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Der Schild · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Philosoph der Humanüät Im Jahre 1742 betrat!ein kleiner, armer jüdischer Knabe, eben erst Bar Mizwiih geworden, den Boden der Königlich Preußischen Resid« nzstadt Berlin. Es war ein gebrechliches und schlichter »es Wesen. Eine Nervenerkrankung in früher Kind!,eit hatte den Wuchs seines Rückgrates gekrümmt. Abi r auf diesem unscheinbaren Körper saß ein Kopf von lebendigem geistigen Ausdruck. Der Berliner Torschreiber k jungen Menschen folgendes „Auslande" stammte; daß ei Staate Anhalt, in der Hauptstadt Dessau als Sohn des Lehrers an der dortigen jüdi Sein Name war Moses. nnte aus den Papieren des eststellen: daß er aus dem am 6. September 1729 im chen Gemeinde geboren war. Was jedoch in den Papi:ren des Jungen nicht stand und was auch den bezopfte i Torschreiber nicht im geringsten interessierte, war!>ies: daß Moses eine sehr gründliche Schulung in Bibrl und Talmud besaß, und daß ihn der Rabbiner seiner Heimat bereits in die religions-philosophischen Sch 'iften des Maimonides eingeführt hatte. Und was wollte er jetzt in Berlin? Er wollte lernen, sein Wissen ei weitern, vielleicht Rabbiner werden. Und er begann seir e Arbeit, obwohl er in Not und Kümmerlichkeit lebte. IZor allem lernte er deutsch; er lernte es gut, mit so seinen: Verständnis für das innere Leben der Sprache, daß er siäter zu den besten Schriftstellern seines Zeitalters zäh te und als erster in der deutschen Literatur den schweren Problemen der Metaphysik einen fesselnden und reizvollen Äusdruck zu geben verstand. Er erlernte Lateinisch, Französisch und Mathematik. Vor allem aber vertu fte er sich in die Werke des deutschen Philosophen Leibni,. dessen Ideen ihn bis zum Ende seines Lebens beherrschten. di: I x Gustav Freytag hat in Roman „Soll und Haben" jungen jüdischen Gelehrten werbssinnes bar, nur seinen gen lebt. Solch ein Mensch wesen. Wochenlang nährte seines Berliner Lebens von seiner Arbeit stören zu lass^ dunklen Borhänge, die das dem damals noch bestehenden seinem geistigen Auge zurück und mit leidenschaftlichem Welt der europäischen Bildust ein. So holte er als werdenp früher Jugend zu erwerben Endlich wich auch, im I rhre 1750, der harte Druck der wirtschaftlichen Misere. < Ein reicher Seidenfabrikant, Isaak Bernhard, übergab ihm und stellte ihn später als Buchhalter und Korrespondent in seinem Büro an. Diese fruchtbare und erfolgreiche Sc iriftstellerei: schon im Jahre 1755 erschien Mendelssohns Im Alter von 32 Jahren hat Jüdin zu einer glücklichen Ehe verbunden. Der Zwang des Erwerbs hinderte ihn, seinem einst viel gelesenen sympathische Gestalt eines gezeichnet, der, jeden Erwistenschaftlichen Forschunist Moses Mendelssohn gesich in den ersten Jahren istockenem Brot, ohne sich in ' n. Bald schoben sich die Leben des Judentums in Ghetto verfinsterten, vor Mit schnellen Schritten ifer drang er in die neue g und der deutschen Kultur er Mann nach, was ihm in üerwehrt war. > die Erziehung seiner Kinder Sicherung begünstigte eine erste philosophische Arbeit, w sich mit einer Hamburger >en kaufmännischen Beruf. den er als Hindernis bei seinen Studien oft drückend empfand, an den Nagel zu hangen. Als Leiter und Mitinhaber der Bernhardschen Fabrik ist er am 4. Januar 1786 gestorben. j Moses Mendelssohn ist also nicht, wie er es sich wohl in seiner Jugend erträumt hatte, Rabbiner geworden. Die Unduldsamkeit der orthodoxest Theologie, wie sie auch im deutschen Judentum seinerzeit herrschte, stieß ihn ab. ..So ganz und gar Stockjuoe sein", um ein Wort aus Lessings „Nathan" zu zitierend das lag abseits von seinem Wege ins Freie. Aber er ist statt besten ein 'deutscher Schriftsteller von hoher stilistischer Begabung und von seinem literarischen Urteil, ein! Repräsentant der deutschen Ausklärungsphilosophie und der Reformator des deut- Dll! schen Judentums geworden verschiedenen Richtungen seist ander verband, war die Idee zum Menschen, die ihn im ti Persönlichkeit den gewinnendest zarte Verständnis für die Än> sprachlichen Ausdrucks; sie war Erhebung und seines Glauben: > s geistige Band, das diese es Lebenswerkes miteinr Humanität. Diese Liebe istfsten beseelte, gab seiner Reiz; sie verlieh ihm das. ut und den Adel des die Kraft seiner religiösen an Gott. 7 Mendelssohn hat sich durch wunderung von Tausenden sef schen Zeitgenossen erworben;?:ewurzelte Freundschaft Gotthst reiheitlichsten und mutigsten deutschen Literatur. seine Leistungen die Bener christlichen und jüdiin erster Linie^ die tiefld Ephraim Lessings, des Eharakters in der ganzen Es ist heutzutage Sitte gen orden, auf die Philosophie der Aufklärüngszeit ein wenig verächtlich herabzublicken: als habe sie nichts anderes a!s einen platten Rationalismus und einen seichten Optimismus gelehrt. Man vergißt die Hauptsache dabei: die Kultur- und gesellschastsgeschichtliche Rolle der Aufklärung. Man übersieht, daß alle ihre führenden Geister, rnter ihnen in vorderster Reihe Lessing und Mendelssohr. im Namen der Vernunft und der Humanität Vorkämpfep der Freiheit gewesen sind. In diesem Zeichen hat LessiNg die scharfgeschliffenen Pfeile seines Spottes gegen diej Orthodoxie der protestantischen Kirche gerichtet. In diesem Zeichen hat der junge Schiller sein rebellisches Iugenadrama „Die Räuber" wie eine Brandfackel gegen das absstlutiftische Fürstentum und gegen die Vorrechte des Adels geschleudert. Und in dem-, selben Zeichen hat^sich Mendelssohn für die Erlösung des deutschen Judentums aus der I Knechtschaft des Ghettos eingesetzt.; Er ist kein revolutionärer Eharakter gewesen. Sein Temperament war zu milde, zst friedlich, als daß er wie Kant oder Lessing die Fundamente der herrschenden Ordnung durch einen Generalc ngriff zu erschüttern versucht hätte. Sein Wesen war jo ganz Pietät, daß er sich schwer von eingewurzelten Vc rstellungen zu lösen vermochte. So hält seine letzte lnd vielleicht beste metaphysische Arbeit, „Die Morgenstunden", an den Ideen des Philosophen Leibniz fest, die gr dreißig Jahre zuvor in sich aufnahm. Aber — und das ist die Lebensarbeit Mendelssohns b> Hauptsache — die ganze ewegte sich doch auf jener Bundes-Hauptversammlung! Die diesjährige ordentlich« Bunhes-Haupt Versammlung findet statt am Sonntag, dem 24. ^ovember 1929, zu Berlin im Logenhan^, SleWrahe 10 ....»»—»»» Qf müssen bis zwo 30. September 1929 •tl III v U y v im BlllldeSvüro eingegangen fein. nachträglicher" Anträge im tuten Erledigung der Vorlund« s< Hauptversammlung Weitergabe etwa nach dem 'nträge bann «in« Gewähr Wir bitten, die Einsendung Interest« der möglichst glatten uni arbeiten und des guten Verlaufs bei zu vermeiden. — Für rechtzeitige 80. September 1929 eingehender nicht geboten werden. Die Delegierten unserer Landesverbände und Ortsgruppen und di« Kameraden de« Bundesvorstandes werden hierdurch bereit» zur Teilnahme bamer^schaftlichst eiUgeladen. 291 I

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