Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sein besonderes Arbeitsgebiet find Soziologie und Kulturphilosophie gewesen. „Untersuchungen zum Kulturproblem der Gegenwart" lautet der Titel seiner ersten größeren Schrift, die er noch vor seiner Niederlassungen der Darmstädter Hochschule veröffentlicht - hat. Als idealistisch, d. h. antimaterialistisch gerichteter Soziologe und Kulturphilosoph hat er sich besonders um die Analyse der Begriffe von Volk, Staat und Nationalismus bemüht. Sein grundsätzlicher philosophischer Standpunkt, der Standpunkt eines ethisch fundamentierten Idealismus, erklärt auch seine entschiedene, fast schroffe Gegnerschaft gegen jede Rassephilosophie und Rassepolitik. Von diesem Boden aus hat er den Antisemitismus in zwei ausgezeichneten, mehrfach aufgelegten Schriften — „Rasse und Politik" und „Deutsche Bolks- Ivau Heijas als Nationalheld Am 16. Juni wurden auf der Margareteninsel bei Budapest 206 Personen in das Heldenkapitel Ungarns ausgenommen. Unter den Helden befindet sich auch Ivan Heijas, der in der Zeit des weißen Terrors zahlreich« jüdische Bürger Ungarns in verschiedenen Orten peinigen und hinrichten ließ. Auch der Antisemit Gömbös, jetzt Staatssekretär im Landesverteidigungsministerium, befindet sich unter den Helden. Idee und Deutsch Völkische Idee" — geistvoll und: eindrucksvoll bekämpft. Es lohnt sich noch heute für jeden Juden, diese' glänzend geschriebenen Bücher Golüsteins zu lesen. In diesem Geiste hat er, zugleich begeisterter Deutscher und überzeugter Jude, in den Reihen des RjF. und des Centralvereins gewirkt. Diese Gesinnung wurde, schließlich auch von der ausgezeichneten jüdischen Zeitschrift „Der Morgen" (im Philo-Berlagj vertreten, die Goldstein begründet und herausgegeben hat. Ter RjF. hat besonderen Anlaß, den Tod des Philosophen zu beklagen. Julius Galdstein, der als Frontkämpfer den Weltkrieg miterlebt hat, hat als tätiges Mitglied zu unserem Bunde gehört. An der Rheinlandtagung des RjF., die in dem für seine akademische Laufbahn so bedeutungsvollen Jahre 1925 in Worms ftattfand, hat er seinen kulturphilosophischen und religionsphilosophischen Standpunkt in einem Referate vertreten. Die jüdische Religion in ihrer ethischen und idealistischen. v0ti^> den biblischen Propheten begründeten Urgestalt, war für ihn der Sinn und das Wesen des Judentums überhaupt. Der Reichsbund und mit ihm das gesamte deutsche Judentum wird in jüdischer Treue und Pietät das Andenken an Julius Goldstein bewahren und segnen. / eld. J | Professor Levy'Dorn gestorben Nach langem qualvollen und mit wahrhaft stoischem Gleichmut ertragenen Leiden verschied Professor Levy-Dorn. der Altmeister klinischer Röntgenologie. Erst vor Iahresfrift wurde der Forscher im Alter von 65 Jahren von der Leitung des Röntgeninstituts des Rudolf-Birchow -Krankenhauses, das er als Beirat mit erbaut, und dem er mehr als zwei Jahrzehnte lang vorgestanden hatte, entlastet. Levy-Dorn hat erst als reifer, vielseitig oorgebildeter Arzt die klinische Röntgendisziplin mitbegründet: er ^war vorher chirurgischer Assistent bei Kluck. Neurologe als Schüler Oppenheims und hatte bei du Bois-Reymond mehrere physiologische Arbeiten geschrieben, als er dos erste Röntgenlaboratörium in Berlin begründete. Roch gab es damals kein staatliches Institut an der Universität. In Levy-Dorns eigenen Räumen wurden die ersten Lungendurchleuchtustgen der Patienten des angehaltenem Atem gemacht, die ersten stereoskopischen Ausnahmen zur Ermittlung von Fremdkörpern erprobt und der Grund zu den zahlreichen technischen Verfahren gelegt, welche heute die Röntgenologie als eine umfangreiche Speziatdisziplin. mit eigenem Ordinariat zur hervorragenden medizinischen Hilfswissenschaft macht. Auch die Kinematographie stellte der «erstorbene als erster in den Dienst der Medizin. 190» wurde ihm der Professortitel verliehen. Die zelltötende Eigenschaft der Röntgenstrahlen ist weit später bekannt geworden als ihre Fähigkeit, Körpergewebe zu durchdringen. Levy-Dorn hat gleich anderen damals unzählige Male seine Hand zur Demonstration zur Verfügung gestellt und im „Lichte" der neuen Strahlen mit ihnen gearbeitet. Röntgenverbrennungen, schmerzhafte, schleichende, waren die Folgen. Sie zwangen den Forscher, im Lause der Jahre immer mehr Fingerglieder und Finger dem Messer zu opjern. Dem bösartigen Leiden, zu welchem erfahrungsgemäß jene schweren und ausgedehnten Zerstörungen führen, erlag er schließlich, ein Pionier. für die Juden schon den allerheftigsten Widerspruch der Zeitgenossen hervorgerufen hat. Lessing hat ganz speziell Neigung dazu, Werturteile über Menschen nachzuprüfen. Er erklärte einmal von sich, daß er nichts von dichterischer Fähigkeit in sich spüre, daß er alles geradezu mit Gewalt aus sich herauspressen müsse, und wenn er dichten wolle, sich nur wie ein Lahmer vorkäme, der sich mühsam auf Krücken vorwärts schleppt, aber nicht gehen könne. — Aber von einer Tätigkeit habe er seine innere Befriedigung. „Ich kann mir nichts schöneres denken, als die Namen berühmter Männer zu prüfen, chr Anrecht auf die Ewigkeit zu untersuchen, unverdiente Flecken ihnen abzuwischen, kurz alles das in moralischem Sinne zu tun, was jemand, dem die Aufsicht über einen Bildersaal übertragen ist. in physischem Sinne verrichtet." Daß es mit der allgemeinen Mißachtung aller Juden nicht seine Richtigkeit habe, daß es auch schätzenswerte Juden geben könne, nur das kann man aus dem Drama entnehmen. Immerhin aber mag bei Lessing vielleicht im Unterbewußtsein doch noch die Meinung vorhanden gewesen sein, daß viel von dem, was man den Juden an Schwäche andichte, vielleicht der Berechtigung nicht ganz entbehre. Man hat einmal die Frage aufgeworfen, was der Unterschied sei, in der Beurteilung der Juden durch Juden und der Juden durch Nichtjuden. Fragt man den Nichtjuden nach einem einzelnen Juden, mit dem er geschäftlichen oder gesellschaftlichen Berkehr hat, was hältst du von ihm, dann hört man sehr oft, ein ausgezeichneter Mensch, man merkt ihm nichts von einem Juden an. und fragt man ihn noch über einen zweiten und dritten, so lautet sein Urteil ebenso. Will man aber dann von ihm 212 wissen, und was sagst du von den Juden im allgemeinen? Dann antwortet er, — eine unsympathische Menschenklasse von höchst zweifelhafter Moral, man hat am liebsten nichts mit ihnen zu tun. Fragt man aber den Juden, wie ist dein Urteil über den und den Glaubensgenosten, dann hört man oft, der ist ein greulicher Kerl und jener ein abgefeimter Schurke. Was denkst du aber über die Iudenheit? Nun, — zweifellos ein heiliges Volk, eine auserlesene Nation. Das ist gewiß etwas übertrieben, aber hat ein Körnchen von Wahrheit in sich; Anerkennung aibt man in der nichtjüdischen Welt manchmal einem einzelnen, gibt rückhaltlos seine großen Qualitäten und Leistungen zu, aber verwahrt sich dagegen, daß man damit nun etwa dem Judentum gegenüber eine freundliche Stellung habe einnehmen wollen. Ich möchte übrigens nicht verschweigen, daß ich vor kurzem einen Artikel über Zola, den von der gesamten Iudenheit bewunderten und angestaunten Vertreter des bedauernswerten Angeklagten im Dreyfusprozeß gelesen habe. Da war von ganz demselben Problem die Rede, man dürfe Zola durchaus nicht als Philosemiten ansprechen, er habe bei den Juden seines Umganges so mancherlei bemerkt, was ihn abgestoßen habe, und habe mit seinem Verdikt durchaus nicht hinter dem Berge gehalten, so daß man ihn in manchen Kreisen als Antisemiten verschrien habe. Aber er war ein Wahrhettssanatiker, er konnte es absolut sticht vertragen, Gemeinheit und t Ungerechtigkeit triumphieren zu sehen, ohne dagegen mit seiner gqnzen Person aufzutreten. Und weil er von det Unschuld des Kapitäns und von der inneren Morschheit der führenden militärischen Clique in Frankreich selsansest überzeugt war, darum trat er auf und schmetterte