Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Palästina" eine ähnliche Begebenheit sogar aus neuerer Zeit erwähnt. An der Glaubenstreue der Marann^n, die um des Judentums willen so vieles gelitten, könnte sich wirklich mancher Jude unserer Tagt ein Beispiel nehmen! Ratiouayozialistische Propaganda g» der Vresla»« UÄt-erstät Die nationalsozialistische Bewegung sucht in ihrer regen Propaganda immer neue Wege, um aus ihre Existenz aufmerksam zu machen. Die an den einzelnen Hochschulen gegründeten nationalsozialistischen Studentenbünde beweisen zur Genüge, datz -es sich um keine studentischen Interessen bei ihnen handelt, sondern vielmehr darum, nationalsozialistische Methoden und formen in das Hochschulleben hineinzutragen und den studen-j tischen Geist an den Hochschulen mit den Methoden der Stratze zu verseuchen. Ter seit Jahren tobende Kampf um die groß deutsche Studentenschaft wird letztlich nicht auf völkischer Seite von jenen ausgefochten. die nun schon seit geraumer Zeit nationalsozialistisches Rowdytum auf die Hochschulen zu tragen suchen. Tie Exzesse an der Universität Berlin, die Numerus claufus-Beschlüsfe der Studentenschaften Berlin, München, Würz bürg. Erlangen und anderer Hochschulen gehen zurück auf die von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in Stadt und Land getriebene Agitation mit dem Ziel, die gleiche Hetzpropaganda auch an die Hochschulen zu verpflanzen. Zn dem ^rgan „Akademischer Beobachter" fehlen die Mitarbeiter aus Hochschulkreisen, dafür treten die „Parteibanzen" in den Vordergrund. Einen Einblick in die trostlose Geistesverfassung dieser studentischen Propheten des „Dritten Reichs" hotte man auf einem Werbeabend, zu dem der Nationalsozialistische Studentenbund an der Universität Breslau geladen hatte. Thema: „Tie Jugend in der Krisis der Gegenwart". Ein pathetischer Jüngling ergötz sich in Phrasenhaftigkeit über seine andächtigen Zuhörer. Von den Stilblütenseien hervorgehoben: Humanität ist identisch mit Demokratie, Pazifismus ist die Feigheit des Einzelindioiduums. Als der kühne Ausspruch erscholl: „Wir Nationalsozialisten fühlen uns als Vertreter einer neuen Zeit, hinter unserer oft rohen Ungebundenheit stxckt soziales Empfinden!", war der Gedanke des bedächtigen Af hörers auf die völkischen Friedhofsschündungen gerichtet. TftlÜen diese gemeinen Zerstörungen in solchen Phrasen ihre Begründung finden?! Nichts ist im Augenblick an den Hochschulen wichtiger Uls aufzuklären über chie lügenhaften Phrasen des National sozialismus. Sie sind die Vorboten von antisemitischen Exzessen, wie wir sie häufig an osteuropäischen Hochschulen erlebt haben. Ein Wort aus dieser Versammlung gilt aber auch in unseren Reihen, der Aufruf zum Kampf gegen die Lauen. Gleichgültigen. „Ten Lauen gilt unser Hatz, mit den anderen kämpfen wir!" Die neue nationalsozialistische Bewegung an den Hochschulen erfordert unsere grötzte Aufmerksamkeit, und nichts wäre falscher, als die Gefahr, zu verkennen! W. M. Unfrankiert An das ln n«, Briefkasten werfen oder am Postsdialter abgeben. Postamt r i Die Juden vou Fib Eine «ilitärkolonie in OberS^pten. Ausgrabungen in Oberägypten in der Nähe von Uffu-i haben eine ganze Anzahl von aramäischen Papyri zutage c fördert, die zu einem vollständigen Buch zusammengefatzt wur den. Diese Papyri erzählen von einer jüdischen Siedlung u der Stadt Iib, deren Gründer jüdische Soldaten im persisch. Heer waren und die sich des gröhten Vertrauens des Jtönii<? erfreuten. Diese jüdischen Soldaten waren innerlich au , innigste geistig mit der Metropole Jerusalem verbunden w wandten sich an den Gouverneur von Jerusalem mit der Bit! . ihnen die Errichtung ihres Heiligtums in Iib, das von d Aegyptern zerstört wurde, sowie die Erlaubnis, dort Opfer du zubriNgen, beim Herrscher von Aegypten zu erwirken.' Die P> ser, welche selbst Feueranbeter waren, gestatteten den Iudc . Schlachtopfer darzubringen und Räucherwerk zu benützen, vc boten jedoch die Benützung des Feuers bei ihrem Opferdien und zwar nicht etwa wegen ihrer Tierfreundlichkeit, sonde, weil sie nicht wollten, dah das heilige Feuer durch die Leib der Tiere verunreinigt werde. Bei den Ausgrabungen wurden zwei Exemplare eines so: chen Bittgesuches gefunden, woraus geschlossen iverden kan dah der Zuschrift grotze Bedeutung beigemesien wurde, da fi. um sicher zu gehen, wiederholt versaht und abgesandt wurd Zwei Abschriften blieben zurück, erst das dritte wurde an feine Bestimmungsort abgesandt. In den Aufzeichnungen über „das jüdische Regiment" wir auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Jude in dieser ägyptischen Siedlung beschrieben. Aus ihnen geht he: vor, dah dort zwischen Mann und Weib Gleichheit geherrsch, haß, dah in Erbschaftsfragen die Töchter genau so berücksichtig! würden wie die Söhne. Der Frau war die Betätigung im Han des und Gewerbe gestattet, und völlige Freiheit herrschte hin sichtlich der Ehescheidungen. Es genügte, dah ein Teil der Ehe gatten, Mann oder Frau, ausspreche: „Ich mag dich nicht!", u» das Eheband als gelöst zu betrachten, und das Ehepaar erhiel: ohne jede Schwierigkeit die Ehetrennung durch den Scheidebriei Bei der Eheschliehung hingegen mutzten die Männer dem Braul vaser eine Morgengabe entrichten. Von der Frau eines solche, Soldaten namens Miwtachjah wird besonders hervorgehobe» dah sie dreimgl geheiratet und dreimal geschieden wurde. Ihi erster Mann war ein Jude, der zweite ein Aegypter, der jedoch das Judentum annahm und den Namen Natanja erhielt, wäh rend ihr dritter Gatte wieder ein Jude war.! Sehr viel ist in diesen Papyrusaufzeichnungen von einem weisen Mann namens Achjakar die Rede, der ein zu seiner Zeit weithin bekanntes Buch berühmter Sprüche schrieb. Seine Sinnsprüche und Sprichwörter finden sich auch im Talmud und ihr Einflutz ist auch bei den griechischen Philosophen zu merken Die Sprüche sind mit der Erzählung einer schönen Geschichte aus dem Leben des grotzen Gelahrten und Philosophen Achjakar verwoben. * , Er war einer der Harwtratgeber Sanheribs, des Königs von Astur, und das ganze Land wurde nach seinem Ratschlägen regiert. Achjakar war kinderlos, er adoptierte seinen Nesse» Nadab. Als Nadab heranwuchs und Achjakar alt geworden wax. bat er den König, feinem Sohn Nadab das hohe Amt sei nes! Ratgebers zu übertragen. Me es scheint, sind jedoch die Perlen der Weisheitssprüche bei dem Sohn daneben gefallen. Der Sohn verleumdete seinen Ziehvater vor dem König mit dem Erfolg, datz der König befahl, den Vater hinzurichten. Aber die Satrapen, denen die Durchführung des Befehls aufgetragen wuöde, gedachten der Wohltaten und Freundschaftsdienste, mit denln Achjakar sie zur Zeit, als er auf dem Höhepunkt feiner Macht stand, stets bedachte. Sie erbarmten sich feiner, brachten ihn in ein sicheres Ve^teck, während sie dem König meldeten, datz sie an Achjakar die Todesstrafe vollzogen hätten. Nadab, der sich als Staatsmann unfähig erwies, brachte den unglücklichen König, der die Ratschläge dieses Ratgebers ebenso bedingungslos zu befolgen pflegte, wie die Vorschläge seines Vaters, in schwere Verlegenheiten. Die Zustände im Lande wurden so arg, datz der König in seiner furchtbaren Not schließlich zum Bewutztsein kam, wie er durch Nadab in die Irre geführt wurde, uyd ries in seiner Verzweiflung: „Wäre Achjakar noch am Leben, mir wären diese Leiden und Strafen erspart geblieben!" Als die Satrapen dies hörten, lüfteten sie ihr Geheimnis und teilten ihm mit, datz Achjakar noch am Leben fei. Der König setzte Achjakar wieder in sein altes Amt ein. Ten Sohn lieferte er dem Vater aus, der ihn nach Eigenem Gutdünsten richten möge. Aber der Vater züchtigte Auen Sohn nichts mit körperlichen Strafen, sondern setzte ihn meinen Käfig und predigte ihm unausgesetzt seine alten Moralsätze. 198 f