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Der Schild · 1929-07-19 · 29 (19.7.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Allein im abgelaufenen Monat Juni hat die Gruppe an verschiedenen Stellen in der Umgegend Berlins sich betätigen können. Am S. Juni startete Kam. Ledermann bei einer Windbö in Waidmannslust auf unserer Espenlaub. Der Flug erregte unter den in Waidmannslust ver- Kam. vr. Sultan m. Passagier! selbstgebauter Schufiweisiher (Alckch«» st»»»»»» »»» «lerrr -»»s<Hi»« »»« 9tfö.) sammelten Fachleuten größte Bewunderung. Vorher hatte Kam. Dr. Sultan aus unserer Schulmaschine ebenfalls einen Flug gemacht. Infolge des anwachsenden Sturmes mußten wegen zu großer Gefahr die Flüge abgebrochen werden. Am 16. Juni nahm Kam. Dr. Sultan mit seiner Gruppe am allgemeinen Segelflug in Gatow anläßlich der Berliner Turn» und Sportwoche teil. Im Zielflugwettbewerb erhielt unsere Gruppe unter 14 Bewerbern den 3. Platz (Schulflugzeug). Auch unsere Espenlaub (Kam. Dr. Sultan) bewährte sich in diesen Tagen. Von den Schülern hat sich bisher der junge K.C.er Schacher. hervorgetan. Die Schüler werden sowohl im Bau als auch in der Führung von Segelflugzeugen ausgebildet. Sie zeigen alle mustergültigen Eifer und widmen'dieser Sache ihre ganze freie Zeit. Wir hoffen» daß es dem Kam. Dr. Sultan gelingt, recht viele junge jüdische Segelflieger zu gewinnen. Es ist Sorge getragen, daß hierdurch nicht etwa ein Abschluß . _ Kam. Br. Sultan lOO. «f»rt t» <9*rU» «af «q»!»»g»»»g gegenüber den nichtjüdischen Kameraden zu befürchten ist. Im Gegenteil, wir haben bisher die Erfahrung gemacht, daß gerade die gemeinsame Arbeit für diesen Sport in hohem Maße Gegensätze gemildert hat. Das Wichtigste aber ist, daß wir auf diese Weise unserer Jugend neue Quellen der Muskel- und Nervenkraft erschließen und 234^ ihr auch den Weg in das beruflich und wirtschaftlich immer wichtiger werdende Gebiet der Beherrschung der Luft eröffnen, zu dem der Segelflugsport die günstigste 'Vorstufe ist. Möge bei unserer jüdischen Jugend diese Möglichkeit fruchtbaren Boden finden und mögen auch weitblickende Kreise sich bereit finden, die Mittel für diesen so wichtigen Dienst an unseren kommenden Generationen aufzubringen. Ein nationalsozialistischer Gauleiter' verurteilt Wegen Beleidigung des Kam. Sabatzky. Der Gauleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei für Ostpreußen, Eisenbahnassistent a. D. Erich Koch (früher Elberfeld), hatte den Syndikus des Landesverbandes Ostpreußen des Eentraloereins deutscher Staatsbürger jüdische» .Glaubens, Kam. Kurt Sabatzky der auch in der Frontbunü bewegung an ^führender Stelle steht, beleidigt. Koch hatte in einer öffentlichen Versammlung auf Grund e.nes von Sabatzky verfaßten und in der CV.-Zeitung veröffentlichten Artikels vor Taufenden von Menschen erklärt: „Wenn ich den jüdischen Dreck spatz Sabatzky auf der Straße treffe, werde ich ihn mit der Peitsche züchtigen." Nachdem Sabatzky gegen ihn Strafantrag gestellt hatte, erklärte Koch in einer weiteren Versammlung: „Der Jude Sabatzky, der Führer des CV., hat gegen mich Strafantrag gestellt und will meine Verhaftung. Es ist bezeichnend, daß ein Sabatzky, der zwei Millionen Frontsoldaten beschmutzt und besudelt hat, das Recht hat. Strafanträge zu stellen, während er selbst nicht belangt werden kann." Das Könlgsberger Schöffengericht hatte zwar Koch zu einer Geldstrafe von 150 Mk. verurteitt, hatte aber in der mündlichen Urteilsbegründung gesagt, der als Nebenkläger zugeiasten« Syndikus sabatzky Hab« das Andenken der Opfer des Weltkrieges ln gewiffer Weife verunglimpft, als er « ne nationalsozialistisch« Heldengedenkseier als unwürdig bezeichnet«, zu der in folgenden Plakaten eingeladen worden war: „Nationalsozialisten! Antisemiten! . Zum zehnten Male jährt sich der Tag des Volksoerrats, an dem durch die Iudenrevolte vom 9. November das Blut von.'zwei Millionen Frontfoldaten nutzlos geopfert wurde. Dann folgt die Einladung. Weiter heißt es: „Das Blut wurde in Gold umgemünzt, das heute die Tresors der Wallstreet füllt. Juden ist der Zutritt verboten!" Gegen dieses Erkenntnis hatten sowohl der Nebenkläger als auch di« Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, die jetzt vor der Känigsberger Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichts rats Dietrich verhandelt wurde. Koch versuchte sich darauf hinauszureden, daß er den Nebenkläger nicht habe beleidigen wollen. Der Vertreter der Anklagebehörde, Erster Staatsanwalt William, sowohl als auch der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr. Walter L e p e h n e , setzten sich in sehr energischer Weise für eine erhebliche Bestrafung des Angeklagten und eine Reoidierung der Urteilsbegründung ein. Insbesondere verlangten sie. daß das Gericht auch wegen übler Nachrede verurteile. Das Gericht folgt« diesen Ausführungen und verurteilt« den Angeklagten für jeden Fall der Beleidigung zu einer Geldstrafe von 100 Mk., ersatzweise zu insgesamt SO Tagen Gefängnis, und erklärte im Gegensatz zum ersten Urteil, daß die Worte des Angeklagten, der Nebenkläger habe das Andenken von zwei Millionen Frontsoldaten beschmutzt und besudelt, den Tatbestand der üblen Nachrede enthalten und «ine schwere Ehrenkränkung des Nebenklägers darstellen. Deswegen müst« sie genau so schwer wie die erst« Beleidigung bestraft werden. Di« bisherig« Unbescholtenheit und die Erregung über den Artikel hätte« den Angeklagten vor einer Gefängnisstrafe bewahrt. - Die nächste Bandes- Hauptversammlung Wir machen darauf aufmerksam, daß die nächste Bandes-Haoptversamnilung voraussichtlich im November 1929 , stattfinden wird. r r Wir bitten Anträge so vorzubereiten, daß sie bis Ende September 1929 dem Bundesbüro vorliegen. Genaue Zeitangabe und sonstige Mitteilungen werden noch erlolgen

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