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Der Schild · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Die Veröffentlichung einer Liste aller deutschen jüdischen Gefallenen im Weltkriege 1914—18 im „Schild" erinnert daran, daß auch Dr. Ludwig Philippson, der unentwegte und erfolgreiche Vorkämpfer für die Rechte seiner Glaubensgenossen im In- und Auslande und Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" unmittelbar nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges 1870/71 eine ähnliche Veröffentlichung veranlaßt hat. Bei dieser Veröffentlichung handelte es sich weniger um die Feststellung der Zahl der Gefallenen, als hauptsächlich um die Angabe der Namen sämtlicher deutschjüdischen Kriegsteilnehmer. Ludwig Philippfon hatte, wie er erklärte, die Erfahrung gelehrt» daß. wenn auch im Kriege jeder Unterschied der Stämme und der Konfessionen aufgehört, dieses gemeinsame nationale Gefühl bald wieder verschwinden und dem engherzigen Geiste des Vorurteils gegen die Juden Raum geben würde. In seinem weiten, praktischen Blicke wollte er den Anteil, den die deutschen Juden am Kampf für das Vaterland genommen haben, so gut wie aktenmätzig feststellen, um späteren Versuchen, ih« herabzusetzen oder gar zu leugnen, entgegentreten zu können. Aber noch ein anderer Umstand veranlaßte Philippson, die Zahl der jüdischen Heeresangehörigen festzustellen. Schon im Kriege 1866 hatte sich das Bedürfnis herausgestellt, für die Soldaten jüdischer Religion geistliche Seelsorger zu bestellen, wie dies für die nichtjüdischen Konfessionen schon längst geschehen war, und sowohl in Oesterreich als auch in Frankreich seit langem der Fall war. Man wandte sich daher mit der Forderung, eine gleiche Einrichtung beim preußischen Heere zu treffen, an die Regierung. Die preußische Regierung, die in jenen Tagen dem Iudeptum wenig geneigt war und sich bemühte, es möglichst zu ignorieren, wies diese Forderung ab mit der Begründung, bei der verhältnismäßig geringen Zahl und der Verteilung der jüdischen Soldaten in der ganzen Armee sei die Anstellung von jüdischen Feldgeistlichen weder möglich noch nötig. Philippfon wollte das Gegenteil feststellen. Zu diesem Behuf« richtete er an die Borstände der Gemeinden Deutschlands das Ersuchen. die Namen der während des Krieges im deutschen Heere dienenden Soldaten jüdischer Religion aus ihren Gemeinden nach den Truppenkörpern, bzw. Regimentern ihm mitzuteilen. Philippson war außerdem bemüht, aus möglichst vielen Orten Deutschlands die Anzahl der Juden, welche als Kämpfer den Krieg mitgemacht hatten, welche befördert und ausgezeichnet wurden, zu erfahren. Auch suchte er die Namen aller dieser Soldaten jüdischer Religion zugleich mit der Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung an jedem betreffenden Orte zusammenzubringen. Aus diese Weise entstand das „Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 für die deutschen Israeliten" Dann unternahm es das „Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe" in Berlin um das Jahr 1897, unterstützt vom Büro des Vereiys zur Abwehr des Antisemitismus in Frankfurt a. M., das Philippsonsche Verzeichnis möglichst zu erweitern und zu vervollständigen. Ein untergeordneter Anlaß gab die erste Anregung hierzu. Der Redakteur des „Thüringer Volksboten" in Arnstadt hatte in einer Versammlung den Soldaten jüdischen , Glaubens im deutschen Heere Feigheit vorgeworfen. Ein ehemaliger jüdischer Soldat, der Inhaber des Eisernen Kreuzes war, verklagte darauf das Blatt und wandte sich an das Komitee, damit ihm durch die Beschaffung des nötigen Materials Unterstützung für die Führung seines Prozesses gewährt werden möge. Dem Verklagten hinwiederum kamen antisemitische Blätter zu Hilfe, indem sieTn der üblichen Weise sich über die Juden als Soldaten und insbesondere über ihre Kriegstüchtigkeit äußerten. Der Prozeß kam jedoch nicht zur Erledigung, weil der beklagte Redakteur plötzlich verschwand uno die von ihm geleitete Zeitung bald darauf einging. Doch blieb die angeregte Frage.bestehen. Man schaute sich nach Material um, aus Grund dessen ein objektives Urteil über die Brauchbarkeit und Tüchtigkeit der Juden als Soldaten sich abgeben läßt. Hierbei stellte sich heraus, daß ein wirklich brauchbares Material nicht vorhanden war. Nur die oben schon gewürdigten Zusammenstellungen Philippsons über den Krieg 1870/71 waren vorhanden, die aber leider Fragmente geblieben waren. Das Komitee veranstaltete nun bei allen deutschen Gemeinden eine Umfrage, ähnlich wie es Philippson seinerzeit getan und sammelte die gewonnenen Tatsachen. Für Deutschland wurde das Material über die Kämpfe 1813—15, 1848, 1850, 1866 und 1870/71 zusammengestellt. Gleichzeitig wurde-Maserial aus Oesterreich. Italien, England, Holland, Bulgarien, Frankreich, Rußland. Polen und den Vereinigten Staaten von Amerika gesammelt. Das gesamte Material wurde in einer Schrift „Die Iud.en alsSoldaten" geordnet niedergelegt. Im folgenden möge das Material über den Krieg 1870/71 gegeben werden: Die Gesamtzahl der jüdischen Kriegsteilnehmer am Kriege 1870/71 betrug 4699 aus 1101 Gemeinden. Verwundet wurden 341, gefallen sind 143 jüdische Soldaten: Befördert wurden 25 Assistenzärzte, 45 Stabsärzte, 1 Bataillonsarzt, 1 Regimentsarzt. 8 Oberstabsärzte, 4 Gene-

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