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Der Schild · 1929-09-20 · 38 (20.9.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Staat auS. TaZ neue Jiwendheim habe den Zweck, der Jugend z» dienen und die Wunden des Krieges zu heilen. Der Bürgermeister von Holzminden, Jeep, richtete Worte des Dankes an alle Verbände, die das Werk gefördert haben und teilte mit, daß der Reichspräsident eine mit eigenhändiger Unterschrift versehene Widmung, die im Jugendheim emgerahmt «ufgehängt worden sei. übersandt habe. Sie lautet: Berti», 1. September 1929- Möge dieses Haus, waodersrvher Iigeob zur Herberge bestimmt, stets eine pflegeftätte wahrer Volksgemeinschaft und treuer Heimat- «ub Vaterlaodslieb« sein. — vou Hiudeuburg. Sprechchöre und Volkstänze der JugendverbänLe schlos- /sen sich an die Ansprachen an. Tann zogen die Scharen unter dem gemeinsamen Gesang: „Wann wir schreiten Seit' an Seit'' zum Weseruscr hinab und warfen die brennenden Fackeln in die dunklen Fluten des Stromes. Hoffentlich darf man es als das Vorzeichen einer beginnenden Verständigung in unserem noch immer tief aufgewühlten und antisemitisch verhetzten Volke betrachten, daß auch der RjF. an diesem wertvollen Werke beteiligt ist. Feier zum Andenken von Moses Mendelssohn Ausstellung in der Staatsbibliothek. In der Staatsbibliothek Unter den Linden ist eine von der Bibliothek gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde veranstaltete große Ausstellung „Mendelssohn und sein Kreis" eröffnet worden. Die Reichsregierung war durch den Reichsinnenminister Severing.' und Staatssekretär Tr.. Zweigert. die preußische Regierung durch Kultusminister Tr. Beater vertreten. Für die Familie Mendelssohn war neben vielen anderen der Senior der Familie Franz von Mendelssohn erschienen. Rach wenigen kurzen Begrüßungs wortcn des Generaldirektors der Staatsbibliothek Tr. Krüß und des Tr. Landler vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde sprach Professor Elbogen von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums über Mendelssohns Bedeutung als Philosoph und Mensch. Es gehört heute zum guten Ton, auf Aufklärer und Aufklärung etwas überlegen herabzusehen. In ausgezeichneten Ausführungen wies Professor Elbogen nach, wie unbillig eine solche Kritik ist und wie wenig sie der wissenschaftlichen Bedeutung Mendelssohns gerecht wird. Mendelssohns Hauptwirken liegt in der vorkritischen Zeit. Sechs Jahre vor seinem Tode erst ist die „Kritik der reinen Vernunft" erschienen. Schließlich wurzelt auch Kant selbst in der Aufklärung und wäre ohne die Tätigkeit der Aufklärer nicht denkbar. So darf man über der überragenden Persönlichkeit Mendelssohns feine Bedeutung als Philosoph durchaus nicht gering schätzen. Darin auch ähnelt Mendelssohn den größten Geistern aller Zeiten, daß er mehr noch als durch seine Lehre durch sein Leben gewirkt hat. Im Hause des kleinen, buckligen Juden verkehrte die geistige Elite nicht nur Berlins, sondern Deutschlands, ja der ganzen gebildeten Welt: Lefsing, mit dem ihn bis zum Tode des Dichters innigste Freundschaft oerbanh, Nicolai, der berühmte Buchhändler. Lävater, mit dem er den bekannten Streit hatte, der Marquis d Argens, der sich für ihn beim König von Preußen verwandte, Anton Beer, der Vater Meyerbeers, Elieser Bloch, ein damals hochberühmter Naturforscher, und viele andere. Tie Ausstellung soll im Gegensatz zp den vorhergegangenen Feiern'ein anschauliches Bild von Mendelssohns Leben und iciyem Kreise bieten. So gibt sie gleichsam einen Querschnitt durch die Geisteswelt des friderizianischen Berlins. Neben Mendelssohns Marmorbüste Tassaerts finden wir hier seine Porträts von Graff und Frisch und eine große Menge von Stichen, besonders von I. G. Müller und I. F. Bause. Auch Chodowiecki ist mit vier sehr schönen Zeichnungen vertreten. In einem anderen Saal sind die Bilder von -Männern und Frauen ausgestellt, mit denen Mendelssohn in freundschaftlicher oder literarischer Verbindung stand, darunter auch eine Reihe jüdischer Patrizier des damaligen Berlins. Besonders sehenswert sind die Glaskästen mit den Briefen und Büchern, zum Beispiel die hebräische Bibel, aus der Mendelssohn Bruchstücke übersetzte, sowie die Abhandlung „Ueber die Evidenz in den metaphysischen Wissenschaften" (1763) und alle seine anderen Schriften in Erstausgaben, die jetzt in einer Jubiläumsausgabe neu herausgegeben werden. Tiefe Neuausgabe soll besonders der deutschen Jugend, wie Professor Elbogen ausführte, -die Schriften eines Mannes wieder zugänglich machen, der reinstes Streben und tiefst» Gedanken in einem Deutsch niederzuschreiben verstand, das auch heute noch als mustergültig anzusehen ist. Else Czapski. DaS wahre Gesicht des Nationalsozialismus l Eine Reichsbanner-Broschüre. Die nationalsozialistische Bewegung im Reiche schwillt vo Tag zu Tag an. Von überall her kommen Nachrichten über di außerordentlich lebhafte Propagandatätigkeit der Nationalsozia listen, übejc starken Besuch ihrer Versammlungen, über ein. unglaublich^ Verhetzung und Fanatisierung der Landbevölkerung über schwere Zusammenstöße, die durch nationalsozialistische Stoßtrupps hervorgerufen wurden. Die noch verhältpismäßü harmlosen pombenattentate, die von Nationalsozialisten und der ihnen nahestehenden Landoolkbewegung verübt wurden, haben ein grelles! Licht auf die Gefährlichkeit von Leuten geworfen, die vor kciinem Terror, vor keiner Gewaltmaßnahme zurück schrecken und die Mittel zu ihrer Durchführung haben. Es gilt, alle anständigen Staatsbürger gegen dieses Treiben mobil zumachen, wenn nicht außerordentliche Gefahren für Staat und Volk und lganz besonders für den jüdischen Bolksteil herauf beschworensswerden sollen. , Deshalb kommt eine vom Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rbt-Gold herausgegebene Broschüre über „Das wahre Gesicht desINationalsozialismus" zur rechten Stunde. Auf etwa 66 Seiten tdird hier ein eingehender Ueberblick über Entstehung. Organisation, Programm und. Praxis der nationalsozialistische» Politik gegeben. Wie gefährlich die nationalsozialistische Partei bereits geworden ist, wird an der Tatsache gezeigt, daß die Parte, bei ihrer Gründung im Jahre 1920 eine Ortsgruppe (München) mit 64 Mitgliedern hatte, während sie im August 1928 bereits 1200 Ortsgruppen mit über 100 000 eingeschriebenen Mitgliedern umfaßte. Im Jahre 1928 sollen von 300 ständigen Agitatoren der Partei über 20 000 Einzelversammlungen abgehalten worden sein. s In der Broschüre wird besonders auf die Programmlosigkeii der nationalsozialistischen Bewegung hingewiesen, die letzten Endes auf mne Diktatur.hinführe: „Bei den Juden als angeblich MFremdrafsigen" macht man den Anfang mit der Entrechtung: dieser Gedankengang hört folgerichtig bei der Entrechtung aller auf, die nickt auf das nationalsozialistische Programm schwöre» . . . Auf al e Fälle will sich die nationalsozialistische Leitung so die Möglich reit schaffen, Menschen von den Bürgerrechten aus uischließen, lediglich mit der Begründung, daß sie vom jüdischen Geiste ergrilfen sind, um so ihre Diktatur aufrichten und aus üben zu kennen." Außenpolitisch wird besonders auf den Verrat der National sozialisten an der deutschen Bevölkerung Südtirols hingewiesen, der nur auf den Wunsch, sich bei Mussolini anzubiedern, zurück zuführen sei. Dann wird in der Broschüre Stellung genommen zu dem nati malsozialistischen Kampf gegen den Staat und gegen die „verjuble" Weimarer Verfassung, die, wie nachgewiese» wird, zahlriiche von den Nationalsozialisten erhobene Forde rungen berets erfüllt. Auch der Kampf gegen den Sozialismus und gegen den Katholizismus wird entsprechend gegeißelt. Tie nationalsozi ilistischen Behauptungen und Forderungen werden in treffende: Weise widerlegt und ad absurdum geführt. In den Teil, der die Praxis der Nationalsozialisten bc leuchtet. wi:d gezeigt, wie die Nationalsozialisten ständig ihre» eigenen Theorien entgegenarbeiten. So wird u. a. aus Aeuße rungen der Führer der Zusammenhang dieser „republikanischen" Partei mit \em Hause Wittelsbach nachgewiesen, die internatio nalen Verb ndungen der „nationalen" Organisation werde» aufgedeckt, auf die immer gepredigte soziale Gesinnung und Kapitalfeini schaft wird ein merkwürdiges Licht geworfen. Co wird z. B. erwähnt, daß der nationalsozialistische Reichstags abgeordnete Feder im Jahre 1923 als j „Finanzminister" des nationalsozi ilistischen Putsches folgende Bekanntmachung erließ: „Bis zur gesetzlichen Regelung de» gesamten Geld- und Kreditwesens werden alle Banken und.sonstigen Geldinstitute ihres pr: oatrechtlichen und privatwirtschaftlichen Charakters entkleidet und unter Staatsaufsicht gestellt. Jede Berände rung oder Verschiebung der Vermögensbestände wird bestraft. Das Finanzkomitee: gez. G. Feder." Ter „Finanzminister" versäumte abest nicht, am Tage vor dem Putsch bei seinem Bankhause vorzusprechen und um so fortige Ausländigung seiner dort liegenden Wertpapiere, damals lauter hochwertige Spekulationsstücke, nachzusuchen. Das Bi chlein enthält auch fojift noch eine Fülle von inter effantem un, wertvollem Material, das allerdings für die nächste Auflage no h ergänzt werden könnte. So fehlen z. B. voll ständig die zahlreichen Bluttaten der Nationalsozialisten und die Friedhofssch indungen. „Es wiire grundfalsch", so schreibt der Bundesführer des Reichsbannirs, Oberpräsident a. D. Hörsing, in seinem Vorworl zu der Broschüre, „auf die Allmacht der Entwicklung zu ver trauen und die Hände in den Schoß zu legen, statt rechtzeitig helfend emzugreifen." Noch ist es Zeit zu diesem Eingreifen, und diese r usgezeichnete Broschüre kann wesentlich dazu bei tragen die Bevölkerung über die Notwendigkeit von Abwehr Maßnahmen aufzuklären. 8—6. 306

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