Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 28 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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ralarzt, 45 Leutnants. 1 Junker. 4 Korporale. 25 -Sergeanten, 26 Feldwebel. 29 Vizefeldwebel. 10 Wachtmeister. 2 Hauptmanner, 3 Rottenmeister. 1 Quartiermeister. 1 Armeegendarm. 1 Fahnenträger. 368 Unteroffiziere und 254 Gefreite. 373 jüdische Soldaten erhielten das Eiserne Kreuz. 5 davon das Eiserne Kreuz I. Klaffe, oder die entsprechenden militärischen Auszeichnungen der anderen deutschen Bundesstaaten. Drei besonders tapferen jüdischen Soldaten wurde das Eiserne Kreuz vom Kronprinzen, bzw. dem König persönlich überreicht. Ein jüdischer Kämpfer erhielt außer dem Eisernen Kreu§ einen silbernen Becher von der Kaiserin, einer das Eiserne Kreuz, iveil er eine schon vom Feinde genommene Fahne zurückbrachte, und endlich einer wegen kühner Rettung seines Hauptmanns. Eine große Anzahl Aerzte erhielt den Roten Adlerorden mit Schwertern und den Kronenorden. Ein Einjährig-Freiwilliger, der das Eiserne Kreuz II. und I. Klaffe erhielt, avancierte bis zum Hauptmann. Auch die obigen Angaben erheben keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Sie sollen nur ein schlichtes Zeugnis sein, daß unsere-Glaubensgenoffen für das deutsche Vaterland als Soldaten im Felde schlecht und recht ge- — dient haben, wie jeder pflichtbewußte Deutsche. Die Westfront Anfang November 1918 Don Kam. Dr. Eugen Reter -Mannheim. Band VI der Akten des Untersuchungsausschusses enthält unter den zahlreichen Anlagen auch Meldungen sämtlicher Divisionen, die Anfang November ISIS an der Westfront standen, Meldungen, die über die Stimmung und Leistungsfähigkeit der Truppe in den letzten Kriegswochen Auskunft geben. Erschüttert steht der Leser vor dem, was hier in kurzen Meldungen berichtet wird von dem Großen, das die Truppe in jenen letzten Oktober- und ersten Novembrrtagen noch geleistet hat. erschüttert aber auch von dem Schweren, was die Truppe damals hatte erdulden müssen. Nicht immer während des Sieges durften die Berichte der Divisionen Anspruch erheben auf Zuverlässigkeit und Richtigkeit hinsichtlich der Beurteilung von Geist, Stimmung und Leistungsfähigkeit der Truppe. Manche Meldung erfuhr eine Wandlung auf dem Wege vom Kompagnieführer bis zum Korps. Aber trotzdem muß die Division als die Stelle bezeichnet werden, die als hoher Stab einen richtigen Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse aus eigenem Erleben zu gewinnen imstande war. Die hier in dem wertvollen Bande vorliegenden Berichte von Ende Oktober und Anfang November 1S18 dürfey wohl als sachlich zutreffend gelten; das Bild von der Truppe, das sie geben, kann als wahrheitsgetreu bezeichnet werden. Wer ein Urteil gewinnen will über die Verhältnisse an der Front während jener bedeutungsvollen Wochen, darf an diesen Berichten nicht Vorbeigehen; er muß sie zur Grundlage nehmen , für den Aufbau eines zutreffenden, gerechten Urteils. Aus der großen Zahl der Berichte seien zwei nachfolgend abgedruckt: sie scheinen mir geeignet, Klarheit anzubahnen für ein verständnisvoller Erfassen der damaligen Verhältnisse an brr Front, geeignet auch, Spannungen zu mildern, die immer nock einen Teil unseres zerrissenen Volkes gegen den anderen erbittert streiten lassen. In den Berichten der Divisionen aus den letzten Kriegswochen tritt uns überall und ausnahmslos neben der Forderung sofortiger Ruhe für die abgekämpften Regimenter noch die andere Forderung entgegen, der Truppe Zeit zu geben für die Ausbildung des Ersatzes und zur Formierung eenes geschlossenen Truppenkörpers. In gewissem Sinne als typisch kann der Bericht der 119. Infanterie-Division vom 2. 11. 1918 bezeichnet werden: „lieber den zurzeit geringen Gefechtswert des bei der 2. G.-I.-D. eingesetzten zusammengesetzten Regiments der 119. Inf.-Div., insbesondere über die schlechte Verfassung des eingestellten Ersatzes (hinsichtlich der Ausbildung sowohl wie der Moral) hatte d,e Division dem A.-O.-K. 4 über III. bayr. A.-K. bereits berichtet. Was die Division auf Grund des Zustandes der Truppe voraussehen mußte, ist eingetreten: das zusammengesetzte Kampfregimeat hat in den Kämpfen vom 27. 19. versagt. Tatsache ist, daß Teile nach Einsetzen von Artillerie- und Minenwerferfeuer den Führern völlig aus der Hand gerieten und fluchtartig zurückgingen, und daß viele Mannschaften sich, ohne Widerstand zu leisten, ergeben haben bzw: zum Feinde übergelaufen sind. Tatbericht ist gegen eine Reihe von Mannschaften eingereicht; das Verhalten verschiedener Offiziere jst nachgeprüft eine Veranlassung zum Einschreiten hat sich jedoch bisher nicht ergeben. — Angesichts der tiefbedauerlichen Vorgänge werden im Interesse der früher stets bewährten und einen vorzüglichen Ruf genießenden Division nachstehend kurz die Gründe zu- 226 sammengestellt. die zum versagen der Truppen führen mußten. - Die Division hat sich vom 8. August bis 9. Oktober mit nur dreitägiger Unterbrechung ständig im Grohkampf befunden. Als sie am 19. Oktober herausgezogen war. hatte die gesamte Division noch eine Grabenstärke von 46« Mann! Die drei Infanterieregimenter hatten fast sämtliche Offiziere verloren.— Der sodann eintreffende Ersatz wurde am 18. Oktober eingestellt: am 19. und 29. waren Marschtage, am 21. und 22. wurde die gesamte Division entlaust, am 23. wurde das Kampfregiment znsammengestellt, am 24. erfolgte der Einsatz bei der 2. G.-I.-D. — Aus den vorstehenden Angaben ergibt sich, daß das neu zusammensetzte. 949 Mann starke Kampfregiment zur Hälfte aus neuem Ersatz bestand, nicht einmal exerziert hat und nicht zusammengeschwetßt werden konnte. 19 Offiziere wurden neu ei»- gestellt, darunter drei Bataillonskonmmandeure. Keiner diesir fast ausnahmslos soeben aus hem Osten eingetroffenen Offizic.r kannte seine Leute, die meisten verfügten über keinerlei Kam;- erfahrungen. Wenn auch einige von ihnen sich in den Kämpfen der letzten Tage sehr gut bewährten, so haben doch andere völlig versagt. Besonders nachteilig hat sich das Fehlen von guten Kompagnieführern bemerkbar gemacht. — Die infanteristifche Ausbildung des neueingestellten Ersatzes genügte nicht den bscheidensten Ansprüchen, zumal eine erhebliche Anzahl bisher Fernfprech-Kolonnen, Kraftfahr- und ähnlichen Formationen angeyört hatte. Noch schlimmer war der moralische Zustand. Die Mannschaften waren in der Heimat verhetzt taten nur widerwillig ihre Pflicht und benutzten die erste Gelegenheit, sich ihr zu entziehen. — Irgendeine Möglichkeit der Beeinflussung war, wie sich aus oben angeführten Daten ergibt, unmöglich gewesen?-— In einer derartigen Verfassung wurde das zusam mengesetzte Regiment, bei welchem also bei einzelnen Kompagnie.- dieser völlig minderwertige Ersatz den Hauptbestandteil bildete, in vorderer Linie eingesetzt und übernahm mit zwei Bataillonen einen Abschnitt von 2,5 km in einem durch Bodenbewachsungen besonders unübersichtlichen Gelände. — War somit einerseits das Versagen dieses zusammengesetzten Regiments bei den feind lichen Angriffen am 27. 19. unvermeidlich, so muß andererseits betont werden, daß einzelne Offiziere. Unteroffiziere und Mann schäften sowie beherzte M.-G.-Schützen ganz vorzügliches geleistet haben, und daß in den Kämpfen am 31 d. M. die noch vor handenen Teile des Regiments sich vortrefflich geschlagen haben. Die Division ist überzeugt, daß es ihr gelingen wird, die Truppe in jeder Hinsicht wieder kampfkräftig zu machen, wenn ihr. nur kurze Zeit die Möglichkeit der Beeinflussung aus die Truppe gegeben wird. Wenn die Truppe jedock weiterhin im Großkampf verbleibt, ist es nicht möglich, den unbedingt erforderlichen Aufbau der Regimenter wieder ein zuleiten." _ r Interessant in dem vorstehenden Bericht ist die zuni Aus druck gebrachte Ueberzeugung der Division, daß es ihr gelingen werde, den neuen Ersatz trotz aller politischer Verhetzung zu einer kampfkräftigen Truppe zu formen, wenn nur Zeit zur Beeinflussung gewährt wird. Diese Auffassung der Division muh als richtig bezeichnet werden. Die politische Verhetzung in Heimat und Etappe verlor sehr viel von ihrer Kraft dort, wo noch Reste alter Führer und Mannschaften in der Kompagnie vorhanden waren und die Möglichkeit bestand, aus einem be waffneten Haufen eine geschlossene Truppe zu schaffen. Die 236. Infanterie-Division meldet unterm 7. 11. 1918: „Bisher hat die Division sich durch ihre ausgezeichnete Stimmung die Anerkennung aller Generalkommandos erworben. Die Erhaltung der guten Stimmung der Truppe in jetziger Zeit wird als von entscheidender Bedeutung bezeichnet. Fälle von tätlichen Angriffen auf Vorgesetzte. Marodieren und sonstige schwere Vergehen, die in den letzten Tagen bei zahlreichen Truppen beobachtet wurden, sind bei der Division bisher nicht oorgekommen. Es wird! jedoch befürchtet, daß'durch das schlechte Beispiel anderer Formationen und die Ueberanstrengungen der Truppe auch bei der Division solche Fälle nicht ausbleiben können. Eine 19—14tägige völlige Ruhe in rückwärtigem Gebiet wird daher für unumgänglich notwendig ge halten. Nach Ablauf dieser Frist und Einstellung des Ersatzes an Offizieren und Mannschaften wird dieDivisionwie der ihren alten glänzenden Kampfwert haben." Bon Bedeutung an diesem Berichte ist die Annahme der Division, daß die von vielen auf politische Verhetzung zurück geführten Zersetzungserscheinungen der Truppe verhindert oder, wo sie sich zeigen, wieder beseitigt werden könnten durch Ge Währung der für die Truppe unbedingt notwendigen Ruhe. Diese Auffassung der Division ist wichtig für die Entscheidung, inwieweit politische Wühlarbeit eine Rolle spielte bei dem Auftreten von Zersetzungserscheinungen unter der Fronttruppe; sie findet sicherlich die Zustimmung weiter Kreise einstiger Front soldaten. Eine ausgedehnte politische Minierarbeit an der Front kann nicht bestritten werden; diese politische Verhetzung spielte aber nur eine sehr untergeordnete Rolle gegenüber jenen anderen Kräften, welche von entscheidendem Einfluß waren auf die Kimmung und die Leistung der Truppe.