur einen Tagesmarsch entfernt von Ba ga m o j 0—lag, so erhielt ich den Befehl, mich zu Fuß nach B a g a m o j o zu begeben. Leichter gesagt, als 'getan! denn das ganze Rufu-Telta bildete einen grotzen See, zu dessen Umgehung ich tief igs Innere des Lapdes hätte marschieren müssen. So ^erhielt ich schließlich die ausnahmsweise Erlaubnis, die Reife mit einem Segelboot längs der Küste antreten zu dürfen. Ta ich bei Kriegsausbruch dem Marine Expeditionskorps der „Königsberg" zugeteilt war. so war ich schon etwas mit den seemännischen Unternehmungen vertraut. Tagesanbruch meiner Abfahrt, ließ ich vor allen Dingen Bl die L Kokos $ sßkl peilen. Von meinem lme installiert war. beob usguck. der in einer! hohen chtete ich zunächst die Küste 335

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