Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 39 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Möge es Ihnen in Ihrem gläubigen Gottvertrauen ein Trost fein, daß Ihr Gemahl mit dem Tröste seines Glaubens gestorben und beerdigt worden ist. Möge der Tag nicht mehr fern sein, wo die Völker Haß und Krieg für immer von sich werfen und sich in stetem Vertrauen zueinander finden, damit Ihr großes Opfer inmitten der Millionen Opfer anderer nicht vergeblich gebracht sei! In diesem. Sinne überbringe ich Ihnen den letzten Gruß Ihres teuren Entschlafenen. Ihr sehr ergebener E. M." Ich habe trotz meiner jungen Jahre schon viel Menschen sterben sehen, doch niemanden so ruhig und gefaßt wie diesen Engländer. Er muß sehr gläubig gewesen sein, kein Brief seiner Frau an ihn und auch nicht der bereits fertige Bericht, von ihm an seine Frau über die letzten Tage entbehrte am Schluß der schönen Formel: „Möge Gott zwischen mir und Dir sein, solange wir getrennt fmk!“ In dem letzten Brief der Frau ermahnt sie ihn, mit Gelassenheit zu ertragen, wenn er mit rqhen, ungebildeten Menschen eng zusammenhausen müsse, sie plaudert von dem kleinen Töchterchen. das am Schluß des Briefes dem ..Tweetheart" Papa einen Kuß schickt. — Als wir dem Mann Morphium gaben, beruhigte ihn der Arzt: „Nicht schlimm, bald Lazarett, bald gesund!", aber er ließ sich nicht täuschen und erwartete das Ende mit einer Gelassenheit, die uns alle ergrifft/ Nicht viele starben so leicht. Die Antwort der Frau an mich vom 8. 7.19, übersetzt, lautet: „Geehrter Herr! , Ich erhielt Ihr freundliches und gedankenvolles Schreiben, mit dem Sie mir berichtend wie mein lieber Mann von hinnen ging. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen dafür danken soll und wie für Ihre Freundlichkeit in seinen letzten Stunden. Bis heute mußte ich in Zweifeln bleiben, was mit ihm geschehen war, nachdem sein Korporal ihn oerlaffen muhte. Dieser schrieb und erzählte mir. mein Mann sei auf dem Marsch zum Gefangenensammellager verwundet worden. Ich bin nun froh, zu wisien, daß erlin so gute Hände wie die Ihrigen und Ihrer Kameraden fiel. Amh danke ich Ihnen für die Zusendung meines Briefes vom 27. 3. 18 und die St.-Iohns-Gowel. die ich als heilige Andenken aufbewahren will. Ich weiß nicht, ob es zu viel verlangt ist, wenn ich Sie bitte, mir zu schreiben, welchem „Roten Kreuz", dem deutschen oder englischen, Tie die übrigen Sachen übergeben haben, damit ich solche vielleicht zurückbekommen kann. Nochmals danke ich Ihnen für Ihre Liebe zu meinem lieben Mann und Ihre Besorgtheit mir gegenüber. Auch wir hier freuen uns, daß wieder Frieden ist und hoffen, daß die Nationen ihn zu einem dauernden machen werden, damit ich mit meinen Tausenden von Schwestern fühlen kann, daß mein großes Opfer nicht für einen Wahn gebrächt worden ist. Ihre ergebene Frau R., Sheffield." Ich habe noch oft Briefe mit Frau R. gewechselt. Sie schickte mir Zeitungsausschnitte, die Nachrufe für ihren Mann brachten, eine Photographie ihres Mannes und einmal als Andenken ein goldenes Medaillon, das ich heute noch trage. Jahre später, Ende 1921, bekam ich dann noch eine Rückfrage vom „Directorate of Graves Registration and Enquires", die mir einen Ausschnitt aus einer Großen Generalstabskarte der Gegend von Herlies beifügte. Ta die Gegend nach dem April 1918 noch schwer mitgenommen wurde, war trotz ^der Skizze von meiner Hand das Grab nicht -zu finden. Erst die genaue Einzeichnung in der Karte ermöglichte dies. Ich nehme an, daß Frau R. ihren Mann hat überführen lasten, geschrieben haben wir uns dann nicht mehr. Briese an den „Schild" An die ' Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Ich Hube sehr wenig Zeit, mich sportlich zu betätigen, reiten und laufe i sowie meinen Kraftwagen fahren muß ich sowieso fast täfllidi. Und schließlich soll der Sport letzten Endes ja nur dem Stäb er die mangelnde körperliche Betätigung ersetzen, dir ich in vol stem Maße habe. Ich h »de bisher finanziell sehr zu kämpfen gehabt, da ich mit große>i Vorschüssen der Regierung arbeitete und diese ab zahlen mußte. Jetzt bin ich so ziemlich klar, und die in den nächsten iüonaten kommende Ernte, die recht gut zu werden verspricht, soll mich ganz ai.f die Beine stesten. Allerdings kann man bei ltakao und in tu.n Tropen nie des Kommenden sicher sein. Zu Diel Regen schadet, zu wenig Regen erst recht, und zu starker Ri gen und Wind kann fast die r^anze Kakaoernte oer Nichten. l)ann die unberechenbaren Schwankungen des Kakao Marktes. Ich habe viel Kakao nach Hamburg geschickt, aber auch nach London, Neuseeland und Gfcm Franziska. Zurzeit verkaufe ih an Ort und Stelle und bekomme einen guten Preis, da die Qu rlität des Kakaos ausgezeichnet ist. Nur die Mengen find bisher in diesem Jahre nicht sehr groß. In der hiesigen kleinen deutschen Kolonie herrscht zurzeit große Aufregung. In einigen Tagen, am 6. August. Kommt der deutscte Kreuzer „Emden" auf seiner Weltreise an der Küste vorbei un > hat. da er wegen der unruhigen Eingeborenen (bie die Anwe enheit eines deutschen Kriegsschiffes zu Demonstrationen für die Deutschen und gegen die Neuseeländer benutzen würden) nicht in den Hafen von Apia einlaufen kann, die Deutschen eingeladen, außerhalb der Dreimeilenzone für einige Stunden m Bord zu kommen. Wir sind zurzeit mit Bor bereitungen für den Besuch beschäftigt. Kommandant ist der frühere Upterseebootkommandeur Arnauld de la Perriäre. Ich möchte dem vom RjF. mitgegründeten „Landbund" oder Siedlungs »und gern als Mitglied beitreten. Wohin kann man Anmeldunz senden und wieviel beträgt der Jahresbeitrag? Wie weit ist überhaupt die Siedlung und vor allem die praktische Arbüt gediehen? Ich glaube, daß eine Kombination von Kleinsiedler, Gemüsebau, Milchviehzucht und namentlich Hühner . Enten-, auch Gänsezucht das richtige für jüdische Siedler wäre. Ich denke dabei auch namentlich an den verhältnismäßig großen Verbrauch der jüdischen Großstädter an Geflügel, namentlich Gänsen. Ln einem guten Absatzgebiet für die Produkte jüdischer Geflügelzi chter kann also eigentlich-nicht gezweifelt werden. Auch hierlei kann es sich allerdings nur um verheiratete Siedler handeln, lenn die Frau ist ein sehr wesentlicher Faktor in einer erfolgreich m Geflügelzucht. Ich n ar neulich mal im hiesigen Kino. Es werden hier fast nur amerikanische Filme gezeigt. Die einzigen nichtameri konischen Bilder sind die sogenannten „Wochenschauen", die von Australien kommen und auch gewöhnlich australische Ereignisse darstellen. Es berührte mich als deutschen Juden jedenfalls merkwürdig, als ein Bild gezeigt wurde, auf welchem der Ober kommand erende der australischen Truppen im Kriege, General Sir John Monhsch, die Front australischer Beterdnen des Weltkrieges irf Melbourne (Victoria) abschreitet. Unwillkürlich muß man an die widerliche Hakenkreuzhetze zu Hause denken. Wäh rend der Deutsche dem fähigen Juden alle nur möglichen Hinder niste bereitet, macht sich der Engländer die Fähigkeiten des Juden die istbar. Man denke an Discount Reading, den früheren Bizekönig (Mond) und viele andere. Man braucht nicht zu fragen, welches Volk den von Indien, Sir Herbert Samuel, Lord Bearsted größeren Gewinn hat. Ihr Kamerad A. M. Gurau, Tufulele, Samoa. Prinz zur Lippe abermals wegen antisemitischer Beschimpfung verurteilt Vor dem Erweiterten Schöffengericht in G l o g a u hatte sich Friedrich Wilhelm Prinz zur Lippe zum dritten Male wegen antisemitischer Beschimpfung zu verantworten. Diesmal stand der'folgende Fall zur Verhandlung: Prinz zur Lippe sandte an den Landgerichtspräsidenten, der eine Untersuchung gegen eine deutschnationale Schöffin, die den Prinzen begünstigte, eingeleitet hatte, ein Schreiben, in welchem er ihm zu feiner bevorstehenden Beförderung zum „Oberlandesgerichtspräsidenten von Jerusalem" gratulierte und ihm empfahl, einen jüdischen Kriminalkommissar mit nach Jerusalem zu nehmen. Der Strafantrag lautete auf 1900 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 300 Mark Geldstrafe oder 30 Tage Gefängnis mit der Begründung. daß der Angeklagte dem Landgerichtspräsidenten den schweren Vorwurf der politischen Unzuverlässigkeit gemacht habe. An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. In de^ letzten Nummer <37) des „Schild" bringen Sie einen Artikel „J nternationale Sportschau" von K. Pinezower. So umfassend und glanzend Herr P. auch orientiert ist, über Wesldeutschlanl scheint ihm kein Material vorzuliegen. Denn außer dem BK. Duisburg, einer Neugründung, der einerseits dem Makkabi-2 Zeltoerband, andererseits dem Arbeiterkartell angeschlossen is, gibt es einen Verband der jüdischen neutralen Turn- und Spori vereine Westdeutschlands, den „Vintus". Ihm sind angeschlossin: ' T. C. Aachen, T. u. S. Hakoah, Bochum, I. T. V. Düren, T. u. S. Nakkabi, Düsseldorf, T. u. S. Bar Kochba, Dortmund. Itus, Duisöurg, RjF. Elberfeld. T. u. S. Hakoah, Esten. T. u. S Hakoah, Grlsenkirchen, S. u. S. Hakoah, Hagen, in Gründung, Hamm, Itus, Herne, I. I. V. Jülich, I. T. V. 02. Köln, S. <£• 318