Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sen vor ihnen her uno nehmen aus geringer Höhe mit ihrem M.-G. zum Ziel, jwas sich bewegt. Es ist 8" vorm. Mit einem Dutzend handfester Männer hält inzwischen Lt. d. R. Weil den Bahndamm am Bataillonsgefechtsstand. Auch et bemerkt das plötzliche Zurückhasten der 7., kann aber dorthin nicht eingreifen, denn dicht vor ihm liegt sprungbereit der Feind. Einzelne eingedrungene Engländer I werden in seiner Nähe sichtbar, ein Maschinengewehr' äuf der Brücke an der südlichen Regimentsgrenze setzt den Verteidigern heftig zu. In dieser brennenden Not saht Hptm. Grau den verzweifelten Entschluß, sich vpm Bahndamm, wo nichts mehr zu retten -ist, nach der Höhe des Point du Jour durchzuscklagen. Unter. Verlusten wird der Bahneinschnitt durchschritten und der jenseitige Abhang erklettert. Sofort fallen die feindlichen Maschinengewehre über den zurückgehenden Bataillonsstab her. Hptm. Grau und Feldunterarzt Lurch fallen^dann stürzt auch Lt. d. R. W e i l durch einen Schuß, welcher den Rückenwirbel streift und die Niere verletzt, den Beckenknochen zersplittert und chn linksseitig vollkommen lähmt. Ein Gefreiter der 8, Komp, schleppt ihn unter eigener Lebensgefahr in einen Granattrichter. Diesseits des Bahndammes. Front gegen Point du Jour, gräbt sich der nachdräng^ende Feind ein. Lr. d. R. Weil würde 2° nachm: von Engländern gefunden und in den Bataillonsgefechtsstand gebracht, blieb dort bis zum 10. -1. abends, kam am 11. 4. in das Etappenlazarett Etaples und wurde dort operiert. Auf der Ueberfahrt nach Enx land sank das Hospitalschiff ^La France", am 17. 4., um 730 abds. Lt. Weil wurde erst nach langer Zeit mit fhst erfrorenen Füßen aufgefischt und gerettet." l Band j[, Seite 23: „Auch Lt. d. Ldw. M a ch e ist durch Kopfschuß gefallen, seinen Nachfolger, Lt. Sacher, ereilt wenig später das gleiche Los. So verteidigen sie die Ehre ihrer Kompagnien bis zirm letzten Atemzuge und lassen den Feind nicht in den Graben. Unten im Stollen waltet rastlos Assistenzarzt Tr. W o l f f seines schweren Amtes. Fortgesetzt werden neue! traurige Lasten durch den steilen, engen Treppenschacht hinuntergeschleppt. San.-Utff. Lappe (8.) und Ignatzy (9.) betreuen jeden einzelnen mit brüderlicher Liebe uyd opferwilliger Kameradschaft. Das Stöhnen und Röchejln der von Fieberschauern und Krauen geschüttelte» Befwundeten erfistlt die von Karbol geschwängerte Lust, j Oben wird der Kampflärm schwächer, die Munition, geht zur Neige. Schon längst s.nd alle Borräte aus dem Stollen zusammengerafft und nach oben in die Trichter geschleppt. Das Ende des hel- -denmütigen Kampfes naht mit Riesenschritten. Auch Lt. V e n d a ch findet noch an!der Spitze seiner Leute den Tod. Mittag ist vorüber. Um. 12™ nachm, setzt Tommy zum letzten Sturm an. Noch einmal rasselt das Gewehr „Roßbach" die zwei letzten Emrte Munition herunter, dann wird es in einem Brunnen versenkt, ieine Schützen eilen, in den Unterstand, wo die anderen bereits Zuflucht gefunden haben. Englische Handgranaten hinterher. Weiterer Widerstand ist aussichtslos und würde nur mit dem nutzlosen Tode jedes einzelnen enden. Durch Dr. W o l f f läßt Hptm. von T e t t a u dem Feinde die Uebergabe anbieten. Es ist 1° nachm. Selbst der Feind erkannte bewundernd die Zähigkeit und den Heldensinst dieser Widerstandsnester an. Marschall Haig schreibt Darüber in seinem Bericht: . „Zu der Zeit, in d^r dieses Ziel eigentlich erobert sein sollte, hielten starke Teile des Feindes noch auf dem hochliegenden Gelände nördlich Tilloy-lez-Mofflaines stand, das unter dem Namen Beobachtungshügel bekannt ist, ebehso im Gleisdreieck.-- — Ter entschlossene Wid« rstand des Feindes auf dem Beobachtungshügel hatte in diesem Raum das Vorziehen unserer Batterien verzögert." Der Iioniftenkongreh in Zürich Wie über alle wichtigen Ereignisse im jiidiso, n Leben, berichten wir auch über den Zionistenkongzumal bi« Diskusston über /die Aufnahme ni.' zionistischer Miwlieder in die Iewish Agency er jüdischen Kreis« Angeht. Daß wir uns nur auf t .. rein nachrichtlich« Berichterstattung beschränk-», oersteht sich bei der Neutralität des RjF. in jiidie poliltfchen Dingen von selbst. Die Schrift! Der Zionistenkongreß, der eben jetzt im 25. Todesja Theodor Herzls in Zejrich tagte, stand von vornherein im Zeiv einer besonders entstykidenden, für die Zukunft der zionistisä. Bewegung ebenso wie für die Entwicklung des jüdischen Paläsli. schicksalshaften Frage: der Erweiterung der Iewish Agei durch Nichtzionisten. Um die Basis dieser Vertretung der jii - schen Palästina-Verwaltung gegenüber der Mandatsmacht E. land zu verbreitern, hat die zionistische Exekutive dem Kong vorgeschlagen, die Hälfte der Agencysitze mit Nichtzionisteii besetzen, die an dem Aufbau Palästinas als jüdischer Heimste hervorragendes Intereste nehmen. Ueber diesen Beschluß kam es in Zürich zu leidenschaftliä Auseinandersetzungen. Die Opposition, deren führender Kops e Gründer der ehemaligen jüdischen Legion Palästinas, I a b: tinski, ist, nahm die Agency-Frage zum Anlaß, gegen Exekutive und besonders gegen ihren Präsidenten, Prosen Chaim Weizmann, mit aller Macht Sturm zu laufen. 1- Gegner der Agency-Erweiterung fürchten, daß dadurch der Z:. nismus zurückgedrängt und nicht nur seinen bisher allein mahebenden, sondern überhaupt einen ins Gewicht fallenden E: ^fluß verlieren würde. Demgegenüber verfochten die Anhänge der Exekutive, vor allem natürlich Weizmann selbst, in ein: Rede von starker Wirkung die These, daß die Erweiterung der Agency bei der noch immer kritischen wirtschaftlichen La, >. Palästinas einfach notwendig fei: zudem fei es nur eine Fra,ic der Gerechtigkeit, daß diejenigen, die seit vielen Jahren in t>:° ganzen Welt reichliche Geldmittel für den Aufbau Palästina.: zur Verfügung stellten, auch an der Verwaltung dieser Gelde: beteiligt würden. Eine andere Frage ist auf der Tagung immer wieder an geschnitten worden: das Verhältnis zu England. Hatte Wci mann in seiner Eröffnungsrede vdn dem Vertrauen und Pc: ständnis gesprochen, das die englische Mandatsverwaltung gegen über den Zionisten an den Tag lege, und nur ganz nebenbei erklärt,/>atz man noch manches an Londons Politik auszusetz:,, habe, so fand er schon bei seinem Tätigkeitsbericht ganz aiidc:« und sehr viel deutlichere Worte. Man hörte aus seiner iHtu eine gehörige^ Portion Enttäuschung darüber heraus, daß Eng' land häufig genug die Lösung wichtiger Mandatsprobleme r einem Sinne oornimmt, die wohl seinen eigenen Interesse», nicht aber dem unter seinem Mandat stehenden Palästina nützi Auch hier wieder war es Iabotinfki, der noch viel weiter gin als Weizmann und in großer Erregung der britischen Polin», deren Vertreter unter den Ehrengästen des Kongresses sa bittere Wahrheiten sagte. Seine Ausführungen wurden aller dings von einer Reihe anderer Redner wieder abgefchwäcki beispielsweise hat der deutsche Delegierte Dr. Klee- Berli äußerst scharf gegen Iabotinfki Stellung genommen. Viele Probleme noch sind in den Züricher Tagen von bc» Zionisten behandelt worden: von Bedeutung unter ihnen uv* die Frage der stärkeren Berücksichtigung der kulturelle Dinge innerhalb der zionistischen Bewegung. Und immer wie ^e, würde der Appell gehört: endlich Schluß mit der Zersplittern» innerhalb der Bewegung! Der Kampf um die Klagemauer Tie Erregung der palästinensischen Iudenheit über den Eni schluß der Palästina-Regierung, den Mohammedanern die Wc> terführung der Bauarbeiten über und an der Klagemauer in:.' den Durchbruch eines Zuganges zur Omar Moschee durch d:. Mauer zu gestatten, hält unvermindert an. Das Oberrabbina! hat sich telegraphisch an den britischen Premierminister Ramsa, Macdonald, den Kolonienminister Lord Patzfield, Lord Balfour. das Sekretariat des Völkerbundes und an den gegenwärtig Zürich tagenden Zionistenkongreß gewandt und gegen die Er Neuerung der Bauarbeiten an der Mauer, die eine unzwri deutige Verletzung des status guo darstellen und außerdem de jüdischen Gottesdienst an der Mauer stören, protestiert. Das Oberrabbinat, die Vertreter der Zionistischen Exeku tive und die Mitglieder des Waad Leumi haben eine gemeinsame Beratung abgehalten und beschlossen, den stellvertrete, den Oberkommissar, Luke, aufzusuchen und ihm gegenüber » aller Form Verwahrung gegen den gesetzlich nicht zu rechtfcrN genden Standpunkt der Regierung einzulegen. Die allgemein. Ärbeitersöderation Palästinas hat sich telegraphisch an die briti sche Arbeiterpartei um Intervention gewandt. In allen Teile» des Landes werden Komitees zum Ähutze der jüdischen Rechte an der Klagemauer gegründet. sIta.s 258