Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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RutzlaudS letzt« jüdischer Richter Di« Ctittiteniiif eit Jakob Teitels. d S Seit acht Jahren lebt tn.eii ei - -e, der einst im zaristischen f Richter und als Wohltat« r iger Greis, der noch heut, Leiter des „Verbandes ST .' reich für seine gleich ihm gl Wirklich« Etäatsrat Exzel! Tiefer schlichte, stets freunfli 'r Gast auf Tagungen, jü -ilanthrop von großem »schlich bezwingendem Zause .e» umschließt ein ereignisr .schen Geschichte. Als er lichaft Podoliens im Südntest : auf dem Throne der Roma > wlaus I. Als er Richter i exander II., der feine Regierten »des Morgenrot nach finstere era von Reformen begann, Erleichterung brachten. Und iintsführung im Jahre 1912 „gte, war kurz zuvor der M mächtige Gehilfe des Zaren N Brückung der ersten Revolutioi Teitel hat nach dem Weltk riebt, dessen Wogen ihn an i.arfen. Dies ist der geschieht eisen reichem persönlichem Int, Nemoirenwerk berichtet, das u meiner Lebensarbeit" jüngst lr trlias Hurwicz) in dem jüdischen a. M. erschienen ist. Es lohnt dieses anziehend und tempev lesen. Die Ereignisse im zweit schon Heimat Teitels ab und b l.tzt nach Deutschland hinüber Judentums treten in großer; Ein jüdischer Richter im rcudigem Klang. Wir erin > ^erse Heinrich Heines: ^Rußli mir vielleicht behagen, / Doch > nute nicht vertragen." / De .itren erwuchs nicht, wie in m ^.ben und den Gefühlen des >ß er in seinem Verkehr mit .'olga selten auf ursprünglich! Trr russische Antisemitismus ei cgionen der kaiserlichen Büro rsesieln hinab durch das itwickelten Beamtenhierarchil leser mächtige Apparat, von rt, entwickelte den Antisemit! che Bazillenzucht zur Infektfo :ctretenen Volkes, um es ab. Iner Rot. Als Jakob Teitel in der ustizdienst eintrat — er wurde inn in Saratow im östlichen n Riesenreiche nur fünf oder -:on unter Alexander in., d 'inzige Schar unter einen ' ichen ihm durch den Uebertrit »ter ihnen Teitel, hielt tapfer meiner, nachdem in den achtzix e ramt den Juden grundsätzli> i ctzt war Teitel der ei Rußland. Als unter Stoly t and Schtfcheglowitows gelan, te ung des Judenhasses den A ro.teß gegen den unschuldiges L'andgerichtsrat in Saratow wungen. seinen Abschied zu chre Demission notwendig macht. i,cutige politische Kurs. Es gl s Richter fungiert." Mit dii sser, nötigte ihn der Ministe c ungsgesuch. In diesem Rußland. ">ie „Ansiedlungsrayons" der wl' mßte ein jüdischer Richter viel -'sitzen. um die Schikanen der In fesselnder Darstellung . 'chaftljche Leben des vergange! ervorsteigen. Er schildert ref Entlegenen Dorfe, den ersten die Schwierigkeiten, die ein d scher gcn. sie s reizr rl m Vororte Berlins ein russischer Rußland eine bedeutende Rolle gespielt hat: ein fast achtzigmit jugendlicher Schaffenskraft ssifcher Juden in Deutschland" flüchteten Leidensgenossen wirkt: nz Jakob Teitel. che und gütige Mann, ein häu- Wohlfahrttzpflege, ist ein ge, von echter Humanität und r. Sein langes, stets tätiges iches Kapitel der russischen und Jahre 1856 in einer kleinen ten Rußlands geboren wurde, ows die despotische Hünengestalt vurde, herrschte sein Nachfolger g. verheißungsvoll wie aufleuch- Nacht, mit einer hell bejubelten »ie auch den geknebelten Juden ' i Jakob Teitel nach 37jähriger Robe des Landgerichtsrates abi tisterpräsident Stolypin, der all» kolaus II.. nach blutiger Unter- , ermordet worden, ieg den bolschewistischen Umsturz )en Strand des deutschen Exils iche Rahmen eines Lebens, von alt der alte Staatsrat in einem iter dem bescheidenen Titel „Aus deutscher Uebersetzung (von Tr. i Verlage Kauffmann-Frankfurt ch auch für den deutschen Juden, otnentvoll geschriebene Buch zu :n Teile lösen sich von der russiwegen sich nach Westeuropa, zu- Bekannte Persönlichkeiten des ahl auf lten Rußland! Kein Lied von ern uns der spöttisch-boshaften nd, dieses schöne Reich / Möchte m Winter könnte ich / Tort die Antisemitismus im Reiche des chichen anderen Ländern, aus dem Volkes. Der Verfasser bezeugt, den Muschiks an den Ufern der Iudenfeindschaft gestoßen ist. tsprang vielmehr in den höchsten rratie und strömte von den Minize Geäder einer überaus reich bis zum simplen Tschinownik. keiner Volksvertretung kontrolsmus gleichsam als eine künstn der tiefsten Schichten eines zlilenken von der wahren Ursache >< n? ritte der siebziger Jahre in den Untersuchungsrichter in Samara, Rußland — gab es in dem ganechs jüdische Richter. Die Reak-- vorletzten Zaren, setzte diese sich steigernden Druck. Einige ins Christentum aus. Der Rest, tand: aber er wurde kleiner und r Jahren der Zutritt zum Richversperrt worden war. Z u - zige jüdische Richter in n das Justizministerium in die e des Mannes, der zur Schürifsehen erregenden Ritualmord- Beilis anzettelte, wurde der 37jähriger Amtsführung geehmen. „Der Hauptgrund, der i, ist Ihre Abstammung und der : heute nicht an, daß ein Jude n Worten, so erzählt der Derhöchstselbst zu seinem Entlas» , das seine jüdischen Bürger in stlichen Grenzgebiete einpferchte. Geduld und viel Selbstvertrauen i orgesekten Behörde zu ertragen. Teitel das geistige und gesell- Rußland aus seinem Grabe n seine Kindheit in einem weit St ibelunterricht im „Eheder" und idisAer ^nabe in Rußland zu n ich l-ßt i en überwinden hatte, um zu den Quellen der wissenschaftlichen Bildung vorzudringen. Die Erinnerungen an die Kriminalprozesie, die er als Untersuchungsrichter, in Dörfern und Städten vorbe-- reitete, gewähren einen tiefen Einblick in das gequälte Leben der russischen Juden. So erzählte er unter anderem oft einer jüdischen Ackerbausiedlung im Bereiche seines Gouvernements, die ebenso wie die landwirtschaftlichen Versuche im südlichen Rußland, trotz aller Anstrengung der jüdischen Bauern, an den antisemitischen Ränken der Behörden Schiffbruch erlitt. Das Haus dieses Richters, der sich mit der ganzen,Autorität feines Amtes für die bedrängten Glaubensgenosien einsetzte, ivar eine gastliche Stätte für geistiges Leben und jüdische Wohlfahrtspflege in einer Welt, die den freien Gedanken und den jüdischen Menschen unerbittlich verfolgte. Von seiner Frau unterstützt, ruft er Kindergärten und Fürsorgeinstitutionen für jüdische Handwerker ins Leben. Russische Schriftsteller, die für demokratische Freiheit und für die Gleichberechtigung des Judentums eintraten, sind häufig Jakob Teitels Gäste gewesen. Unter ihnen vor allem Maxim Go^ki, damals noch jung und >m Aufstieg begriffen, der in seinentausgezeichneten „Erinnerungen an Zeitgenossen"") also erzählt: „Ich habe das Glück gehabt, vielleicht, ein halbes Dutzend fröhliche Gesichter im ILeben zu treffen. Die hellste Persönlichkeit von ihnen war Jakob Lwowitsch Teitel, ein ungetaufter Jude und Untersuchungsrichter in Samara. Der Tatsache, daß er als Untersuchungsrichter Jude 'war, verdankte Jakob Lwowitsch viel Ungemach, denn eine christliche Obrigkeit sah in ihm einen den blanken Glanz der Justiz verdunkelnden Fleck und gab sich jede Mühe, ihn von der Stelle zu verdrängen . . . Teitels hohes Alter hindert ihn nicht, sein gewohntes Werk zu tun, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat: er liebt die Menschen noch genau so unermüdlich und fröhlich, und hilft ihnen ebenso eifrig im Leben, wie er es in den Jahren 18S5 und 1896 in Samara tat." Sehr amüsant schildert Gorki die temperamentvolle Persönlichkeit seines Gastgebers: und Teitel weiß von Gorki zu berichten, daß der Dichter aus Interesse am Judentum die hebräische Sprache erlernte. — Der jüdischen Wohlfahrtspflege widmete sich der letzte jüdische Richter des Zarenreiches in großem Stile und mit dem ganzen Einsatz seines energischen Naturells. Kein Politiker und kein Parteimann, aber — was mindestens ebenso viel ist — ein Wohltäter, der Segen verbreitet und ein aufrechter Jude: einer, der im Glauben an Gerechtigkeit und Humanität fromm ist. -!- Eugen Lewin-Dörsch. Jüdische Kriegsgefallene unter dem Hakenkreuz Unter der Ucberschrift „Finsteres Deutschland" berichtet das „Berliner Tageblatt": „Reisende, die einmal Mecklenburg im Auto durchquert haben, kennen jenes Gefallenen-Denkmal in der kleinen Stadt Malchow, das deti^textzenden Gallier zeigt, den Schild mit einem Hak'enkrelpr geschmückt. Wer sich interessiert, das Standbild näher betrachiet, entdeckt nicht wenige unverkennbar jüdische Namen untsrg>den 76 Geehrten, die ihr Leben im großen Krieg ließen. Sie^erden dafür, daß sie im Dienst des Vaterlandes starben, noch im Tode beschimpft. Man soll eine Einzelerscheinung nicht als charakteristisch für ein ganzes Land betrachten: sonderbar aber mutet es an, daß die öffentliche Meinung eines Landes das erträgt. Nicht weit von diesem Städtchen liegt ein anderes, Gnoien mit Namen, aus dem uns ähnlich absonderliche Dinge berichtet werden. An den Ein- und Ausgängen des Orts „zieren" meterhohe Inschriften Scheunen und Gebäude: „Deutsche Mädchen, meidet jüdische Gesellschaft" und „kauft nicht bei Juden". Der Bürgermeister, früher einmal Demokrat, jetzt aber Deutschnationaler, duldet, daß auf diese Art öffentlich zum Boykott eines Teils der Bürger aufgefordert wird. Nachts ziehen Nationalsozialisten vor die Häuser jüdischer Einwohner und schrecken sie mit Geschrei aus dem Schlaf. Die Polizei hört nichts." Bertehrsmmister Stegerwald beglückwünscht kronfeld Anläßlich des im Iubiläumswettbewerb der Rhön-Rositten Gesellschaft erzielten glänzenden Erfolges Kronfelds mit seinem 156-Kilometer-Segelfluq richtete Reichsnerkehrsminister Tr. Stegerwaso an den österreichischen Segelflieger Kronfeld und den österreichischen Bundesminister für Handel und Verkehr, Dr. Schürff, herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme. *) Erschienen im Malik Verlag. Berlin. 27'