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Der Schild · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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w mmm mmmm m MW, » Äom* Vrofeffor Julius Goldstem gestorben Ein Kämpfer gegen Antisemitismus »u, Darmstadt kommt di« erschütternd« Rachricht. datz der auherordenUiche Professor für Philosophi« an der Technsfchen Hochschule, «am. Julius Goldstein, im Alter von 5« Jahren gestorben ist. Eine menschlich sympathische Gelehrtengestalt, von tiefem und echtem Idealismus leidenfchaft bewegt, ein Schriftsteller von fesselnder Ausdruckskraft und, nicht zuletzt, ein treuer Jude, der für fein religiöses Bekenntnis, für Geist und Wesen des jüdischen Glaubens nicht nur mit überzeugenden Worten, sondern — was mehr ist — mit seiner ganzen Persönlichkeit sich jederzeit eingesetzt hat. ist irit Julius Goldstein aus dem Leben geschieden. Im Jahre 1901 habilitierte Philosophie an der Technischen Hochschule in Darmstadt. In dieser bescheidenen Stellung hat an der berühmten Lehranstalt dgs alten Grotzherzogtums und später des Freistaates Hessen, ein mischen Jugend, gewirkt. „Er hat viele Semester lang erfolg-! reiche Tätigkeit ausgeübt und immer eine große Hörerzahl ge-! habt." Mit diesen Worten charakterisierte das Hessische Lan-> besamt für Bildungswesen im Jahre 1925 seine Tätigkeit auf dem «atheder. er sich als Privatdozent der er fast ein Vierteljahrhundert anregender Lehrer der akade-! In diesem Jahre beschloh die hessische Regierung, eine außer-! ordentliche Professur an der Technischen Hochschule zu schassen und auf den neuen Lehrstuhl den! Privatdozenten Julius Gold-! stein zu setzen. Datz erst so spät, viel zu spät, seine Wissenschaft-! lichen Verdienste die gebührende Anerkennung erhalten sollten,^ war die übliche Wirkung antisemitischer Gesinnung an unseren höchsten deutschen Lehrinstituten, innerhalb ihrer staatlichen Verwaltung wie ihrer akademischer Lehrkörper. Und auch diesmal, aw die freistaatliche Regierung endlich das nachzuholen suchte, was die monarchistische versäumt hatte, schlug die Flamme des Judenhasses hell auf. Rektor und Senat der Darmstädter Hochschule wollten den jüdischen Philosophen ln ihrer Mitte nicht dulden. Sie machten für da» neugeschaffene Extraordinariat andere Vorschläge und widersetzten sich in heftiger Ablehnung dem Regierungsbrfchluh. E» entbrannte «in ernster Konflikt. Die Berhandlungen zwischen der Hochschule und der Regierung endeten ohne Erfolg. Die Feier der Rektoratsübergabe. eine alt« Tradition an de« deutschen Universitäten und Hochschulen» wurde im Oktober 1925 vom Senat abgesagt, um aus dies» Welse gegen die Autorität de» Staates und die Entscheidung der demokratisch gerichteten Regierung Protest zu erheben. Aber di« Regierung lieh sich durch den Antisemittsmu» reaktionärer Professoren nicht «inschüchtern und beharrte fest auf ihrem Standpunkt und aus ihrem einwandfreien Recht, von sich aus «inen Professor zu ernennen, falls sich «in« Einigung zwischen ihr und dem Senat der Hochschule nicht erzielen lieh«. Als im Zusammenhang mit diesem Konflikt die Demokratische und sozialdemokratische Fraktion des hessischen Landtages eine Anfrage an die Staatsregierung richjeten, gab das Landesamt für Bildungswesen eine Aufklärung Wer den Fall. Es hatte sieben Gutachten über die philosophischen Leistungen Goldsteins von auswärtigen Professoren eingeholt. Sie lauteten samt und sonders sehr günstig: am günstigsten das Zeugnis, das der de, deutende Religionsphilosoph Troeltsch von der Berliiner Universität ausstellte. So blieb es also bei der außerordentlichen Professur Julius Goldsteins. Nur drei kurze Jahre hat er in diesem wohlverdienten akademischen Amte gewirkt. , Der Grundzug seines philosophischen Schaffens ist jener deutsche Idealismus gewesen, wie er in der klassischen Blütezeit unserer Philosophie und Literatur durch Kant und Fichte, durch Lessing und Goethe als .Wahrzeichen kultureller Gesinnung aufgerichtet worden ist. In allen Büchern und Aufsätzen Goldsteins, Erzeugnisse einer temperamentvoll begeisterten und anziehenden Darstellungskraft, spricht sich dieses Urmotiv seiner Gedankenbildung lebensvoll aus. Leffiag und die Juden Bei der Jubiläumsoeranpaltung der Ortsgruppe Leipzig im! RjF. hielt, wie berichtet. Gemeinberabbiner Dr. E. Earlebach diesen Vortrag. (Fortsetzung.) Ob man wohl dieses Ganze eine Apologie des Judentums, oder wenn auch nicht das, so doch eip Eintreten für die Juden nennen kann? Ich möchte es bezweifeln. Möchte sogar behaupten, daß Lessing, als er dieses Stück Sjrieb, weder Juden noch Judentum kannte. Der im nfang der Zwanziger stehende Dichter hat weder in seiner Heimatstadt, noch in seinem engeren Baterlande, auch nicht in seinen Studienorten Gelegenheit gehabt, mit Juden zusammen zu leben. Wohl mag er aus dem Elternhause eine mildere Auffassung aller Borurteile gegen die Juden mitgebracht haben, hat ja schon einer seiner Borsahren — er gehörte zu einem alten Pastorengeschlecht — eine Dissertation geschrieben: „Ueber diel Duldung der Religionen". Man mag dort in dem ganz positiv evangelisch konfessionell eingestellten Elternhause auf dem Standpunkt gestanden haben» den ja einzelne edle Christen selbst in den finstersten Zeiten des Mittelalters vertraten» daß man keine Zwangsmittel zur Bekehrung der Juden anwenden solle» sondern bestrebt sein müsse, ausschließlich mit den Mitteln der Ueberredung, der Liebe und des Wohlwollens sie für die „allein selig- ' machende" Kirche zu gewinnen. Ein Christ, der damals so dachte, man müsse durch sein Verhalten den Juden Achtung vor der christlichen Ethik einslötzen, man müsse ihm beweisen, daß duldsam und christlich identische Begriffe seien, damit auch er sich aus freiem Entschluß der „Religion der Liebe" zuwende, wahrlich auch solche Christen waren in der Mitte des 18. Jahrhunderts Ausnahmeerscheinungen: wer einen anderen gewinnen will, kann ihn wenigstens nicht verachten und steht zu ihm im Verhältnis des Belehrenden zudem. der die Belehrung empfangen soll, und diese beiden rücken einander immer menschlich nahe. Ich sage. Lessings Interesse für die Juden stammt nicht aus einer Bekanntschaft mit ihnen, sondern ist zunächst nur der Einfluß, der sanften und milden Atmosphäre des Elternhauses. Und ferner ein Zweites» in Lessing lebte ein reoolu? tiontttw Geist und cm kritischer Geist. Er nahtn die mit imponierender Selbstverständlichkeit auftretenden Werturteile der Zeit ganz einfach nicht sür bare Münze, sondern hatte das ernste Bestreben, alles erst auf seine Wahrheit zu prüfen. Er glaubte nicht daran, datz die evange, tische Kirche allein im Besitze dessen sei, was den Menschen die innere Glückseligkeit und der Seele ihr Wohl und Heil verschaffe. Darum bäumte sich sein! Inneres gegen den Hochmut der Geistlichkeit auf. daruck spottete er über die pfäffische Einbildung. Er war der Ueberzeugung, daß Moral und Ethik unabhängig vom Konfessionellen sei, und daß es in allen Lagern Gute und Böse, Hochstehende und Verworfene gäbe. Und deshalb reizte ihn auch das so allgemein verbreitete Vorurteil gegen die Juden zur Kritik. Und er bringt in seinem Drama zum Ausdruck, daß doch immerhin die Möglichkeit bestehe, daß selbst aus dieser Nation sich einmal ein einzelner zur Höhe edelsten Menschentums aufschwingt. Das sprach er ja auch selbst ganz offen au», und wir wissen, daß auch dieses bescheidene und ganz vorsichtige Eintreten 211 i,

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