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Der Schild · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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„3c lof ®n Gerichtshof c hne Staatsanwalt, ohne Geschworene und ohne Rechtsanwalt In New Aork gibt es seit u id .ürperfdjoft, die Schiedsspruch einen „Gerichtshof" im iiblu, ,,hre Urteile und Entscheidungen -lacht vollstreckt werden, und sie ,ingenommen. Dieses richterliche jom Volk gewählt noch von einch ^iid genießt dennoch bei denen, senden, schrankenlose Autorität. ->f Arbitration", die alle zwei i'ülkerten Stadtbezirk zusammen^:! >is zehn Klagen, die vor das lindet. Da gibt es weder einen Gerichtsvorsitzenden. noch einen keine Eidesleistung — es geht lagen biblisch, zu. Die streitenden leibst, werden ruhig anqehört, gestreute Fragen die Sachlage zu Mahnungen, durch Berufung auf schlichten. Frieden zu stiften. Di< sich auf das beste bewährt,' es ged soviel Stadtbezirke wie möglich a e cher Wo h Ve c all, s d e neun Jahren eine richterliche ■') Urteile fällt und die doch juristischen Sinne darstellt, k innen durch keine behördliche ■ w irden dennoch als inappellabel? reimännerkollegium ist weder c staatlichen Stelle eingesetzt l ie sich an diese Körperschaft Es ist dies die „Iewifh Court ien in einem von Juden beitt und jedesmal über fünf egium gebracht werden, be- Staatsanwalt, noch einen leidiger, keine Kreuzverhöre, > ganz primitiv, um nicht zu Parteien vertreten ihre Sache e Richter suchen durch einl lären, suchen vor allem durch die Religion Streitfälle zu ses eigenartige Tribunal hat ikt daher, seine Tätigkeit auf iszudehnen. Die „Iewifh.Court of Arbit n schon seit längerer Zeit bestehender London heißt sie „Court of Day, n glieder, der Rev. M. Hyamson, hc t der Einrichtung einer ähnlichen „ü o Jahren seines Bestandes hat da> nähernd 4500 Fälle erledigt,' mit der Hilfesuchenden vergrößert. Differenzen schlichten wollen, i schreiben, durch den sie sich verpsti „Court" bedingungslos anzuerkenr natürlich nach dem Bllrgerstchen Klage werden,' es ist jedoch bisher Partei über den Spruch der „Cour Gericht appelliert hätte. Einen „Gerichtskalender" i nicht. Nur in rohen Umrissen Klage einer Waise den Vorrang und eine solche den Vorrang vor W Court of Arbitration h Ci Von C. A. Bratter. Berlin. ation" ist einer in London Einrichtung nachgeahmt. In m", und eines ihrer Mitdie New-Aorker Juden bei ' beraten. In den neun New-Aorker Tribunal anedem Jahr hat sich die Zahl Parteien, die' dort ihre iffen einen Revers unterichten, die Entscheidung der en. Dieses Dokument kann Gesetzbuch Gegenstand einer nicht oorgekommen, daß eine hinaus an ein ordentliches Q ourt" Oie m ii?eln in einer religiös, \ anspruchen kann. D e Art der Beschwerden, die vor dieses Tribunal gebracht weriien, ist außerordentlich verschieden,' alle Zwischenstufen zwis, hen schmerzlichstem Pathos und beinahe komischem Ansinnen sind da vertreten. Ein alter Mann £ B. kommt vor das Ger cht und beklagt sich über den Präsidenten seiner jüdischen Bezi 'ksgemeinde, die ihn aus der Gememdelistegeftrichen und gedroht hat, ihn und die Mitglieder seiner Familie vom Besuch der Syn rgoge auszuschliehen. Der Mann verlangt, daß das Gericht gegi n den Gemeindevorstand entsprechend austrete. Ein anderer klagt einen Rabbi an, der das Gerücht verbreitet haben soll, daß das rituelle Bad des Klägers rinne oder sonst Schäden arfweise. Die Klage lautet auf Verleumdung und geschäftliche Schiidigung. Eine Frau verlangt, daß das Er richt ihren Mann, de c sie vernachlässige, gehörig zur Rede stelle: Ein Mann wünscht, laß das Gericht seiner Frau strenge We.sung erteile, ihn mit gröferem Respekt zu behandeln und ihnnicht, mehr mit seinem Al er zu hänseln. Ein junger Mensch, dessen Braut die Verlobung ausgehoben hat, klagt auf Zurückgabe der Brautgeschenke. Eia Gemeindelehrer klagt das rückständige Gehalt ein, ebenso ein Hausportier, dessen Lohn seit Monaten überfällig ist. Eine Witwe klagt auf Erstattung, der von einer wohltätigen Gesellschaft ihr versprochenen Witwenrente. Die Entstehung und die Tätigkeit dieses Gerichtshofes! «ixr inserem Sinne gibt es dort nird etwa bestimmt, daß die wr der Klage einer Witwe >er Klage eines Mannes ben Tradition der Juden, die ihnen verbieg Streitigkeiten vor Än nichtjüdisches Gericht zu tragen. Klagesachen, die vor die „Iewish Court of Arbitration" ges werden, werden dah:r ungefähr wie Familienstreitigkeitz handelt, die zu schlechten die drei Richter als ihre AtzfäähsI übernommen haben, j Es sind auch in der Tat der MehrzahdLM Zwistigkeiten innerhalb einer Familie, mit denen die lWste?,' sich zu beschäftigen haben. Eine alte, gebrechliche, streng drech" blickende Frau erscheint vor den Richtern und verlangt, daß'ihre acht Kinder veranlaß! werden, ihr eine wöchentliche Unterstützung, von 25 Dollars zu bezahlen. Ihr Mann fei vor einigen Jahren gestorben, und sein Geschäft sei die Hände ihrer Söhne übergegangen: sie sei allsr Existenzmittel bar, und die Kinder frei gerten sich, sie zu unterstützen. Die Richter befragen die Kinder: einer antwortet: „Doür Honor, sie ist gar nicht wie eine Mutter." — „Wieso? Ist sie Ihre Stiefmutter?" — „Nein, aber sie hat uns nie wie eine Mutter behandelt. Sie hat zwanzig Jahre nicht mit dem Vater gelebt. Sie hat uns aus dem Hause gejagt, als wir jung waren. Einige von uns find im Waisenhaus er Safchl Novelle von Sie fen Kann. lSchlu, | Meine Unruhe stieg. Die Erst irung, daß Kowalowski freiwillig zur Erkundung nach vorn g gangen sein könnte, um sich zu rehabilitieren, um zu zeigen, daß Hr seinen Mann stand, schien ---w ... Sch.'"'^-m-'E‘-- mir naheliegend zu sein. Schließlich und aus diesem Grunde hatte er war er ein Mann von Ehre, vohl auch so sehr gedrängt, heute mitzukommen. Aber ich tu rfte ihn nicht allein lassen. Ich dachte an Sascha und mein Der Ich hatte den Karabiner umge schnell vorwärts. Ich dachte an erreichte einen Punkt, der, halb einen besseren Ausblick bot. Dort das Vorgelände besser beobachten Mond verdeckt und es war stockdun k frei. Ich sah geradeaus nach link i mar ungefähr in der Mitte zwisci > dem Punkte, wo der erste feindlic, bis dorthin höchstens noch 150 M und hören zu können, mußte ich 1 Felsen hervor. Langsam tat ich Den Karabiner hatte ich in der H> u Da — wahrhaftig, es war ke 70 Meter vor mir bewegte es sich Ich brachte den Karabiner nach vor ■in. Nein ... Es war Stanislaus von Kow« lowski. Es war kein Irrtum möglich. Ich sah die deutsche Mütze, 14, sein Gesicht, das ganz fahl —.-- m ... Ai genblick Saschas liebes Gesicht und wieder horte ich die' Stimme jener Nacht in den ietzt sah ich, als er seitwärts blick mar. Wieder sah ich in diesem " prechen. h ängt und ging ohne Deckung I eine Gefahr für mich. Ich zur Seite der Beobachtung, warf ich mich zu Boden, um können» Gerade war der el. Dann wurde der Mond Nichts bewegte sich. Ich en unserem Felsenloch und e Posten stand. Es waren 4ter. Um nach rechts sehen I inter einem mich deckenden Ich lag ganz, ungedeckt, nd. es. ine Täuschung —, vielleicht näher dem Feind als. mir. i. Feinde! Ich sah schärfer schlesischen Bergen. Ich rief. Ich pfiff. Er mußte es gehört haben, wenn er hören wollte. Er drehte den Kopf nicht herum, sein Blick war gespannt nach vorn gerichtet. Was machte er? Beobachtete er? Ich habe nie einen Hauch von Furcht für mich verspürt, aber ich empfand in dieser Stunde eine tödliche Furcht für ihn. Ich ahnte, daß sich etwas Schreckliches ereignen würde . . . Sascha _ Er hatte das Gewehr im-Arm, und jetzt... beim Himmel... es war kein Irrtum... nein, ich sah, wie Stanislaus von Kowalowski den Karabiner ganz seitwärts von sich legte und wie er das Koppel löste. Mir erstarrte das Blut in den Adern. Um der Ewigkeit willen: Stanislaus von -Kowalowski desertierte! Ohne Ueberlegung schrie ich seinen Vornamen, ich schrie: „Sascha!" Der französische Posten mußte ihn bemerkt haben. Nochmals rief ich: „Sascha!" durch die mazedonische Nacht.^ In diesem Augenblick drehte et den Kopf ganz herum und ich sah^in sein verzerrtes Gesicht. Stanislaus von Kowalowski erhob i?ch gebückt. Er ging einen Schritt vorwärts zum französischen Graben. Es war kein! Zweifel, der Mann wollte überlaufen. Ich dachte an die Schande, an die Kameraden. Er kannte die Stellung. Es war zu spät, ihn einzuholen. Verrat! ' - Jetzt ging er schneller auf den französischen Graben zu. Jetzt war er noch 50 Meter davon entfernt. Jetzt 40 Meter. Jetzt 30 Meter. Ich hob den Karabiner zum Anschlag, nein Herz stand still, aber mein Arm war fest. Stanislaus von Kl walowski ging über zum Feind. Da schlug ich auf Stanis aus von Kowalowski an und drückte ab. Er sprang einen ha den. Satz in die Höhe: dann fiel er platt auf das Gesicht zusammei i.. Einen Augenblick war es totenstill. Dann begannen die Franzosen in die Richtung, in der ich lag. zu feuern. Ich erwiderte mit wenigen Schüssen das Feuer. Der Mond var wieder bedeckt. Ich kroch zur Beobachtungsstelle zurück. Als— ich ankam, war das feiudlrche Feuer zu Ende. Der Dachtme ster und der Kanonier lagen im Anschlag auf der Böschung. 577

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