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Der Schild · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Die Regierung ist mit diesen Zusammenhängen vertraut. Und es mutz anerkannt werden, das; sie Mi Fehdehandschuh der Rationalisten ausgenommen hat und versucht, den antisemitischen Ausschreitungen Einhalt zu ge bieteti. In scharfen Worten polemisiert die ihr nahestehende Presse ebenso wie dir Zeitungen der Arbeiterschaft gegen die Verfolgungen der Juden. Die politischen Bereinigungen der Demokratie und des Fortschritts erlassen Proklamationen zum Schutze der Juden. Am Bormittag« des 7. Juni begab sich General Sklädkowfki der p»lnisch« Innenminister, im Flugzeug von Warschau nach Lemberg, um di« amtlichen Untersuchungen über die Vorfälle zu leiten. Auf Grund eines Berichtes, den er nach seiner Rückkehr nach Warschau dem sofort zusammengerufenen Kabinett erstattete, erlieh die Regierung ein Tommunique, in dem sie den wahren Charakter der gegen Für ein jüdisches Gefallenendenkmal Die Vereinigung jüdischer Kriegsfreitvilliger Frankreichs, die unter der Führung von Kaduti Cohen steht, hat die Initiative zur Schaffung eines Denkmals« für die im Kriege auf der Seite Frankreichs gefallenen jüdischen Kriegsfreiwilligen ergriffen. Es wurde ein Denkmalskomitee eingesetzt, das sich an die führenden französischen Parlamentarier und aisdere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens um ihre Mei »tiing über das geplante Denkmal gewandt hat. Alle Befragten sprachen sich für die Errichtung; eines Denkmals für die jüdischen Kriegsgefallenen aus, das ein Wahrzeichen der Treue der französischen Juden zu der Sache Frankreichs sein soll. Der frühere Minister Senator de Monzie fügte noch hinzu, daß die Schaffung des Denkmals einem jüdischen Künstler übertragen werden möge und datz es in einem Stadtteil mit einer gröberen jüdischen Einwohnerschaft ausgestellt werden solle. sie selbst gerichteten Unruhen fessstellte und die gegen die Juden ln Umlauf gesetzten Gerüchte als niederträchtige Verleumdungen der chauvinistischen Organisationen entlarvte. Der Geistliche, ber di« Fronleichnamsprozesfion leitete, habe ausdrücklich beftätigt. datz fl« sich ohne jede Störung, in völliger Ruh« vollzog. Die Regierung lietz zunächst 33 Studenten verhaften. Das brachte jedoch die ganze Bewegung in noch stärkeren Schwung. Die Lemberger Studentenschaft antwortete.mit der Erklärung des G e n e r a l st r e i k s an der Universität und mit große:, Demonstrationen für die Freilassung ihrer verhafteten Ge sinnungsgenossen. . Bei einer Kundgebung unter freiem Himm > am 7. Juni erhoben 2000 Studenten gegen die Regierung Protesi Als bi« Polizei anrückte, um die Bersammlun, auf,ulösen, wuresie mit einem Hagel von Steinen beworfen. In einem Kam>« von zwelstündiger Dauer wurden mehr«»« Polizisten und St_ denten erheblich verletzt. Am Abend de« gleichen Lage» plü: dert« und verwüstete der antisemitisch« Pöbel unter der Führu, von Studenten abermals die jüdischen Läden. Di« Polizei ar. abermal» ein und bequemte sich schließlich zu einem richtige. Waffenstillstand mit den Aufrührern: e» wurde ihnen freier A> zug gewährt bei gleichzeitiger Zurückziehung der Polizeimanr. schäften. Di« Studenten brachen jedoch diese Abmachung u>>) setzten den Krawall bis in di« liefe der Rächt fort. Am nächsten Tage forderte der Rektor der Len berger Universität in einem Aufruf die Studenten au>. den Streik zu beendigen und die Borlesungen wieder auszunehmen, da sonst die Anstalt auf längere Zeit geschlossen werden würde. Aber der Streik ist trotzdei.i weitergegangen, ja es besteht die große Gefahr, daß er sich auch auf andere Universitäten, vor allem auf Wa. schau mit seinen 10 000 Studenten ausdehnt. Die po> nische Studentenschaft, ähnlich wie die deutsche zum übe» wiegenden Teile reaktionär und judenfeindlich gesinni. arbeitet als Stürmbock der oppositionellen Parteien und in Verbindung mit der regierungsfeindlichen Geistlichkeil. Das geht zum Beispiel aus einer öffentlichen Erklärung der drei Lemberget Erzbischöfe hervor, die die Rebellen gegen die Maßnahmen der Regierung in Schutz nahm Einem dieser Kirchenfürsten, dem armenisch-katholischen Erzbischof Teodorowiez wurde seinerzeit vom Vatikan alle politische Wirksamkeit wegen seiner rechtsradikalen Haltung verboten. Ein Studentenmeeting in Krakau, an der 3000 Mitglieder teilnahmen, hat bereits den Beschluß zu einem Generalstreik an allen polnischen Universitäten gefaßt. In Warschau kielten die chauvinistischen Studenten trotz eines ausdrücklichen Verbotes des Rektors eine Versammlung ab, auf der gegen die Regierung und gegen die Juden rücksichtslos gehetzt wurde. Man erklärte sich Kameraden! Benützt die Lebensversicherung desRjF. Also, das mir gestellte Thema heißt „Lessing und die Juden". Das Thema ist nicht ganz eindeutig. Es kommt darauf an, wie man das Wort, die Juden, schreibt. Ob init oder ohne Anführungsstriche. Setzt man die letzteren, dann denkt man an Lessings erstes Drama, das er als Zwanzigjähriger geschrieben, und das den Titel „Die Juden" führt. Läßt man die Anführungsstriche fort, dann sollen entweder Lessings Beziehungen zu den Juden, oder sein Einfluß auf die Juden, seine Einwirkung auf die Gestaltung des jüdischen Schicksal», oder seine Bewertung in jüdischen Kreisen Gegenstand der Betrachtung sein. Lassen Sie mich zunächst einmal die Ansührungsstriche gelten lassen. Als dieses kleine Theaterstück erschien, das ganz gewiß keinen großen künstlerischen Wert hat. und durchaus nicht etwa einen genialen Verfasser verriet, so war es doch etwas ganz Außerordentliches, etwas in jener Zeit Unerhörtes. Für die Juden hatte man überhaupt kein Interesse, oder doch nur eines in negativem Sinne. Die Einstellung der meisten Menschen, und zwar der gebildeten Kreise ebenso, wie der ungebildeten, war so, daß man nur eine grenzenlose Verachtung und Geringschätzung für die Juden hatte. Wie ein Uebel, das ein jeder als ein solches empfindet, ohne ein Mittel dagegen zu wissen, so betrachtete man die Juden, wie ein Unkraut, an dessen Vertilgung ein jeder interessiert ist, von dem aber doch ein jeder weiß, daß der Kampf vergeblich ist, den man dagegen führt. Und so schlimm, wie die Stellung der Juden inv Leben, war auch die Rolle, die der ude aus der Bühne spielte. Mein seliger Vater, der übecker Rabbine», hat einmal in einem Vortrage „Die Juden und das Theater" eine Zusammenstellung der leidenden Rollen gemacht. die man den Juden auf der Bühne zuwies. Wiemran. wenn man einer Gestalt auf der Bühne bedurfte, die ein Ausbund von Lasterhaftigkeit sein sollte, immer nur die Juden dazu benutzte. Ich erinnere daran, daß selbst Shakespeare in jüdischer Ge stalt nur einen Shylok, einen Wucherer, heimtückisch und grausam zugleich, gezeichnet hat. Und nun kam da ein junger Mensch, noch dazu eines Pfarrers Sohn, aus einer alten, gläubigen, evangelischen Familie stammend, und schrieb ein Stück, zur Verherrlichung der Juden. Das war unerhört, das mußte wie eine große Sensation wirken» es konnte bei der Mentalität der damaligen Menschen nichts anderes, als heftigsten Widerspruch Hervorrufen. Wenn ich den Inhalt kurz skizzieren darf — da zieht ein Baron seines Weges mit seiner Familie und wird unterwegs von Banditen überfallen. Wer werden wohl die Straßenräuber sein, die ahnungslose und harmlose Wanderer hinterlistig überfallen? Der Baron und die Seinen denken, das können nur Juden sein, und sie verfluchen ihr Schicksal, das sie nun in die Hand des Abschaums der Menschheit hat fallen lassen, von dem selbstverständlich kein Mitleid und keine edle Herzensregung zu erwarten ist. In ohnmächtiger Wut gibt sich die vornehme Reisegesellschaft gefangen und glaubt ihre letzte Stunde gekommen, da kommt ein anderer Reisender des Weges und stürzt sich mit Löwenmut auf die Räuber und befreit den Baron und seine Tochter aus den Händen der Banditen. Jetzt stellt sich heraus, daß die Räuber nicht, wie man angenommen hatte. Juden, sondern verkleidete ehemalige Diener des Edelmannes sind, und, wa» noch viel staunenswerter, der Retter, der seiner Handlung»- 204

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