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Der Schild · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Aus Beim Aufräumen meines 2 nderem einen Kasten, der außer d> durch tägliche, zum Teil steio außer Karten, Bildern und fonf ti wichen Orte Nordfrqnlrreichs auch s mtte mir vom ersten Tage ab, a ve sondere Aufgabe gestellt, zu d, r ein Lyzeums-Etudienrat, angerext Püffe, Briefe u. a., die gefallen, n gehörigen der feindlichen Armeen ,ur Schreibstube bei Gelegenheit, roden wurde von dort aus Nachr durch Briefe von Kameraden odk gehörigen der feindlichen Armeeh ..Note Kreuz". Naturgemäß w Angehörigen genaue Mitteilung iif» stätte ufw. zu machen, zunichte. der Papiere, wie oft kamen duhch schnellen Stellungswechsel o. a. Papiere abhanden, die bereP ~. rtront erreicht hatten. , Ich des erwähnten Kameraden folgejn Kamerad oder ein^Gefangener, identifiziert werden konnte, fiel! oder beerdigt wurde. Bon einer solchen Begebenheit erzäh l der folgend!. Briefwechsel. Nicht viele Momente meiner Frontest sind mir nit allen Einzelheiten so stark im Gedächtnis ged leben, obschon ßch damals erst 19 Jahre'alt war. Doch lassen w Der erste Brief von mir, dur h des verewigten Luxemburger Räibiners Dr. Füchs nach England gesandt, lautete (ins Deutsch, zurückübersetz :): chreibtisches finde ich unter meinen Kriegstagebüchern, die ographifche, Notizen gewann, igen Andenken an alle mögein Paket Brief, enthält. Ich s ich an der Fr int war, eine mich ein älte :er Kamerad, hatte. Erken mngsmarken, Kameraden oder auch Anabgenommen wrrden, kamen Den Angehörig in der Kamegesandt (natirlich auch oft r Vorgesetzten^ für die Anbesorgte diesen Dienst das manche Möglichkeit, den er Tod, Ort, Zeit, Begräbnisvie oft fiel der Ueberbringer!cht urde mach e mir deshalb „Sehr geehrte, gnädige Nachdem sich mir die erste ®p bürg einen Brief nach England traurigen Pflicht nach. Ihnen diH letzten Grüßö Ihres lieben Mannes zu übermitteln. Obwohl ich weiß, daß dieser Brief die Wunde in Ihrem Herzen aufs w ue aufreißen vird, hoffe ich dock, daß es Ihnen ein Trost fein wird, zu Hörer, daß Ihr Gemahl ohne Schmerzen und in den Armen guter Menschen, mit Ihrem Namen auf den Lippen, in; bessere Iense its einzog. meinen HriegsernmermMN Ein Briefwechsel s die Schreibf ube hinter der d, stets Notizen, wenn ein desien Persönlichkeit richtig Frau! legenheit bietck, via Luxemu befördern, l omme ich der dem Beispiel 2. 6. 19t Lassen Sie mich der Neihe wich berichten: Ayr frühen Morgen. 4 Uhr, des 11. 4. 18, in der Nacht nach dbm ersten Tag der deutschen Lys-Offensioe, wurde £ hr Gemahl, dpr anscheinend am 10. -1. gefangengenommen war, > uf dem Weg kum Sammellager von einer englischen Granate verwundet. Ich fand ihn mit einem Kameraden zusammen, al» ich von Beobachtung kam, am Wege, wir brachten ihn in unser« Behausung ii der Le-Pillq Ferme bei Herlies, wo auch bald ein Arzt zur Sie le war. Leider waren die Besetzungen so schwer, daß wir nicht mehr Helsen konnten: Fraktur des rechten Arines und Bauchschuß. Jffiir konnten nur durch Morphiumspritze« seine Schmerzen bannen. Ich habe ihn, so gut es meine Ke intnisse des Englischen erlaubten, nach seinen Wünschen gefr igt. Ihr Gemahl bat nur um „die Photographie", und so zeigte ich Ihm das Bild von Ihnen und Ihrem Kindchen, das er in seiner Brusttasche trug und das er lange mit zärtlichem Blicke umfing. Später, gegen 0 Uhr morgens, bat er, ihm etwas ms der „Gospel of St. John", die er bei sich trug, vorzulesen,' und so las ich aus Kapitel 19 von Jesus' Ende. Dann sprach ich, als es zu Ende ging, ei» „Vaterunser", und es war ergreiferd, wie er —j schon in der Agonie — Wort für Wort andächtig, ja säst verklärt, nachsprach. Nie habe ich mich meinem Gotte räher gefühlt als in dieser Stunde, da ich, ein Deutscher und sude, dem sterbenden Eng länder mit dem Trost seines Glau »ens die letzte Stunde ertragen half. Noch einmal npnnte i r Ihren Nacken: „Nellie", dann schlief er friedlich hinüber. Wir haben ihm im jungen Mor>en ein Gral^ gegraben und ihn mit einem stillen Gebet unter dem Heulen der Granaten zur-Ruhe gebracht. Seine Papiere « sw. haben w r dem „Roten Kreuz" gesandt, nur Ihren Brief vc m 27. 3., St -Johns-Gospel und die Photographie nahm ich an r «ich, mit dem Vorsatz, alles Ihnen nach überstandenem Krieg zu senden. Dies alles füge ich bei, ebenso eine Skizze, wo da i Grab liegt Wenn man vom Bahnhof Herlies nach Fournes geht, liegt rechts gleich am Weg die Le-Pilly-Ferme. Ihr gegen über-an der anderen Seite des Wegs drei Grabhügel: Nr. I «in Massengrab mit Kreuz und Inschrift: „Hier ruhen deutsche Kameraden IR. 56", Nr. II mit Inschrist: „Hier ruhen Engländ, r", Nr. III ist das Einzelgrab Ihres Mannes. Auch darauf haben wir ein einfaches Kreuz gesetzt, hatten aber keine Zeit mehr, eine Inschrist anzubringen. d!S „Darüber ist nichts bekannt. — „Ist er ein frommer Kath Kirche? Berkehrt er oft mit Rabbi Leih. „Nein. Er kommt selten in auch selten am religiösen Leben — „Wo wohnt er?" Die Anwesenden zeigten dem Gutshof. Rabbi Leib legte den Tallis Zimmer. Die Anwesenden befiel eine welche Gefahr ihnen durch den un Rabbi drohe. Der Gutsherr hält wch mehr fern als von der Kirch den sie still und wagten es kaum ,u spinnen. Da vernahmen sie Schritte unt onen sind, die einherschreiten. B inb es erschien der Rabbi und Rabbi zeigte ein bleiches Gesicht oeint zu haben und war in Kittel Bevor sich die Versammelten holten, befahl der Rabbi dxm BorH ginnen, denn es sei bereits die hö er die heilige Lade, hob eine Thor Gutsherrn. Der Borbeter sprach -rat der Rabbi an das Betpult Worte rezitierte: „Mit Zustimmung himmung der Gemeinde ist das -ündern gestattet", brachen Rabb ein jämmerliches Weinen aus, in erisien wurden. Die ganze Nacht und den gaij »and der Gutsherr an die heilige -em Kopf und weinte bitterlich, konvulsivisch und es schien, als ob 2eele aushauchen möchte. Als man straffte sich die fast 24 Stunden un olik? Besuch: dem Pfarrer er eifrig die ‘ — fragte die Kirche Dorfes." un, beteiligt sich Rabbi durchss äb und verließ Fenster den im Kittel das große Angst, »edachten sich immer e. Klopfenden den Gedanken Wer weiß. Schritt des fremden pn den Juden Herzens blie- bis zu Ende a 'd ihri da z t xe erkannten, öffnete sich folgend der Der Gutshe und Tallis ge > es zwei Per- Türe hastig, Hutsherr. Der rr schien geüllt. von ihrer Uei eter, mit der chste Zeit. Glei Grolle aus und einleitenden ti, und als des Himmel- Beten in Ge Leib und bei das alle Ber de heia ierraschung er- Andacht zu beihzeitig öfsnete reichte sie dem Worte. Dann Borbeter die und mit Zucheinschast mit Gutsherr in sömmelten milder d>- zen folgenden Lade gelehnt. Sein ganzer er mit seiner beim Schlußglei unterbrochen gebe Tag hindurch n Tallis über Körper zitterte Inbrunst seine bet anlangti, ugt gewesen^ Gestalt. ^Der Gutsherr betete mit krampshast die Thorarolle umschlunge Der lange Tag war nun zu En „Schema Iisroel". „Höre Israel zige Gott!" Da ergriff der Gutsher, die Worte des Bekenntnisses mit dl Gesicht flammte, seine Augen sprühteh schein umhüllte seine Gestalt. Tie allerletzten Worte, den sie der Herr!" rief er mit einer so g Versammelten den Eindruck hatten schlagen und das ganze Haus falle ir Mit jedem Wiederholen der W der Stimme. Es schien, als ob die und bald den Himmel erreichen werb, die Gestalt des Gutsherrn verbreitejt Betzimmer. Die Versammelten da sie die Kraft des Lichtes nicht Als er die siebente Wiederhol» sich still. Als die Versammelten es wagtö sahen sie den Gutsherrn noch immg offenen heiligen Lade angelehnt ste hörten sie noch seinen letzten Herzschlg Das Abendgebet wollten sie schr ten. Der Zehnte lag entseelt da Aber der Rabbi rief: „Es ist ein auch nach ihrem Tode leben. M Zehnten zählen." und seine Hände hielten n. -! de. Jetzt kam das letzte t. unser Gatt, ist der eindie Thorarolle und sprach nnernder Stimme. .^Sei» Funken unid ein Glorienlenmaligen Ruf: „Gott 'Ist ejvaltigen Stimme^ daß die ein Donner habe cinge- Trümmer. te steigerte sich die Krast Gestalt in bi t Höhe wachse e. Der Glorienschein um e ein herrliches Licht im ^ten die Augen schließen, agen konnten, ng sprach, ipard es plötzn, die Augek zu erheben, r bewegungslos an der jen. In der Totenstille g. n ohne „Minjan" verricher derjenigen Heiligen, die qn darf ihn.auch jetzt als Als man einige Tage später da« neu öffnete, das bereits vor einigen fand man ein Bekenntnis desselben sich aus Leichtsinn getauft, habe seithi Gesetze des Landes ließen eine Rückl zu und er fürchtete zu flüchten, dann Landes wegen seiner Flucht verfolge, durch im Herzen als Jude gelebt, und seine Tefilin, die er in seinem G Testament des Berstorbe- Iahren geschrieben wurde, zum Judentum. Er habe r nie Ruhe gesunden. Tie ehr zum Judentum nicht man nicht die Juden des Er habe ojlle Jahre hin Beweis dastir sein Tallis öldschrank aüfbewahrt hiilt 317

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