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Der Schild · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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von Palo» unter Segel. Ist die Bemerkung dieses Zusammenhanges in Columbus' Tagebuch wirklich, wie man geglaubt hat, ein Zeichen für seinen religiösen Fanatismus? Läßt sie sich nicht viel besser aus der Genugtuung des innerlich zerriffenen Renegaten über das Gelingen seines Lebenstraumes erklären? Ein anderes Rätsel: Wie reimt es sich mit der „Iudenfeindschaft" des Columbus zusammen, daß er in seinem Testament „dem alten Juden, der am Tor der Iudengasse von Lissabon wohnt, oder dem, den an seiner Stelle ein Priester bestimmt", eine halbe Mark Silber aussetzte? Daß Columbus' frühverstorbene Gattin Felipa Monis aus einer Marannenfamilie stammte, ist schon seit langem behauptet worden, wenn es auch noch nicht positiv nachgewiefen worden ist. Columbus selbst schreibt in dem erwähnten Auszug aus der Schrift des Samueli ibn Abbas: „Ich habe beständige Beziehungen unterhalten ,zu vielen Gelehrten, Geistlichen und Laien, Juden und Mausen und vielen anderen." Zu dem Kollegium, das am Hofe des portugiesischen Königs die Pläne des Columbus prüfte und^fchlietzlich verwarf, gehörte auch der jüdische Leibarzt Becinho. Durch ihn hat Columbus wahrscheinlich die Schriften des jüdischen Gelehrten Zacuto kennen gelernt, die eine bedeutende Erweiterung der damaligen astronomischen Kenntnisse brachten und die Columbus und seinen . Leuten später buchstäblich das Leben retten sollten. Später wurde die Expedition finanziell nur dadurch ermöglicht, datz der Maranne Luis de Santangel, der Schatzmeister von Aragonien, dem Königspaar zinslos 17 000 Dukaten vorstreckte. Santangel und der Maranne Cabrero waren es auch, die die letzten Bedenken der Königin besiegten. sDatz die Königin Santangel ihre Juwelen verpfändet habe, ist eine unbeglaubigte Legende.) Unter den Teilnehmern, der ersten Expedition finden wir zahlreiche Marannen. Erwähnt werden besonders Luis de Torres, Alfonso de la Calle. Rodrigo Sanchez, der Schiffsarzt Bernal und der Wundarzt Marco. Torres war der erste, der den Boden des amerikanischen Kontinents betrat. Er siedelte sich später auf Kuba an äind widmete sich als erster Europäer der Tabakkultur. Die Lägende will wissen, daß auch der Matrose, der zuerst Land erblickte, ein Maranne war, Rodrigo de Trianct, und daß der Name Der Insel, Guanahani, hebräischen Ursprungs fei. Als Colpmbus auf der Rückreise nach den Azoren verschlagen wurde,'sastdte er den ersten Bericht über seine Entdeckung an Luis ' de Santangel, den zweiten Bericht von Lissabon aus an einen anderen Marannen, Gabriel Sanchez. Auch zu dem berühmten jüdischen Staatsmann Don Isaak Abravanel stand Columbus in engen Beziehungen. Santangel und Sancho wär^n die einzigen, die Columbus auch in seinem späteren Unglück nicht verlieben. — Uebrigens verdanken auch die Portugiesen manche ihrer Entdeckungen jüdischer Hilfe. Der jüdische Abenteurer Gaspar war es, der dem portugiesischen Admiral Cabral Brasilien entdecken half. Der jüdische Anteil an der Entdeckung des Erdteils, der heute für Millionen von Juden zum Asyl und zur Heimat geworden ist, ist also grotz genug. Der Streit um die Abstammung des Columbus mag unentschieden bleiben — die Teilnahme der Juden ak der hrötzten aller Kulturtaten, an der Erschlietzung der Neuen Welt, ist nicht hinwegzudisputieren. Mag Columbus nur von der Mutter her Jude sein, wie es der Spanier Teodosio Uochi, Dozent am Berliner Orientalischen Seminar, vermutet, oder mag er, wie Blasco Ibanez geglaubt hat. aus einer Marannenfamilie stammen: der lüdische Einflutz auf sein Werk in geistiger wie materieller Hinsicht ist so grob, dah die Frage des Blutes dagegen zurücktritt. Die Tatsache, datz das Judentum selbst in jenen leidvollsten Jahren seiner Geschichte an den heroischen Entdeckerfahrten Anteil nahm, ist für uns des Ruhmes genug. Doch darüber darf ein anderes Heldentum nicht vergessen werden. Auch die Neue Welt hat ihre' jüdischen Glaubensmärtyrer. Die Inquisition folgte den Juden und Marannen,. die nach Amerika flüchteten. Unter Philipp II. wurde in Lima der Arzt «lvarez und seine Familie als Bekenner des Judentums verbrannt. Bis ins achtzehnte Jahrhundert hinein flammten in den spanischen Besitzungen die Scheiterhaufen. Trotzdem suchten die Juden, die aus Spanien und Portugal vertrieben worden waren, in der Neuen Welt Zuflucht vor ihren Verfolgern. Wie lange n«ch sollte es dauern, bis ihnen die Sonne der Freiheit aufging! L. Steinfeld. Englisch-jüdische Parlamentsmitglieder leisten den Eid bedeckten Hauptes vor dem Pentateuch. Die englische Presse vermerkt, datz jüdische Mitglieder des neugewählten Unterhauses, unter ihnen Sir Herbert Samuel und A. M. Samuel, den Eid auf die Verfassung bedeckten Hauptes und die Hände auf einem Bande des hebräischen Pentateuch haltend geleistet haben. 228 Aufruf des Jüdische» Frtedeo-buudeS Ter vor einiger Zeit in Berlin begründete „Jüdische Friedensbund" erlägt den folgenden Aufruf an die jüdische Glc.u bensgemeinschaft: „Weltumspannende, katholische und evangelische Friede ü Organisationen haben an die jüdischen Kreise hie Einladu.,, ergehen lassen, mit ihnen zu einer Arbeitsgemeinscha-, für den Frieden zusammenzutreten. MN dieser äutzeren Anregung, der sich unsere Gemeinsch, i nicht entziehen darf, verbindet sich der innere Antrieb zum M wirken an der welthistorischen Aufgabe unserer Zeit. Das Judentum, das die Ideen des Weltfriedens und t . Völkerversöhnung vor Jahrtausenden zuerst verkündet ha,, dessen heilige Schriften von .diesen Ideen erfüllt sind, Kai:., etzt, da ihre Verwirklichung anbricht, nicht untätig beisei,, tehen. Unserer hohen Ideale eingedenk, wollen wir im Rahmc des „Jüdischen Friedensbundes" für die Versittlichung d, Menschheit und den dauernden Weltfrieden wirken. Es g. einerseits innerhalb der jüdischen Gemeinschaft den Gedanke der jüdischen Friedenssendung neu zu beleben, andererseits di. jüdischen Energien, Hand in Hand mit den anderen Bekenntnis Kreisen, für den praktischen Aufbau des Friedens einzufetze. Unsere Ziele sind allen jüdischen Parteien gemeinsam. W,r rufen daher alle Glaubensgenossen auf, sich unserer Bewegung anzuschlietzen und in allen Gemeinden organisatorische Stütz Punkte für siezu schaffen. Der Jüdische Friedensbund ist gen bereit, mit den Schwestervereinigungen in den anderen Staaten zusammenzuarbeiten und hofft, datz in allen Kulturländer, ähnliche Organisationen entstehen werden. Wir bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen, und Nack richten uns unter der Adresse der Geschäftsstelle des I ü d i schen Friedensbundes. Berlin-Schöneberg. Am Park 15, k" zukommenzulassen. Vereinsgen wir alle unsere Kräfte, um das, was unsere Vorfahren geträumt und gelehrt haben, heute ins Leben um zusetzen. „Jüdischer Friedensbund." Das Präsidium: Oscar Wassermann, erster Vorsitzender: Rabbiner Dr. Baeck. Vorsitzender des Allgemeinen Rabbiner verbandes; Professor Dr. Einstein; Kommerzienrat G. Simon; Rechtsanwalt H. Stern. Der Arbeitsausschutz: Dr. Alfred Nossig. Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. A. Klee; Alois A. F. Marcus; Rechtsanwall H. Stern. Beisitzer: Prof. Dr. Elbogen; Frau Rabb. Dr. Eschelbacher; San.-Rat Dr. A. Goldschmidt; Rabb. Dr. M. Hildesheimer; Dr. h. c. W. Kleemann, Direktor des Dresdner Bank." Wie Berlin „judenrein" gemacht werden sollte Das Erweiterte Schöffengericht Frankfurt a. M. verhandelte gegen den „Ingenieur" Albert B r ü h a h n , einen völkischen Agitator, der vorgab, eine Art „Todesstrahlen" Maschine erfunden zu haben und ein schlesisches Adelskonsortium um eine grohe Summe Geldes geprellt hat. Ärühahn, von Beruf Elektromonteur, hatte sich noch während des Krieges an militärische Stellen gewandt und behauptet, er vermöge elektrische Energien drahtlos iif weite Entfernungen auf bestimmte Körper zu jagen. Im November 1918 soll er einen Vorschub von 26 000 Mark zur Herstellung seiner Apparate" erhalten gaben. Die Verbindung mit ihm wurde aber abgebrochen. Ein schlesisches Adelskonsortium, dem Generalleutnant Oskar von Stange, der frühere Platzkommandant von Breslau, der die Geschäftsführung übernahm, ein Fürst Bismarck, Graf Pückler, Graf Maltzahn, von Dircksen und andere schlesische Magnatest angehörten, brachte 60 000 Mark für die Briihahnsche „Erfindung" auf. Es wurde Brühahn ermöglicht, in'der Universität Breslau vor einigen Wissenschaftlern sein Experiment auseinanderzusetzen. Diese Wissenschaftler konnten aber kein richtige» Bild gewinnen. Brühahn, der stets auf die Juden und die Republik schimpfte, gewann jedoch das Vertrauen des genannten Adelskonsortiums. Dem Generalleutnant v. Stange setzte er auseinander, man könne eines Tages alle Juden auf dem Tempelhofer Feld versammeln, ein Flugzeug werde auf steigen und den Todesstrahler in Tätigkeit fetzen. Innerhalb drei Minuten sei Berlin judenrein. Als aber aus der Erfindung nichts wurde und Brühahn auch bei einem Frankfurter Spediteur 16 000 Mark erschwindelt hatte, wurde Anzeige gegen ihn erstattet. Das Gericht verurteilte Brühahn wegen mehrfachen Be- ' trüge» zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis.

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