Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 37 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■ion Verfolgungswahnsinn weiter, ohne es in der völkischen Belegung noch zu irgendwelchem Führerrang zu bringen. Sem Gesuch um Wiedererteilung der venia legenöi — an Universität München — und dessen abschlägige Bescheidung üiirch den bayerischen Kultusminister erinnerten in diesen Tagen 'iiran, daß der Mann noch lebt. Zeitgeschichtliche Bedeutung bat er aber nur in den ersten Jahren nach der Kriegszeit und jenen Gegenden Deutschlands gehabt, die sich der Hitlerf'jnchose willenlos auslieferten. Eine tolle Figur. Als ,'nziale Basis die gescheiterte Dozentur benutzend, ähnlich wie Ludendorff sein Generalsamt im Kriege, irrt der Mensch in der Politik herum. Immer nur verhetzend, immer nur Berschwörungen anzettelnd. Begeistert ausgenommen, bald mißtrauisch behandelt, zuletzt verflucht von den eigenen Äesinnungsgenosien. Kapitalverbrechen werden ihm zur Last gelegt. Er will nie etwas verbrochen haben, verkriecht sich hinter patriotischen Beteuerungen und bleibt das Stehaufmännchen, dassich von jedem Fall zu erholen weiß. Wie bei allen solchen Ex stenzen endet sein öffentliches Dasein damit, daß die Zeit seinen Lebensstil I antiquiert.^ Dr. Paul Bargiel. („Abwehrblätter".) Der Tambour von Holding Juden in der fchleswig'holstemifchen Armee! Von Kam. Rabbiner Dr. A. Posner, Kiel. Unter obigem Titel habe ich in der Nummer 47/48 vom November 1928 einige spärliche Mitteilungen gemacht, die ch nun zu meiner Freude vervollständigen kann. Zu den Angaben über den Gefreiten Selig Nathan Oppenheim kann ich jetzt noch auf den Bericht des Lehrers D. Baum i,it „Israelitischen Kalender" für Schleswig-Holstein für das Jahr der Welt 5689 S. 36 ff. verweisen. In hervorragender Weise haben an den Kämpfen des Jahres 1818 die Kinder der aus Segeberg stammenden Eheleute Abraham Levy und Frau Hanne, geb. BehreNs, teilgenommen. Der älteste Sohn Abraham Levy, 1820 in Segeberg geboren, war kurze Zeit Soldat,' feine Mutter soll ihn im Felde besucht haben. Ter zweite Sohn Salomon Levy war 1822 in Segeberg.geboren, er gehörte dem schleswig-holsteinischen Infanterieregiment an und war am Sieg der schleswig-holsteinischen Truppen über die Dänen in der Schlacht bei Kolding am 23. 4. 1849 beteiligt. Zu seinem 90. Geburtstage schrieb die heimatliche Zeitung: „Der bei seinen Kameraden unter dem Namen „Der Tambour von Kolding" bekannte Veteran von 1848—51 Rentner Salomon Levy feierte am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Er ist das älteste Mitglied der Israelitengemeinde Altona." Er starb in Altona 1913, wo man ihm folgenden Nachruf widmete: „Das älteste Mitglied der Jüdischen Gemeinde, Herr Salomon Levy, ist in der verflossenen Woche im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Verblichene war ein Veteran von 1848, der sieben Gefechte und die Schlachten von Kolding und Idstedt als Tambour mitgemacht hatte, wohl der einzige noch lebende jüdische Krieger aus jener Zeit. Zur Beerdigung hatten sich seine hochbetagten Kampfgenossen, sechs an der Zahl, mit ihrer Fahne eingefunden. Herr Oberrabbiner Dr. Lerner widmete dem Entschlafenen in der Leichenhalle einen warmempsundenen Nachruf." (Beide Mit- 'cilungen scheinen der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu entstammen.) j Der dritte Sohn Hirsch Levin war 1824 in Segeberg geboren; er gehörte den Ratzeburgjr Jägern, einem Freiwilngenkorps, an; er hatte alle Schlachten.mitgemacht, wurde bei Freüericia — hier errangen die Dänen am 6. 7. 1849 einen Sieg über die Schleswig-Holsteiner — gefangen genommen und war über ein Jahr in dänischer Gefangenschaft in Kopenhagen. Der vierte Sohn Wolfs Levin war 1829 in Segeberg geboren; er trat in das 2: schleswig-holsteinische Dragonerregiment (Standort Itzehoe) ein. Er hat virile Gefechte mitgemacht, auch die bedeutende Schlacht bei Idste» am 25. 7. 1850, und viele Auszeichnungen erhalten. 1 Der fünfte Sohn Nathan Levy war 1825 in Segeberg geboren; er gehörte dem 1. schleswig-holsteinischen Dragonerregiment an, war Unteroffizier und nahm auch an der Schlacht bei Idstedt teil. Der sechste und jüngste Sohn Ernst Levin war 1834 in Segeberg geboren, konnte am schleswig-holsteinischen Kriege natürlich noch nicht teilnehmen, er war aber beim Train (Rendsburg) im Kriege 1870/71. Aus einer Segeberger Familie waren somit fünf Söhne >m Felde. Die Kinder dieser genannten Kriegsteilnehmer haben ebenfalls ihrer Militärpflicht genügt. So der Sohn des Wolfs Leoin, nämlich Louis Levin, der von 1879—1881 beim Großherzoglich mecklenburgischen Iägerbatalllon diente, später Gefreiter und Oberjäger war und am 18. 5. 1883 in Hannover von Kaiser Wilhelm I. die Rettungsmedaille am Bande des Kronenordens 1. Klasse erhielt. Er ist der E h r e n - förderer der Ortsgruppe Kiel des RjF. Ihm verdanke ich die meisten Angaben für diesen Artikel (ich wiederhole meinen Dank auch an dieser Stelle). Oder die Söhne des Nathan Levy, nämlich Ludwig und Adolf; der erstere war aktiv bei den Ratzeburger Jägern, der zweite war Tambour beim 75. Infanterieregiment in Harburg. (Ich muß zur Erklärung hinzufügen: da es viele Levys in Tegeberg gab, nannten sich drei Brüder Leoin.) Eine letzte Angabe mag dech Marinearzt Moriz Habrofsky gelten, der, aus Mährisch-Trebitfch stammend, 1849 als Assistenzarzt bei der schleswig-holsteinischen Marine fungierte und auch ein Zeugnis des Vic.-Physikus zu Kiel besaß. Er schreibt von Soyer 'an Jbcr Westsee im Aprß 1849 einen sehr interessanten Brief an die medizinische Fakuttät in Jena, von dem ich einen Auszug hier veröffentlichen will: „An> die medizinische Fanultät zu Jena! Durch meine Teilnahme an der Wiener Oktoberbewegung heimatlos geworden» kam ich im Ianuat d. I. nach Jena, um an der dortigen weltberühmten Hochschule mir den Gradus eines Doktors der Medizin und Chirurgie zu erwerben, da eine organische Beendigung meiner Studienlaufbahn in Oesterreich selbst unmöglich geworden war. Der Schatten der Pauls- Kirche reichte jedoch damals! noch nicht hin, um ein paar Flüchtlinge zu decken, die eö gewagt hatten, ein Wort zur Wahrung der deutschen Intejressen zu sprechen. Rücksichten auf persönliche Sicherheit unh die Notwendigkeit, mir durch baldigen Erwerb die Mittel zU verschaffen, um meine Lebensbedürfnisse zu befriedigen,; Wangen mich. Jena früher zu verlassen, als ich ein Resultut meiner Bemühungen um die Doktorwürde erzielen könnt:. Ich fand in Schleswig-Holstein Asyl und Brot . . . Indem ich meine Hoffnungen auf die Freisinnigkeit und Humrnität der leitenden Priwizien der Hochschule baue, wage ih . . ." Am 30. 7. wurde Habrofs ry tatsächlich in ab8entia! zum Dr. med. promoviert. Leider genoß er diesen Erfolg nicht lange, da er bereits am 4. 10. 1849 starb. (Mehr darüber in Hichls .'.Jüdischem Dolkskalendei", 29. Jahrgang 1929. J5.156 ff.) Ich hoffe, einige Bruchstück > zur Geschichte der Teilnahme von Juden an dem schleswig-holsteinischen Feldzug 1848—51 geliefert zu haben und danke noch Htrrn Lehrer Bornstein. Bad Segeberg, für feine Unterstützung in lier Beschaffung einzelner Daten. Aus anderen Unterständen Der „Völkische Beobachter"' schreibt am 20. 8. unter der Ueberschrist: „Die politische Leitung des „Stahlhelm" versäht ihre Neutralität gegenüber dem nationalen Lager . j Nunmehr hat aber auch, > wie wir erfahren, der „Stahl- ' Helm" in einem Rundschreiben an seine Unterführer zu den ' kommenden Gemeindewahlen! Stellung genommen und hat als Parole ausgegeben, die Bürgerblocklisten zu wählen. Der Stahlhelm als eine Organisation, die die Kameradschaft des Frontkämpferbundes und die Pflege des Frontkämpfergeistes zu ihrer Aufgabe gemacht hat, dürfte unter gar keinen Umständen der neuerlichen Spaltung des deutschen Volkes in die Hände arbeiten. Es dürfte angesichts der großen Zahl von Arbeitern in seinen Reihen unter gar keinen Umständen die Klassenpolitik kleinlicher, parteiparla- - mentarifcher Geister unterstützen. Allen diesen Stahlhelmkameraden. die den Geist der neuen Front, den Geist der Volksgemeinschaft in sich tragen, wird der Beschluß der Stahlhelmleitung «in Schlag in» Gesicht sein. Die Mehrzahl der Stahlhelmmitglieder weih heute, daß ihre politische Front in der N.S.D.A.P. ist und nicht von irgendwelchen reaktionären Bonzen verkörpert wird. Di« politisch« Leitung des „Stahlhelm" hat mit diesem - skandalösen Beschluß die politische Neutralität gegenüber den nationalen Gruppen bewußt gebrochen und sich ideenlos (oder' voll Mißgunst?) für das impotente abgewirtschaftete Dawes- und Locarnobürgertum entfchieden. Sie wird die Erfolge dieses Schrittes selbst spüren.. * Das „Reichsbanner" vom 81. 8. 1929 schreibt über die Kommunalwahlen in Preußen: „Am 17. November sollen in Preußen die Kommunalwählen stattfinden. Je mehr sich die schönen Sommertage 301 i