Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Die Urform des Antisemitismus Wenn man den Irrtiimex eht, auf denen sich der Ant ufbaut, so wird man bald erk^e ü biete seit zwei Jahrtausenden at. Der Antisemitismus ver ch mit Hilfe von pseudowisiei u drapieren, sich der jeweiliger wirtschaftlichen Entwicklung Grunde kommt er doch stets zurück, die man sich^schon ir Judentum erzählte. So muh e i:n 1. Jahrhundert in seiner l Glaubensgenossen gegen die Ri die unsere Völkischen — w« Bayern und Köln beweisen — ,'b. Jahrhunderts, noch auszuljr n und Vorurteilen nachlsemitismus unserer Tage nnen, daß sich auf diesem i nicht allzu viel geändert ucht zwar immer wieder, lschaftlichen Theorien neu l Mentalität und politischanzupassen — aber im auf die uralten Märchen heidnischer Vorzeit vom schon Flavius Iosephus schrift gegen Apion feine tualmordlüge verteidigen, die letzten Vorfälle in heute, im vollen Lichte des 'amen wagen. Wenn man dem Antisemit:s: so wird man diese atavistischen besonders berücksichtigen müsst n könnte beinahe sagen — unbcro haben, dem man in so zahlreiche auch wenn sie der eigentlichen gleichgültig gegenüberstehen, l hier der „religiöse" Antisemit^ iveise so oft totgesagt hat. gegen ihn nicht immun: man Täuschung" von Friedrich Deik grohe Menge und für wirklich' juden wird das antisemitische Lehre von den Juden als „«! heute, wie zur Zeit der Kirchey Mittelalters wachgehalten und mus entgegentreten will. Reste der Vergangenheit , weil sie zu dem — man muhten Iuoenhah geführt en Volkskreisen begegnet, antisemitischen Bewegung Eine besondere Rolle spielt mus, den man fälschljcher- Selbst die Wissenschaft ist denke nur an die „Grohe itzsch! Aber auch für die religiös gesinnte Nicht- Rassentiment durch die «soieiäno", als Gottestöter, väter und des finstersten genährt. Indessen stellt auch dieser nicht die Urform des Judenhass: eine besondere Erscheinungsar: der Jahrhunderte immer k Die moderne historische Forschij den noch näher sehen werden, inen, dah bereits die früheste dem Einfluß einer bemühten Da wir hier die Wurzel aller Hahinstinkte vor uns haben, so nach der Situation umzusehen, stellungen zu erklären sind. 8 beg c hat Aus den Aeuherungen Schriftsteller können wir uns Juden in der Diaspora vor u tung des Christentums kein g immerhin steht doch soviel fest, städten Rom und Alexandrien Stimmung herrschte. Diese ha drien mehr in wirtschaftlichen schen Gegensätzen zwischen d« meinde und der griecyisch-sy Dieser Konflikt, der jahrhun schon durch die Privilegien l Grohe den Juden verliehen gen Ausnahmen — die Caesaräi stieh gerade in Alexandrien, wv eigenes Wohnviertel verfügten ren Stadtteilen ansässig waren tum weit, heftiger auseinander, darf daher nicht wundernehmen von dem wir wissen, über die einbrach. Caligula, der von verlangte, hatte das Signal .. gegeben, dem im Iahse 38 die ausgesetzt war. L Die ständigen Reibereien, wohnen von Juden und Heidesi führte, finden ihren Reflex in ‘ ratur jener Zeit. So gab es dem Namen eines auch sonst b d:i >iu religiöse Antisemitismus s dar, er ist vielmehr nur , die sich dann im Laufe r herauskristallisiert hat. ng ist, wie wir im folgenzu dem Resultat gekomchristliche Literatur unter aytijüdischen Tendenz steht, päteren Abneigungs- und werden wir gut tun, uns aus der heraus diese Dari' iechischer und römischer zwar über die Lage der . id während der Ausbrei- Hnaues Bild machen, aber daß in den beiden Welteine stark judenfeindliche te ihren Grund in Alexan- Reibereien und in politir starken jüdischen Ge- , Ischen Mischbevölkerung, llsertelang anhielt, wurde ündet, die Alexander der :te, und die -7mit wenin bestätigten. - Dann aber die Juden zwar über ein aber auch in allen ande- . Heidentum und Iudenals irgendwo anders. Es .1, dah der erste Pogrom. Juden Alexandriens hern Juden das Kaiseropfer j dem blutigen Ueberfall alexandrinische Gemeinde zu denen das Zusammen- 1 in der engen Hafenstadt der alexandrinischen Liteein Pamphlet, das unter ^kannten ägyptischen Priesters Manetho segelte. Hier finden wir zum ersten Male das später immer wieder aufgewäryue Märchen, die Juden seien wegen eines üblen Aussatzes aus Aegypten vertrieben worden. Eine andero Erfindung bezog sich auf den jüdischen Gottesdienst, der so völlig von allen Kulten der damaligen Zeit abwich, und der deshalb die Phantasie der breiten Schichten besonders beschäftigen muhte. Noch Iosephus muhte die Juden gegen die Beschuldigung verteidigen, sie verehrten im Tempel und in ihren Synagogen einen Eselskopst Dieser Unsinn findet sich zum ersten Male bei Poseidjonios (135—51 0. Chr.j. der als Berater der syrischen Herrscher die Niederlage des Antiochus Epiphanes nicht vergessen konnte /nd ein politischer Feind des siegreichen >Judentums war. Teb etwas jüngere Rhetor Apollonias Molo behauptete als erster, Moses sei ein Zauberer gewesen. Später wurde von judenseindlichen Schriftstellern aus diesen Brocken ein ganzes System konstruiert. lEiniges Verständnis für die religiösen Lehren des Judentums findet man nur bei Plutarch, bei dem Geographen S rabo und bei dem römischen Schriftsteller Varro. Im übrigen aber folgen dii- Römer blindlings den alexandrinischen Literaten soweit es sich um die Juden lind die jüdische Religion Handel . Besonders gehässig ist Tacitus, der freilich in den Juden vor allem die grimmigen Feinde des römischen Reicheerblickte. Aber in Rom machte sich in der ersten Kaiserzeit und auch schon in den letzten Jahren der-republikanis tzen Aera eine Erscheinung bemerkbar, die zwangsläufig zu einem unfreundlichen Urteil über die Juden führen mußte: das Proselytentum, vor allem der Uebevtritt vieler Römer der höchsten Schichten zum jüdischen!Glauben. Horaz, Ooid. Martial, Iuvenal u. a. haben uns dieses Vordringen des jüdischen Glaubens geschildert. Besonders ausfällig erschien ihnen bei den Juden und bei den Neudekehrten — die übrigens nicht immer alle jüdischen Religionsvorschriften befolgten — die Sabbaiheiligung, die Beschneidung und die Absonderung der Juden in der Diaspora. Auch das Verbot des Schweinefleisch-Essens gab zu allerlei unsinnigen Kombinationen Anlaß. Einmal kam ein römischer Schriftsteller gar auf den Gedanken, des Rätsels Lösung liege darin, dah das Schwein den Etüden als heiliges Tier gelte! Selbst ein so aufgeklärter Mann, wie der Philosoph Seneca, glaybte treu und brav die uvsinnigsten Märchen, die man vor ihm über die Iude,n zusammengetragen hatte. Von dieser Voreingenommen! »eit waren die Herrscher im allgemeinen frei. Caesar war sogar ein ausgesprochener Freund und Gönner der Iuien. Mussolini hat vor kurzem nicht zu Unrecht daran erinnert, daß die Juden Roms an seinem Aschenhügel g »weint haben. Selbst Titus, der Zerstörer des Tempel-, änderte nichts an den Privilegien, die die Juden der Diaspora genossen. Nur Domitian, der Verfolger der Christen, trat auch den Juden gegenüber tyrannisch auf. Um ader die ungünstigen Ur teile zu verstehen, die sich bei römischen Schriftstellern dieser Epoche finden, muh man sich daran erinnern, dah j)ie Juden in diesen Jahren verzweifelt um ihre staatliche Unabhängigkeit kämpften.! Sie galten also den Römern als unruhige, rebellische Nation. Zugleich wohnten aber mitten unter ihnen Angehörige dieses Volkes, und zahlreiche vornehme Römer ' ' . “ " gionsvorschriften. Da man vom befolgten jüdische Reli- Wesen des Judentums In Rücksicht auf die kommenden Feiertage muffen folgende Aenderungen in den Erscheinungsdaten unseres Bundesorgans vorgenommen werden: ~ Die Nummer vvm 4. Oktober 1!>29 fällt-aus. — Dafür erscheint die Nummer am 27. September in verstärktem Umfange. Die nächsteAusgabe erscheint am Freitag, dem 11. Oktober 1928. An Stelle der beiden Nummern vom 18. und 25. Oktober 1929 wird eine ebenfalls verstärkte Ausgab: am Dienstag, dem 22. Oktober 1929, herauskommen. I 307