Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Unruhen in Palästina Lord Balfour bekräftigt wiederum seine Deklaration Lord Balfour. der berühmte Staatsmann und Philosoph. Autor der Balfour Deklaration über die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, hat das folgende Schreiben an Professor Chaim Weizmann, als den Präsidenten der Iewish Agency, gerichtet: „Mein lieber Weizmann! Die Ereignisse in Palästina haben meine Empörung und meinen Abscheu erregt, aber sie Konnten nicht mein Bertrauen erschüttern in die Weisheit der Politik, di« Tie und Ihre Freund« so erfolgreich in Palästina in Uebereinstimmung mit dem Mandatssqstem. ungeachtet sich in den Weg stellender Schwierigkeiten, befolgt haben. Das British Empire und alle so eng mit ihm verbunden gewesenen Mächte haben feierlich ihr« Absicht dundgetan. Palästina wiederum zum Rationolheim für das jüdisch« Volk zu machen. Diese Politik ist in Uebereinstimmung mit den besten Ueberzeugungen der westlichen Zivilisation überall in der Welt. Das British Empire hat sein Versprechen gegeben, dies« Idee zu verwirklichen. Verlassen Tie sich darauf: dieses Versprechen wird nicht uneingelöst bleiben. Glauben Sie es mir, Ihrem aufrichtig ergebenen Balfour." j Ein Aufruf des Waali Leumi an die jüdischen Gemeinden ** _+- in der ganzen Welt. Ter Waad Leumi lIüüischer Nationalrat in Palästina und ausführendes Organ der Nationalversammlung) hat durch die Jüdische Telegraphen-Agentur einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt gerichtet, in welchem es heißt: Noch immer besteht große Gefahr für das ganze Erez Israel. Akte der Zerstörung von Eigentum und der Vernichtung von Menschenleben werden fortgesetzt. Heute steht die Stadt Safed in Flammen, viele Angehörige dieser alten jüdischen Gemeinde wurden getötet oder verwundet. Das nördliche Galiläa ist gerade in diesem Augenblick der Gefahr der Vernichtung preisgegeben. Tie Hilfe der ganzen Iudenheit tut not, um den in seiner Existenz bedrohten Iischuw zu retten. Wir fordern dringend: erstens, daß die Regierung scharle und schnellet Maßnahmen ergreift, um der Vernichtung Einhalt zu gebieten, und das der Zerstörung bisher entgangene Leben und Eigentum zu sichern. Wir fordern zweitens, daß uns auf telegraphischem Wege die notwendig gewordene dringende singnzielle Hilfe Kur Verfügung gestellt wird, damit wir in die Lage kommen, die Tausende Flüchtlinge zu ernähren. Um viele Menschenleben zu retten, ist es notwendig, daß die Hilfe so schnell als nkir möglich kommt. Die Geldspenden sind zu richten an die Anglo-Palestine Bane in Jerusalem für Waad Leumi. ^Unterzeichnet ist der Ausruf im Namen des Waad Leumi von Rabbintr Ostrowski und dem Vertreter der Arbeiterschaft Salomon Bqn Zwi. $>i« Demonstration der Militärflugzeuge. Die ang^kündigte Demonstration eines englischen Flugzeug geschwadersKur Einschüchterung der aufrührerischen Araber hat am Freitag ftattgefunden. 1) Aeroplane des britischen militärischen Flugdienstes kreuzten über der Omar-Moschee, wo aus Anlaß des Freitag, der der mohammedanische Wochenseiertag ist. eine sehr große Zahl Araber versammelt war. Die Flugzeugparade machte starken Eindurck. Der Notruf der Stadt Safed 3000 Juden ohne Wasser und ohne Brot. — Marterung i von Waisenkindern. Folgende Namen der bei den Unruhen in Safed getöteten Juden sind bisher bekannt geworden: Rabbi Ishmael Cohen, der Beamte des Hadassah-Hofpitals Maman, der Direktor der Misrachi-Schüle Afriat, ein bekannter Pädagoge, und seine Frau, der Chauffeur Myer Cohen, Rabbiner Clersson. Unter den vielen Schwerverletzten in Safed befindet sich ein arabischer Angehöriger des transjordanischen Grenzkorps, der sich heldenhaft der angegriffenen Juden annahm. Einem führenden Mitglied der Haifaer jüdischen Gemeinde gelang es unter Lebensgefahr, nach Jerusalem zu kommen. Er erbat im Namen der bedrohten Gemeinde von Safed schleunigste Hilfe. Er erzählte, daß der Ueberfall der Araber auf die Juden von Safed um 6 Uhr abends begonnen und die Unruhen erst um Mitternacht aufgehört haben. Militärische Verstärkung aus Tiberias Kami zwei Stunden, nachdem die Angreifer sich zurück- Böller- und Raffenbegabung (Schluß.) Und nun wollen wir uns noch mit einer letzten Besinnung darüber verständigen, obdasIudentum solch eine detaillierte Untersuchung zu scheuen hat. Was ist zunächst das für ein Geist gewesen, der sich in der Sprache des Alten Testaments manifestierte? Mir steht kein Gutachten darüber zu, aber ich darf Vertrauen jhaben zu dem großen Philosophen und Polyhistor, der hierüber aus reichster Sachkenntnis urteilen konnte, zu Hermann L o tz e. Ter Verfasser des „Mikrokosmus" sagt: „Tie Juden haben den Völkern des Altertums äls träumende und trunkene Menschen gegolten. Sehen wir uns ihr Schrifttum und ihre religiösen Grundsätze an und vergleichen wir das mit den entsprechenden Zeugnissen der orientalischen Völker und selbst der Griechen, so dreht sich das Verhältnis einfach um. Sie, die Juden, waren nüchterne Menschen unter Träumern. Ihre Sprache ist ein ganz einzig großartiges Produkt. Gewiß, sie hat nicht den Wortreichtum des Griechischen und die entwickelte Syntax, sie gibt auch nicht leicht den Ausdruck für das Elegante, Kokette, Zierliche und für den Humor her, aber wie zutreffend, wie angemessen verbindend ist dieses Hebräische geraten! Und welches Volk auf Erden hat noch einmal in seiner Sprache ein derartiges Ausdrucksmittel für das religiöse Pathos geschaffen? Wahrlich, nur in der Sprache des Alten Testaments konnte das erhabene Bekenntnis würdig gesprochen werden: „Höre, Israel, der Herr ist ein einiges, einzige» Wesen." Wir brauchen keine Hymnen anzustimmen über die Höhenleistüng des Kollektivgeistes, der die in die Bibel 294 eingestreutep Legenden und Mythen schuf. Und erst gar nicht über dün sgenius des Volkes, der die religiöse Kultur auf die sittliche Höhe des Monotheismus hob. So giftig ist ja sselbst der Haß des völkischen Agitators und Ignoranten! nicht, daß er diese Werte abzuleugnen wagte; er muß sich damit begnügen, sie anzufeinden, indem er sie übergeht und anderen vorenthalten möchte. Wir gloiuben aber auch, daß das Judentum die Prüfung besteht; wenn die Begabungsfrage an die einzelnen Gruppen gestellt wird. Schöpferische Genies hat es bei den Ijuden in allen Wissenschaften und allen Kunstgattungen gegeben, und sie haben ihre Männer auch in den übrigen Kategorien gestellt, wo es galt, führende Arbeit und! angeordnete Mitarbeit zu leisten. Gerade weil sie hiejc hochwertig waren und sind, darum waren sie ja gehaßt und blecken gehaßt, mehr als wegen der Uebeltäjer, die auch in ihren Reihen zu finden sind. Vor kurzem ist Professor Julius Go Idstein in Darmstadt gestorben. Er hat viel über Rassensragen nachgedacht rnd beiläufig ist er auch an dieses Begaoungsproblem her rngekommen. Merken wir uns seine Worte, die übrigen» etwas an eine Sentenz Hegels anklingen und dem Sitzne nach ganz in Hegels Geist gehalten sind: „Meiner Ansicht nach hat es drei ganz hochbegabte Völker in unseren Kulturzonen gegeben: Die Juden, die Griechen, die Deutschen. Wer möchte da grübeln, wem oonjihnen der höchste Preis zusalle? Gerade wir, die wir glauben, daß jedes Volk eine bestimmte Aufgabe, eine mefsianische Idee zu erfüllen habe, wir wollen nicht pharisäisch mäkeln, weil wir als Angehörige des einen oder anderen Volkes merken, daß wir da oder dprx einen Vorsprung haben." (Abwehrblätter.)