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Der Schild · 1929-07-19 · 29 (19.7.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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pr""*w*PP" 1 - 1 -- Der jüdische Stamm ».Seid stark Wir veröffentlichen einen Auszug aus der Red« unsere» Bundesvorsitzenden flam. Dr. Löwenstein zur Feier des 10jährigen Bestehens des RjF. Die Echriftl. Wir deutschen Juden, die wir seit über 1K Jahrtausenden auf deutschem Boden sitzen und unseren vollen Anteil an der Entwicklung Deutschlands haben, brauchen uns nicht aus eine Diskussion mit jenen Rasse- und nationalpolitischen Theoreilkern einlassen, die Erwägungen anstellen, ob wir gute oder schlechte Deutsche seien, oder ob wir vielleicht gar Feinde und Vergifter deutschen Wesens bedeuten. Wir deutschen Juden sind ja selbst über die Grundlagen unserer rassischen und nationalen Eigenart nicht so einheitlich gesinnt. Aber es ist auch gar nicht nötig vom Standpunkte des RjF. und seines Kampfes aus bis zu jenen umstrittenen Grundlagen zurückzugehen. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß das deutsche Judentum seinem deutschen Vaterlande im Frieden und im Kriege viel auf allen Gebieten deutschen Wirkens gegeben hat, ganz sicher so viel, wie seinem Anteil an der Bevölkerung entspricht und ganz sicher so viel, um daraufhin volle Gleichberechtiguüg zu verlangen und es sich zu verbitten, datz über seinen Wert oder Unwert überhaupt diskutiert wird. Ich darf aber auch hier im Rahmen des RjF. die auf solchen unsinnigen und unbegründeten Rassentheorien beruhenden Borwürfe zurllckweisen, die gar von einem Streben nach jüdischer Weltherrschaft und ähnlichem Wahn svrechen. Ich kann es persönlich mit meinem Ehrenwort als Jude und Deutscher, als alter Soldat und Offizier bekräftigen, datz ich in meinem ganzen Leben noch keinen deutschen Juden angetroffen habe, der irgendwie direkt oder indirekt mir als Anhänger einer jüdischen Weltherrschaft hätte erscheinen können. Das darauf hinzielenoe Machwerk: „Die Weisen von Zion" ist bekanntlich als Fälschung nachgewiesen, wenn es auch leider bei denen noch Glauben findet, die nicht alle werauf deutschem Boden und tapfer!- | den, und die auf jeden Schwindler und Goldmacher hereinfallen. Gewiß, es besteht kein Zweifel darüber, daß wir deutschen Juden innerhalb der Rasten, die die deutsche Bevölkerung zusammensetzen, einen Stamm von eigener Art bedeuten. Aher es ist ein Irrtum, wenn heute noch Phantasten die eine Raste als besonders wertvoll, die andere als minderwertig hinstellen. Fast dieselben Worte, mit denen bei uns in Deutschland von gewisten Kreisen etwa die Vorzüge der nordischen Rasse gepriesen werden, von der in der deutschen Bevölkerung bekanntlich etwa 11 Prozent vorhanden sind, und mit den gleichen Worten mit denen von diesen, Leuten etwa die Alpine-Raste, aus denen die süddeutsche Bevölkerung hauptsächlich besteht, oder gar wir Iuoen verurteilt werden, mit den gleichen Worten werden gerade in entgegengesetztem Sinne etwa von französischen, italienischen. und sonstigen Rastepolitikern auf der anderen Seite die nordische Raste verurteilt und jene anderen Rassen in den Himmel erhoben. Erfreulicherweise hat die moderne Rastenwissenschaft sich inzwischen ein Urteil übe* alle diese Phantastereien bilden können. Die Ausoritätek auf diesem Gebiete, ich nenne hier in Berlin nur Eugen Fischer, den Leiter des Forschungsinstituts für Anthropologie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, stehen auf dem Standpunkte, daß die europäischen Rassen zwar verschiedene Begabungen haben, aber jede ihren hohen Wert hat. Nach dem Stande dieser Wissenschaft wäre es für einen Staat verkehrt, wenn er eine einzige Raste begünstigen und die anderen etwa zurückdrängen oder ausschallen würde. Die richtige Politik des Staates muß nach Ansicht der modernen Rastenwissenschaft und Eugenik darauf gerichtet sein» daß in jeder Rasse ein körperlich und geistig möglichst gesundes, Erbgut heranaezüchtet wird. Nicht rassische Einseitigkeit, sondern der Einsatz und die Entwicklung der besten Eigenschaften einer jeden Rasse, die zum Volk gehört, fördert den Staat. Don Fernando Eine Erzählung aus der Zeit der Marannen. Von Josef Kaplan (gulba). In dichten Scharen strömte die Madrider Bevölkerung dem breitgeöffneten Tore der großen Kirche zu. Lachend und scherzend gingen die Jungen, andächtig, mit gesenkten Köpfen schritten die Alten einher. Vdn den Häusern flatterten weihe Fahnen herab, die Fenster waren geschmückt mit Blumen und farbiger Seide. Die Frauen trugen kokett seine Umhänge, zierliche Schuhe und glitzernden Schmuck; die Männer hatten gold- und silberbestickte Westen an. Die Sonne schien warm auf die iestlich geschmückte Stadt herab und spiegelte sich in den riesigen, metallenen Kuppeln der Kirche, die, ein Meisterwerk mittelalterlicher Architektur, stolz emporragte. Immer mehr Menschen drängten sich in die weiten Hallen des Gebäudes, das groh genug war. Tausende aufzunehmen. * Nach und nach wurden die Gasten leer; ab und zu eilte ein Verspäteter dem nunmehr geschlossenen großen Tore zu. das Summen und Surren hörte auf und eine erhabene Stille trat ein. Da begannen die Glocken zu läuten. Der Schall pflanzte sich weit, fort und erzeugte dumpfe Echos. Die Menge kniete nieder und versank in Andacht. Don Fernando, der greise Priester, trat auf die Kanzel und machte mit der Hand ein Zeichen. Alle erhoben sich und nahmen ihre Plätze ein. Gespannt sahen sie auf den edlen Kopf de» Geistlichen, der mit mildem Blick auf die Gemeinde herabsah. Wenn Don Fernando predigte, dann war es jedesmal ein besonderer Anlaß — hatte er doch die höchste Stelle der Madrider Kirche inne und galt als der weiseste Richter der spanischen Inquisition. Schon als junger Mann genoß der Priester einen weiten Ruf, der mit den Jahren immer größer und größer wurde. Don Stufe zu Stufe stieg der Gelehrte hinan, bis er als Greis d i e Würde erreicht hat, nach der sich Unzählige ihr Leben lang sehnten. . Dieses Mal galt seine Predigt dem zunehmenden Ketzertum, gegen das Don Fernando einen Kampf führte. Don Fernando sprach. Erst leise, suchend, einleitend, dann stieg seine Stimme und mächtig dröhnte sie in dem weiten Raum.' Immer mehr erregte sich der Redner, seine Stirnadern schwollen an, seine Augen schienen Feuer zu sprühen, sein Gesicht, sonst bleich wie Elfenbein, rötete sich, seine Hände zitterten, als wollte er mit ihnen anzeigen, in welchem Tempo sein Herz schlägt. Leidenschaft, unermeßliche Leidenschaft schickte der hagere Körper aus seinem Munde in die Herzen aller Zuhörer, die er ausnahmslos ausfüllte mit dem einen Wunsche: „Tod den Ketzern!" „Tod den Ketzern!" rief Don Fernando. „Tod ästen denen, die mit ihrem frevelhaften Treiben den Himmel erzürnen, die Würde der Kirche beleidigen und das ganze Staotsgebilde unterhöhlen in dem Bestreben, es stürzen zu lasten, um sich dann wie Hyänen auf die Beute zu werfen-—!“ Don Fernando hielt inne. Das weite Tor gegenüber öffnete sich, einige Soldaten traten ein und machten den Weg frei für Don Manuelo, den ersten Minister des Landes. Mit gemessenen Schritten ging der Minister durch das riesige Kirchenschiff und nahm auf ein» mit Gold verzierten Erhöhung Platz, nachdem er gegen den Priester eine tiefe Verbeugung machte, die derselbe mit einem lelse^ Ricken des Hauptes erwiderte. Rur eine Minute dauerte die Unterbrechung: aber sie ließ allen Anwesenden genug Zeit, um sich zuflüstern zu können, daß dle Verspätung Don Manuelas seltsam, sehr seltsam sei. Der Priester fuhr fort: „Spanien ist in Gefahr, wenn es dem Ketzertum gelingt, sich breit zu machen! Aber di« heilig« Inquisition wacht und mit Hilfe Gottes wird es ihr gelingen, di, Feinde der Kirche.- auszurotten. Das wir mit unserem luche nicht vertilgen können, das wird die Regierung mit euer und Stahl vernichten — auf daß uns der Himmel gnädig 23b >

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