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Der Schild · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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hat aufgehört zu schlagen. Die .Schwarzwaldblätter bringen grohe Nachrufe: „«m öffentlichen Leben hat Michael Lion gerne und eifrig regen Anteil genommen, weit über allem stand ihm Heimat und Reich, die er oft in hinreißenden Reden unter Beifallsstürmen feierte." Mr aber vom Frontbünd, dessen geliebtes und geachtete» Ehrenmitglied der Verstorbene feit der Gründung war, werden den Kameraden, der Zeit seines Lebens dem jüdischen Namen Ehre gemacht hat, nicht vergessen. ■, Sein Andenken wird geehrt bleiben, solange wir selbst noch >m Lichte wandeln. Erster Aufruf zur RjF-Gründung Januar ISIS Im Iubiläumsjahr des RjF. wird es vielen von uns interessant fein, den ersten Aufruf, den Kam. Dr. Löwenstein aus der damaligen Stimmung heraus verfabte und den eine Reihe von Kameraden Unterzeichnete, kennen zu lernen. In ihm sind schon die wesentlichsten Bestrebungen zum Ausdruck gebracht, die unser Bund in diesen 10 Jahren weitgehend förderte und verwirklichte, wie die Idee des Kampfes gegen die uns besonders, aber auch das ganze deutsch« Judentum treffenden Berleumdungen, die Siedlungsaktion. die vorbehaltlose Kameradschaft. Mögen in abermals 10 Jahren oder noch früher all« diese Aufgaben restlos zu aller Zufriedenheit gelöst fein! Kameraden! Als wir jüdischen Frontsoldaten in Reih und Glied mit unseren Kameraden ins Feld zogen, um das Vaterland zu schützen, da wähnten wir, aller Klassen- und Glaubenshab, alle religiösen Vorurteile seien getilgt. Wir haben' uns getäuscht. Alle Gefahren und Strapazen, die wir mit unseren nichtjüdischen Volksgenossen gemeinsam ertragen haben, all das Blut, das geflossen, all die Tausende jüdischer Kameraden, die wir gemeinsam begraben haben, all die jüdischen Krüppel und Verstümmelten unter uns — all diese Opfer scheinen vergebens gebracht. Gewissenlose Verleumder begrüben uns bei der Rückkehr von den Schlachtfeldern als „feige Drückeberger": Schandbuben schmähen unsere Gefallenen. Kameraden! Das Mah ist voll. Zwar sind wir sicher, datz der beste Teil des deutschen Volkes von diesem verruchten einzutreten, so wird dir dein Schweigen als eine schwere Unterlassungssünde angerechnet: all diese Dinge gehen in Fleisch und Blut dem Bibelgläubigen über, demjenigen, der in ihnen kategorische, absolute Postulate des göttlichen Sittengesetzes erblickt. Die abgeklärte Lebensanschauung Mendelssohns» stammte aus seiner jüdischen Erziehung. Das scheint mir, hat Lessing nicht erkannt, Öt hätte er seinen Nathan nicht zu einem, eigentlich eits der Konfession stehenden, konfessionell absolut nicht gebundenen Menschen gemacht. Wie ist das aber zu erkläret? Sollte es Lessing im täglichen Umgang mit seinem Freunde nicht ausgefallen sein, welch hohen Einfluß auf die Bildung seines Charakters, sein rein'jüdisches, religiöses Denken und Tun ausgeübt bat? Vielleicht liegt eine gewisse Erklärung in den Zeltverhältnissen. Mendelssohn Hai wohl geschrieben. daß wenn die Emanzipation der Juden davon abhängig gemacht werden solle, dak sie ihr Zeremonialgesetz aufgeben» damit auf diese Art die Unterscheidung zwischen ihnen und den anderen Völkern wegfällt, — datz die Juden dann nicht anders könnten^ als auf die Emanzipation verzichten. Denn er wisse keine Möglichkeit sich von diesen Gesetzen loszusagen, es sei denn, datz der göttliche Gesetzgeber in., der gleichen Oeffentlichkeit diese seine Gesetze wieder aüfhebe, die er gegeben. Aber in der Praxis des Lebens hat Mendelssohn jedes Aufsehen durch seine jüdische Betätigung so ängstlich vermieden, dag es in der Tat denkbar ist, datz vielerlei seinen allernächsten Freundeid verborgen blieb ^Fortsetzung folgt.) Treiben nichts wissen will, zwar haben wir die feste Zuversicht zum deutschen Volke, daß es hei den Tausenden jüdischen Frontsoldaten und bei den Tausenden jüdischen Kriegergräbern gerechtes Gericht halten wird über jene, die zu Glaubens- und Rassenhatz die Massen aufpeitschen wollen und dadurch unser Vaterland in neue schwere Gefahren bürgerlichen Zwistes stürzen wollen. Aber wir sind zu stolz, untätig zuzusehen, wenn unsere Ehre als Deutsche und Juden besudelt wird. Darum heraus, ihr jüdischen Frontsoldaten, vereint euch zu einem Treubunde, der euch alle tm weiren deutschen Daterlande umschließt. Was wollen wir? — Wir wollen unseren Verleumdern im politischen, .wirtschaftlichen und geselligen Leben, überall, wo es geboten, mit allen erlaubten Mitteln mannhaft die Stirn bieten^ Schon das Bestehen unseres Bundes wird ihnen und ihren verhetzten Mitläufern zu denken geben und klärend wirken. Wir fragen nicht nach politischer Partei und religiöser Richtung. Zu uns gehört jeder deutsche Jude, der sein Leben im. Kampfe für das Vaterland eingesetzt hat und der einig Mit uns ist, sich das Recht auf unser geliebtes Vaterland von niemand rauben zu lassen. Weil wir unser deutsches Vaterland lieben, fördern wir jede Bestrebung^ die ihm zur Blüte und neuer Kraft verhilft. , Wir wollen innerhalb dts Bundes gute Kameradschaft üben, all die kleinlichen Unterschiede des Standes und des Vermögens sollen in unserem Bund zurücktreten vor der Kameradschaft. Wir wollen auch, soweit die» uns möglich sein wird, den Kameraden mit Rat und Tat beistehen. Bor allem wollen wir dafür eintreten, dah auch die jüdischen Frontsoldaten berücksichtigt werden, wenn auf deutschem Boden jetzt in gröberem Umfange deutsche Männer neu angesiedelt werden sollen. Wir wollen ganz besonders in dieser Frage eine umfassende Tätigkeit entfalten. - * Unser Bund will keine neue Scheidewand zwischen uns und unseren nichtjüdischen Volksgenossen aufrichten. Er will die Scheidewände, die Verhetzung und Verleumdung errichtet haben, Umstürzen. Hat er seine Ziele erreicht, hat er erlangt, datz uns' statt Hatz und Verketzerung Recht und Gerechtigkeit wird, wir lösen ihn auf. Und nun kommt zu uns, ihr Getreuen aus der' Wasseröde Flanderns, aus den Schützengräben der Vogesen, ihr aus dens Morästen Polens und aus den Steppen der Ukraine, ihr aus' den Fiebernestern Mazedoniens und aus den Gluten Palästinas > und Mesopotamiens. Ihr alle, die ihr Feind und Tod ins Angesicht gesehen. Auf. ihr jüdischen Frontsoldaten, schart euch um uns diesem Kampfe um unsere Ehre und unser Recht als Deutsche und Juden! , Vaterländischer Bund jüdischer Frontsoldaten.^ j DerVorstand. I. A.: Dr. Leo Löwenstein, Haüptmann d. R. Siegfried Adler, Hatzfurt. Walter Ascher, Stargard i. P. Ludwig Ballin, München. Walter Blank, Hannover. E rich Bukofzer, Berlin. Erich Bernstein, Berlin. Erich Cohen. Ruhrort. Alfons Dreifuß, Stuttgart. Artur Dickmann, Gleiwitz. Hans Eisenstädt. Spandau. Fritz Eisner. Berlin. Hans Goldman n, Heidelberg. G e o r a G l a s e r, Gollnow. Herbert Gottschalk, Lauenburg i.P. OskarGötz. Posen. Fritz Hammerschlag, Dortmund. Max Hauptmann, Gera. Ernst Hirsch, Germersheim. Paul Heimann, Berlin. Dr. Ludwig Haas, Karlsruhe. Ludwig Isaac, Frankfurt a. M. Werner Kuhn, Berlin. Erich König, Berlin. Fritz Kremm, Berlin. Werner Lachmann, Berlin. BrunoLandeck. Wongrowitz i. P. FrttzLöwy. Posen. Karl Löwen st ein, Aachen. FredLevy, Berlin. Alfons Maier, Mülheim i. B. Frttz Nathan, Duisburg. Richard Nathan. Wiltingen i. H. Heinrich _ .J 221

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