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Der Schild · 1929-09-13 · 37 (13.9.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
37 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ihrem Ende zuneigen und je mehr sich dementsprechend die berufsmäßigen Parteipolitiker wieder an ihre Arbeit begeben müssen, um so mehr beginnen sich die Vorarbeiten für diese nicht unbedeutsamen Wahlen zu organisieren, und so kann man bereits in den Zeitungen aller Parteischattierungen fcststellen. daß man die Zeit für gekommen hält, die Bearbeitung der öffentlichen Meinung zu beginnen. Man kann gewiß nicht sagen, daß die „große Politik" in der großen Masse unseres Volkes einschließlich des Bürgertums keine Beachtung fände. Ganz gewiß nicht, aber unverhältnismäßig größer ist allenthalben die Aufmerksamkeit, die man der Arbeit der Kommunen schenkt. Sie vollzieht'sich ja auch in unmittelbarer Nähe des Betrachters und Nachstbcteiligten, sie ist für ihn viel durchsichtiger und unkomplizierter als die Reichspolitik. Er kennt die Materie und die Menschen, die sie verarbeiten, aus der nächsten Nähe, nicht erst durch die Zeitungen. Und evenn auch in den Kom munen, entsprechend den Verhältnissen im Reiche, das Parte getriebe recht verworren und von mancherlei persönliche Interessen und Ciiquenbildungen durchsetzt ist, so vollzieisich Mehrheitsbildung in den kommunalen Parlamenten doc erheblich leichter. Die Fronten sind beständiger und über sichtlicher, was seinen natürlichen Grund darin hat, daß dt. kommunale Verwaltung im allgemeinen weniger hochpoliu schen als oerwaltungskundigen Organisationsgeist erheischt daß hier weniger nach „Politik" als nach „Wirtschaft" gc ruf^n wird. Diese Eigentümlichkeiten der Verwaltungsarbe, treten um so mehr in die Erscheinung, als die kulturpol.ti schen Fragen ihre traditionelle Schärfe verlieren und der Wille zur Toleranz, zur ehrlichen Achtung des religiös Anders denkenden die praktischen Wege des Ausgleichs gesunden har/ Lü. Die große Kundgebung der Iewish Agency Mandatarmacht und Völkerbund Tie deutschen Mitglieder der „Iewish Agency für Palästina" haben für Donnerstag, den'5. September, abends, nach dem Bach-Saal, Lützowflraße, zu einer Kundgebung anläßlich der Ereignisse in Palästina geladen. Lange vor Beginn der Kundgebung waren Saal und Galerien überfüllt, so daß für viele Hunderte Besucher, die nicht mehr Einlaß finden konnten im Schirechten Saal eine Paralleloersammluiig abgehalten werden, mußte. Tie Persammlung im Bach-Saal war' von Direktor ' Oskar Wassermann, die im Schwechten-Saal von Kommerzienrat Gerson Simon geleitet. Beide Kundgebungen machten auf die zahlreiche Zuhörerschast einen sehr tiefen Eindruck. Im Bach Saal erösfnete Direktor Oskar Wassermann die Kundgebung mit der Aufforderung, der jüdischen Märtyrer in Palästina, die das Opfer unprooozicrter Angriffe geworden sind, zu gedenken. Die Versammlung erhob sich und verharrte ... eine Minute lang in Schweigen und Andacht. Als erster Redner ergriff dann Rabbiner Dr. B a e ck das Wort: Unser tiefstes Empfinden, jagte er. wendet sich den Brüi der» und Schwestern in Erez Israel zu. die für Kidusch Hascheck. ihr Leben gelassen haben. Aber Mitleid allein ist ivesenlos, ja unmoralisch, wenn es : nicht den Menschen emporhebt in die Sphäre der Tat. Tie -rbeit wird fortgeführt (spontaner, langanhaltender Beifall), die Hilfsbereitschaft wird sich verdoppeln. Unser Werk in Palästina ist nicht nur Technik: der neue Mensch, der neue Jude wird hier geschmiedet. Den kann man nicht töten, er ist unsterblich.: Dieser Mensch richtet' keine Mauern um sich auf. er schafft Kultür, die hinausdringt in die Umwelt. Die jüdische Kultur in Palästina will nicht allein die Juden, sondern auch die Araber emporyeben. Darum wird unsere Antwort auf das Blutvergießen sein/Toppeltkultur, auch für sie, die Araber. Wieder einmal wurde der Boden Erez Israels durch das Blut seiner Kinder gesühnt: ^.W'chiper admato amo". Oskar Wassermann führte aus: Am 1-l. August hat in Zürich die Iudenheit der Welt ihr Verbundensein mit deck jüdischen Aufbauwerk in Palästina in feierlicher Weise öffentlich kundgegeben, kundgegeben unter bewußter Zurückstellung a les die Juden unter sich Trennenden und unter lauter Heroorheb mg des sie Einigenden, so daß die noch dissentierende Minderheit schon fragt, wo denn der grundsätzliche Unterschied zwische i Zionisten und Nichtzionisten in Zürich zu erkennen gewesen ist Niemand legte Wert darauf, bei dieser Gelegenheit Unterschiede zu zeigen. Das war am 14. August. Und am 15. August ist in Palästina der Ueberfall ersolgt. Ob das ein zufälliges Zusimmentreffen gewesen ist oder ob der Handstreich von langer Hand geplant und vorbereitet war, wird die Untersuchung ergebe r, die von der englischen Regierung, als der Mandatarckacht, ein jeleitet wird — nicht von der Palästina- Regierung. die jetzt wie in vielen früheren Fällen versagt hat. Die Schwierigkeiten, die in der Notwendigkeit freundlichen Beisammenwohnens und f eundlicher Zusammenarbeit der arabischen und jüdischen Bevilkerung in Palästina liegen und überwunden werden müssen, wenn das Land sich gedeihlich entwickeln soll, sind von der zionistischen Organisation nie verkannt worden, sie werden bei der Erw stierten Iewish Agency ganz besondere Aufmerksamkeit finden. Das Problem ist aber lösbar und die gegenwärtigen Ereignisse finden darin keineswegs — wie vielfach irrtümlich geglaubt wird — ihre Erklärung. Die Araber haben von der jüdischen Einwanderung nur Vorteile. Die Kreise, die von je geschürt und gehetzt haben, sind einflußlos .gcblieben. obwohl es minchmal scheinen konnte, als hätten sie die Palästina-Regierung auf ihrer Seite, und sie wären heute noch einflußlos — wem: es ihnen nicht gelungen wäre — die politische und Wirtschaft! che Frage, um die sich in Palästina nicht viele, von dem arabischer Volke außerhalb Palästinas niemand, 302 gekümmert hatte, auf das religiöse Gebiet hinüber zu spielen Religiösem Fanatismus aber sind nicht nur die mohammedani schen Araber, sondern auch die unzähligen Milsionen von Mohammedanern in der Welt leicht zugänglich. Diese Gefahr ist von den Juden nicht rechtzeitig erkannt worden. Man hätte laut und deutlich erklären müssen, daß die Juden nicht den Be sitz der Klagemauer erstreben, sondern lediglich die Aufrecht erhaltuig des ihnen von jeher zustehenden Rechtes ungestörter Gcbetsvirrichtung an der Mauer. Da- Unglück ist geschehen, die Opfer sind gefallen. Wir be klagen sie tixf, aber wir dürfen uns nicht auf die Trauer be schränken. Wir wollen uns nicht im geringsten von der Fortsetzung, intensiven Fortsetzung, des Werkes abbringen lassen. Die eng lische Regierung hat Verpflichtungen übernommen. Wir müssen verlange», daß diese Verpflichtungen loyal erfüllt werden Der englische Staatssekretär für die Kolonien hat in diesen Tagen klar herausgesagt, daß die britische Regierung nicht die Absicht hat, die Frage der Verwaltung des Mandates für Palästina durch Großbritannien einer erneuten Erwägung zu unterziehen, und daß eine Abänderung der durch Mandat und Balfour-Tekla ration sistgelegten Politik der Errichtung eines Nationalheims für die Juden in keiner Weise in Betracht gezogen wird Wir müssen verlangen, daß mit der Ausführung dieser Politik nur solche Beamte in Palästina betraut werden, die sich mit diese Politik des Staates auch persönlich identifizieren. Wir vei langen, daß alle Schäden, die durch den Aufruhr entstanden sind aus öffentlichen Mitteln den Geschädigten ersetzt werden, un.' daß. forojeit dies irgend möglich ist, der Ersatz dem Staate vov denen zu! leisten ist. die die Schäden verursacht haben. Bon uns von jedem Juden, der das Wohl Palästinas will, ob er in Palü stina lebt oder anderswo, müssen wir verlangen, daß er nicht tut und alles unterläßt, was als Absicht der Beeinträchtigung religiöser und natürlich auch politischer Rechte der Mohamme daner in Palästina irgendwie gedeutet werden kann. Mit vermehrten Kräften wollen wir den Aufbau betreiben Tie jüdischen Siedler haben sich tapfer verteidigt, ihre Vermeh rung erhiht ihre Sicherheit. Wir wollen das unsrige tun, um die jüdisc;e Einwanderung nach Palästina so zu steigern, daß sic in absehbarer Zeit ihre Sicherheit in sich selbst findet. Wenn die Iudenhei der Welt das ihrige tut. dann gelingt es und dann werden nir wie Nehemja sagen: Durch den Beistand Gottes durch der jüdischen Geist, ist dieses Werk getan worden. Es f »rachen weiterhin: Kurt Blumenfeld, Präsiden» der Z. V. . D., Professor Franz Oppenheimer, Dr. Friedrich BrodnHtz, Dr. Alfred Klee, Alfred Lisser und Alfred Berger Ausführu igen wurde angenommen Im Rp! Diktators granten u Politik sich der Haupt Haftungen Verschwörje Bürger Grunde nirgendwc zu werdest geradezu und uner! Eines ein Dutzech II! N! — Eine Resolution im Sinne der Wassermannschen Was geht in Litauen vor? Wir erhalten über die pogromartigen Vorgänge in Litauen folgende weitere Zuschrift: chmen der zähen Verfolgungskampagne des litauischen Woldemaras gegen Kommunisten, sozialistische Emi- >id alle anderen Gegner seiner innerpolitischen Gewalt den seit einiger Zeit im ganzen Lande, besdnders in ladt Kowno (Kaunas heißt sie jetzt), Razzien und Ver statt. Dabei faßt man dann manchmal wirklich ". Aber häufig genug finden sich völlig harmlose den Netzen der Polizei, die sich aus irgendeinem ißliebig und „verdächtig" gemacht haben. Nun ist es sehr.angenehm, trotz eines guten Gewissens verhaftet in dem Litauen des Herrn Woldemaras aber hat es bedenkliche Folgen: Dem Kriegsgericht gehen Todes stört schwere Zuchthausurteile leicht von der Hand. Abends also wurde auch in einer Kownoer Vorstadt d junger Leute dabei betroffen, als es sich zu irgend-

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