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Der Schild · 1929-08-09 · 32 (9.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
32 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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IJ Eine Wahrheit, die zu hören man allerdings keinen völkischen Kongreß besuchen mutz. Rosenberg, der Hauptschriftleiter des „Völkischer Beobachter", sprach über das Wesensgefüge des Nationalsozialismus. Das Wesen, aus dem die narionalsozialistische Betrachtungsweise stamme, sei das uralte, heute verschüttete Rechtsgefühl. Hitler untersuchte dann die Frage, wie es gekommen sei, daß das alte Reich zusammenbriach. Das beste Menschenmaterial war ausgeschaltet von der Führung des Staates, es befand sich an der Front öder tot im Massengrab. So konnte sich das Untermenschentum, das Judentum, in der Heimat und in der Verwaltung breit machen und das Uebergewicht bekommen^ Leider war keine Gelegenheit, Herrn Hitler zu fragem ob sich unter dem besten Menschenmaterial nicht auch Juden befanden? — Stresemann, der sich, ein kaum Genesener, zum schweren Gang nach Haag rüstet, kam ganz schlecht weg: Ein schwerer Schädling am deutschen Volke. Aber die früheren Führer wurden noch weit mehr beschimpft, Zuchthäuslerwurden ehemalige republikanische Minister genannt. Interessant ist das außenpolitische Programm Hitlers: Zusammengehen mit den natürlichen Feinden Frankreichs, besonders mit dem faschistischen Italien. Armes Land Tirol. Ein Bündnis mit Mussolini, der bekanntlich mrt der Urheber der Kriegserklärung gegen Deutschland und Oesterreich in der Zeit des bittersten Kampfes war. Mit den Peinigern der Südtiroler sollen die Deutschen Zusammengehen, nur weil es im Sinne der völkischen Belange der Hakenkreuzpartei liegt. Die Oesterreicher werden die Ohren gespitzt haben. Wieder verfällt ein Teil der Zuhörer dem Banne des suggestivsten Redners, Hitler. — Aber so ganz nach seinem Sinne mag die Tagung nicht gewesen sein. Kapitänleutnant Mücke hat einen Brief an das sozialistische Organ gerichtet und geht zum Angriff gegen Hitler über. Auch gegen Kapitän von Killinger weiß er Neuigkeiten zu berichten. Er spricht vom, Bild einer vollkommenen ' inneren Führerlosigkeit und Zersetzung der Nationalsozialisten, die durch ihr Verhalten zu einem Anhängsel der bürgerlich-kapitalistischen Richtung werden. In seinem Abschiedsbrief bei seinem Austritt aus der Partei habe er erklärt, er käme sich zu gut vor für diese Partei. Aber dieser Brief ist nicht der einzige Wermutstropfen im Becher des Glücks. Die Beflaggung der Hauptstraßen ließ sehr zu wünschen übrig und mit den 170 Sonderzügen hat es wohl nicht seine Richtigkeit. Mehr als 60 dürften es kaum gewesen sein. Im ganzen waren wohl schätzungsweise nicht mehr als % Zugsteilnehmer im Vergleich mit dem Arbeitersportzug. Aber täuschen wir uns nicht, der Eindruck bei der Bevölkerung war trotz aller Exzesse ein guter. Die Nachahmung des militärischen Drills macht noch. recht viel Freude. Man glaubt, daß Mannhaftigkeit und Zucht ohne militärischen Rahmen nicht denkbar sind. Darum kommt es, daß viele Bürger, die für Ruhe und Ordnung sind, in den Nationalsozialisten die Ordnungshüter, im Gegensatz zum revolutionär bekannten Marxismus be grüßen. Am gewinnendsten für die Bewegung war die Beobachtung, daß alle. Volkskreise in ihr zusammengeschlossen sind, der Kastengeist ist tatsächlich verschwunden und hat einem andern Platz gemacht, dem militärischen. Gottesdienst zur Berfafsuagsfeier Der Reichsminister des Innern ist vor einiger Zeit ebenso wie an die christlichen Kirchen auch an den Preußischen Landes verband jüdischer Gemeinden, der mit den anderen jüdische» Landesverbänden des Deutschen Reiches zu einer Arbeitsgemein schaft verbunden ist, mit dem Wunsche herangetreten, daß auch in kirchlichen Feiern des zehnjährigen Berfassungstages gedacht werden möge. Demzufolge hat der genannte Landesverband sämtlichen übrigen in Betracht kommenden Stellen, insbesondere seinen Mitgliedsgemeinden, die Aufforderung zugehen lassen, des Versassungstages mit Rücksicht auf seine große Bedeutung entweder gelegentlich des Gottesdienst am Sonnabend, den 10. August d. I., zu gedenken oder am Berfassungstage selbst eine besondere religiöse Feier in der Synagoge abzuhalten: Dazu teilt der Borstand der Jüdischen Gemeinde dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit. daß anläßlich der Der fassungsfeier Festgottesdienste in den Synagogen Oranienburger Straße und Fasanenstraße, Sonnabend, den 10. August d. I.. vormittags 10 Uhr, stattfinden werden: „Indem wir Sie hierzu ergebenst einladen, bitten wir Sie. Ihre Kameraden zur Teilnahme daran zu veranlassen; ins besondere zur Teilnahme an dem Gottesdienst in der Neuem Synagoge, Oranienburger Straße 30, zu welchem die Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden eingeladen worden find." wußte, daß Sie menschliches Verständnis und genügend Kenntnis vom Leben und den Dingen besitzen, um über meine Worte, die aus tiefstem Herzen kamen, zu schweigen. Ich hatte im Augenbljckvergessen, daß Sie Deutscher Offizier und mein Vorgesetzter find: Aber was ich gesagt habe, frißt seit Jahren in mir." '-Er fügte noch hinzu: -Ich habe tausendmal gewünscht, cs möchte endlich einmal ein« französische Kugel sich meiner erbarmen. —"! Endlich wurden wir aus^eladen und marschierten lange billerböse Tage. Es herrschte «ine tropische, ausdörrende Hitze. Tie Füße schwollen, der Rücken ward krumm unter der Last des Gepäckes. Tie Verpflegupg war knapp und schlecht: der Geist des Transportes miserabel. Alle Versuche. Besserung zu schaffen, mißlangen. Koivalowski hatte jeglich« militärische Haltung verloren. Er machte einen ungepflegten^ vernachlässigten Eindruck. Ich hätte es ihm in seinem Interesse gerne einmal gesagt, aber es ividerstreble mir nach allen, was uns verband, und was uns trennte. In einer Felsschlucht zwischen kahlen, mazedonischen Höhen, hinter der Kuppe 1204, wärest wir am Ziele. Wir hatten ge- , rode in den letzten Tagen sehr anstrengende Märsche auf sehr schlechten Wegen gehabt. Es herrschten 50 Grad Hitze: die Leute ivaren fast zusammengebrochen; ich hielt sie nur mit Mühe davon ab, daß sie aus Pfützen und Erdlöchern tranken, die die Bakterien sämtlicher tödlicher Tropenkrankheiten bargen. Koivalowski sah jetzt wie ein Schatten aus.-— Sascha von Koivalowski hatte in einer Stunde jener Nacht fast unvermittelt vom Leben und vom Tode gesprochen. Sie sprach vom Wiederkommen, um das sie mich bat. mit tausend Beteuerungen und tausend Schwüren. „Ich kann ohne Deine Liebe nicht leben. Ich will heute und nie etwas anderes von Tie als Deine Liebe. Nur einen Wunsch 260 habe ich. Gib mir auf meinen Bruder acht, draußen; er ist ein Kind, trotz der weltmännischen Erfahrung, die er sich vorzu täuschen bemüht. Draußen in der unendlichen Entfernung, kannst. Tu mir Deine Liebe so schwer beweisen, beweise sie mir dadurch, daß Du gut zu ihm bist. Bringe ihn mir wieder." Ich hatte es ihr zugesagt, ganz ernsthaft; hatte ihr das Haar gestreichelt und die Gespenster gebannt. Ich hatte Stanislaus von Kowalowfki alle Erleichterungen gewährt, die ich ihm nur irgendwie verschaffen konnte. Ich hatte sogar das Empfinden, als ob es mir die Mannschaft verüble, daß ich demjenigen so deutlich meine Gunst bewies, den sie alle so wenig schätzten. Aber ich dachte immer nur an Sascha und an das einzige, was mir von ihr geblieben war. ihren Bruder. Ich habe später oft den Versuch gemacht, ein klares Bild über meine seelische Einstellung zu Stanislaus v. Kowalowfki zu gewinnen und mir ein nüchternes Urteil über seine Persönlichkeit zu machen. Ein wärmeres, auch nur freundschaftliches Empfinden konnte ich nicht für ihn aufbringen. Er war lediglich das Angebinde, das Pfand, das mir Sascha in einer Stunde anoertraut hatte, in der das Gelübde heiliger ist als der heiligste Eid. Es kam dem 11 Jahre Jüngeren gegenüber ein Gefühl fast väterlicher Art dazu, das sich verstärkte, je mehr er körperlich verfiel und je mehr er meiner Hilfe bedurfte. — Die Mannschaften wurden auf die Batterien der Abteilung verteilt. Ich kam zur dritten Batterie. Der Adjutant der Abteilung war mir von Waldenburg aus bekannt. Kowalowfki sollte zur vierten Batterie. Ich verwandte mich für ihn und erreichte, daß er meiner Batterie zugeteilt wurde. Es gelang mir auch später, durchzusetzen, daß er in den Zug kam, zu dem ich gehörte. sFortsetzung folgt.)

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