Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tätigen", 6.30 Uhr nachmittags auf dem alten kaiserlichen Paradefelzu den Massen sprechen. In der Tat: roetm Sport eine Verflachung bedeuten kann, ist es um so not-> wendiger, ihn einzugliedern in das gesamte nationale Stre-V den. In diesem Sinne hat der .Sturmvogel" aufgerufen! Möchten alsbald überall im Reiche tätige Ortsgruppen in enger Fühlung mit dem Reichsbanner aufblühen! Am Verfassungstag zu Berlin jedenfalls ist auch das Berliner Flugfeld zur Statte frohesten Volksfestes geworden. Wahrend mit' einem musterhaft geschlossenen Zug von Albatros, dann mit einem zweiten von Flamingos die wimpelgeschmückten Geschwader der vom Reiche subventionierten Verkehrsschule heimkehren, steigt Altmeister Udet mit feiner de Hovillant .Motte" auf und vollführt zum Staunen und zur Begeisterung der Zehntausende und aber Zehntausende, die die Untergrundbahnzüge vom Innern von Berlin nach und nach heranführten, seine waghalsigsten Kunstflüge, ein lebendiges Zeichen, dah weder auherdeutsche Vertragsfestelung noch innerdeutsche radikalpazifistische Verdächtigung im..jungen deutschen Dolksstaat den im Bewutztfein der Masten verankerten Sportgeist Niederhalten können. Lö. Völker- und Rassenbegabung lFortsetzung.) Wenn sich, so lehrt Mae Dougall, gewisse TraditionLN, Gebräuche. Einrichtungen entwickeln, die sich auf das Verhältnis ihrer Mitglieder beziehen^ wenn vor allem eine Kontinuität ihres Bestandes eintritt und eine Organisation sich bildet, die diesen Zusammenhalt für längere Dauer garantiert: wenn in jedem Individuum eine bestimmte Vorstellung von der Natur, den Funktionen>- den Leistungen und Ansprüchen der Masie sich entwickelt hat, so daß sich daraus für jede Einzelperson eine Gefühlsbindung zum Ganzen ergeben kann, dann sind' die Bedingungen für ein Höchstmaß geistig-sittlicher Entfaltung der Gesamtmasse geschaffen. Tatsächlich sind dieses die Voraussetzungen für jedeVolkskultur. Unter diesen Verhältnissen ist auch der große Beitrag der Volksgesamt-' heit an der geistig-sittlichen Leistung zustande gekommen. Die Entstehung einer eigenen Sprache: die anfänglich noch etwas unklaren Vorstellungen von Recht. Religion, Sittlichkeit; die Masse von Erzählungen, die den Stoff für Märchen, Sage, Legende, Mythe abgeben: das sind die Erzeugnisse des Gesa m t g e i st e s. In ihnen dokumentiert sich die Volks- bzw. Raffenbegabung. Es gibt da schon gewaltige Unterschiede. Einzelne Völker oder Raffen bleiben auf einer Stufe sprachlicher Entwicklung stehen, die gerade für die Bedarfsverhältniffe der wirtschaftlichen Tagesverrichtungen und der gewöhnlichsten Familien- und Liebessorgen ausreichen. Andere Völker entwickeln sich darin so hoch, daß ein gottbegnadetes Menschenkind wie Sappho oder Walther von der Vogelweide aus der unerschöpflichen Fülle der Muttersprache dichten kann. Einige Völker bringen es in ihren Legenden, Mythen und Märchen nicht über die abergläubisthen Furchtvorstellungen hinaus, mit denen sich unsere Mädchen auf dem Lande ängstigen. Andere fördern ihre Mythen- und Sagenbildung so weit, daß ein Genie, gewissermaßen in letzter Bearbeitung, das Heldenlied von dem Trojanerzug oder von den Nibelungentaten vortragen kann. Ganze Stämme, Völker und Raffen haben in ihren religiösen Auffassungen die plattesten Kraft- und Riesenprojektionen primitiver Faustanbetung nicht überwunden: andere sind zu einem ästhetischen Polytheismus gelangt, und ein einziges Volk, das Volk Israel, hat der Welt den erhabensten Monotheismus geschenkt. Man kann also, was die individualistische Geschichtsauffassung verbieten will, sehr wohl von Volksbegabungen reden und sie auch nach ihrem Höhenmaß zueinander in Vergleich stellen. Nur soll das nicht in der Absicht des feindseligen Gegeneinandermeffens geschehen. Wie das heute geschieht und schon lange der Brauch ist, erfolgt diese VergleichunK^neist geradezu nach den Regeln des sportlichen Rekords. Man fragt da, wer der Stärkere. 284 - 1 der Ueberlegenere ist, und ist das Verhältnis scheinbar seftgestellt, so fällt man dann über den vermeintlini Mindtrbeanlagten her wie der brutale Sportenthusia über den k. o. geschlagenen Faustkämpfer. So läßt sic. das Verhältnis der Völkerbegabungen natürlich niä abmeffen. Allein schon die Eigenart der Beanlagun verbietet die mechanisch-zahlenmäßige Abwägung um widerstrebt zum Glück der gehässigen Auszählung: Siegc und Unterlegener. Nün tut die Forschung für die Raffen- und Volkbegabüng ganz recht, wenn sie nicht nur die Erzeugnis' der Gesamtheiten in Parallele setzt, sondern au' die verschiedenen Einzelleistungen. Die ind> vidualjistische Geschichtsauffassung besteht mit gute: Gründen auf der Forderung, auch das Werk der schöpfe rischen Genies als repräsentative Leistung ihre Volkes oder ihrer Raffe zu werten. Sie müßte in diesen Verfahren sogar noch weiter gehen, als das gewöhnlich der Fall ist. Denn nicht nur oie Schöpfungen jener be gnadeten Denker, Künstler, Entdecker, die neue Kate Sorien der Weltanschauung aufstellten, neue Methoden de Forschung schufen, neue Kunstrichtungen einschlugen und revolutionierende Entdeckertaten verrichteten, darf sic als B^gabungsäußerungen der oolksmäßiaen Gesamtheil ansprechen. Sie müßte vielmehr auch die schon mehr dem Mittelmaß der Begabung zugehörenden Lei stunaen mit in ihre Rechnung einbeziehen. Gerade für die heutige Zeit scheint uns das unerläßlich zu sein. Wir haben,j mindestens in den Wissenschaften und in der Technik, eche Entwicklungsstufe erreicht, bei der der entschei dende Fortschritt weniger durch die Schöpfung einzelner Genies als durch die planmäßige Arbeit vieler Taug licher erzielt wird. Was sie, dieser gute Durchschnittsschlap. j zutage fördern, das stellt den Beitrag der volksmäßigen Leistung zur Gesamtkultur ebenso, ja vielleicht noch mehr dar, als das Werk des Genies. Und noch ein letzter Schritt ist unerläßlich; die Be gabungsforschung, welche vergleichende Resultate erzielen will, muß an die Feststellung herantreten, welches Pensum die große Masse der Arbeiter, Angestellte:: und der Berufsangehörigen lei st et, die sich auch in diese Gruppen nicht gut ein rei h en la sse n. Ein schwieriges Problem. Um es zusammenfaffend zu rekapitulieren: Vier Aufgaben sind der Forschung gc stellt, die auf den Vergleich der Begabungsstufe einzelner Völker oder Raffen ausgeht. Sie hat zu ermitteln» welch ein Geist sich in -den Kollektiverzeugnissen der Sprache, der Religion, der primitiven Sagen, Mythen und Legenden bei den zum Vergleich herangezogenen Völkern dokumentiert. Sie hat sodann das Niveau der Leistungen zu prüfen und zu vergleichen, die die schöpfe rischen Genies vollbracht haben. Sie hat ferner die Begabungsqualitäten der großen Schar selbständig denkender Köpfe, oie an leitenden Stellungei. wichtige Führerarbeit oerrichten, innerhalb ihrer Ver gleichsgruppen festzustellen. Und sie hat endlich zu ent scheiden, ob sich die m i t a r b e i t e n d e M a s s e hier oder dort durch größere Begabung auszeichnet. Dies is die logffche Struktur der Untersuchung, welche sich dir Lösung des in Frage stehenden Begabungsproblems:zum Ziel gesetzt hat. Jede andere Untersuchung, zu welchen Ergebnissen auch immer sie gelangen möchte, würde ein fach unverbindlich sein. lSchluß folgt.) Die Stabt Äoswig ehrt ihren grohen Sohn Hermann Cohen l An dem Geburtshaus des im Jahre 1918 gestorbenen Be :fUun£>ers der „Marburaer Schule", des Philosophen Hermann Lohen, h« die-Stadt Koswig eine Inschrift anbringen lasten. Ferner wird im Rathaus eine Lrinnerungnsplakette ihren Platz erhalten, )ie von dem Bildhauer Illemann stammt.