Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Professor Berthold Freubenthal gestorben In der Nacht zum 14. Juli verstarbiplötzlich der bekannte Frankfurter Ordinarius für Strafrecht. Professor Dr Berthold Freudenthal, im Alter von 57 Jahren. Der hervorragende Gelehrte gehörte zu jenen Strafrechtlern, deren Vorarbeiten die Inangriffnahme der Strafrechtsreform in erster Linie zu danken ist. In zahlreichen Schriften hat er die Notwendigkeit dieser Reform nachgewiesen und wertvolle Anregungen für die Gestaltung des neuen Strafrechtes gegeben. Berthold Freudenthal, 1872 in Breslau als Sohn des jüdischen Philosopyen und Spinozaforschers Jakob Freudenthal. Lehrers am Iudifch-Theologifchen Seminar und Professors an der Universität Breslau, geboren, wurde 1898 Privatdozent an der Breslauer Universität, kam 1901 nach Frankfurt a. M.. wo er seit 1914 als ordentlicher Professor des Strafrechtes wirkte. In der gesamten juristischen Welt sind seine Schriften bekannt, von denen zu nennen sind: „Gefängnisrecht und Recht der Fürsorgeerziehung" (1921), „Politische Erziehung des Deutschen^ (1922), „Schuld und Vorwurf" usw. Das erste deutsche Jugendgericht <1908) und das erste deutsche Iugendgefängnis (1912) gehen auf ihn zurück. Er war n. a. Mitglied des Vorstandes der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung. (Ita.) Antisemitisches Allerlei Minister Schlesinger. Der „Vorwärts" schreibt: „... Schlesinger — man i erinnert sich doch noch an den Spektakel, der von den Hakenkreuzlern mit diesem Namen getrieben wurde. Einer der beiden jugendlichen Eisenbahnattentäter von Leiferde hieß so. Sofort hatten die Nazis den Bogen weg: dieser Schlesinger war natürlich Jude! — Man stellte aus Kirchenbüchern fest, dah Schlesinger einer katholischprotestantischen Mischehe entstammte, daß auch kein Dropsen jüdischen Blutes in ihm war. Tat nichts — die Schlesingerhetze ging bis aus den heutigen Tag weiter. Und nun: in Mecklenburg ist soeben eine christlich-deutschnationale Regierung ans Ruder gekommen, die sich allein durch die Unterstützung der Nationalsozialisten halten kann. Und diese Regierung hat ein Fachministerium an einen Ministerialrat namens — Schlesinger übertragen. Ausgerechnet Schlesinger! Die Nazis haben sich zwar anfangs gegen den „untragbaren" Namen des Herrn gesträubt. Als man ihnen aber nachwies, dah Herr Schlesinger Urchrist und völkisch-nationalsozialistisch eingestellt ist, haben sie nachgegeben. So regiert jetzt in Mecklenburg-Schwerin das Hakenkreuz unter dem Namen Schlesinger!" v*m Reichsgericht bestätigt. Das UrteU gegen einen Sqnagogenschänder. . Das Landgericht Düsseldorf hatte am 23. April den Handlungsgehilfen Friedrich Brasieler zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte, in der Nacht vor dem Der fassungstag 1928 auf das Strahenpflaster die Worte geschrieben: „Nieder mit der Iudenverfäffung!" Auch die Wand der Syna goge hatte er beschrieben. Das Landgericht nahm vorsätzliche Beschimpfung derrepublikanischen Staatsform und Sachbeschä digung an. Die vom Angeklagten gegen das Urteil eingelegte Revision ist vom Dritten Strafsenat des Reichsgerichts verworfen worden. <Ita.) Ritualmordhetze einer kommunistischen Klubleiterin Die Leiterin des Kommunistischen Mädchenklubs in Dzankoj. Nastja Wichorewa. führte im Klub eine Hetze gegen die jüdischen Mitglieder und verbreitete das Gerücht, dah in einem einem Juden gehörenden Keller in Dzankoj neun Leichen von Juden geschändeter Christen aufgefunden wurden. Die Folge war, dah die jüdischen Mädchen aus dem Klub ausgetreten sind. Nunvrrht wurde gegen die antisemitische Klubleiterin ein Verfahren eingeleitet. (Ita.) Die n&c&sle Bundes- Haaptversammliing Wir machen darauf aufmerksam, daß die nächste Bundes-Hauptversammlung * voraussichtlich im November 1929 stattfinden wird. Wir bitten Anträge so'vorzubereiten, daß sie bis Ende September 1929 dem Bundesbüro vorliegen. Genaue Zeitangabe und sonstige Mitteilungen werden noch erfolgen er auffallend gut gekleidet. Der Abteilungsführer hatte mir den Gefreiten von Kowalowski besonders ans Herz gelegt. Besondere Papiere, die ich nicht in die Hand bekam, muhten, so schloh ich aus den Worten,des Majors, irgendwie Unstimmigkeiten aufweisen. Darauf lieh auch die Tatsache seiner Nichtbeförderung schließen, die um so mehr auffiel, als man im Heere die Angehörigen der polnischen Aristokratie während des Krieges mit besonderem Entgegenkommen behandelt und befördert hatte, ein Fehler der zuständigen Stellen, der sich dann später in so böser Weise beim Zusammenbruch gerächt hat. Kowalowfki hatte seit seiner Einberufung im Jahre 1915 sehr oft die Formationen gewechselt. Man hatte ihn, offenbar nicht ohne Absicht, lange Zeit von der Front ferngehalten. Er selbst sprach sich weder über seine militärische Karriere, noch über seine politische oder nationale Einstellung aus. Kowalowski sprach das Deutsche mangelhaft mit einem stark polnischen Akzent. Er wahrte dienstlich die Form, ohne jedoch in zuviel Servilität zu verfallen, die, zumal bei Angehörigen der gesellschaftlichen Oberschicht, sehr oft peinlich in Erscheinung trat. Ich kam gerade in diesen Tagen wiederholt mit ihm ins Gespräch: er war für die langen Tage des Transportes der einzige gebildete Mensch, mit dem ich in Berührung kam. Für mich lag kein Anlah vor, nach irgendwelcher Seite über das notwendige Maß den Vorgesetzten herauszukehren.- Es war weicher, dichter Schnee gefallen: das Riesengebirge bot ein Bild von unvergleichlicher Schönheit. Ueber Nacht war plötzlich Frost eingetreten. Die Schlittenbahn war vorzüglich. Morgens fuhr ich mit dem Schlitten ins Gebirge und kam abends zurück. Die Kufen des Schlittens berührten kaum den Boden: in den Bauden auf den Höhen begann ein behagliches, stimmungsvolles Leben: die Feuerzangen-Bowlen dampften: die Frauen und Mädchen hatten heißen Atem. Es war gegen den 10. Februar geworden: für den 15. war die Abfahrt festgesetzt. Der Schlitten stand am Abend vor dem „Goldenen Frieden" in Krummhübel. Ich hatte den Mittag in Brückenberg iy lustiger Gesellschaft verbracht und wollte abends in Krummhübejl bleiben. Die langgezogene Veranda des Hotels war fast leer. In der einen Ecke saß der Gefreite Kowalowfki mit einer Dame. Er machte die Ehrenbezeugungen und wechselte dann mit der Dame ein paar Worte: ich hatte das Empfinden, als sei ich der Gegenstand dieser Worte gewesen. — Ich nahm absichtlich meinen Platz in der Nähe seines Tisches, und zwar so, daß ich der jungen Dame ins Gesicht sehen konnte. Sie war eine Blondine mit matten Farben. Auf den ersten Blick fiel eine große Aehnlichkeit mit Kowalowski auf. Sie war offenbar seine Schwester. Die Unterhaltung der Geschwister war schleppend. Ich bemerkte, wie sie meinen beobachtenden Blick gelegentlich auffing. Nach einer Weile stand Kowalowski aus. trat an meinen Tisch heran, bat um Entschuldigung und fragte mich, ob es mir genehm sei, an ihrem Tische Platz zu nehmen, da seine Schwester aus naheliegenden Gründen Wert darauf legte, mich kennen zu lernen. .Ich willigte sehr gern efiy Sascha von Kowalowski hatte cste seinen aristokratischen Hände ihres Bruders. Jetzt, da ich ihr in unmittelbarer Nähe gegenübersaß, schien sie mir weniger schön ais-anziehend. Ihr Mund war ein wenig breit, das Gesicht nicht ebenmäßig, die Augen, die in der Farbe denen ihres Bruders glichen, hatten ein warmes Feuer. Wir kamen sehr bald in ein angeregtes Gespräch. Sascha von Kowalowski hatte bereits vor dem Kriege -die ganze Welt gesehen. Sie war von Monte nach Biarritz, von Kairo nach Scheveningen gereist. Sie hatte die liebenswürdige Leichtlebigkeit ihrer Ration. Anmutig und frei, ohne dabei unbewußt allzuviel zu decoüorieren. Wir sprachen von allen Dingen, die den Krieg nicht betrafen. Sascha antwortete und gab ihrerseits Anregungen. (Fortsetzung folgt.) 245