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Der Schild · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Die amerikanische „Or1"-Attiou Im skoiserhof fand anläßlich der Einleitung der amerikanifchen „Ort"-AKtion eine Kundgebung statt, an der die Vertreter fast aller großen jüdischen Verbände teilnahmen. Der amerikanische Botschafter in Berlin. Schurman, hatte in einem herzlichen Schreiben sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß er infolge einer auswärtigen Verpflichtung an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte. Der Vorsitzende, Bankier Graetz, machte einige Mitteilungen. über die beiden Kampagnen, durch die je eine Million Lollar für die Industrialisierung der jüdischen deklassierten Bevölkerung Osteuropas und für allgemeine „Ort"-Zwecke aufgebracht werden sollen. Eine Volkskampagne wurde auf einer Konferenz der Vertreter von 600 Organisationen von New Aork unter dem Vorsitz des Arbeiterführers B. Vladek proklamiert. Eine zweite Kampagne wurde unter Führung von Howard Cullman und Paul Felix Darburg auf einem Bankett im Hotel Biltmore eröffnet, an. dem etwa 1000 prominente Persönlichkeiten teilnahmen. Der Präsident der Bereinigten Staaten, H o o v e r, begrüßte das Bankett durch folgendes Telegramm: „Ich beglückwünsche die amerikanischen Juden zu ihrer volksumfassenden, weitherzigen Mitarbeit an der zugunsten des industriellen und allgemein-wirtschaftlichen Aufbaus der notleidenden Juden Osteuropas geführten „Ort"-Aktion und begrüße aufs herzlichste alle die, die zum „Ort"-Wiederaufbau-Fonds- Bankett in New Jork erschienen sind, um dieses humanitäre Werk zu verwirklichen." Der deutsche Botschafter in Washington, Graf von Prittwitz und Gaffron, telegraphiert«: „Ich sende der „Ort-Reconstruction Campaign" anläßlich des heutigen Banketts meine innigsten Grüße und wünsche weiteren Erfolg in den Bemühungen, die guten Bestrebungen zu verwirklichen und den Notleidenden Hilfe zu leisten." Auch vom Völkerbund, von zahlreichen diplomatischen Vertretungen, von führenden Persönlichkeiten der Politik, Wissenschaft und Kunst aus ganz Amerika und Europa liefen herzliche Begrüßungen ein. Dr. D. Lvovitch, Mitglied der Zentralverwaltung des „Ort"- Verbandes. der soeben nach der Einleitung der „Ort"-Kampagne aus Amerika zurückgekehrt ist, teilte in seinem Referat mit, daß die amerikanischen Juden ihren osteuropäischen Glaubens genossen in den letzten fünfzehn Jahren eine Summe von annähernd einer halben Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt hätten. Infolgedessen war eine gewisse Ermüdung bei den Spendern eingetreten, zumal sich die Ansicht verbreitete, daß durch die Kolonisation in Rußland das Problem der Ostjuden gelöst sei. Aber selbst nach Durchführung des neuen Kolonisationsplanes dürften nur etwa 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung von ihnen erfaßt werden. Di« Lag« bet jüdischen deklassierten Bevölkerung wird mit jede« lag unhaltbarer und kann zum Untergang »an Millionen entwurzelter Juden führen. Im Interesse der Industrialisierung der jüdischen Bevölkerung hat im vorigen Jahre der „Ort"-Verband. einen Vertrag mit der Sowjetregierung geschlossen, nach dem im Auslande lebende Personen durch Vermittlung des „Ort"-Verbandes ihren notleidenden Verwandten in Rußland Maschinen zollfrei übersenden dürfen. Die Bedingung, daß im Laufe von fünf Jahren für 1% Millionen Dollar auf diese Weise eingeführt werden müßten, konnte bereits innerhalb eines halben Jahres erfüllt werden. Darüber hinaus will der „Ort"-Verband auch dis deklassierten jüdischen Massen in Polen, Rumänien, Litauen und Lettland der produktiven Arbeit zuführen. Diesem Zweck sollen in erster Linie die jetzt in Amerika eingeleiteten Kampagnen dienen. Unfrankiert in den Briefkasten werfen oder am Postsdiaher abgeben. Postamt ZL An das DieGrüßedesReichsbundesjüdischerFrontso ldaten überbrachte der Bundesvorsitzende Dr. Leo Löwen stein. Er sprach dem „Ort"-Verband die herzlichsten Glückwünsche und die Sympathien der jüdischen Frontsoldaten aus und wies auf das rege Interesse hin, das die Ortsgruppe» des RjF. der „Ort"-Bewegung seit jeher entgegengebracht haben Im März 1923, als die organisierte Hilfe des RjF. im Scheunen viertel nötig wurde, habe jeder klar erkannt, was es bedeute, den Ostjuden eine gesicherte Heimstelle zu schaffen. Der „Ort"- Verband habe auch außerordentlich viel sür den notleidenden Mittelstand geleistet, der im RjF. zahlreich vertreten sei. Dr. Löwenstein überbrachte gleichzeitig die Grüße der in der Haupt fache aus dem RjF. hervorgegangenen Organisationen, des Reichsbundes für jüdische Siedlungen und der Jüdischen Land arbeit G. m. b. H„ die dankbar die tätige Mitarbeit führender Männer des „Ort"-Berbandes an ihrem Siedlerwerk anerken nen. Bei der Umstellung der jüdischen Psyche auf die landwirt schaftliche Arbeit seien diesen Organisationen die wertvollen Erfahrungen des „Ort" sehr zustatten gekommen. Auch die anderen jüdischen Organisationen brachten der „Ort"-Bewegung ihre Sympathien dar. S — e. „Goebbeles" Der Berliner „Volkszeitung" wird aus ihrem Leserkreise geschrieben: Der Reichstagsabgeordnete Goebbels, einer der blindwütig sten Judenhasser unserer Tage, hat jüngst erfahren müssen, wie unwissenschaftlich die antisemitische Rassentheorie ist. Als er sich in seinem Auto zu einer Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei nach dem Norden Berlins begeben wollte, gab es Alexander-, Ecke Klosterstrahe eine starke Verkehrsstörung. Herr Goebbels war sehr nervös, weil er fürchtete, zu spät zu kommen und bedeutete dem Verkehrsschutzmann ziemlich aufgeregt, daß er in eine große nationalsozialistische Versammlung müsse. Ein Radfahrer, der gezwungen war, abzusteigen, und Zeit hatte, sich das schöne große Auto neben sich voll Bewunderung anzuschauen, tröstete den auf seinem Sitz nervös hin- und herrutschenden Goebbels: „Da blei den Sie mal lieber ganz weg. Juden werden dort doch nicht reingelassen". Nicht schlecht beobachtet, denn Herr Goebbels wird wegen seines „jüdischen Aussehens" in den deutschvölkischen Kreisen des Herrn Mulle nur noch „Goebbeles" genannt. Jüdische Äriegsgefallene in Italien Die israelitische Kultusgemeinde Gorizia in Italien hat sich bereit erklärt. Kriegsgefallene, die in der nächsten Umgebung von Gorizia begraben sind, auf Kosten der Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof Gorizia begraben zu lassen. Angehörige von Kriegsgefallenen werden gebeten, sich unter genauer Angabe von Daten bei der Kultusgemeinde zu melden. BerfaffwlgSÄldenmg des Prentzische» Lastdrsverbandes Weniaer Abgeordnete. _ Am 9. Juni taste »u Berlin utzter dem Borstb von Herrn O r- Ls m a r »renn d der RechtSanSschub des Preubiichcn Landesverband«» jüdischer Gemeinden. Dieser Sttzuna kommt dadurch «ine besondere Bedeutung »u, daß ne sich mit einer Geueralrevtston der Berfaffuua des Landesverbandes beschäftiat bat «nd die aesabte» — wenn ihnen BerbandStaa «ad Rat bettreten — die Struktur des Landesverbandes wesentlich verändern dürsten. Die Beschlüsse ^ziehen sich insbesondere anf die Zusammenseduna der beiden HanptkSroerfchaften d«S Landesverbandes. >-,taa (ParlameM) nad den Rat (Lrekutive). ..bisher aui 3000 Seele» ein Abaeordneter »um Beriet, soll in Zukunst erst auf je «000 Seelen et» Manden _ . Nährend . bandstaa entfiel. ....____ ___ __ dat kommen. Dadaurch würbe sich die Zahl der Abaeordn-'-n um etwa 35—30 verringern. Auch der Rat soll eine «tnfchräukun, feiner Mttaliederrabl erfahren, und »war dadurch, dab statt st Bertreteru des RabbtnerstandeS nur 3 und statt 3 Bertretera der 2e6retf*oft nur einer dem Rate anaehüre» /sollen. Dies «liebt natürlich nicht aus, dab als Bertreter der Gemeinden b,w.hArotunzeu auch Rabbiner und Lebrer bestellt werden, jferoee sollet die bisher vom BerbandStaa in den Rat deleaierten Bertreter fort e» ... -..»er vom «ervanostaa in den Rat deleaierten Bertreter fortfallea. so dab der Rat in Lnknuft anber den Rabbinern und Lehrern nur noch aus den Bertreter« der Semeinüeverwaltnnaen bestreu würde. Insgesamt würde der Rat dadurch von SS auf efipa 8,-Sit-lieder verkleinert werden. — Mabaebend für diese Beschlüge war vor alle« der Gesicht«»»»« der Softenerfoarnt». Man war aber auch der Ansicht, dab. Je Bettlet die Gremien sind, desto arötzer ihre Bewealtchkeit und ArbeitSfähiakett ist. 214

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