Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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beschlossen, die sterblichen Reste von tung in New Aork mit stch über dm Präsident Hoooer beklagt den Tod Ter Präsident der Vereinigten /ergab der Jüdischen Telegraphenc>de Louis Marshalls, in der es he ..Ich bin tief betrübt über den uiis Marshall. Seine eminenten I \ Regierung der Bereinigten Staa l rschiedenen Teile der Bevölkerun, i,rtswesen' werden unvergessen blifi Louis Marshall zur «estat> groß« Meer zu führen. seines Freunde» Marshall. Staaten, Herbert Hoooer, Pgentur eine Botschaft zum Kt: Hingang meines Freundes Verdienste um das Recht, um .en, um die Versühnung der , um das allgemeine Wohliben, da sie von dauerndem Wert für unsere Staaten sind. Seine jüdischen Brüder werden »och lange seiner erfolgreichen Tätigkeit im Dienste der Förderung der gegenseitigen Achtung und der Freundschaft unter den Nassen gedenken. Vor allem aber werden wir ihn im Gedächtnis behalten als einen liebenswerten Mens hen und treuen Freund." Kundgebung de» Bürgermeisters Walker. Ter Bürgermeister von New Jork der Jüdischen Telegraphen-Agentur die „Marshalls stets waches Interesse James Walker, übergab folgende Botschaft: an den öffentlichen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten ind der Stadt New Park, sein staatsbürgerlicher Geist und seine Hingabe an die Religion seiner Väter machen ihn für jeden Amerikaner zum nachahmenswerten Beispiel." 1 Berlins Jüdische Gemeinde und Palästina Eine Zuwendung von 25000 Mark Tie Repräsentantenversammlun g der Jüdischen Gemeinde nach den Ferien den Ereiggestaltete sich zu einer ein- . crlin widmete ihre erste Sitzung üssen in Palästina. Die Sitzung brucksvollen Kundgebung der Solidarität mit der Iudenheit in Palästina. Geheimrat Dr. Julius Stern eröffnet die Sitzung und führte aus. während sich die Versammlung von den Plätzen erhebt: Wir stehen alle unter dem Eindruck tiefster Erschütterung, die die grauenvollen Vorgänge, die sich auf dem blutgetränkten Boden des Heiligen Landes abspielen, bei uns ausgelost haben, Vorgänge, die nicht nur die Herzest der gesamten Iudenheit der .Veit erbeben machten, sondern auch die Herzen der gesamten nulturwelt mit Abscheu, Empörutng, Entrüstung und tiefer Trauer erfüllen. Als Ausfluß dieser Stimmungen und Empfindungen ist eine von allen Parteien dieses Hauses gefaßte Resolution eingegangen, von der ich wünsche, daß sie nicht ungehört verhallen, sondern daß sie gleich dem Schosarton, der jetzt täglich in unseren Bethäusern erschallt, uns zur Einkehr und .um Frieden mahnt, einen lebhaftest Widerhall über alle Länder und Meere findet und sich auswirks als Weckruf an den Frieden und die Gerechtigkeit. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: „Die Jüdische Gemeinde zu Berlin beklagt aufs schmerzlichste die Vorfälle im Heiligen Lande, besonders die Opfer an Gut und Blut, die mitten! in ihrer friedlichen Aufbauarbeit die Juden in Erez Israel haben bringen müssen. Sie versichert die Iudenheit Palästinas im Bewußtsein der Echicksalsgemeinschaft ihres tiefen Mitgefühls: sie wird nach besten Kräften zur Linderung der Not beitragen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erwartet, daß die für die entsetzlichen Ausbrüche Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, für den vollen Ersoitz der Schäden gesorgt und künftig die Juden in allen ihren Rechten in Palästina geschützt werden. Jüdische Arbeit in Palästina kann nur in Eintracht zwischen Juden und Arabern durchgeführt werden. Wer immer mitzuarbeiten hat, die Jüdische Gemeinde ruft ihn auf, den Frieden unter den Völkern in Palästina zu schaffen und zu sichern." Die Entschließung wurde einstimmig angenommen. Ter Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Direktor rareski, nimmt zu dem Beschluß im Namen des Gemeinde- "orstandes Stellung: Es ist notwendig, obwohl es eine Selbstcrständlichkeit ist, auszusprechen, daß der Vorstand die Empmdungen, wie sie in der eben beschlossenen Resolution zum lusdruck kommen, restlos teilt, und daß er sich Ihrem Beschluß oll anschließt. Wir sind ebenso erschüttert wie Sie durch die reignisse, die sich auf dem Boden Palästinas abgespielt haben. "Mt beklagen die Opfer, die Juden an Gut. und Blut haben brinen müssen. Wir neigen uns in Respekt vor allen denen, die crtrauend auf den ihnen zustehenden Schutz hingeschlachtet oorden sind, und ebenso in Respekt vor denen, die in Verteidigung jüdischen Gutes und Lebens gefallen sinb. Wir beklagen :uss tiefste, daß es hat dazu kommen können, daß nicht nur cölkerrechtlich zugesicherte Bindungen außer acht gelassen worden sind, sondern daß sogar das primitivste Recht eines jeden Menschen, das Recht der Notwehr unseren Brüdern auf palästinensischem Boden versagt worden ist. Wir erwarten, daß das Gewissen der Welt nicht ruhen wird, als bis diese Verwüstungen aller menschlichen und.rechtlichen Empfindungen gesühnt worden ich die Verhältnisse etwas der Große und Starke liert von der öffentlichen sind. In diesen letz1eiz,Iahren haben geändert. Es ist heute nicht so, das machen kann, was er will, unkontroll Meinung, nach dem Grundsatz, ich bin groß und du bist klein. Wir erwarten, daß das Weltgewissen sich zu einem solchen Sturm verdichten wird, bis alle Schuldigen an diesen Ereignissen zur Rechenschaft gezogen worden sind. Wir werden dafür sorgen, daß diese Resolution in geeigneter Weise veröffentlicht wird und an alle Stellen gelangen soll. Dr. Klee stellt dann im Namen ässer Parteien den Antrag, eine Summe von 25 600 Mark für Hilfe an die Notleidenden in Palästina zu bewilligen. Der Antrag wird einstimmig an genommen. Nachruf« für Leopold Badt, Pros. Türk und Louis Marshall. Nach einer Unterbrechung, von einer halben Stunde tritt die Repräsentantenoersammlung in die erste ordentliche Sitzung nach den Ferien ein. Der Vorsitzende Dr. Julius Stern gedenkt in tiefempfundenen Worten jener hervorragender Ge meindemitglieder, die während der Ferieq verstorben waren, so u. a. des Präsidenten dex Produktenbörse Leopold Badt. der 26 Jahre lang dem Gemeindevorstand angehörte und stets seine beste Zeit den Diensten der Gemeinde und Werken der Wohlfahrt widmete: des hervorragenden Neurologen Prof. Tobi Cohn, der eine kurze Zeit dem Vorstand! angehörte: des früheren Repräsentanten Stadtrat Max Herzberg, des Vorsitzk>iden der liberalen - Fraktion in der Repräsentantenversammlun^. Prof. Dr. Moritz Türk, dessen Klugheit, Vornehmheit und Ritterlich keit von allen geschätzt wurde. Schließlich gedachte der Vorsitzende des in Zürich verstorbenen. Führers der amerikanischen Juden und Vorkämpfers für jüdische! Ideale und jüdische Rechte in der ganzen Welt Louis Marshalls 4 I Der Vorsitzende des Vorstandes! Direktor K a r e s k i, er innert an den Verlauf der, Mendelssohn-Feier der Gemeinde in der Singakademie, die ein Berliner Ereignis war und spricht nochmals dem Reichsinnenminister Severing und dem Oberbürgermeister Böß für ihre wertvollen Ausführungen den Dank aus. Er geht näher auf die meisterhafte Rede von Tr. Baeck ein, die aus der Eintagswirkung durch Drucklegung seitens der Gemeinde zur Dauerwirkung gelangen soll. Münchmeyer Libt keine Ruhe Der frühere BorKumer Pfarrer Münchmeyer wurde vom Heidelberger Schöffengericht von der Anklage des Vergehens gegen das Republik-Ähutzgesetz freigesprochen. Er hatte in nationalsozialistischen Versammlungen behauptet, man dürfe den Ausdruck „Iudenrepublik" gebrauchen, weil es eine nachweislich wahre Tatsache sei. Das Gericht glaubte seinen Ausreden; ihm habe eine Beschimpfung der Republik ferngelegen, er habe nur das Buch eines Bremer Rechtsanwaltes zitiert. Der Staatsanwalt hatte eine G e f ä n g n i 9 ftjc a f e von einem Mo n a t beantragt: das Gericht Ikonnte sich aber nicht überzeugen, daß hier, eine Beschimpfung der Republik vorliege. Noch am selben Abend sprach Münchmeyer vor einer stark besuchten nationalsozialistischen Versammlung und lobtr_dort das Gericht enthusiastisch, das ihn frrtgesprochen hatte. Das Gericht braucht auf dieses Lob nicht stolz zu fein. 309