Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 37 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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einem Zweck versammelt hatte. Was für ein Zweck das war,— darüber war zwischen ihm und den Polizisten keine Einigung u erzielen. Vielleicht war es nur eine harmlose Disputation, '.elleicht wirklich eine oppositionelle Sitzung. Darum handelt s sich für uns nicht. Wesentlich ist nur, welche Behandlung die »ngen Leute durch die Polizeibeamten erfuhren. Und die war .,n großer Skandal! Mit dem Knüppel und rohen tauften wurde ihnen „Räsom beigebracht". Brutale Mißhandungen. wilde Verfolgung der'Eingeschüchterten. Niederknüppeln >.r Widerspenstigen, — darin bestand die „Fürsorge" der Bennien. Und schlimmer noch: bei der Schlägerei, die sich entwickelte, tauchten plötzlich Angehörige der faschistischen Organisation „Eiserner Wolf" auf. die ihren maßlosen Nationalismus in innerpo.itischem Terror und Judenhaß breagieren. Hier witterten sie eine Gelegenheit zum Loschlagen, denn die jungen Leute, die von der Polizei so rüde chanüelt wurden, waren — Juden. Nun konnten die Poliisten feiern, denn die „Eisernen Wölfe" nahmen ihnen alle irbeit ab. Ein regelrechter Pogrom begann, mit allen 'Begleitumständen, die er in Osteuropa zu haben pflegt. Alte eute wurden überfallen, Frauen nicht g e - ch o n t. Und als aus Kowno nach vielen Stunden höhere Beamte kamen, um zu „inspizieren", war der ganze Spuk verfiogen. Nun setzten die Interventionen bei der Regierung ein. Sie halfen nichts. Die Zeitungen, die unter strenger Zensur stehen, dursten kein' Wort über die Vorfälle drucken, und als die „I ü d i f ch e Stimme" ein paar Andeutungen machte, flog ihr verantwortlicher Redakteur ins Gefängnis. Erst nach einer Woche entschloß sich Woldemaras, die für die Ausschreitungen verantwortlichen Polizeibeamten abzusetzen,' auch der Polizeidezernent im Innenministerium mutzte daran glauben. So liegen die Dinge. Wollte man aus ihnen die Folgerung ziehen, das litauische Vol.k' sei antisemitisch, so wäre das ein schwerer Irrtum. Richtig ist nur, daß unter der Regierung Woldemaras chauvinistische Rowdys ihr Wesen ungestraft treiben, und friedliche jüdische (aber auch andere „mißliebige") Bürger einfach mißhandeln dürfen, ohne daß ihnen etwas geschieht. Ein paar abgeseltzte Polizeibeamte sind keine genügende Sühne. Und das Schlimmste ist: keine Garantie ist vorhanden, daß in Zukunft friedliche Menschen in Litauen vor ähniichen Attacken sicher sind! XV. kl. Internationale Sportschau Ten größten Triumph seiner bisherigen Laufbahn errang Schachmeister Niemzowitsch, der das glänzend besetzte Karlsbader Schachturnier vor Exweltmeister Capablanca, Spielmann und Rubinstein gewann. Seit Laskers Niederlage gegen Capablanca befindet sich das Schachchampionat in nichtjüdischen Händen, in Niemzowitsch ersteht yun ein neuer Weltmeisterschaftsanwärter. Allerdings wird er erst den Ausgang der Wettkämpfe Aljechin—Bogoljubow, Aljechin—Eapablanca abwarten müssen. Spielmann, der die schönsten Partien lieferte, schlug unter anderem den Kubaner glatt und teilte den zweiten »nd dritten Preis mit ihm. Vierter wurde Rubinstein, der sich urzeit in Ungarn schachlich betätigt. — Die Tennissaison geht ihrem Ende entgegen. FrauiNeppach »nd Frau Friedleben gewannen einige kleinere Turniere, konnten sich aber in der deutschen Meisterschaft nicht durchsetzen. Prenn nahm an dieser nicht teil, schlug jedoch den neugebackenen deutschen Meister, den jungen Franzosen Boussus, in Berlin »der,egen 3 : 6, 6 :1, 6 : 2, nachdem er tags zuvor gegen Brugnon überraschenderweise 6 7 -l, -1:6, 2:6 verloren hatte. — In New Aork fand der Damen-Tennisländerkampf Amerika—England statt, wobei Helen Jacobs Betty Nuthall 8:6, 8:6 schlug, sich aber unerwartet Mrs. Watson 3:6, 2:6 beugen muhte. Die Hockeymannschaft der Wiener „Hakoah" raffte sich nach ihren letzten Niederlagen wieder auf, schlug im Cup den spielstarken WAE! -1:1, fertigte Kritzendorf 2 : ü ab und gewann auch ihr erstes Verbandsspiel gegen VfB. 3:1. ' Hakoahs (Wien) Fußballmannschaft ist von ihrer Polenreise .»rückgekehrt. Polonia-Warschau verlor 1 :6, der Lodzer Sportklub 2 :1, die Städtemannschaft von Kielce-Kalisch 6 :1, ein noinisches Militärteam 2:0 gegen die Blauweißen, die jedoch ine empfindliche .1:4-Schlappe von Lepja Warschau einstecken wußten. Hakoahs bester Stürmer Neuseld wurde der New- 2>orker Hakoah verpflichtet: dieser Verlust wird durch die diversen Neuerwerbungen der Wiener jüdischen Niannschaft kaum vettgemacht werden. In den letzten Wochen mußten die Hakoahner eine Niederlage nach der anderen hinnehmen. Anläßlich seines 10jährigen Bestehens hatte der Bar Kochbastannover die Ligareserve der Eintracht-Braunschweig verpflichtet und holte ein 4 :4-Ergebnis heraus. — In Duisburg wurde ein neuer Bar-Kochba-Verein gegründet: sein erstes Spiel gegen B. K.-Oberhausen verlor er nur 2 :4, gestaltete das Rückipiel bereits unentschieden 6:6. mußte sich aber Vorwärts-Mülsteim knapp 1: 2 beugen. B. K.-Oberhausen entwickelt sich recht gut, gewann gegen Rütgers-Oberhausen 3:0, gegen Vorwärts- Mülheim 3:2. wurde aber von Freiheit-Eller 2:3 nach Hause geschickt. — Der tüchtige SC. Schild-Frankfurt a. M. bezwang ine Sondermannschaft des dortigen Fußballsportvereins 7 :1 (!). Hakoah-Wiesbaden setzt auch in der neuen Saison ihre wandball-Siegesserie fort: Alemannia Worms wurde S: 2 abcfertigt: ihre Damen schlugen Idstein 2:1.--- Die Damen der Wiener Hakoah erkämpften sich die Erstklassigkeit und trium» stierten im Freundschaftsspiel über Theben 2:1. Die jüdischen Schwimmer, die zu den besten Europas zählen, :alten sich neue Lorbeeren. Bei den polnischen Meisterschaften eilte Liese Reicher-Bielitz zwei neue polnische Rekorde im rustschwimmen auf. Fritzi Löwy ließ sich die 166-Meter-Freistil ei den österreichischen Meisterschaften nicht nehmen, Hedi Bieneneid siegte beim 200-Meter-Brustschwimmen in bfer neuen öfter» eichischen Rekordzeit von 3 :.15,8 Min. Frl. Bratmann belegte ’>',i dritten Platz im Rückenschwimmen. Auch die 3mal- ' 00-Meter-Lagenstaffel ließen sich die Hakoahnerinnen nicht entgehen. in der neuen Rekordzeit von 4 :28 Min. schwammen sie ^iencnfeld. Bratmann und Löwy sicher nach Hause. Den Damen wollten auch die Herren nicht nachstehen: Goldberger belegte die 100-Meter-Freistil mit Beschlag, Nassau besetzte den dritten Platz im Rückenschwimmen, Stein den zweiten im 206 Meter- Ärustschwimmen. Glänzende Siege erfochten Bar Kochba Brünn und Hagibor-Prag bei den tschechischen Meisterschaften, Frl. Hansel-Brünn sicherte:sich die Meistertitel im 106 und 200 Meter- Brustschwimmen in neuer Rekordzeit, Basiasz-Prag wurde Meister im Kunstspringen. In grandiosem Endkamps eroberte sich Hägibor-Prag die Meisterschaft in der 4mal-200 Meter-Freistil stasfel, sieben Meter zurückliegend, holt ihr Schlußmann Getreuer aus. geht in Führung und schlägt als erster in der neuen tschechischen Rekordzeit von 10 :36,6 Min. an. — Kramer vom Iüd. Sportverein Breslau belegte beim Gauschwimmfest in Waiden bujrg ^inen dritten Platz. Betrieb herrscht jetzt wieder bei den Boxern. Bor 1500 Zuschauern schlug Makkabi-Berlin in Hcringsdorf seinen alten Rivalen, den Stettiner Sportklub,' überlegeit 12:2. — Auf dem Kampfabend Makkabi/Weißensee verlor Buchbaum gegen Schwarz (Weißensee) nach Punkten. Friedländer konnte gegen Horatzek (Oberspree) nur ein Unentschieden herausholen, Noschkes und Branntwein beendeten ihre Kümpfe erfolgreich. — Als einziger Vertreter Makkabis wirkte der deutsaie Federgewichtsmeister Fuchs beim Städteboxkampf Berlin—München mit. Fuchs schlug sich hervorragend und ließ den Münchener Taubald gar nicht zu Worte kommen. — Bei den Berufsboxern vc^)e digte Sammy Mandell seine. Leichtgewichtsmeisterschast erfolgreich, im Chicagoer Stadion schlug er in 10 Runden Canzoneri zusammen. Unerwartet kommt die Punkt-Niederlage von Izzy Schwartz (Fliegengewicht) gegen den Bantamgewichtler Nillie de la Morte in New Jersey. Mit Joe Fields setzte sich wiederum ein Jude eine Weltmeisterschaftskrone auf. in 15 Runden fertigte er den bisherigen Weltergewichtswelt meister Ionny Dundee ab. Bedeutende) Erfolge errang die junge jüdische Leichtathletin Maria Jacob. Mit 38,24 Metern gewann sie die deutsche Speerwurfmeisterschaft.' nur 13 cm hinter dem Weltrekord zurückbleibend: natürlich ließ sie sich auch die brandenburgische Meisterschaft nicht entgehen und belegte bei dieser mit 10,45 Meiern im Kugelstoßen sowie 31,85 Metern im Diskuswerfen noch zwei dritte Plätze. Beim Frauenländerkampf England—Deutschland vertrat sie die deutschen Farben, mußte sich hierbei jedoch ihrer Team-Kollegin Hargus-Lübeck beugen. — Der Berliner Bar Kochba holt sich mit sicherer Regelmäßigkeit Sonntag für Sonntag seine Preise. Beim Berliner Amerika Sportfest waren seine Leute die einzigen, die den amerikanischen Gästen wenigstens einigen Widerstand in der olympischen Staffel leisteten und vor dem SCC. den zweiten Platz belegen konnten. Ionath mußte sich mehrfach dem schwarzen Sprinter Tolan sowie» auch einigen seiner deutschen Kollegen beugen. — Bei den anläßlich des Championats der Streckenläufer veranstalteten Wettkämpfen taten sich die Bar Kochbaner besonders hervor. Kurz. Gerber, Katz^Bergmann fügten ihren Siegen neue hinzu: ein hannoveranifches Sportfest, das die Berliner bestritten, stand ganz in ihrem Zeichen, alle Konkurrenzen, die sie belegt hatten, gewannen sie auch. Kurt Pinczower. . Etwrl im RjF. Trainigstag« btt JIn-Jitlu-Gruvo«. Samosmannschaft: leben Montag ab 8.80 Ubr. — Aortgeaeschrittene: jeden Mittwoch ab 8,80 Ubr. — Anfänger: leben Donnerstag ab 8.80 Ubr. — Trainingsräume: «chönebcrg. Hoben- 303