Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Schimpfereien von sich gegeben. Wir wiederholen, es würde uns außerordentlich interessieren, die Aufstellung der angeblich gefallenen 12000 jüdischen Frontsoldaten unter Angabe der genauen Personalien, des Truppenteils, de» Todesdatums, des Ortes und der Todesursache kennenzulernen. Zu diesem Artikel darf man wohl sagen, daß jedes Wort eine fette Lüge bedeutet. Ueber ein ganzes Jahr lang hat der „Schild" in jeder Nummer die fortlaufende Liste der Gefallenen gebracht, die aus dem heutigen deutschen Geoiet, mit Ausnahme von Hamburg, Württemberg und Bayern stammen, insgesamt 8680 Namen. Die Liste der Gefallenen aus Bayern und Württemberg war schon früher veröffentlicht worden. 1 u. Mit diesen Listen steigt die Zahl auf über 10 000. Inzwischen ist übrigens auch, wie wir heute schon verraten können, die Aufnahme für das Hamburger Gebiet fertiggestellt worden. Diese sowie die Gefallenest aus den abgetretenen Gebieten, die ja leider nicht mehr voll erfaßt werden können, gibt die Mindest Ziffer von 12 000 jüdischen Gefallenen. Wir wiederholen hier, daß wir jederzeit einer prüfenden Stelle das vollständige Material zu einer gründlichen und unparteilichen Prüfung vorleaen können. Außerdem werden wir in einiger Zeit diese Äste als Buch, das für jeden zu haben fein wfrd, veröffentlichen. Ueber die Rolle der preußischen Juden im Befreiungskriege haben wir in Nr. 2 des „Schild" schon ausführlich der völkischen Presse aus diesbezügliche Angriffe antworten können. Ter Vollständigkeit halber bringen wir noch einmal das dort gesagte: In einer ausführlichen Denkschrift des preußischen Ministers des Innern vom Jahre 1847 über die Militärpflicht der Juden, die damals dem vereinigten Landtage vorgelegt wurde, heißt es in Zusammenfaffung der Berichte der einzelnen Generalkommandos der Preußischen Armee über die Juden in den Befreiungskriegen, bis zu denen sie noch nicht einmal milltärpflichtig gewesen sind: „Faßt man den Inhalt dieser Ermittlungen zusammen, so darf man als erfahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des Preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; datz ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hindernis beim Kriegsdienste hervorgetreten sind." Ferner noch zwei sicherlich autoritative Zeugnisse: Der Staatskanzler Fürst Hardenberg schrieb am 4, Januar 1815, also unmittelbar nach den Ereignissen, um die es sich handelte, an den Grafen Grote das folgende: . Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staats, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischer?-Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschloffen . . ." Und als im englischen Parlament über die Emanzipation der Juden verhandelt wurde, sagte nach dem Bericht der „Times", August 1833, der Herzog von Wellington folgendes: „Man hat gesagt, daß in der Schlacht bei Waterloo nicht weniger als 15 jüdische Offiziere dienten; auch ich habe viele verdienstvolle und ausgezeichnete Offiziere dieses Glaubens kennengelernt." Wir hoffen, daß wenn, vielleicht noch in diesem Jahre, unsere Arbeit erledigt ist, das Gedenkbuch nicht nur unseren teuren Gefallenen ein ewiges Denkmal sein wird, sondern daß es auch für, alle Zeiten dieser giftigen anti- >> Dr. Eckstein: „Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht?" Mit Geleitwort von Dr. Alfred Werner-München. ..Philo Verlag." 1828. -) „Jüdische Soldaten aus Württemberg und Hohenzollcrn". Stuttgart. 1926. il 0 semitischen Schuldlüge gegen uns deutsche Juden, der gefährlichsten Feindin unserer Ehre und Rechte, den Kopf zertritt. — Aus vdrstehendem geht wohl hervor, daß nicht auf jüdischer Seite, sondern auf der Seite des „F r i d e - ricus" und seiner Gesinnungsgenossen das schimpfende Unrecht sich befindet. Wir deutschen Juden haben nicht nötig, unsere in dieser Angelegenheit vorzügliche Stellung durch blödes Schimpfen ernzunebeln, wie dies die Gegenseite tun muß. So möchten wir heute am zehnjährigen Tage des „Friedens" wünschen, daß auch noch einmal wirklicher Friede werden möge für alle Völker und unter ihnen Deutschland, und wirklicher Friede auch innerhalb Deutschlands für , alle Bürger unseres deutschen Staates. - Lö. Reue Skandalszenen an der Wiener Universität An der Wiener Universität kam es zu neuen Skandalszenen. Während der Vorlesungen drangen Gruppen völkischer Studenten in die Säle ein, erzwangen eine Unterbrechung der Kollegs und forderten die Hörer zur Teilnahme an einer Protestversammlung in der Aula gegen die Ausschließung von drei völkischen Studenten, die die Hauptschuldigen in den schweren Ueberfällen auf die jüdischen Universitätshörer gewesen waren, auf. Bon der Straße her eilten gleichzeitig mehrere Gruppen von akademischen und nichtakademischen Hitlerleuten auf die Universität zu und überwältigten die Pedelle der Universität, die an den Eingängen Wache hielten. Die Polizei säuberte die Rampe der Universität und drang auch, als innen Fensterscheiben zertrümmert wurden, in die Aula ein. Rektor Prof. Innitzer erschien in der aufgeregten Studentenversammlung in der Aula und versuchte,'die Tobenden zu beruhigen, er wuxde aber mit Pfui-Rufen überschrien. Die Völkischen nahmen gegen ihn eine drohende Haltung ein, so daß die wenigen anwesenden katholischen, sozialistischen und demokratischen Hochschüler ihn schützen mußten. Die Studenten schickten ein Ultimatum in d^ Rektoratskanzlei, in dem der Rücktritt des Kanzlei-Direktors, die Zurücknahme der Relegierungen und die Uebergabe des Ordnungsdienstes an die Funktionäre der Deutschen Studentenschaft gefordert wurden. Beantwortung sollte in einer halben Stunde geschehen. Der Rektor berief eine Konferenz der Dekane ein, aber auch diese wurde von den Studenten gestört, die Dekane mußten durch freiheitlich gesinnte Studenten vor den Rowdys geschützt werden. Polizei schaffte dann Ordnung. 4 s Die Demolierung der posener Synagoge Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde in Posen richtete an den Stadtpräsidenten Ratajski das folgende Schreiben: „Es ist Ihnen bekannt, daß die Jüdische Gemeinde Posens Schweres durchzumachen gehabt hat. Man hat alle Fensterscheiben in unserem Gemeindehause eingeschlagen, man hat unsere Synagoge demoliert, man hat in den jüdischen Geschäftsläden die Schaufenster zertrümmert: man hat Polens Namen im Inlande wie im -Auslände Schaden zugefügt. Mit Ungeduld haben wir, als die traurigen Geschehnisse vorüber waren, einem Ausdruck des Mitgefühls seitens des Magistrats von Posen entgegengesehen, ein solcher ist nicht erfolgt. Wir erlauben uns deshalb, an Sie dieses Schreiben zu richten in der Annahme, daß die erwartete Geste seitens des Stadtpräsidenten endlich doch erfolgen wird." Wie der ITA-Vertreter erfährt, hat der Magistrat von Posen beschlosien, auf Rechnung der Stadt die den jüdischen Institutionen zugefügten Schäden wiedergutzumachen. Familien-Anzeigen stärken den Gemeinschaftssinn. Daher gehören ste in den „Schild"!