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Der Schild · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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für den Lebensunterhalt. Die Männer liegen zwar nun nicht dem Studium der Lehre ob. aber man sieht sie in geradezu patriarchalischer Weise viele Stunden des Tages zusammensitzen und die Erfordernisse des Tages behandeln. Bei der Wahl, des Schwiegersohns sehen die Schwiegereltern sehr wenig aus Geld oder gute Stellung: die Hauptsache ist. daß er einer guten Familie entstammt. In der Mitgift der Braut ist, neben den Betten und der Bettwäsche, als selbstverständlich eingeschlossen: ein grotzer.und ein kleiner Tisch aus altem Nußbaumholz. Möbel, die auch die Jüdinnen Kastiliens mit in die Ehe brachten. Neben einer Ziernadel und einem Ring schenkt die Braut dem Bräutigam zwei grohe g c ft r c i f t e Halstücher, Stücke, deren Dorbiid „Tallis" und „Arba Kaufes" sein dürste. Für sich selbst bringt sie außer der Alltagskleiüung drei Festgewänder für bestimmte Gelegenheiten mit; in eines davon, das völlig unverziert ist. wird sie nach denl Tode eingekleidet. Das Iahresfest dieses Dorfes wird im Herbst gefeiert und fällt merkwürdigerweise unabhängig vom Datum der eigentlichen „Kirchweihe". Ein Madrider Freund jüdischer Altertumswissenschaften behauptet, daß noch im vergangenen Jahrhundert dieses Fest beweglich gewesen und ungefähr gleichzeitig mit dem Laubhiittenfest begangen worden sei. In Orense, in Teruel, in Trujillo und vielen anderen Ortschaften trifft man aus ähnliche bedeutsame Sitten. Kein Zufall dürfte es sein, daß Andalusien mit seinen Hauptstädten Sevilla. Cordoba, Granada, Brennpunkte hebräischen Geisteslebens, in seiner Geistesrichtung mit der jüdischen eine tiefe Verwandtschaft aufweist. Das geistreiche und tiefe talmudische Gedankenspiel hat sich in Andalusien als gewaltige Tradition erhalten. Das ganze Entzücken des Seoillaners gilt dem Wortspiel. Auch von der jüdischen Küche ist manches im heutigen Spanien zurückgeblieben. Ter Spanier hat beispielsweise eine außerordentliche Vorliebe für das Gericht der „gesetzten Bohnen". Ein Beweis dafür, datz er dieses Gericht von der jüdischen Speisekarte genommen hat, ist die Tatsache, daß Bohnen auf Spanisch „Iudias" heißen, das ist „Jüdinnen". Erstaunlich ist. die Abneigung des Spaniers gegen Schweinefleisch. Es gilt als eine verächtliche, geringwertige Fleischsorte. In dem ehemals jüdischen Ort Depes kennt man eine Backware aus Mandelbiskuit „Melindres", die auch von den Sephardim im Orient hergestellt wird, und diese versichern. datz diese Leckereien zu den Feiertagen von ihren Vorfahren angefertigt wurden. Uebrigens hat sich auch in jenen Dörfern der Aufwärmeofen für die Sabbatspeisen erhalten. Von allen Schätzen, die die Juden in Spanien besaßen, blieb die Melodien-Rhythmik, auf der sich die alte Synagogenmusik aufbaut, als einzige unangetastet. Das, was den allen jüdischen Melodien in Spanien entspricht, ist der „Cante Flamenco" oder, wie er mit seinem ursprünglichen Namen heißt. „Cante Iondo". Ueber die Bedeutung'des Wortes „Cante Flamenco" ist viel gestritten worden; die modernste Erklärung sagt, daß diese Musik von den spanischen Marannen mit dem Decknamen „Flämischer Gesang" belegt worden sei. um damit jene Melodien zu bezeichnen, die ihre nach Holland ausgewanderten Brüder offen singen durften. Für den Ausdruck „Cante Iondo" scheint mir die Auslegung die treffende, die die Worte als eine Verstümmelung von „Cante Iomtov" (Festtagsgesang) nimmt. Das Erlebnis für den ausländischen Juden, der zum ersten Male in Spanien „Flamenco" hört, ist ungeheuerlich. Er hört den Kantor seiner Synagoge und sieht . . . einen spanischen Arbeiter. Es gibt nichts Aufwühlenderes für das Gemüt des Juden, als den Tränenreigen des „Cante Iondo". Seine Melodie mutz die der Israeliten bei ihren Klagegesängen nach der Zerstörung des Tempels gewesen sein, wie sie die des jungen Spaniers ist, wenn er sich unbewußt nach der Liebe feiner erniedrigten und verstoßenen hebräischen Schwester sehnt . . . Sani. Dr. Franz Hirsch-Ulm 50 Fahre Unser Kamerad Er. med. Franz Hirsch-Ulm, der Vorsitzende unseres Landesverbandes Württemberg, begeht am 1. Oktober 1829 seinen 58. Geburtstag. Kamerad Tr. Hirsch ist einer der bekanntesten und beliebtesten Kameraden unseres Bundes. Seit Begründung des Landesverbandes Württemberg ^teht er als tatkräftiger und stets arbeitsfreudiger Führer an der Spitze seines Landesverbandes. Er gehört zu den starken und eifrigen Förderern unserer Bundesarbeit, und feine Verdienste um unseren Bund und darüber hinaus in der Arbeit für die Interessen des deutschen Judentums haben ihm überall und besonders natürlich im Gebiet seines Landesverbandes hohe Anerkennung und Wert-- fchätzung gebracht. Zum 50. Geburtstag sprechen wir unserem Kameraden Hirsch unsere herzlichen guten Wünsche aus und hoffen, daß er auch weiterhin in Gesundheit und Arbeitsfreudigkeit uns als treuer Mitarbeiter und Kamerad wie bisher stets zur Seite stehen wird. in Haifa Ti< vorbereitenden Arbeiten zur Erbauung des groß, , Hafens Haifa haben in diesen Tagen begonnen. Die britisck. . Ingenieure Rendel, Palmer und Tritton, die die Palästin. Regierujng bei der Bebauung des Hafens beraten, erklärten d. Ita-Vevtreter, datz der Hafen binnen drei Jahren vollkomm, scrtiggeftellt sei» wird. Hauptteil des Hafens wird ein riesig Wellenbrecher bilden, zu dessen Herstellung eine Million Toni-, Gestein notwendig sein werden. Zwei Millionen Kubik-Ja - Sand werden ausgebaggert werden müssen, um dem Hafen t.. notwendige Tiefe und seinen Rändern die notwendige Festigln zur Aufnahme auch größter Schiffe zu geben. Das Gestein wi aus benachbarten Steinbrüchen geholt. Haifa wurde, so erklären die Ingenieure, deswegen a: ^Hafenort gewählt, iveil dieser Platz einen potentiellen Wc infolge seines ausgedehnten Hinterlandes, zu welchem Trau jordanien und die angrenzenden Länder gehören, besitzt. Diese! Hinterland wird ein gutes Absatzgebiet für die im Haifaer Haie: gelöschten Waren bilden, die mittels neu anzulegender Eise bahnen in diese Länder befördert werden würden. Heute ist d Zustand ein solcher, datz eintreffende Dampfer eine halbe Mei - von der Küste entfernt Anker werfen müssen, und Waren w.. Passagiere mit Leichtern an die Küste gebracht werden müsse! Ter Hauptwellenbrecher, sagen die Ingenieure, wird ein einhalb Meilen lang sein und parallel mit der Stadtfront laufen Zwei oder drei Dampfer und eine Anzahl Leichterschiffe werde! gleichzeitig anlegen können. Ein Platz zur Anlage eines große! Bahnhofs und-zehn Acker Boden für Kohlenfpeicher sind refer viert. 55 Acker Boden verbleiben für die Anlage eines Geschäft--, Viertels. Dem zu erwartenden ausgedehnten Toufistenverkeh wird durch Anlage von Unterkunftsstätten in der Nähe de. Hafens Rechnung getragen werden. Es werden Vorkehrungen getroffen, die hinreichen werden^ um 30 000 während eine! Saison mit Dampfern eintreffende Passagiere ohne Schwierig keilen .ausschiffen zu können. In der letzten Saison warsei vor Haifa 31 Passagierdampfer, die 8000 Touristen für Palästina brachten, Anker.- Friedenskundgebung jüdischer Frauen Tie jüdischen Frauenorganisationen Deutschlands, an ihro. Spitze der Jüdische Frauenbund, der Schwesternoerband dc> U. O. B. B.-Logen, die Frauengruppen des Zentralvereins deu scher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Frauenarbeitsgemeii schaft für Palästina, die Frauenvereinigungen im Reichsbur" jüdischer Frontsoldaten, die Konservative Frauengruppe, habe im Rahmen des Jüdischen Friedenbundes sVorsitzer der: Direktor Oscar Wassermann) einen Frauen-Aus schuß gebildet. Auf Veranlassung dieses Ausschusses findet Sonntag, den 29. September, 11% Uhr vorm., in der Hock schule für Musik, Charlottenburg. Hardenbergstraße, ein feierliche Friedenskundgebung jüdischer Fraue statt. Aus dem reichhaltigen Programm feien hervorgehoben: A, sprachen leitender Persönlichkeiten der Frauenorganisationen un? des Friedensbundes: Referat von Frau Dr. chem. Claudia L o e w > Alexander Katz: „Ter kommende Krieg und die Frauen" Friedenskantate von Mozart iWilhelm Guttmann, Mitglie der Städtischen Oper). Eintritt frei. Jüdische Bauernmusterung in Lemberg In Lemberg hat dieser Tage vor einer Musterungkommission, welche aus einem fachmännischen Kollegium dc jüdischen Emigrantenfürsorgeorganisation „Ieas" bestand, en Musterung von Juden stattgefunden, die sich als landwirtschast!lche Arbeiter oder selbständige Bauern für die Auswande rung nach Frankreich eignen könnten. Es ist für d: gegenwärtige Lage der Juden in Ostgalizien bezeichnend, w: viele sich aus den entferntesten Städtchen und Dörfern zu diese: Musterungen gemeldet haben und mit allen Mitteln der Ueber redungskunst versuchten, die Kommission für sich günstig, zu stimmen und dadurch die Möglichkeit zu gewinnen, äuszu wandern. Aber die Kommission besteht aus Fachleuten, ist feh rigoros, weil sie ja den Emigranten nützen Und helfen will uw jeder, der unqualifrziert für die Landwirtschaft nach Frankreic gebracht würde, müßte zurückgeschickt werden oder dort ir' (rlenc) verkommen, abgesehen davon, daß die Kommission da: größte Gewicht darauf legen muh. das Vertrauen, das sie bishei in den maßgebenden französischen Kreisen genießt, nicht zu ver> scherzen. Das meiste und bestqualifizierte Material lieferte da; Torf Maidan-Sieniowfki. Sie sind alle miteinandei un& fQf* alle haben den Familiennamen Altman. Es sind Bauern in Eigenwirtschaft oder landwirtschaftliche Arbeiten 320

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