Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 33 (16.8.1929)
- Date
- 1929-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bereits spürbar. So wenden sich in Schleswig-Holstein die Bauern, die eine Zeitlang den Nationalsozialisten Gehör schenkten, von diesen ab. So wächst die Abneigung. die Ablehnung der Nationalsozialisten in allen Kreisen der deutschen' Frontkämpfer. In Ostpreußen hat sich die nationalsozialistische Propaganda totgelaufen. Bei der Arbeiterschaft Westdeutschlands hat sie nicht mehr die frühere Wirkungskraft. Tiefe Entwicklung war zu erwarten. Eine Propaganda rein negativer Natur, eine dauernde Hetze gegen und wieder gegen etwas, ein Fanatismus, wie er von den Nationalsozialisten gepredig.t und getätigt wurde, all das ist innerlich undeutsch. Der wirkliche germanische Mensch, der Deutsche, will aufbauen, er will Werte schassen, und gerade das kann die N. S. D. A. P. nicht. Und an dieser Unfähigkeit geht sie langsam aber sicher zugrunde. Da werden auch all die schönen Worte nichts nützen, die in Nürnberg! gesprochen worden sind. Im „Reichsbaaner" v. 10. 8. sagt im Leitartikel „Zehn Jahre Reichso4rfassung" Sollmann:. Deutschland, das durch Krieg, Inflation und Reparation ausgeblutete Vaterland, kann gewiß für feine Volksgenossen nicht mehr hergeben als seine Wirtschaft abwirft. Diese Grenze der Lerstüngsfähigkeit sollen aber nicht die Großen im Lande, sondern sie soll der freie Bolksstaat bestimmen. Tie Republik hat sich zu wehren gleichermaßen gegen die antisozialen Mächte von oben wie gegen deren geheime, wenn auch ahnungsloses Verbündete von unten: gegen den Volksbetrug der Kontmunisten, Nationalsozialisten und andrer Heilspropheten. Tiefe politischen Hexenmeister und Wunderkinder, die allje wirtschaftlichen Verluste des Weltkrieges, diese unzähligen Milliarden, im Handumdrehen ausgleichen und uns zugleich von allen Reparationslasten befreien wollen! Diese Phantasten und Demagogen sind nicht minder gemein- - gefährlich als die Volksfeinde oben^ Diktatur des Kapitals und proletarische Diktatur oder nationale Diktatur: eins wie das andre ist der Milte zur Herrschaft einer Minderheit über das Volk. .; Lö. Ritnalmordlegende in Damaskus Tie Ritualmordlegende von Damaskus, die der Iudenfchaft dieser Stadt, des Schauplatzes der historischen Ritualmord- Unruhen von 1840, schwere Sorgen bereitet hat, hat nun schnell ihre Aufklärung gefunden. Der Jude Schalom Chattah. der unter der Beschuldigung des Ritualmordversuches an einem Mädchen verhaftet worden war. ist nun freigelasien worden, dagegen wurden die beiden Frauen, die ihn des Ritualmordes bezichtigten, zu je 14 Tagen Gefängnis und je 100 Syrische Pfund Geldstrafe verurteilt. Eine der beiden Frauen ist die Mutter jenes Mädchens, das angeblich Chattah in einem Sack forttragen wollte, um an ihm einen Ritualmord zu begehen. Ter Reiseberichterstatter der Warschauer Tageszeitung „Najer Hajnt", der soeben aus Damaskus in Jerusalem eingetroffen ist, schilderte dem ITA-Vertreter die Einzelheiten der Affäre Chattah in folgender Weise: Chattah, der Färber von Beruf, überbrachte der Mutter des angeblich zum Ritualmord ausrrsehenen Mädchens einen Sack mit Kleidern, die er von ihr zum Färben entgegengenommen hatte. Der Mutter gefiel die Arbeit nicht, und sie verweigerte die Zahlung des geforderten Betrages. Chattah bestand aber auf Zahlung, woraufhin die. Frau zu rufen begann, Chattah hätte versucht, ihr fünfjähriges Töchterchen zu rauben und in den Sack zu stecken. Sofort hatte sich der Pöbel der Umgebung angesammelt, der über Chattah herfiel und ihn fürchterlich mißhandelte. Herbeigeeilte Polizei ließ die Angreifer ungeschoren, verhaftete dagegen den erheblich verletzten Chattah. Sofort machten sich Agitatoren an die Arbeit, streiften durch die christlichen Stadtviertel und hetzten die Bevölkerung gegen die Juden auf. Eine Menge von mehr als 1000 Christen blockierte das Gefängnistor. und forderte die Auslieferung Chattahs. um ihn. öffentlich zu lynchen. Der jüdischen Bevölkerung von Damaskus hatte sich eine schwere Panik bemächtigt, man wagte nicht, die von Christen bewohnten Stadwiertel zu betreten. cDie Behörde veranstaltete eine öffentliche Verhandlung des Fkiles, die unzweideutig den bösen Willen der Mutter des MädciMns und einer ihrer Freundinnen ergab. Daraufhin wurden die beiden Frauen zu den erwähnten'Strafen verurteilt, während Chattah sofort auf freien Fuß gesetzt wurde. Gegen 12 der Agitatoren, die versuchten, die Menge zu Gewalttaten gegen die Juden aufzuhetzen, wird noch gerichtlich ootgegangen werden. - ' lIta.) Der Iiouifteukongrep Zusammentritt der „Iewish Agency-. Nach einer durchdebattierten Nacht hat der Zionistische Ko greß in Zürich in der Morgendämmerung des 9. August d Erweiterung der „Iewish Age neu" durch nich -zionistische Mitglieder beschlossen. Ein Beschluß, d -fraglos einen Wendepunkt in dem jüdischen Wiederaufbau iPauiftinas, in der Entwicklung der jüdischen Ackerbaukolonis tion im heiligen Lande darstellt. Die Abstim nung. die name»: lich vorgenommen wurde, ergab eine bedeut mde Mehrheit st. die Erweiterung der „Iewish Agency": den 30 Stimmen be\ ousj Radikalen und Revisionisten zusammengesetzten Oppositio standen 231 Stimmen, die sich für die Erweitrrung ausspracher gegenüber: 46 Delegierte enthielten sich der Abstimmung. iDieser Beschluß von weittragender Bedeutung wurde naä Verhandlungen, die sich fast über zwei Wacher hinzogen, in Gk stals einer Resolution folgenden Inhaltes gefaßt: „Die englische Regierung habe eingrwilligt, daß bii „Iewish Agency" im Sinne des Völker bundmandates für Palästina anerkannt werde. Falls die „Iewish Agency" aui gelöst werden sollte, sei die englische Re, ierung bereit. di> zionistische Regierung in ihre alten Recste wieder einzu fetzen. Die zionistische Exekutive erhält t urch den Kongreß die Vollmacht,' die Erweiterung der „Je: oish Agency" mit den Nichtzionisten zum Abschluß zu bringe i." Wie der „Schild" bereits in Nummer 32 oom 0. August bc richtete, war diese Züricher Tagung, an der insgesamt 3000 Delegierte, Gäste und Pressevertreter aus me! n als 40 Ländern teilnahmen, der Schauplatz tieferregter Tebattm über das Prinzip der „Iewish Agency".! Die „Iewish Agency" bedeutet die Vertretung des jüdischen Voskes in Palästina , egenüber England als Mandatarmacht. Bis zum heutigen Tage das heißt bis zu dem^Beschluß des Kongresses in Zürich, w,r die zionistische Organisation mit dieser Vertretung des Iud ntums gegenüber der pritischen Regierung betraut. In den le >ten zehn Jahren habeA sich weite Kreise nichtzionistischer Iudei für den Wieder aufbäu und die jüdische Landansiedlung in 3 alästina erwärmt und! mit steigender Aktivität dafür eingesetz unter dem Ge sichtSpunkt, daß die Kolonisation Palästinas durch Juden ein geschichtliches Werk sei, das das gesamte Iu >entum der Welt angehe. .! Die agitatorisch wirksame Rede des schär sten Gegners der Erweiterung der „Iewish Agency", I a b o t i n s -r i. hat den tiefen, nachhaltigen Eindruck der Rede des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chain» Weizmann, der sich seit je für diese! Erweiterung einsetzte, micht abzuschwäche it vermocht. Tie Verantwortung für den jüdi schen Wiederaufbau des Landes der Väter, insbesondere für die Drganisation der jüdischen Einwan derung. für die landwirtscha stliche Kolonisation durch den jüdi schen Bauern und für die Belebung der hebräifhen Sprache und Kultur ist nunmehr auf die breiteren und tra jfähigeren Schul lern des gesamten Iudentuns gelegt worden. Bereits in diesen Tagen wird der Kongre jbeschluß aktuel' werden. Vom 11. dis 14. August tagte gleichfa ls in Zürich der Rat der „Iewish Agency", der die Erweiterung verwirkliche wird.- Führende Juden aus Zahlreichen Ländern der Erde haben ihre Teilnahme zugesagt: sol aus Deutschland Professor Alber! Einstein und Bankdirekior Oscar Wassermann, au- Frankreich der Führer der sozialistischen Kamruerfraktion Läoi Blum, aus England der Großindustrielle fijorb Melcher: (Alfrsd Mond) und Sir Herbert Samuel Die erweiterte „Iewish! Agency" wird Zur Hälfte aus Zionisten, zur Hälfte aus Nichtzionisten zusammengesetzt sein Als deutsche Mitglieder wurden unter anderen der Stadtkämmerer von Frankfurt a. M. Br ino Asch, Rab inner-Dr. Leo Baeck. Kommerzienrat Gerson Simon, Direk tor Oscar W a f s e r m a n n jund Iustizrat Dr Blau-Frank furt a. M. Professor Grimme veröffentlicht die Lina bisher gewählt: . Professor Dr. Hubert Grimme, der Semitis Münster, hat bekanntlich vor einigen Jahren Orientalisten »nd der Freunde der Religionsqe dadurch erregt, daß er in den altsinaitischen Bu h ten Nachrichten über Moses als Sohn der ST entziffert haben wollte. Der Gelehrte hat jetz kurz nach ihrer Wiederauffindung und Ueberfülr pirsche Museum in Kairo vier Wochen lang " und wird sie demnächst veröffentlichen. Es , deren Bedeutung für die Geschichte der Schrift Sprache und des Volkes der Hebräer Grimme Inschristen der Universität n der Welt der chichte Aufsehen ' staben-Inschrif- Pharaonentochter die Insckriften ung ms Aegyptyubieren können sind Urkunden, der Religion, rachweist. f^ta.) 268