Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i ehmen. Und so habe ich mir erlaubt, vom Standpunkt des Staatsbeamten, der sich um die Zukunft des deutschen Staates sorgt, zu diesem Thema einige Worte zu sagen." Mit dem Wunsche, auch das Kieler Anthropologische Institut möge nach der oben gezeichneten Richtung der Wahrheit dienen, übergab Dr. Sitzler dann das Institut seinem nunmehrigen Direktor Prof. Dr. Aichel, der es mit einem Dank an alle, dje um die Neugründung und dem Ausbau der Forschungssiätte sich bemüht hatten, übernahm. Prof. Tr. Aichel knüpfte daran einen Abriß übe^- die Geschichte der als Sonderwissenschaft ja noch verhältnismäßig jungen Anthropologie und ihre Stellung zwischen der medizinischen und philosophischen Fakultät. Seine wissenschaftlichen Ausführungen Uber Ortsgruppen! Zahlt eure Beiträge! Vererbungslehre, Rassenkreuzung, Beziehung zwischen Konstitution und Rasse können leider von uns im Rahmen eines kurzen Berichtes nicht in dem verdienten Maße gewürdigt werden. Erwähüt mag jedoch noch werden, daß auch Prof. Tr. Aichel auf die Tatsache hinwies, daß bei U m w e l t w e ch f e l, z. B. bei Auswanderungen von Europäern nach Nordamerika oder den Tropen, tiefgreifende Umstellungen der CH ganfunktionen, ja Abänderungen der Schädelform und Körpergröße, beobachtet wurden. Diese Tatsache ist zwar bekannt, doch hören unsere völkischen Rassenfexe nicht gern etwas von ihr, da sie ihnen das Konzept in einem wesentlichen Punkte total verdirbt. Wir können gns nur dem Wunsche des Universitätskurators voll anschlietzen: Möge auich das Anthropologische Institut der Universität Kiel eine neue Stätte werden, die der Wahrheit dient und damit zugleich den Rassenschwindel dorthin verdrängen hilft, wohii>er gehört, ims Nichts und in die verdiente Vergessenheit.! — " („Abwehrblätter".) Ich ging zu Kowalowski; er lag auf seinem Strohsack. Bei meinem Eintritt wollte er sich erheben. Er fiel zurück. Seine Augen glänzten fiebrig; seine Hände zitterten. Er war schwer krank und hatte hohes Fieber. Nochmals versuchte er aufzustehen, krampshast,- er versuchte eine Ehrenbezeugung zu machen, er, der schlechte Soldat, gerade vor mir. Ich sagte ihm: ..Sie bleiben heute zu Hause; Sie melden sich krank; ich werde dafür sorgen, daß Sie aus der Front zurückkommen; Sie sind dienstunfähig." ..Nein, Herr Leutnant", sagte er, „ich gehe mit vor. Es ist der einzige' Wunsch, den ich habe. Lassen Sie mich mit." Ich widersprach.. Er war aufgestanden und torkelte wie ein Betrunkener. „Warum wollen Sie mit?" fragte ich. Er schwieg. „Nein!" sagte ich. „Herr Leutnant!" Ich nahm an, daß?r wieder gutmachen wolle, er schämte sich. Ich wußte, datz die Art des preußischen Militärs, die Leute bei der Ehre zu packen, wirkte. Als ich gegen Abend vor meinen Unterstandstrat, um zur Beobachtungsstelle zu marschiere», stand ■ Kowalowski vor mir. Ich nickte ihm zu; er ging neben mir vorwärts. Er sah etwas frischer aus; vielleicht war es auch das Fieber, das ihm die Röt^ in die Backen trieb. Ich sprach nur wenig mit ihm. Ich sagte ihm: „Nehmen Sie nichts tragisch; die Zeit geht vorüber. Das Leben liegt vor Ihnen; das Militär kennt keine Menschen; nur die Idee des Baterlandes und die Pflicht." Er erwiderte keine Silbe. Ter Beobachtungsposten war außer von uns beiden mit einem Wachtmeister und einem weiteren Telephonisten von einem anderen Zuge besetzt. Tie Telephonisten lösten sich gegenseitig ab; ich löste mich mit dem Wachtmeister ab. Das Gelände an der BeobachtüUgsstelle war steinig und unübersichtlich. Erratische Felsblöcke lagen zerstreut; der Punkt, auf dem das Scherenfernrohr stand, lag in der Mitte. Der Ausblick nach der Seite war nicht gegeben. Links und rechts war je ein Loch in der Erde, eines für die Mannschaften, das andere für die Offiziere und die Wachtmeister. Davor lagen' die feind¬ 270 Neues Material zum Dreysus-prozeh Zolas Flucht nach Englands Eine der letzten Nummern des „Mercure de France" briiij einiges neues Material zum Dreyfus-Prozeß gnd der Rolle, d Emile Zola in dieser Zeit gespielt hat. Eq handelt sich ir bisher unveröffentlichte Priese und Dokumente. Man erfäh unter anderem, daß Zola in der Zeit der Hochstut des Anst femitismus keinen Augenblick seines Leben sicher war. Sein Verteidiger und seine Freunde rieten ih, auch, niemals allein und unbewacht auszugeh^n. Eines Mor gens, als Zola seinen Verleger aufsuchen wollte, wurde fei von Pöbes erkannt und umstellt. Es gelang ihmj noch rechtzeitl. das Haus seines Verlegers George Charpent er zu erreichen wo der „Generalstab" um Zola einen Kriegsrai hielt. An dieser Beratung nahmen unter anderem der Verteidig!! La dort uns George Clemenceau teil. Es wurde beschlossen, daß Zola so rasch als möglich Frankreich verlasse. Anfc ngs wollte Zola davon nichts wissen; schließlich gab er nach und fuhr am lg. Juni 1898 nach London. Bald darauf trat in der Affäre Dreyfus eine Wendung ein. Kapitän Henri hatte, nachdem er seine Fälschungen ein gestanden hatte, Selbstmord begangen, der Dreyf is-Prozeh wurde revidiert und Zola konnte nach Frankreich zuriickkehren. Aus feinen Briefen aus der Verbannung ist zu entne! imen, wie schwer er unter den Vorgängen in Frankreich gelitten hat. In einem Briefe an Octave M i r b e a u schreibt Zola: „Ich habe wieder zu arbeiten begonnen, sind dieser Ent schluß macht mir das Leben wieder erträglich, stets meine Retterin. Meine Hände zitterten, Hnd Sie können sich gac nicht vorstellen, wie die Geschehnisse in Frankreich mein ganzes Wesen zerrüttet haben. Jeden Abend Welt i>ehe unter." In einem zweiten Briefe schreibt Zola: „2 ier Monate sind es bereits, daß ich im Exil lebe und nicht fo leben kann, wie mein Herz und mein Geist zu leben gewohyt sind. Ich kann es nicht länger ertrag m. Das Leben im Exil lastet schwer auf mir, ich zähle schon d e Tage, in der glücklichen Erwartung eines sicheren Sieges. Eist Jahr lang lebte Zola in der Verbannung, um seinen Kampf! für die Wahrheit bis zum Siege zu führ >n. Frankreich nahm ihn wieder in Ehren auf. glaube ich, die lichen G Stellungen. Vor uns waren keine eigenen Truppen mehr. Nur gelegentlich gingen wir zur Patrouille ins Selände. — Es war eine kühle, häßliche Nacht. Der Himmel war bewölkt: hier uyv da brach der Mond durch. Die Zähne k apperten, alles doppelt unerträglich nach der Tropenhitze des Tc ges. Di? beiden vom anderen Zug hatten die erste Wache. Ich legte mich in mein Erdloch mit angezogenen Beinen. Mich fror, öch trank einen Schnaps und noch einen und einen dritten. Dann versuchte ich zu schlafen und versank in einen Dämmerzustand, der nicht Schlafen und nicht Wachen wir und in dem die Netven erregt und gespannt und vielfach auf alle Einwirkungen reagieren. Ich hatte meine Gedanken zu Sascha geschickt; >ort waren sie gut ausgenommen worden. So träumte ich. .Ich mochte eine halbe Stunde geschlafen haben, da erwachte >ch Ich».' Ich fuhr zusammen. Ich hatte im Aug« nblick des Erwachendas Empfinden, als seien wir überrui ,pelt und als standeniFeinde vor mir. Ich sprang halbtrunken ruf. Nein . . . . <-.'ch war das Opfer meiner Erregung, de» Fiebers, das mir tn piefer Nacht durch die Adern rann. ..3ch!dachte an Kowalowski. Ich wollte zu lim gehen und mich nach ihm umsehen, vielleicht auch ein paar Worte mit ihm plauderis, wenn er nicht schlief. . Ich.ging unterhalb der Beobachtung zu ihm hinüber zu seinem Erdloch. Das Erdloch war leer. Was wc r das? Aber das Strgh war noch warm. Kowalowski muhte jux) vor wenigen Minister, hier gelegen haben. Der Karabiner feh te. > Ich suchte nervös die nächste Umgebung ab. Auch da war " nicht Ich ging zum Fernrohr. Der Telephon st schlief und der Wachtmeister saß müde am Apparat. Ich fragt e nach Kowalowski. Man hatte ihn nicht gesehen. Ich sagte zum Wachtmeister: „Der Mann ist krank. Vielleicht hat er j ich verlaufen, als er cmstreten wollte. Vielleicht ist er auch irr Vorgelände, um ohm Auftrag Patrouille zu gehen. Ich wil ihn suchen. Ich suche ,hn auch vorn. Seien Sie v»rsichtig. schieß n Sie nicht." Zch nahH den Karabiner des Telephonisten mit. (Fortsetziung folgt.)