Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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m Jüdische Frontsoldaten und Svortleute Don Dr. R. Silbergleit, Berlin. Von dem Tage ab. an dem die Kinder Israels nach 49jährigem Aufenthalt in der weiten Wüste diese verliehen, um unter der Führung des mehr als homerischen Helden Josua das ihnen verhethene Kanaan zu erobern und die götzendienerischen Völker dort zu unterjochen, haben sie sich stets als getreue, tapfere und heldenmütige Krieger erwiesen. Aus der ununterbrochenen Kette heldenmütiger Taten braucht nur an die sprichwörtlich gewordenen Makkabäerhelden erinnert zu werden, unter deren Führung 8000 jüdische Krieger mit 120 000 Gegnern fertiggeworden sind. Die furchtbare langjährige Belagerung Jerusalems durch Titus hat Taten der Tapferkeit, der Aufopferung und des Heroismus gesehen, wie niemals sonst irgendeine Belagerung irgendwann sie getätigt hat. Selbst im Kleinen und Unbedeutenden zeigte sich dies. So forderte eines Tages ein jüdischer Soldat, der auf Vorposten stand, denjenigen der Feinde, der für den stärksten und tapfersten gelte, zum Zweikampf heraus; er begleitete feine Herausforderung mit wütenden Reden gegen Rom. Dieser Miltzsoldat, namens Ionathas, war von geringem Ansehen, kleinem Wuchs und beinahe krankhaftem Gesicht. Anfangs nahm man sich auf seiten der Römer nicht die Mühe, ihm zu antworten oder ihn überhaupt zu beachten. Aber endlich riefen seine immer heftiger werdenden Herausforderungen den Zorn eines Reiters hervor, der Pudens hieß. , Dieser Krieger, der einen Mann von so armseligem Ansehen verachtete, lief mit solcher Hast auf ihn zu. daß er fast zu den Fützen Ionathas fiel, und dieser, dessen Schwert schon gezückt war, stach ihn damit in die Seite. Darauf schwang er sein blutiges Schwert und seinen Schild und schrie aus Leibeskräften, es täte ihm leid, daß er nicht alle Verheerer seines Vaterlandes auf dieselbe Weise behandeln könne. Aber ein Pfeil, welchen ein Centurio auf ihn abschoß, machte plötzlich das Wort in Ionathas Munde stocken und er fiel tot neben der Leiche seines Feindes nieder. Rach der furchtbaren langjährigen Verteidigung Jerusalems war dieses nun am 9. Abend des Jahres 79 gefallen. Rom hatte sein Werk in bezug auf Jerusalem nunmehr vollendet. Ein kleines Volk hatte sich bewaffnet gehabt, um der Tyrannei des weltmächtigen Rom zu trotzen, und dieses hatte die Städte des schwachen Volkes zerstört, seine Hauptstadt, seinen Tempel verbrannt, seine Männer in ihrer Iugendkraft den Tieren des Zirkus vorgeworfen, seine Jünglinge und Frauen auf den Sklaoenmärkten an den Meistbietenden verkauft. Aber wenn Rom, die Stadt der Weltmacht, den Sieg davongetragen hatte, sä war doch Jerusalem,-die Stadt des prinzipiellen Volkes, die Stadt der Schrift und des Gesetzes, noch entsernt, ihre Hilfsquellen erschöpft zu haben. Bevor sie auf ihre Existenz als" Staat verzichtete und sich bloß auf den Zustand einer religiösen. Schule reduziert sah, fühlte diese Stadt, trotz des Sturzes ihrer Mauern, daß ihr noch Energie genug geblieben, um noch mit dem Schwerte in der Hand gegen die Herrschaft der Gewalt, gegen die Usurpation und die Triumphe ihres Feindes zu protestieren. ' Diese neuen kriegerischen Protestationen, diese letzten Bestrebungen und Konvulsionen der politischen jüdischen Nationalität füllen einen Zeitraum von 70 Jahren nach der Eroberung von Titus saus also ungefähr die Jahre 72 bis 137 n. Ehr. G. Obwohl diese Epoche vielfach mit Vergessenheit umgeben wird und die Geschichte gewöhnlich sehr eilfertig darüber hinweggeht, fo ist sie vielleicht doch die merkwürdigste, die glänzendste unseres alten Volkes in kriegerischer Hinsicht. Während der Orient sich immer mehr dem römischen Joche fügte, die Parther. ihrem alten Ruhme von Tapferkeit ungetreu, ohne Schwertstreich ihre Städte und die Hauptstadt den Eroberern öffneten, liehen die in Afrika und Asten zerstreut wohnenden Juden noch einmal das Kriegsgeschrei ertönen, und ihnen schloffen sich die an, welche den vaterländischen Boden nicht verlassen hatten. Die ganze jüdische Raffe, alle Kolonien, mochten sie auch noch so entfernt voneinander liegen, setzten ihre letzten nationalen Hoffnungen auf dem Schlachtfelde ein. Einen Augenblick zitterte Rom für seine Herrschaft im Orient; es «ab sich bei den Römern und den Juden die unverhohlene Absicht kund, bis zur gänzlichen Vernichtung des einen Teiles zu kämpfen. Kaiser Hadrian sandte seine besten Krlegsführer nach Judäa ab, um den Brand zu ersticken. Doch vergebens. Unerhörte Ströme von Blut bedeckten aufs neue die..Erde. Dann aber entsank in der Hand Bar Kochbas der erschöpften jüdischen Nation das Schwert, ihre Augen schloffen sich, das Haupt verhüllte sich, und in Erwartung der späteren Gerechtigkeit, einer Zukunst der Freiheit starb sie den politischen Tod. Bar Kochba war glücklicher als viele seiner heldenmütigen Mitkämpfer, die als Opfer für fürchterliche Qualew gefangen i genommen worden waren, denn er fiel auf dem Felde der Ehre. Als fein Kopf dem Oberhaupt der Sieger von einem Soldaten gebracht wurde, der ihn mit eigener Hand getötet haben wollte wünschte Hadrian den Körper zu sehen. Er wurde herbeigeschafft; eine Schlange hielt ihn umschlungen. - .Nicht ein gewöhnlicher Menschenarm", rief Hadrian aus, .sondern der Arm ver Götter allein konntp mit diesem Menschen fertigwerden!" Aber nicht nur für sich waren die Juden tapfere Krieger, sondern auch für andere. Sie dienten, was sich geschichtlich nicht schwer erweisen läßt, Alexander dem Großen auf deflen Zügen; sie standen, geschichtlich verbürgt, unter den Waffen der ägyp tischen Ptolemäer, und mit Ruhm und Auszeichnung, was nicht bestritten werden kann, halfen sie mit bewaffneter Hand dem großen Julius Cäfari und dieser wußte sehr wohl, was er an seinen jüdischen Kriegern besaß, er bezeigte ihnen bei jeder Gelegenheit Gunst und Vorliebe. Die Juden wiederum ihrerseits dankten ihm durch Treue und tapfere Anhänglichkeit, und nichts ist vielleicht so bezeichnend für ihre Gesinnung ihm gegenüber, als daß sie, niedergeschmettert von dem tiefen Verluste, der sie durch seinen Tod aus heiterem Himmel getroffen, an seinem frischen Grabe drei Tage und drei Nächte gebetet, gefastet und geweint haben.. Vielleicht hätte es unter Julius Cäsar doch dahin kommen können, daß die Juden des Römischen Reichs unter das „Populus Romanus" eingereiht worden wären? Welche andere Wendung hätte in diesem Falle wohl die sog. Weltgeschichte genommen! Aber auch Nachfolger Eäsars gedachten der jüdischen Kriegstapferkeit, und so schickte denn auch Kaiser Tiberius, wie Suetonius in seinem Lebensbildniffe dieses Cäsaren berichtet, 4999 junge jüdische Mannschaften als Krieger nach Sardinien zu deffen Eroberung.' Um von ihm einen weiten Sprung zu machen, wollen wir bemerken, daß Basnage in seiner großen „Histoire des Juifs" erzählt, daß Don Salomon Ben Iachaja im Jahre 1199, ein Jude, Generaifeldmarschall über die christlich-portugiesische Armee gewesen ist,- die er „mit großem Ruhm und Glück kommandieret". Um das Jahr 1293 sollen in Frankreich so viele kriegstüchtige und kriegerisch gesinnte Juden gewesen sein, daß der König deren einstmals nicht weniger als 39 999 in seiner Arme« hatte (!?). In der „Basler Chronik" und in Hettingers „Helvetischen Kirchengeschichten" ist übereinstimmend zu lesen, daß, als die Eidgenoffen im Jahre 1499 Thungen und Kletgau belagerten, ein Jude- „ein guter Büchsenmeister", d. h. ein ausgezeichneter Artillerist, „mit grobem Geschütz den Belagerern^ großen Schaden zugefügt hat". Als der Ort aber übergegangen war. haben ihn die Freiburger — es handelte sich ja nur um einen Juden! — mit barbarischer Grausamkeit einen Tag und eine Nacht an den Fützen aufgehängt und hernach erst „dekol- , liert". [ Aus der türkischen Flotte, die damals wohl die stärkste und mächtigste gewesen ist, wird eines jüdischen Seekapitäns, des Baffa, d. h. Paschas Sinan Cefut zu Algier rühmlichst Erwähnung getan. — Ebenso eines anderen tapferen jüdischen Seekapitäns 1586. Bei den kursächsischen Truppen stand im Jahre 1635 ein Jude mit Namest Michael Jod als „rühmlicher Hauptmann und Kompagnieführer". Auch ein Jude, der im __ Dreißigjährigen Kriege unter den schwedischen Fahnen Gustav Adolfs mit besonderer Tapferkeit gedient hat und von dem König deshalb öffentlich belobt worden ist, wird erwähnt, nur leider mit dem Bemerken, daß er in der Barfüßer-Kirche in Frankfurt a. M. am 17. Mai 1633 sich hat taufen lasten, vermutlich, ja sogar höchstwahrscheinlich gedrängt von den andersgläubigen Kameraden und den für feine Seele besorgten Vorgesetzten. Wo sich besonders tapfere Krieger befinden, werden sich wohl auch leicht besonders starke Männer finden lasten. Können sie doch „in Wehr und Waffen" am besten die ihnen von der Natur zuteil gewordene Gabe ungewöhnlicher Stärke verwerten. Pochend auf die körperliche Stärke zahlreicher Juden soll in Frankfurt a. M. ein Jude öffentlich erklärt haben, daß, wenn hunderttausend Christen daständen und ihnen gegenüber hunderttausend Juden, ja, wenn der Juden auch viel weniger wären, und diese sich miteinander schlagen sollten, dann sollte man sehen, daß die Juden obsiegen würden. Er hat vielleicht nicht zuviel gesagt, wenn man an Simson denkt, der wohl der Sie Mann gewesen ist, den die Mythe, die Legende, die tion und die Geschichte an das Tageslicht irgendwo und irgendwann gebracht haben. Was sind denn auch die Arbeiten des griechischen Herkules, wegen deren er so laut und viel gepriesen worden, gegen die beiden Taten Simsons, von denen im Buche der „Richter". Kapitel 16. berichtet wird. Danach hat er ja mit einem frischen Eselskinnbacken nicht weniger als tausend Mann erschlagen. Und nun erst seine letzte Tat und Kraftprobe! Es heißt in der angegebenen Stelle, die wir hier wörtlich anzuführen uns nicht versagen wollen: Der geblendete 237