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Der Schild · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Aus anderen Unterständen Die Zeitung des Iungdeutschen Orden» «Der Iun,deutsch«" schreibt in einer Betrachtung über die Ordenstagung in Dortmund am IS. Juni 1929: „@9 fielen die Schranken der Engherzigkeit in den Anschauungen. Die Parteigrenzen wurden überflutet. Die aufrechten Kampfer fanden sich im gemeinsamen Bekenntnis zur Volksgemeinschaft und zum sozialen und christlichen deutschen Volksstaat der Zukunft. Männer aus allen Parteirichtungen standen auf und bekannten sich zur gemeinsamen Arbeit und zum^ gemeinsamen Wirken, um die Ideen zu klären und um einzutreten in den Kampf für den Volksstaat. Die Idee bewies ihre Macht. Sie wurde Wirklichkeit. — Aus dem Lager der Deutschnationalen, aus dem Lager der Volkspartei, aus dem christlich-sozialen Lager und aus dem Lager der Demokratie erklangen die Stimmen der Führer und Kämpfer und vereinten sich in dem Willen zur Volksgemeinschaft. Welche Organisation hat es gewagt, der Hydra des Hasses und des Haders im politischen Leben die Köpfe abzuschlagen? Welche Organisation hat es fertigbekommen. der Flaggenhetze wirksam und entscheidend entgegenzutreten?? Die jungdeutsche und volksnationale Bewegung hat die Flaggenhetze und jene Ewig-Gestrigen, die ihre Diener find, in Acht und Bann erklärt. Die Schranken zwischen Schwarz-Weitz-Rot und Schwarz-Rot-Gold sind gefallen. Die Kluft, die unser Volk zerriß, ist überbrückt. In gegenseitiger Achtung reichen sich die aufrechten deutschen Kämpfer die Hände. Sie kennen nur noch ein Ziel: den deutschen Bolksstaat auf der Grundlage der Volksgemeinschaft und nur noch eine Tradition, und die heißt: Deutschland." «Da» Reichsbanner" vom 22. Juni 1929 schreibt: «Der «Iungdeutsche Orden" hat ein Dogma, das er immer und immer wieder verkündet und das er bald einmal auf feine innere Haltbarkeit etwas näher prüfen sollte. Es lautet: «Der Orden aber sagt: Erst die Idee, dann erst können Massen um diese Idee gesammelt werden!" Ist solche These richtig? Leiden wir in Deutschland nicht vielleickt zu sehr daran, daß wir zu viel «Ideen" für den Staatsaufbau und darum auch zu viel Ideologien haben? Sicher ist der «Iungdeutsche Orden* der Auffassung, daß seine «Idee" vom Staatsaufbau die richtige sei, und daß es nur notwendig wäre, diese „Idee" immer wieder bekanntzumachen und immer mehr Deutschen einzuprägen, um sie schließlich so weit herrschend zu machen, daß sie zu einer sein «Ich Klage an." in die Welt. Auch Lessings „Juden" sind ja ganz eigentlich auf diesen Ton gestimmt. «Ich Klage an", ruft Lessing, ihr Christen habt kein Recht, alle Juden in Bausch und Bogen zu verwerfen und der Menschenrechte unwürdig zu erklären. Berbrecher gißt es unter euch ebenso, nie sie unter Juden Vorkommen, und auch in der Iudenheit kann sich eurer durch Edelsinn und hohe ethische Eigenschaften auszeichnen . . . Und, wie bereits betont, nur unter dem Gesichtspunkt, daß selbst diese Behauptung zu damaliger Zeit noch von allen Gerten als unwahr niüergeschrien wurde, ist Lessings Iudendrama als Zeichen eines unerhörten Muteq wie eine Großtat des edlen Dichters zu bewundern. j - Selbstverständlich etwas vollkommen anderes ist es, wenn man sich über Lessings Schwanenlied, über seinen Nathan, die letzte große Frucht seiner Muse unterhält. Ein Menschenleben, ein bewegtes Menschenleben, lag zwischen fernem ersten dichterischen Versuche und diesem, seinem letzten reisen Werke, und auf Lessings Lebenswege das stärkste Erlebnis, der tiefste und nachhaltigste Eindruck, der je auf ihn hervorgerusen wurde, war ia sein Bekanntwerden mit Mendelssohn, seine Freunoschast mit dem jüdischen Philosophen. Er hat ganz sicher keinem Menschen je so nahe gestanden, er hat sich keinem 'geistig so nahe verwandt gefühlt; es darf mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen werden, daß, wenn auch in Lessing anfänglich gegen Juden und Judentum im allgemeinen noch Vorurteile vorhanden waren, daß sie durch den Utngang mit diesem ethisch so ungewöhnlich hochstehenden Mann, wie Spreu vor dem Winde, vollkommen geschwunden sind. Kenovicrung des deutschen Staatsaufbaues fühyen kann. Leider gibt es neben der jungdeutschen .Idee" noch zahlreiche andere, so die christliche «Idee" in ihren verschiedeyen Inter pretationen, so die liberale «Idee", für die man gerade in der neuesten Zeit modernere Gestaltung sucht, ohne daß man weiß, wie und woher. Die verschiedenen sozialistischen „Ideen" und nicht zuletzt die nationalistischen «Ideen". Hält es jema«d für möglich, daß eine von ihnen jo stark wird, daß sie auch nur eine einzige der anderen verdrängen möchte? Sicher niemand! Es müßte denn sein, daß die Bewegung, die hinter dieser oder jener «Idee" steht, zu einer diktatorischen Macht im Staate gelangt, um aus der «Idee" heraus zu kommandieren und sie gewaltsam anzuwenden." Ueber «Tannenbergbund und Hitler" bringt das «Deutsche Tageblatt" vom 15. Juni 1929 folgenden Bersammlungsbericht aus München: «Fm überfüllten Raume des Arzberger Kellers sprach der Schriftleiter von «Ludendorffs Volkswarte". Kurth, über das Thema: «Tannenbergbueid und Hitler." Seine Ausführungen boten den zahlreich erschienenen Hitlerleuten Gelegenheit, ihr Mißfallen durch ununterbrochene Zwischenrufe kundzutun. Es hätte auf den Helmen der Armee ein Wort gefehlt: «Mit Gott für unser Volk'', das-sei der Grundsatz des völkischen Staates, der nicht von außen her mit Rutenbündeln geschaffen würde. Ein Volk kann nur von innen heraus gebilbet werden, während die Nationalsozialisten den Staat von morgen wollen, wolle Ludendorff das Volk von morgen. Ludendorff lehne die nationalsozialistisch« Diktatur ab. Hier entstand ein lebhafter Tumult. Eine nationalsoziqache Größe rief unter lebhaftem Gelächter: «Weil Ludenf nicht fähig dazu ist!" Der völkische Gedanke in seiner letzten Konsequenz bedeutet: Gemeinschaft im Blut; Glaube, Kultur und Wirtschaft. Das ist die Parole des Tannenbergbundes. der sich händeringend für einen nationalistischen Staat bedankt. Als der Redner die Ausführungen des «Israelitischen Familienblattes" Nr. 13—29 zitierte, daß die Juden Mussolinis Freunde seien und dem Faschismus Snmpathie entgegenbringen, ging natürlich die kochende Volksseele der nationalsozialistischen Leibgarde wieder hoch. Unzählige Zwischenrufe sorgten für das nötige Theater. Lö. Französisch-jüdische Frontkämpfer pilgerp zum Schlachtseld Eine große Gruppe ehemaliger jüdischer Freiwilliger der französischen Armee, die im letzten. Kriege an der Front, ge kämpft haben, begab sich unter Führung des Präsidenten des Verbandes jüdischer Kriegsfreiwilliger Frankreichs, Kadmi Cohen, nach Earency, um das Gedächtnis der jüdischen Helden aus Anlaß des Jahrestages der Schlacht von Earency zu feiern. Sie besuchten die Friedhöfe von Targette und Notre Dame de Lorette, wo ungefähr 40 000 Kriegsgefallene ruhen. Von dort begaben sie sich zu der berühmten Cüte 140, wo mehr als 200 000 Krieger, unter ihnen einige Tausend Juden, gefalle» waren. Ueberall legten sie Kränze nieder. — Diese Karte ist eigenhändig auszufüllen und in einen Briefkasten desjenigen Postbezirkea tu werfen, in dem der Besteller wohnt I Bestellschein _ Ich bestelle hiermit für das dritte-Quartal 1929 die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Der Schild“, Verlag 'Reichsbund jüdischer Frontsoldaten E. V., Berlin 15. Kurfürstendamm 200. Der Bezugspreis von 1,95 RM. vierteljährlich zuzgl. Bestellgeld ist he' mir zu erheben. “*■ Wohnort und Straft« D«utlldi und f«uu«ttni auasufQUm Nam« Bitte (Fortsetzung folgt.) 213

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