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Der Schild · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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gebildeten. Und schon aus diesem Grunde, und weil die Notwendigkeit vorlag, einigen von ihnen zu helfen, ist die „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." im Begriff, fünf jüdische Gärtner bzw. Gärtnerinnen und Geflügelzüchter in der Nähe von Berlin anzusiedeln. Ebenso wird bei dem Siedlungsgut, das bic, „Jüdische Landarbeit" in diesen Wochen zu erwerben beabsichtigt, darauf Rücksicht genommen, daß es für die Ansiedlung von Gärtnern und Geflügelzüchtern geeignet ist. Aber wir haben in Deutschland auch bäuerlich vorgebildete Juden als Arbeiter und Beamte in verschiedenen jüdischen und nichtjüdischen Betrieben, und es ist unsere Pflicht, auch sie bei unseren Bestrebungen zu berücksich igen und ihnen die Möglichkeit der Gründung einer eigenen Existenz zu geben. Deshalb dürfte es nicht empfehlenswert sein, sich einseitig auf die Ansiedlung von Gärtnern, Geflügelzüchtern usw. festzulegen, sondern zunächst unsere Bestrebungen dem vorhandenen landwirtschaftlich und gärtnerisch vorgebildeten Menschenmaterial anzupassen. Bei der Beratung der jüdischen Jugend, die landwirtschaftliche Berufe ergreifen will, bei ihrer Ausbildung und späteren Selbständigmachung werden wir aus den oben dargelegten volkswirtschaftlichen und privatwirtschaftlichen Gründen in bei Art unserer Siedlungstätigkeit mit Herrn Profiffor Brutzkus übereinst'immen. " , Ich möchte noch kurz auf eine Bemerkung des Herrn Professor B. etngehen, die vielleicht Berwirrung und Mißverständnisse Hervorrufen kann. Herr Professor B. spricht von der Schaffung einiger jüdischer Dörfer in j Deutschland. Mir scheint, er meint damit jüdische Gruppensiedlung. Gewiß werden bei Aufteilung' jüdischer Siedlungsgüter größere jüdische Bauern- und Gärtnersiedlungen zwangsläufig entstehen müsten, die vielleicht als jüdische Dörfer anzusehen sein werden. Aber sie sollen doch später als Ausbildungsstätte für andere dienen, die ^iefe Berufe ergreifen wollen, und ihnen wird es überlassen bleiben müssen, ob sie sich gruppenweise in einer jüdischen Siedlung niederlassen, oder ob sie sich einzeln oder gemeinsam mit nichtjüdischen Siedlern zusammen festsetzen. Bei den in diesen Wochen beziehbaren 5 Siedlerstellen, die ich vorhin erwähnte, bilden die 5 jüdischen Gärtner eine in sich geschloffene Gruppe, aber sie sind doch Teil einer größeren Gruppe, weil gleichzeitig auf diesem Siedlungsgut noch etwa 20 Gärtnerstellen eingerichtet werden, deren Anwärter Nichtjuden sind. Aus rein praktischen Gründen werden sie alle sich genossenschaftlich verbinden, um sowohl den Einkauf ihrer Bedürfniffe als auch den Absatz ihrer Produkte zu besorgen. Dieser Weg erscheint mir der gegebene und hier wird die Intelligenz des Juden als Kaufmann und sein Jahrhunderte gepflegter Handelsgefft wertvolle Dienste tun können. Martin Goetz. Jakob Löwendecg zum 'Gedenken Wir leben in einer Zeit, die erfüllt ist von einer Atmosphäre aufregender Spannungen, insbesondere ist der uns deutschen Juden gegenwärtig aufgezwungene Kampf besonders heftig, und nur mit Aufbietung unserer vollen Kraft ist der Ansturm zu überwinden. Unsere Geschichte kann uns Heutigen Lehrmeisterin sein, daß im Judentum stets Führer vorhanden, die uns den Weg wiesen der Ehre und des Pflichtgefühls,- die Erinnerung an diese geistigen Heroen darf nie aus unserem Gedächtnis schwinden, und ein Gefühl dankbarer Pietät gebietet uns, das Erbe getreulich .festzuhalten. Ein Führer im Sinne des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten war Jakob Löwenberg, der Lehrer, der Mensch, der Dichter, in deflen Sein und Wirken Glaube und Heimat, Judentum und Deutschtum vollendete Prägung und herzbezwingenden Ausdruck fanden. Jede Zeile seiner Gedichte 276 > d kündet, w Wald, mit -Fühlen u!als Jude!des Deutsch tums tat. Erweiterusi lund jüdist |i e Jakob Löwenberg mil deutschem Meer und d> » Denken verwoben — trieb sein Dichterherz, tums willen Beschimpfst Er empfand sein Jute g und Vertiefung — er Seele das Tiefste zr Ml! deutschem Feld u putschen Bergen, seine Schmerzen ruszusagen, wie ng des Juden un! ntum als eine er wußte von sagen. isd deutschem t deutschem sserfahrungen ihm um des Iudent seelischer ischem Leid n eh Srt jü! i Die r ir Jahrzehnten erfolgt, Gründung des SB. war für uns deutf,e Juden eine Notwent igkeit zur Abweh, gegen Haß und Boru:teil derer, die uns da > Recht auf unser Deutschtum und unser deutsches Vaterland bestritten. Die berehtigte Hoff nung, daß der Weltkrieg eine War dlung des Iudenhc ffes zeitigen müßte, er vies sich als trügerisch! nur während bei Dauer des Krieges sc ,ien die Iudenfrage zurü stgedrängt, und sch rn unmittelbar nach! em unglücklichen Ausg ing waren gewiffe Mächte am Werk, un ere Rechte zu mindern und unsere Leistungen herabzusetzen.! Deshalb war der Gedanke der Gründui g des RjF. eine rette! rde Tat und Befreiung von einem Al! «ruck, und dauernder Dank gebührt den zielvewutzten, aufrechte tt Männern, die diesen segensreichen Gedanken lebendigen Ar »druck verliehen. Ti e Ziele des RjF. galten in erster Reihe dein Bestreben, falsche Beschuldigungen zu widerlegen und dafür , u kämpfen, daß den «raven Männern jüdischen Glaubens, die sch im Weltkriege opprfreudig mit Leib und Seele eingesetzt fy iben für die deutsche Volksgemeinschaft und von denen zwölftau end für das deutsche Vaterland ihr Leben geopfert haben, d e verdiente Gerechtigkeit zuteil wird. Der „Schild", das Organ des RjF., vertritt b|e‘ Rechte der deutschen Soldaten jüdischen Glaubens und kreu« die Klinge mit seinen Gegnern unerschiHcken in mannhafter, vornehmer Art. Jakob Löwenberg bat-in Vorahnung kommender Ereignisse die Lehren, die sich für t>ie jüdischen deutschen Soldaten aus früheren Kriegen ergeben haben, in einer Reihe ergreifender Gedichte, die echte deutsche Lyrik repräsentieren, als geistiges Erbe uns hinterlassen, I und gerade der „Schild" ist berufen, durch Wiedergabe die Erinnerung an diesen gotsbegnadeten Genius wachzurufen. j 1 Michael Fraenkel-Breslau. pogrompanit in Ruhland , Die jüdische Bevölkerung des Städtchens Korösten, Gouv Wolhynien, stand mehrere Stunden lang unter dem beispiel losen Terror einer organisierten antisemitischen Bahnarbeiter gruppe, die sich am Bahnhof formierte und einen Sturm gegen die jüdischen Häuser unternahm. Die schnell geschlossenen Lädep und Haustore wurden aufgebrochen, die Einwohner mörderisch geschlagen, die Warenbestände der jüdischen Handwerker zer rissen und verschleppt. Die zahlenmäßig kleine Ortsvouzei konnte nur einige wenige der Schuldigen feststellen und ver haften. In Kasatin, Gouv. Kiew, erklärte ein Redner in einer Versammlung der Bahnarbeiter: „Wir pflegten früher Juden zu schlagen, wir werden dies weiter tunr Auf der Haltestelle Rostonojewo überfiel ein» Gruppe Bahnarbeiter unter den Rufen: „Schlagt die Juden!" die jüdischen Sommerfrischler und mißhandelte sie schwer. Jüdische Frauen und ein kleines Kind sind unter den Verletzten. In Saratow führen die Bahnarbeiter eine hemmungslose antisemitische Propaganda gegen die wenigen jüdischen Arbeiter, die dort beschäftigt sind, um diese zum frei willigen Verlassen ihrer Posten zu veranlassen. * Ungeheures Aufsehen erregt in Moskau eine bestialische Tat die in der größten Moskauer staatlichen Textilfabrik (früher Besitz von Emil Zindel) verübt wurde. Der jüdische Arbeiter Aron Malinowski wurdevor kurzem zum Borarbeiter befördert Die antisemitisch gesinnten Arbeiter führten seither eine scharfe Hetze gegen Malinowski, die sich noch steigerte, als bekann wurde, öajjr die von Malinowski geleitete Abteilung 490 Web stücke, ofart die übrigen Abteilungey nur je 450 Webstücke tägliä lieferten. Als nun Malinowski morgens in die Fabrik kam und feine Maschine in Betrieb setzte, verunglückte er so, daß er bei. rechten ^lrm verlor. Die Untersuchung stellte fest, dah Mali nowskrs Gehilfe, der russische Arbeiter Nikolajew, auf Anstiftung der Antisemiten die Maschine so gestellt hatte, daß Malinowsk verunglücken mußte. (Ita.) * Die Kommunistische Presse teilt mit. daß die öffentliche, Bibliotheken in den Ländern der Sowjetunion den jüdische, Dichter Schalom Asch auf die „Schwarze Liste" gesetzt Haber, «eine Werke werden nicht mehr an Leser ausgegeben. AI abgegeben, daß Schalom Asch einen chm von Mai schall Pilsudski verliehenen Orden angenommen habe.

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