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Der Schild · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Oppenheimer, Heidelberg. <8 u st. Oberzimmer, München. Eugen Ostwald, Duisburg. Manfred Pick, Cannstatt. Eugen Pinner, Berlin. Fritz Pagel. Soldin. Martin Rosenthal, Berlin. Hans Rietz, Hannover. Fritz Schlesinger, Kattowitz. Dr. Ferdinand S a in o j e , Berlin. Erich Sonder, Zerbst i. A. Paul Treitel. Wronke. Walter Timendorfer. Berlin. P a u l W o l f. Hagen i. W. G u st i n W e i n s ch e n u. Nürnberg. Dr. Edmund Werner. Berlin. Alfon- Wallach, Gleichrode i. H. KurtWachsner, Scharley £ Zuschriften sind an den Borsitzenden. Herrn Hauptmann d. Löwenstein, Berlin-Lichterfelde. Karlftratze 80, zu richten. Briefe an den „Schild" Nicht Nachlassen im Abwehrtampf An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Ter unter dem Titel „Tie Gemeinde als Trägerin der Abwehr" erschienene Artikel des Kameraden Kann ist zweifellos die bedeutungsvollste Arbeit, die seit langem >m „Schild" gebracht worden ist. Eine Tat, ein Fanfarenruf, uns aufzuschrecken aus unserer Lethargie, aus unserer wie hypnotisierten Gelähmtheit gegen die höher und höher steigende antisemitische Flut, der wir mit einem so gar nicht jüdischen Fatalismus gegenüberstehen. Und was die, Arbeit, die allen jüdischen Gemeindeoberhäuptern zugeschicht weiden sollte, so ganz besonders wertvoll macht, sie ist aus der Praxis heraus entstanden und dadurch leicht in die Praxis umzusetzen. Das kann der am besten -beurteilen, der selbst persönlich und nicht von irgendeinem grünen Tisch aus mitten drin in der hochschäumenden Brandung der Bewegung steht. Tie darin entwickelten Gedanken sind ja so naheliegend und ganz bestimmt hier und dort, in den verschiedensten Enden und Ecken des Reiches, schon aufgetaucht und erörtert worden. Tas schmälert selbstverständlich nicht im geringsten das große Bedienst des Kameraden Kann, der für das, was sozusagen in der Luft lag, die prägnante und scharfumrissene Formulierung fand. Wir haben, was hier vorgeschlagen wird, schon seit einigen Monaten in die Tat umgesetzt. W i r, das ist eine zahlenmäßig nicht einmal so große Ortsgruppe in einem Torf, das fest 1924 in ununterbrochenem schärfsten Abwehrkampfe steht. Wir wissen, daß unsere Gegner mit großem Interesse jede Nummer des „Schild" verfolgen. Der Name der Ortsgruppe fei vorläufig aus taktischen Gründen nicht genannt. Wir haben alle Kinderkrankheiten einer jungen Ortsgruppe mitgemacht. Bott' den Kompetenzstreitigkeiten mit dem viel älteren C. B., an die wir heute mit Beschämung zurückdenken, durch alle Irrungen des Apwehrkampfes hindurch, dessen Endresultat, wollten wir ehrlich sein, ein nicht befriedigendes war. Ta kam im November 1928 ein Brief an den Vorsitzenden der Ortsgruppe, aus dem einige Sätze wörtlich zitiert seien: „So halte ich es als Jude für meine Pflicht, bei der Ortsgruppe in Anregung zu bringen, daß gegen die antisemitische Welle eine einheitliche Abwehr zu organisieren ist. Nach meiner Auffassung dürfte der RjF. allein dazu nicht in der Lage sein, da dieses auf breiterer Basis geschehen sollte." Man beachte die nicht nur inhaltlich, sondern fast wörtliche Uebereinstimmung mit dem Artikel. Die Anregung wurde aufgegriffen. Der Synagogenrat bewilligte aus dem durch Steuern aufgebrachten Budget der durch den Krieg verarmten Gemeinde einen ansehnlichen Betrag und stellte sich an die Spitze der ganzen Bewegung. Der Erfolg war enorm. Wie mit einem Schlag änderte sich das Bild. Später kann einmal etwas näheres über die eingeschlagene neue Methode mitgeteilt werden. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß uns die ganze Aktion sehr erleichtert wurde, dadurch, daß jedes einzelne Mitglied der Gemeinde sich von der gegnerischen Seite bedroht fühlte. Bedroht nicht etwa in übertragenem Sinn, sondern rein wörtlich zu verstehen. Von mns also wurde im allerletzten Moment der, wie wir jetzt wohl sazen können, einzig richtige Weg beschritten. Wir beschwören die Gemeinden, nicht zu warten bis ihnen das Wasser über den Kopf steigt, sondern zu 222 handeln, ehe es zu spät ist. Was eine arme, kleine E meinde kann, das mutz für eine große erst recht möglich sein, tzs kann nicht schwarz genug in die Zukunft g< sehen werden, nichts wäre törichter und verwerflicher, als die völkische Bewegung zu unterschätzen. Wenn c:- eine „Patentlösung" gibt, hier ist sie. Videant consules.. Die Verantwortlichen seien auf ihren Posten, dam-' nicht der jüdischen Gemeinschaft nie wiedergutzumachcn der Schaden zugefügt wird. Mit Bundesgruß! Kam. Dr. Hermann. premierleutnaut Leon Wertheim An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Als französische Truppen am 6. März 1758 Hanau und Umgegend besetzten, warfen Pe vom Nürnberger Tor bis zum Mühltor Wälle auf, risien auf Befehl des französischen Kom Mandanten Eontillars alle Zäune an den Gärten und dem fick dort befindlichen israelitischen Friedhof ab, warfen die Grab steine um und verwendeten diese zu ihrem Schanzenbau. — Wohl versuchten die Mitglieder der israelitischen Gemeinde nach Abzug der Franzosen, die Grabsteine wieder in Ordnung zu bringen, fanden sie jedoch sämtlich zertrümmert. Damit ist auch die Haupterklärung gefunden, weshalb auf dem alten Teil dieses Friedhofes, der bereits feit 1603 besteht, verhältnismäßig wenig Grabsteine zu sehen sind. Allerdings haben die viele» Hochwasserfluten ebenfalls in erheblichem Matze ihren Anteil an der Vernichtung gehabt. Bei meinen Nachforschungen auf dem alten Teil des israeli tischen Friedhofes — wo seit nahezu 3 Jahrhunderten meine Borfahren die letzte Ruhestätte gefunden haben — entdeckte ich u. a. von Trauerweiden sanft beschattet ein Grab, besten Inschrift folgendermaßen lautet:, „Süh ist der Schlaf des Arbeiters! Hier schläft Leon Wertheim, dessen Leben treue Pflichterfüllung. Gerechtigkeitsliebe und fromme Ergebung in den Willen Gottes zierten. Seinem Vaterlande Kurhesserr widmete er in Krieg und Frieden als wackerer Offizier und tüchtiger Beamter (Hauptzollamtskontrolleur) 44 Jahre hindurch feine treuesten Dienste. Er war geboren am 6. Oktober 1776 und starb am 17. Juli 1848 zu Hanau." Er ruhe sanft bis zum Tage der Auferstehung! Ich erfuhr-über ihn: Leon Wertheim trat am 10. Mai 186!> als Freiwilliger in das Königlich Westfälische siebente Linien Infanterieregiment ein. Am 26. März 1816 wurde er Ser geant, am 17. Mai 1813 Sekondeleutnant im dritten Linien Infanterieregiment, am 31. Dezember 1813 Adjutant im Kurhessischen Regiment „Kurprinz", am 16. Januar 1817 Adjutant im zweiten Infanterieregiment und am 13. April 1822 Premier leutnant. Am 31. Dezember 1831 wurde er in den Zwilstand versetzt und kam als Hauptzollamtskontrolleur nach Philipps thal, am 8. März 1834 nach Carlshafen und am 6. Januar 1842 nach Hanau. Er war nicht nur als tüchtiger Beamter,' sondern auch als wackerer Offizier von seinen Vorgesetzten und Kameraden sehr geschätzt, machte die Feldzüge 1813 in Sachsen und Schlesien mit (Schlacht bei Dresden, Ausfälle Magdeburg) und kämpfe 1814/15 gegen Frankreich. >. Seine Ehefrau Glückhilde, die Schwester des berühmten Miniaturmalers I. D. Alexander Fiorino aus Kassel, verblieb nach dem Tode ihres Mannes in Hanau. Sie starb im Jahre 1883 und wurde ebenfalls auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Sein Schwager, Dr. Joel Fiorino machte die Befreiungs kriege als Arzt bei den 11. hessischen Jägern in Kassel mit und war dort als Bataillonsarzt bis zu seinem am 18. April 1841 erfolgten Tode. Als damals der Kurfürst Wilhelm I. auch seine jüdischen Untertanen zu den Waffen ries, um gegen die Fremdherrschaft

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