Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Blinde Maschmenschreiber und Stenotypisten Die Kriegsblindenschule Betty Hirsch. Nur wenige Schritte vom Großstadttumult des Alexanderplatzes entfernt liegt, lrichtiger: lag) abseits von der wogenden Flut des Verkehrs, gleich einer stillen, verträumten Insel, der Georgenkirchplatz mit seinen alten, hohen Bäumen, seiner geschmacklosen Kirche und seinen alten, verwitterten Häusern. Jetzt freilich ist auch diese Idylle durch den Bau der Untergrundbahn zerstört. Dort, auf der Nordseite, ragt ein Gemeindeschulhaus von mäßiger Größe: „Rückerfche Stiftung" ist auf der Front in großen Buchstaben zu lesen. In diesem Hause ist außer der städtischen Schule für sehschwache Kinder die ^.Kriegsblindenlazarettschule Betty Hirsch" im obersten Stockwerk in fünf Schulzimmern untergebracht. Keine Blindenanstalt ist es wie die staatliche in Steglitz oder die städtische in der Oranienstraße, sondern eine Lehrstätte, ganz und gar im Dienste 8er segensreichen Aufgabe, blinde Menschen .*,u berufstätigen unh möglichst selbständigen Mitgliedern der Gemeinschaft yeranzubilöen. Hier werden sie nicht Korbmacher und Stuhlflcchter und dergleichen, wie in dep Blindenanstalten, gelehrt — Beschäftigungen, die schlecht bezahlt sind und den Blinden keine soziale Unabhängigkeit geben. Sie werden hier vielmehr in der Hauptsache zu leistungsfähigen Büroarbeitern, zu gut qualifizierten Stenotypisten und Maschinenschreibern für den kaufmännischen Beruf geschult. * _Ct). eine süße Himmelsgabe ist das Licht des Auges!" Nur mit einer tiefen Schein und Erschütterung betritt der Sehende einen Raum, in dem. Blinde beim Unterricht weilen. Es sind kalte, graue, nüchterine Schulzimmer. Aber was hätte hier farbiger Schmuck, den niemand wahrnähme, für einen Sinn? Fünf erwachsene Schüler, zwei Mädchen und drei Männer, sitzen gerade an einem langdestreckten Tisch. Vor jedem steht ein seltsamer hölzerner Kasten, über den ein schmales, bräunliches Papicrband läuft. Das sind die Kurzschriftmaschinen für Blindenschrift. Eine piinde Lehrerin liest diktierend aus einem Buche vor. indem fiq mit de» feinempfindlichen Fingerspitzen liber die Seiten hintästet. Mit außerordentlicher Geschwindigkeit tippen die Schiilex die Kurzschriftzeichen, die von der — mit lx Jahren erblindete- — Leiterin Betty Hirsch vor einigen Jahren aus der internationalen. von dem Franzosen Brerille erfundenen Blindenschrift eigens für diese Berufsausbildung entwickeltwurde.; Ein zweiter Raum. Eine Landkarte von Deutschland für Blinde hängt an der! Band. Städte, Ströme. Landesgrenzen find durch erhöhte Punkte und Linien markiert. Hier stehen die Schreibmaschinen, vie gewöhnlichen Maschine», bei denen sich eine „Springerleiste"! bequem anbringen läßt. Diese Leiste brauchen die blinden Schreiber zur richtigen Einstellung: ebenso wie die Markierung von je drei Buchstaben in jeder Reihe zur sicheren Orientierung! der Hand. Hier lernen sie tippen, entweder nach unmitlelkarem Diktat, oder sie übertragen den vorher ai^genommengn Kurzschrifttext auf die Maschine. Lstan sieht sie mit! Eifer, mit angespannter Aufmerksamkeit, schreiben: das bewegte Spiel der Gesichtsmuskeln ersetzt das. erloschene Leben des Auges. , - * Ungefähr ein Iahst lang dauert die Ausbildung. Wenn sie beendet ist. sind die lBlinöen volleriverbssähige, kaufmännisch geschulte Srenotypisleis . 120 bis löst Silben stenographieren sie in der Minute und sie! schreiben auf der Maschine ebenso schnellt ja schneller und sorgfältiger als Sehende. Sie bringen es fertigt ganz komplizierte und schwierige Zahlenaufstellungen ohne \ebä Verbesserung zu schrewen. Zu ihrer Vervollkommnung erhalten die Schüler Unterricht in Deutsch, Französisch. Englisch, auch in Dänisch und Esperanto. Diese Fächer lehrt die! Leiterin selbst. Ferner in Geographie, in Bürger- und Handelshunde. Abgesehen vom Schreibmaschineni unterricht erfolgt die ^Ausbildung nur durch blinde Lehrkräfte. 1 liefe Methode, besonders in dem füx Blindenfürsorge Vorbildj Uchen Amerika ausgeüildet, ist von Betty Hirsch mit Erfolg eingeführt worden. Großes Lob gebükrt der Stadtverwaltung Berlin. Sie hat die Arbeitsvermittlung für die ausgebildeten Blinden organisiert in einer besonderen Abteilung, die zum, Landes- und Iugendwohlfahrtsamt gehört. Seit 1920 sind auf diesem Wege acht- bis neunhundert erwerbstätige Blinde in Büros und Fabriken untergebracht worden.! Und vor allem: die Stadt Berlin gibt die Mittel zur Erhaltung dieser Privatschule, an der der Unterricht kostenlos erfolgt.! Tie Stadt hat weiterhin vor 5 Jahren die Raume zur Verfügung gestellt: sie gibt dem ausgebildeten Blinden je eine Schreibmaschine und eine K-urzschriftmaschine leihweise mit auf den Weg ihres Berufes. Etwa 30 Blinde b-suchen gegenwärtig die Schule: die Mehrzahl als Schüler des Stenotypistenberufes, einige wenige er- 310 ' lern m in einem als Werkstätte benutzten Schulzimmer lv h merkliche Arbeit. j Am 2*2. November 1914 wurde das Institut ins Leben rufe t, als die. ersten Kriegsblinden von der Front in die He! zurückkehrten'. Ihre Ausbildung mit dem Ziel voller per Uche - und beruflicher Selbständigkeit war die Aufgabe in früh. , Jahnen. Jetzt sind die Kriegsblinden teilweise durch Zivilist! ersestt worden. Und wenn Worte aufrichtiger Anerkennung! Leiterin und Gründerin des Instituts, der Jüdin Betty Hi, , gebühren, die ihr ganzes Dasein in den Dienst der Sache gesi; hat, so muß gleichzeitig demjenigen Manne gedankt werden, dies« Schule von ihren ersten Anfängen an mit ganzer K und mit dem tiefen Verständnis des Arztes und Philanthrv., gefördert hat: dem Berliner Augenarzt Professor Silex, vor ungefähr Jahresfrist gestorben ist. ei, : Sport-SchÜd gtfolgc in den deutschen Iiu-Iitsll'Meisterschaften | 2 unentschiedene Meistertitel, 1 Zweiten, 1 Dritten.!Die deutschen Meisterschaften für Jiu-Jitsu, die am 14. u. lö. September in Leipzig ausgetragen wurden, sind unser« Voraussagungen voll gerecht geworden. Noch nie waren ü. artiä schwere und schöne Kämpfe der Besten aller Städte a.> getragen worden. Außer Berlin standen München. Leipzig u:.-» Chepinitz in engstem Wettbewerb. Um so höher muh das A ■ schneiden unserer Kämpfer von der Iiu-Iitsu-Grüppe des DF. bewertet werden. Nach Ausscheidungskämpfen, die alles bis' > Gewohnte in den Schatten stellten — 15 Kämpfe an ein m Tag —, konnten sich alle 4 gemeldeten Kameraden der Grupz. placieren, dank ihrer guten Technik und einer unglaublickcki Auföpferung, die nur der zu würdigen wissen wird, der sestssi diesen Kämpfen beigewohnt hat. Tie Einzelergebniste: Im Leichten Mittelgewicht nur v Steinhardt Dritter, er wurde nur von dem neuen deutsä zu Meister geschlagen. Roth sie in im Schweren Mittelgewü : dessen auffallende Verbesserung selbst in den Zeitungskritikchi hervorgehoben wurde, verlor seinen Kamps erst in der drinon Runde und wurde damit Zweiter. Die heißesten Kämpfe waren uns in den leichten Gewichtsklassen beschieden. Witte be rg im Federgewicht erreichte trotz überlegener Technik ge, :i seinen überaus harten Gegner nur ein Unentschieden und a.: :> Neumann im Leichtgewicht kostnte trotz größter Aufopferu i gegstn seinen Endrunden-Gegner, einen Berliner Meister, u ein Unentschieden herausholen. Wie unglaublich schwer di. •. Kämpfe waren, beweist, daß sogar eine nochmalige Wied, holung dieser Kämpfe mit unentschiedenem Resultat ende:: Doch bleibt uns immer noch die Hoffnung auf beide Titel. Be: Kämpfe werden anläßlich des Iubiläumskampfes der Grursi am Mittwoch, dem 2. Oktober, wiederholt werden und wer* : ein ganz besonderer Anziehungspunkt dieser Veranstaltung. > Einen Dank den Kämpfern, die ihrem RjF.-Schild Ei! machten! —-- Wettschwimmen in Breslan Am Sonntag, den 1. September, veranstaltete der Jüdi> Libwimmvere,n E. Sk. Breslau. sein erstes Internes Wettschwi men, das ein groner Erfolg werden sollte. Der hiesige Gauvorsl.n des Deutschen Schwimmverbandcs hatte die Posten der Richter üb noimncn, wodurch eine einwandfreie Durchführung gewährlei "RäP™ W- .Vertreter des Rist., der Prcfle und Behörden waerschienen und gaben immer wieder ihrem Erstaune» darüber Sli »ruck, was der Verein in der kur,en Zeit seines Bestehens berc leiftfn konnte. Herr Potttnsvrktor Demuth beglückwünschte Namen des Deutschen «chwimmverbandes den Jüdischen Schwim d" bereits «ine grobe Anzahl Rettung schwimmer ausgebtldet und über 40 Nichts»«,!^ "j.1 °<A? i m m u n t c r r i ch t e r t e t l t b a t. ü 'T'nK -chluhrede betonte der 1. VorsiNendc. es möge jeder Jude c «chwlmmer und jeder «chwimmcr ein Retter werden, und doli menficrte damit die Tendenz des Vereins. Ludwia Jmbach in 45 I«f„ 3. Jakob Ilsevo . -rk- — Da«e»brustschi»i»«e» SV Meter: 1 «atbe Wachtel a,2. Margot Liebermann in 59 Sek., 3. Röst Gehler , «un, als Erste weaen falschen Anschlags am Z i "^re»-Brustsch«»i»«e» 50 Meter: 1. Nord« l 51 «ck . 2. Will» Markus in 51.« Sek. Dir erb.! I Änl »LfÄkSä«* ÄÄ «»schl°-S am.-.- i