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Der Schild · 1929-10-22 · 42/43 (22.10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
42/43 (22.10.1929)
Date
1929-10-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wichtige Rolle in der katholischen Kirche gespielt. Selbsthilfe, ja Gewalt war erlaubt, wo kein Richter war, um Recht zu sprechen. Das zwanzigste Jahrhundert hat uns eine überstaatliche Instanz gebracht. Also gibt es für uns keinen gerrchten Krieg mehr. Darum muß heute jeder gesittete Mensch ein organisierter Feind des Krieges sein, muß einen Giftgaskrieg in seiner grausamen Abscheulichkeit als u n a n st ä n d i g ablehnen. Ueber Religion und Politik sprach Dr. Alfred N o s s i g. Ziel aller Religion ist Friede. Friede ist aber auch höchstes politisches Ziel. Im Jahre 1900 hat die Geistlichkeit den drohenden Krieg zwischen Chile und Argentinien verhindert. Und jetzt wieder treten die Religionen ins Leben hinaus, schaffen Tribünen, schließen sich zusammen, um den Weltfrieden herbeizuführen. Wahrheit werden soll Kslnts Prophetenwort, die Politik soll das Knie beugen vor der Moral. Vier Hauptgebiete sind das Arbeitsfeld der Gemeinschaft der Konfessionen für den Frieden. Das erste das de r Erziehung. Schon in der Fibel soll die Erziehung zum , Frieden beginnen, es darf keine Haßlehre mehr in de. Schulen gkben, keinen Erbfeind. Neue Jugendliteratur andere Geschichtsbücher müssen eine Neuerziehung der Völker ermöglichen. Friedensakademien müssen an Stelle der Kriegsakademien treten. Das zweite Gebiet ist da-, öffentliche Leben. Ein Friedensministerium soll geschaf fen werden, ein Friedensbudget. Die Rüstungsgeldei sollen zur Verbreitung der Friedensidee angewandt wer den. Die Friedensarmee ist die größte Armee der Welt, aber noch ist sie schwach, weil sie zersplittert ist, geteilt in einzelne Gruppen. Die dritte Aufgabe ist Zusammen schluß und allgemeine Arbeitsgemeinschaft für den Frie den nach dem Vorbild der Konfessionen. Der Friede dar, keine Utopie sein, kein Phantom bleiben, er muß gewähr leistet werden nicht nur durch Verträge und Staaten, bünde, nicht allein durch eine europäische Union, sondern durch einen europäischen Gottesfrieden, der den Frieden der Kontinente, den Weltfrieden, vorbereitet. — Als letzter Redner sprach Stadtbaurat Dr. Adler. Die stark besuchte Kundgebung klang feierlich in einem Orgelspiel aus. Else Czapski. der iibl; Es Israelitische Sartenbauschule Ahlem Die diesjährige Herbstprüfung der Gärtnerlehrlinge der Israelitischen Gortenbaufchule Ahlem fand am Dienstag, dem September, statt. Die Prüfungskommission setzte sich zusammen aus den Herren 'Lakdwirtschastsral und Gartenbaudirektor Huber von der Laildwirtschaftskammer Hannover, Gärtnereibesitzer Meye-r au- Kirchrode als Vertreter der Arbeitgeber, städt. Reviergärtner Scheffer von der Gartenverwaltung Hannover als Vertreter der, Arbeitnehmer. Die Prüfung fand in dem 80 Morgen umfassenden Betriebe Israelitischen Gartenbauschule statt und erstreckte sich theoretisch wie praktisch auf Freilandkulturen, wie Gemüse. Obstbau, Schpittblumen. ferner Baumschul- und Topfpflanzenkulturen. Zur Prüfung waren sechs Lehrlinge zugelassen, die in der hen Lehrzeit von drei Jahren ausgebildet worden sind. — bestanden alle; die Prüfungsergebniffe lauten wie folgt: zwei — genügend drei — ziemlich gut einer — gut. Aus Rücksicht darauf, daß die jüdischen jungen Leute, die will hier in unserer Anstalt als Lehrlinge aufnehmen, sich bei uns> erst körperlich entwickeln und ertüchtigen müssen, andererseits die Anforderungen, die an die Prüflinge gestellt werden, dem Pulsschlag unserer Zeit entsprechend gegen früher außerordentlich gesteigert sind, kann die Anstaltsleitung mit diesem Prü ungsergebnis recht zufrieden sein. . Einer dieser Prüflinge ist bereits nach Palästina unterwegs, um jseinem Bruder, der eine gesicherte und ergiebige Plantage besitzt, bei deren weiterem Ausbau behilflich zu sein. Die anderen jungen Leute sind in entsprechenden Gehilfenstelltzngen in Deutschland untergebracht. Die Anstaltsleitung ist erfreut, daß es ihr gelungen ist, zu beweisen, wie berechtigt die Ideen des Gründers unserer Anstalt, Heran Konsul S i mon, schon vor mehr als »dreißig Jahren warjn, unserer jüdischen Jugend diese gesunde und auch wirtschaftlichen Erfolg versprechende Arbeit zu ermöglichen. Wir hoffen, daß sich wiederum aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Eltern finden, die ihre Knaben diesem Berufe zuführen werden, und edle Förderer, die der Anstalt helfen, die schwere Zeit zu überwinden, die auch hier durch die allgecheine wirtschaftliche Lage besteht. Die neuen Kurse, die sich auch auf das Handwerkgewerbe — Schuhmacher und Schneider — erstrecken, beginnen jetzt im Herbit, so daß Neuanmeldungen jetzt noch vorgenommen werden können. Rasch-Haschan ah-Gruß de» Präsidenten Hoover. Ter Präsident der Bereinigten Staaten, Herbert Hoover hat durch die Jüdische Telegraphen-Agentur einen Gruß an di> amerikanische Iudenheit aus Anlaß des jüdischen Reujahrs er gehen lasten. Da« Neujahrsfest des Judentums, heißt es in de Botschaft des Präsidenten, ist allen Bürgern unseres Landeein willkommener Anlaß, mit Bewunderung und Dankbarkei an diel von ganzem Herzen stammende Loyalität und die hochgesinn ten Ideale des jüdischen Teils der Bevölkerung zu denken. Ich be 334 glückwünfche Sie nicht allein zu diesen für unser bürgerliches Leben so wertvollen Eigenschaften, sondern auch zu ihrer un entwegten Politik zur Förderung der gegenseitigen Achtung unter den Nationen, die immer mehr Fortschritte macht. Herr Franklin Roosevelt der Generalgouverneur des Staa tes New «York, hat aus Anlaß des Rofch-Hafchanah durch die Jüdische Telegraphen-Agentur einen in sehr herzlichen und an erkennenden Worten abgefaßten Gruß an die Iudenschaft des Staates New Aork ergehen lasten. Einweihung des Ehrenmals in A^ien Am Sonntag,' dem 13. Oktober, dem Bortage^es Jom Kippur, fand auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes die feierliche Enthüllung des Ehrenmals für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Frontkämpfer statt. Der Enthüllungsakt wurde durch den Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Generaloberstabsarzt a. D., Universitätsprofeffor Dr. Alois Pick, vorgenommen. An der Feier nahmen Bundeskanzler Schober und andere Mitglieder der Regierung, Vertreter des Bundesheeres, Herr Breitner im Namen der Stadt Wien sowie eine Delegation der reichsdeutschen Gesandtschaft teil. Eine Ehrenkompagnie des Wiener Infanterieregiments war vor dem Denkmal aufgestellt. Professor Pick hielt ein« eindrucksvolle Gedenkrede für die gefallenen jüdischen Frontsoldaten und gedachte auch der jüdischen Krieger einst feindlicher Länder, die auf dem Wiener israelitischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Nach ihm ergriff der Efadtkommandant, General Wiesinger, das Wort und führte aus: „Die jüdischen Kameraden, die wir heute ehren, haben ihre Pflicht für Volk und Heimat bis zum letzten Herzschlag erfüllt. Soldatentod ist heiliger Tod. Er bricht jedes Gefühl des Hasses. Freund und Feind, vom Schlachtentod hinweggerafft, sind der gleichen Liebe« und Ehre wert." General Wiesinger legte im Namen des Bundesheeres einen prächtigen Lorbeerkranz auf das Denkmal, während die Musikkapelle das Ljed „Ich halt' einen Kameraden" anstimmte. Dann folgte eine Ansprache des Präsidenten des Deutschmeisterbundes, einer Bereinigung von Angehörigen des ehemaligen Wiener Hausregiments, der u. a. sagte: „Wir gedenken mit Treue und mit Stolz unserer jüdischen Kameraden, denen dieses Denkmal für ihre Treue und ihre Tapferkeit errichtet wurde. Auch in der Geschichte der Deutschmeister sind die Heldentaten jüdischer Soldaten verzeichnet." Der Rabbiner sprach das Kaddisch-Gebet und begab sich dann auch zu den Gräbern der in den Wiener Lazaretten verstorbenen jüdischen Soldaten der ehemaligen russischen Armee, wo er das Kaddisch-Gebet verrichtete, wobei auch hier die Ehrenkompagnie ihre Ehrenbezeugung leistete.

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