Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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I Die Familie Mendelssohn Ein Ausspruch Abraham Mendelssohns. Sohn Moses'. Vater Felix'. hat sich bis auf unsere Täge erhalten: Erst war ich nur der Sohn meines Vaters, jetzt bin ich nur der Vater meines Sohnes. Dieses in allzu groher Bescheidenheit gesprochene Wort entspricht nicht der Bedeutung Abrahams, der zur Unterscheidung von anderen Mendelssohns seinem Namen den Namen Bartholdy hinzufügte. Abraham hat wenigstens für seine Heimatstadt Berlin und die Berliner Gesellschaft ein unsterbliches Verdienst erworben. Er ist der Schöpfers des soziologischen Begriffs: Familie Mendelssohn. Zn dem sehr reizvollen und noch immer sehr lesenswerten Buch seines Enkels. Sebastian Hensels: „Die Familie Mendelsf >hn" redet jede Seite davon, was diese Familie, ganz abgesehen von der geistigen und künstlerischen Bedeutung einer großen Zahl ihrer Mitglieder, für das Kulturleben Berlins und Deutsch ands gewesen ist. Das Haus Leipziger Straße 3 — auf dessen Areal das spätere Herrenhaus errichtet wurde —. v,n Abraham Mendelssohn bei wachsendem Wohlstand erworben§ und ausgestattet, wurde zum Kulturzentrum des damaligen Bei lins. Das edelste Mäzenatentum fand hier seine Stätte. D« s musikalische Genie zweier Kinder, Felix und Fanny, zog Kü «stier hinein. Junge Gelehrte wurden unterstützt und gefördert eine Hauskapelle gegründet. Bon einem Musikfest aus Köln sehr:ibt Abraham an seinen Sohn, er zöge diese Hauskapelle jeder andern Kapelle vor. Eine Geselligkeit vornehmen Stils ohne je ie Prätention wurde gepflegt, lind trotzdem ging das Interesse j!des einzelnen Mitgliedes für den Angehörigen der eigenen Faniilie über jedes andere Interesse. Man hielt zusammen. Man unterstützte einander. Man heiratete untereinander. Man wir einig, und darum wurde »ran stark. seile Was im Hause Abraham Mend und entwickelt worden war. wurte i» ihren vielen Abzweigungen. Rock des vorigen Jahrhunderts lag übe: Familie Mendelssohn der Glanz a Mendelssohn — ihm war unter Adel verliehen worden — und Grades, Marie geborene Warschauer, ter in der Iägerstraße, im Somn Lützow in Charlottenburg im alten ivas in Berlin einen Namen hatte, malen, Staatsmänner, Gelehrte, allen Ländern der Welt, waren Menschenfreundlichkeit und absolute und der Frau vom Hause machten zu einem Genuß. Ter Geist der vorurteilslos aber nicht frei. Die kommene Bindung durch das Si Gesellschaft wurde streng innegl lernen, daß Freiheit und Vorurte sind. elssohn-Bartholdy geschaffen Traditionsgut der Familie in den 80er und 90er Jahren den einzelnen Häusern der ter Berühmtheit. Ernst von Kaiser Friedrich der erbliche- Frau und Cousine zweiten führten ihr Haus im Winer in der schönen Villa am Familiensinn weiter. Alles, ging dort aus und ein. Tiplo- (s roßindustrielle, Künstler aus rt zu treffen. Die wahre Vorurteilslosigkeit des Herrn!>en Aufenthalt dort für jeden Poreltern regierte. Man war den jüdischen Ahnen übertiengesetz und den Kodex der «halten. Hier konnte man il slosigkeit nicht Zügellosigkeit d) Den Mitinhabern des Hauses Sohnes Moses', Josef, den Brüdern Musikleben Berlins zum großen nationaler Bedeutung. Beide hatt> Mutter geerbt, die den hübschen brachte. Beide waren selbst Künst ersten Ranges. Ihn mit Joachim war ein unvergeßlicher Genuß künstlerische Begabung sprach, Kenntnis zu helfen. Robert hat Berlin gewiesen und später ihre tatli Der Krieg und seine Folgen hal delssohnschen Bankhauses nicht Zusammenbruch der Berliner Ges Familie Mendelssohn etwas verb z> den Urenkeln des ältesten obert und Franz verdankt das seinen Aufstieg zu interviel von ihrer französischen Hamen Enole in die Familie er. Robert ein Cellist aller- Quartett spielen zu hören, Wo ihr Feinempfinden für n sie alles, um zu Anert leonora Düse den Weg nach Freundin Sinlietta geheiratet. 3 eil en «m pen den stolzen Bau des Menerschüttern vermocht. Der etlschaft hat aber den Begriff: l essen laffen. Nur im Hause Franz von Mendelssohns am Herth isee im Grunewald lebt noch rüher mit Kindern reich gezusammengeschmolzen. Der die alte Tradition- Zudem ist die segnete Familie im Mannesstamm vor einigen Jahren verstorbene Rnbert und sein Sohn Franz haben jeder nur einen Sohn, in der en die alte musikalische Begabung lebendig ist. Ter einzige Sc hn Ernst von Mendelssohns. Paul, ist kinderlos. Von den drei söhnen des hochbedeutenden Paul, ist der eine im Kriege gefaller, der andere kinderlos. Nur der älteste, Otto, hat einen Sohn. Dieser und die drei Söhne Alexander Mendelssohns, dem Urenkel Josefs, der der älteste Sohn Moses' war, scheinen dazu be:ufen, die Familie Mendelssohn im Mannesstamm sortzüsetzey. Der Komponist Arnold Der Mannesstamm Mole« Jos 1770—1848 Alerander 1798 1871 Abraham 1776—183fr Fely 1799 Franz 1829_ ( ( f| Bfetonb. Aldrecht, | | ert Franz I Oito Cubi 18p° | auronfc, | Robert 3tonc«co Karl Pa» I 1839—1883 1846—1869 Nalhan 1782—1852 Paul Wilbelm 847 —1874 . | t Lrnold Ernst <Poul Panl Mendelssohn, von dem jüngsten Sohn Moses', Nathan, abstammend, und der Völkerrechtslehrer Albrecht, ein Enkel Felix', haben dazu deigetragen, den alten Klang des Namens Mendelssohn lebendig zu erhalten.! Die zahlreichen Töchter der Häuser Mendelssohn trugen das Blut Moses' in all« Schichten und Kreise der deutschen Gesellschaft. Man kann Abkömmlinge der weitverzweigten Familie in den Kreisen des Hochadels, der Diplomatie, der Finanz, der Industrie, der Künstler- und Gelehr^enwelt finden. | Gs ist ein gutes Erbe, das sie mitbrachten: Verstand, redlichen Sinn, künstlerisches Empfinden, das Bestreben, ändern zu Helsen rmd nützlich zu sein, alles Eigenschaften, die ernst Moses Öle- Achtung und Liebe seiner Zeitgenosien erwerben yalfen. sind noch in der sechsten Generation nach ihm lebendig, ebenso wie feine charakteristischen Gesichtszüge immer noch bei den späten Enkeln wieder anzutreffen sind. Auf der Famisie Mendelssohn hat seither der Segen der Verheißung Gottes geruht, wohlzutun bis ins tausendste Glied. M. C. Wieder Friedhossfchäudung In dem Hunsrückftädtchen He bezirk Trier) wurden auf dem rmeskeil jüdischen (Regierungs- Friedhof sämtlich« Grabsteine umgepürzt. in nicht zu be schreibender «eise beschmutzt und zerstört. Ran vermutet, datz Nationalsozialisten di« Täter sind. Zwischen ihnen und einem Teil der jüdischen Einwähnerschaft Hermeskeils ist es daraufhin zu schweren Schlägerei«^ gekommen, in deren Verlauf «in« Anzahl jüdischer Bürger mißhandelt und erheblich verletzt worden ist. 293 i, I