Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 40 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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in seiner Laufbahn als Außenminister jene Wandlung fortsetzte. Nicht er ist es gewesen, der die Politik der internationalen Verständigung in die Wege geleitet hat. Dieses geschichtliche Verdienst haben' sich Walther Rathenau und Joseph Wirth vor ihm erworben. Aber er ist Verwirklichet: von Zielen geworden, die seine Vorgänger gewiesen und angebahnt hatten. Gerade diese Verwirklichung beweist auf dem Felde der Politik mehr als nur deir äußeren Erfolg und den Segen des Glückes. Sie beweist den diplomatischen Sinn, das taktische Geschick und die psychologische Witterung für die richtige Stunde des Handelns. Darin besteht die staatsmännische Größe des Mannes, der seiner eigenen Vergangenheit rechtzeitig abtrünnig wurde * Man würde die Erfolge Stresemanns nur unzureichend begreifen, wenn man die intimen persönlichen Eigenschaften nicht in Anrechnung brächte, die ihn zur Vollendung seiner Aufgabe befähigt haben. In diesem stämmigen, massigen Körper wohnte eine Seele, die mit einem nicht alltäglichen Vorzug begabt war: mit dem Vermögen, sich einzufühlen in andere Seelen, und mit einer menschlichen Liebenswürdigkett, die auch den Gegner bestrickte und ihm die Achtung der ausländischen Staatsmänner eintrug. (Das Reichsinnenministerium hatte die Bundesleitunz des RjF. zur Trauerfeier, die bei dem Staatsbegräbnis von , Tr. Strefemann im Reichstag stattfand, eingeladen.) Die jüdischen Frauen für den Frieden Ter Frauenausschuß des jüdischen Friedensbundes, dem die Vertreterinnen sämtlicher jüdischer Frauenorganisationen angehören, veranstaltete in der Hochschule für Musik in Charlottenburg eine festliche und eindrucksvolle Friedenskundgebung. Ein Prolog, den Käthe Franken sprach, leitete die Zusammenkunft ein. Tie Ziele des Bundes und insbesondere die pazifistische Mission der Frau wurde von der Vorsitzenden des Frauenausschusses Ernestine Eschelbacher in großen Zusammenhängen dargestellt. Für den Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" sprach der Tirektor der Deutschen Bank,.Oskar Wassermann. Als Vertreter des Jüdischen Friedensbundes würdigte Tr. Alfred N o f s i g die Friedensbewegung der jüdischen Frau und in einem inhaltreichen Vortrag zeichnete Tr. Claudia Löwe, als Chemikerin besonders dazu berufen, die Grauen des zukünftigen Gaskrieges. Sie vertrat die Auffassung. daß ein wirksamer Schutz gegen Gasangriffe unmöglich fei: d. h. die Abrüstungsaktion des Völkerbundes so lange illusorisch bleibe, als die Staaten zum Gaskriege rüsten. Nur durch' eine Erziehung, die die Sinnesart der Menschen grundsätzlich umwandle, könne die Rettung herbeigeführt und der Weg zum dauernden Frieden gebahnt werden. In den Händen der Mütter liege das künftige Schicksal der Erde. Tie Ausführungen der übrigen Rednerinnen zeigten, daß der Friedensgedanke die große Plattform bildet, auf der sich die jüdischen Organisationen aller Richtungen in Einigkeit treffen. In den Worten von Lina Wagner- Tauber, die die Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina vertrat. fanden die letzten Aufruhrereignisse im Heiligen Lande bewegtesten Ausdruck. Tie Erziehung der kommenden Generation für den Frieden forderten Bertha Falkenberg vom Jüdischen Frauenbund und Margarete Fried vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Orgelspiel und Chorgesänge der Vereinigung Berliner Synagogenchöre unter Leitung von Alexander W e i n b a u m rahmten die glänzend besuchte und wuchtige Kundgebung ein. Die letzten Reste des römischen Ghettos velschwinden ' Wie die Zeitungen Mitteilen, sollen nun auf Befehl Musso l i n i s die letzten Reste des jüdischen Ghettos in Rom verschwinden. Im Jahre 1887 wurde mit der Niederlegung der ersten Häuser des Ghettos begonnen, 1904 wurde im Südosten am Ponte Fabricio eine neue stattliche Synagoge mit weithin sichtbarer Kuppel von Coste und Amanni vollendet. Bis zum Jahre 1860 war in Rom den Juden jede Ansiedlung außerhalb des Ghettos verboten. 1860 verließen die Reicheren scharenweise das Ghetto und siedelten sich in anderen Teilen Roms an. Im Ghetto blieb der arme Jude zurück, dem sich der arme Christ zugesellte. Nun soll dieses Elendsquartier - ganz verschwinden. Papst Paul IV. war es. der im Jahre 15tz6 im Süden der Ewigen Stadt am Tiber in der Nähe des Märcellus-Theaters. des Porticus der Oktavia und des Ponte Fabricio ein Zwangsghetto für die Juden errichtete. 326 so jüdische Waisenkinder Di« VUanz der Palästina-Unruhen. Die Angriffe der Araber auf den jüdischen Iischuw Palilstina und die Vernichtung vieler jüdischer Menschenlebc:: hatt m zur Folge, daß 60 jüdische Kinder verwaist wurden, ui, zwa: sind 43 Kinder ohne Väter geblieben, 17 Kinder sind Voli waijen geworden, nachdem sie Pater und Mutter durch ft. Metz eleien verloren haben. Allein in Hebron zählt ran 29 i öaisenkinder, ferner 13 in Safed, 11 in Jerusalem, 4 i;i Beet-Tobiah, 3 in Tel-Awiw. Auch sind 23 jüdische Frauc: Witnen geworden. Zur Versorgung dieser 60 Waisenkinder u, der! Z.Witwen bis zu einem Zeitpunkt, wo sie sich selbst erhalt-,; hönren, ist ein Betrag von etwa 18 000 Pfund notwendig.! Sie Vernehmung der dreizehnjährigen Judith Reizmann und hres zwölfjährigen Bruders durch das Gericht in Hebron war sehr reich an dramatischen Momenten. Judith Reizman, schilderte in schlichten Worten, wie ein heulender arabische Pöbe ihren Vater, ihre Mutter und ihren Onkel verfolgte und wie sie nachher die Leichen der Eltern und des Onkels im Rim. stein fand. Colonel Maxton von der walisischen Garde un: andei e hohe britische Offiziere und der Gouverneur von Hebron. Bailey, wohnten persönlich der Vernehmung bei. Judith Reiz manr erkannte unter den ihr vorgeführten arabischen Gesa» gener sofort die Mörder und wies auf Ibrahim Abd el Assi:,, einen jungen arabischen Kaufmann aus Hebron, der ein Nachbar ihres Vaters war, als auf den Rädelsführer hin. Sie sprach den 4 lörder an und fragte ihn: „Ibrahim, wie konnte st du das tun, wo du doch in meinem Vater einen Fre ind hattest?" Der junge Araber senkte vosi Scham das Haupt. Mr. Bailey, der neue Gouverneur von Hebron, hatte bei dieser Szene Tränen in den Augen, viele andere An wesende schluchzten laut auf, auch General Maxton wurde von Rühr, mg übermannt, ging zum Fenster und starrte hinaus. Iudit > erzählte weiter, als die Araber an die Äordertür ihres Hauses hämmerten und sie schließlich einbrachen, habe ihr der Vater zugerufen, sofort einen Baum im Garten zu erklettern und sich in den Zweigen zu verbergen. Das gleiche tat auch ihr Bruder. Von der Baumkrone aus sah sie, wie die eingedrun genen Araber Vater. Mutter und Onkel verfolgten, die sich dürch Ueberklettern des Gartenzaunes zu retten versuchten. Ibrah m Abd el Asiiz war mit einem gezückten Meffer dicht hinter ihnen her und schrie ebenso wie die anderen Verfolger, „Wir verden euch die Kehlen durchfchneiden!" Was hinter dein, Karteuzaun geschah, sah sie nicht mehr. Aber als sie dann aul die S ratze trat, sah sie die Eltern und den Onkel leblos im Rinnst »in liegen, alle drei wiesen zahlreiche Messer- und Dolch stiche getrennt ruf. Dem Vater war der Kopf fast vom Rumpfe ab! ie id i» ein, derte dringlisch, sich de um u iibgr g die die suchten ihnen mit Knaben Wahrhfi zu drei angefe^til Knabe bevor geklagtk de: sagen Pio abdruä. Ti, ordentl Tn vernäh, tt Wunden fähig Bei wurde vereine D«r zwölfjährige Knabe Reizmann machte seine Aussagen m vollendeten Englisch, Arabisch und Hebräisch. Er schii Vorgänge bei der Ermordung seiner Angehörigen ein aber ruhig. Nach Beendigung seiner Aussagen sah Richter im Kreise der Juristen, Beamten und Militärs sagte: Ich glaube nicht, daß irgend jemand hier eiche sprachliche Talente verfügt. Die arabischen Anwälte Verteidigung der angeklagten Araber innehatten, oer den Knäben durch ein Kreuzverhör zu verwirren, was über nicht gelang. Der Richter beendete das Kreuzverhör Bemerkung: Es ist nutzlos, diesen im Talmud geübten in seinem Denken zu erschüttern: er spricht die volle it. Dieser Knabe ist überhaupt nicht fähig, eine Lüge sie ist seinem Wesen fremd. Von den Aussagen wurden tokolle. in englischer, arabischer und hebräischer Sprache igt und dem Knaben zur Unterschrift vorgelegt. Ter bestand darauf, alle drei Protokolle zuerst durchzulesen. Hr seine Unterschrift darunter setze. Die arabischen An n bekräftigten ihrerseits die Protokolle durch Daumen beiden Kinder Reizmann machten durch ihre außer che körperliche Schönheit Eindruck auf die Anwesenden. Sitzungen des Gerichtes wurden vertagt bis zur Ein e mehrerer wichtiger jüdischer Zeugen, die an ihren im Spital daniederliegen und noch nicht vernehmungs nd. D iutsch« katholisch« Jugend gegen AntisemMmus Anwesenheit der höchsten katholischen Geistlichkeit i > Danzig eine Tagung der deutsch katholischen Jugend : des Freistaates Danzig und Ostdeutschlands abgehalten Es wur)e u. a. beschlossen, Antisemitismus und Rassenhaß zu bekämpl en und für Völkerverständigung zu wirken.