Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4911661-5448526-5449105--2224-4913633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Spaziergang durchs Prager Ghetto Bortrag von «am. Dr. Max «aufmann. Ortsgruppe Mannheim. Prag, eine Stätte sich durchkreuzender geschichtlicher Ereignisse. macht auf den deutschen Besucher einen durchaus fremd artigen Eindruck Der slawische Eindruck ist unverkennbar. Die etwa im 9. Jahrhundert entstandene Stadt erinnert im Aussehen stark an Heidelberg, mit welchem auch, ebenso wie sonst mit unserer Rheingegend, vielfache geschichtliche Fäden es verknüpfen. Die der alten Brücke zu Heidelberg gleichfalls sehr ähnliche Prager Moldaubrücke, bekannt durch den Martertod des katholischen Brückenheiligen Johann von Nepomuk, ist außer mit zahlreichen andern Bildwerken mit einem von einer hebräischen Keduscha umgebenen Kruzifix geschmückt, ivelch-s von den Juden als Sühne bei einer Streitigkeit mit dem Chri stentum errichtet werden muhte. Auf dem ausgedehnten hochgelegenen Komplex von Palästen aller Zeiten, dem Hradschin. befindet sich außer den Wohnsitzen des Staatspräsidenten Masarvk und des Erzbischofs auch das sehr ausgedehnte Kriegs Ministerium, in dem die zahlreich ein- und ausgebenden fron zösischen Instruktionsosfiziere lebhaft an diejenigen im den ach barten besetzten Ludwigshafen erinnern. In der Altstadt fällt der Blick sogleich auf das von Abraham Meisel im 17. Jahrhundert gestiftete in barocken Formen erbaute Rathaüsderfrüheren besonderen jüdischen politischen Gemeinde, in dem noch heute der Sitz der Kultusbehörden sich befindet, das Dach bekrönt von einem zierlichen Turm mit Uhr. deren Zifferblatt hebräische Zahlen aufiveist, und deren Zeiger linksherum gehen. Prag hat 28 Synagogen aus allen Jahrhunderten, vielfach baulich von gleichaltrigen christlichen Kirchen erst bei näherer Betrachtung sich Ortsgruppen! Zahlt eure Beitrage! unterscheidend. Die älteste und bekannteste ist die sagenumwobene Alt neuschul, in der Backsteingotik alter Hansastädte etwa im 12. Jahrhundert ähnlich einer christlichen Kapelle erbaut, und heute mehrere Stufen unter dem Straßenniveau liegend. Als bauliches Kuriosum ist erwähnenswert, daß die Kreuzgewölbe, um jeden Anklang an das Kreuz in der Synagoge zu vermeiden, außer den sonst erforderlichen vier Gewölberippen eine fünfte blinde Rippe besitzen. Der Thoraschrein hat noch einige romanische Merkmale, sonst aber ist das Gebäude sichtlich um anderthalb bis zwei Jahrhunderte jünger als unsere benachbarte Wormser Synagoge. Die Frauensynagoge steht nur mit ganz kleinen schiehschartenartigen Oeffnungen mit der Männersynagoge in Berbindung.l Prächtig ist das Gestühl, neben dem Thoraschrein der Stuhl des hohen Rabbi Löw. Die Bima zur Verlesung der Thora hat einen kunstvollen schmiedeeisernen Aussatz, überragt von der gewaltigen Fahne, welche der jüdischen Gemeinde von Kaiser Ferdinand III. verliehen wurde, als sich die jüdische Jugend Prags, besonders mehrere Mitglieder der aus dem benachbarten Speyer stammenden Familie Spira, bei der Verteidigung der Altstadt gegen die auf der Kleinseite angreifenden Schweden so aus zeichnete, daß der Angriff so lange hingehalten wurde, bis die Nachricht vom Friedensschluß zu Münster und Osnabrück eintraf, und welche deshalb einen Schwedenhut inmitten des Mögen Dowid zeigt. Es haben also schon entgegen der allgemeinen Anschauung im dreißigjährigen Krieg, Jahrhunderte vor den Befreiungs-Kriegen, jüdische Helden im deutschen Heere hohe Auszeichnungen erhalten. Der in letzter Zeit mehrfach genannte alte jüdische Friedhof, dessen Erhaltung nunmehr gesichert erscheint, ist aber auch jetzt nicht mehr in seinem ganzen früheren Umfange erhalten, da etwa ein Drittel schon bei einer früheren Assanierung seiner Denkmäler und des Pflanzenwuchses beraubt wurde, trotzdem die Nachfrage nach den so geschaffenen Bauplätzen so klein blieb, daß nur ganz wenige verkauft und bebaut wurden. Die Ruhe der Toten wurde also umsonst geopfert. Die Grabsteine weisen alle Stilformen von der? «ötik ab auf, besonders viele aus der Barockzeit. Im 13. IcHihundert fand auch schon einmal eine Zerstörung der Gräber sttztt, dieser Vandalismus ist also keine Neuerfindung unseres glorreichen Jahrhunderts,. eher erscheint er gemessen an den allgemeinen Verhältnissen im Mittelalter entschuldbar. Gräber, welche auf unsere Rheingegend Hinweisen, sind außer drei schönen Grabtumben der genannten Familie Spira. dasjenige des Rabbi Oppenheimer, eines Verwandten des bekannten Iud Süß. welcher eine berühmte jüdische Bibliothek anlegte, die er jedoch aus Gründen der in Prag damals bestehenden Unsicherheit in Hannover aufstellte, und die heute einen der wertvollsten Schätze der Universität Oxford bildet. Sport im RjF. " 's portgrupp« Dt.-Kron« RjF Beim l^ron-stassellaus Potsdam -Berlin fuitmcu wir in dem Sonderwetlbciverb für erstmalig tciliicdineiide Berriilc de» :!. Platz belegen. Am Sonntag, de» 2:1. Juni. nachmittags 2 :10 Ubr tAustragnuas art wird nach bekanittgegebciil. beteilige» wir uns am Verband» 8 r a » c n ( v o 11 f-f ft mit einer ltz xAbl-Meter-Ltastcl und am IIli-Melrr-Lanfen. Am Sonntag, den l». Juni, beteilige» wir uns an den lokalen Wettkämpfen in Döbcritz. Wir nebmcn an dem .lUtHl-Mctcr-Vansen für Männer teil nnd an dem ftim-Metcr-Lans siir Engend lJalir gang 111121. j rurnabteilnng des Niir- Lrtogrnooe Barmen-Elberfeld. Schaunnd Werbeturur«. Am Mittwoch, de» .">. Juni 1929, fand unser diesjährige». Schau turnen statt. Da» vielseitige Programm zeigte die groben 8ort schritte, die unsere Riegen unter bewährter Leitung gemacht haben. Sowohl die Einzelkeislungen wie auch die Gcsamtübunge» haben durchweg in ihren Aussiihrungen grafte» turnerisches Können bc wiesen. Die zahlreich erschienenen Zuschauer zollte» de» Snortlern reichen Beifall. Alls den Landesverbänden vnd Ortsgruppen Laudeooerbaud Nordwestdentichland. Kiel Am 29. Mai unternahmr» die Kameraden den criten diesjährigen Ausflug in die schöne Umgebung Kiels an de»' Lchwcutine entlang, nach Schönkirchcn, wo eine gemeinsame «assec tascl uns mit unserem Ebrensürdcrcr Louis t' e iu i n vereinigte. Bei dem sich auschlieftenden Kegeln nm gestiftet« Ehrenpreise wurde unser Vorsitzender, Kam. Hast. Kegclköntg. während vorher bet dem Wettkrgeln wie im Vorjahre Kam. Mcnardt Hirsch die meisten Punkte errang. Eine sehr vergnügte Abendtasel mit uuscren Damen dickt uns noch lange in dem freundlichen Gasthaus zur deutschen Eiche beisammen, bis durch die Güte unseres Kamrradc« Dr. Dresel alles, was den Heimweg nicht lausen konnte, mtt seinem Auto beim geschasst war. Die ante Beteiligung am Ausflug, trotz der kahlen Witterung, war ^erfreulich. Landesoerbaud Mitteldeutschland. Magdeburg. Am 22. Mat sprach Kam. Tr. Rnftbanm über „Moderne Kriivvelsürsorae". Der Redner ging von den Zuständen im Altertum aus. wo Krüppel, als lästig sür die tscsamtheit. beseitigt wurden, z. B. bei den Spartanern. Germanen nsw. Da» Judentum hat dies schon iu seinen srübestcn Zeiten verboten. Aus führltch behandelte der Kamerad die moderne Kürforae für Krüppel, wie sie durch Gesetz nnd durch den Stand der medizinischen Wissen schast sich zu einer soziale» Einrichtung von gröftter Wichtigkeit entwickelt bat. An den mit Beifall anfaenommenen Bortraa schlaft sich eine Diskussion an. iu der »am. Dr. Simon vom indischen Standpunkt und von dem des Augenarztes Ergänzungen zu dem rbema bringt. Auf Wunsch des «am. Srifc Bernhardt erklärt sich Dr. Nuftbaum bereit, im Winterhalbjahr einen Bortrag über .Fürsorge für die Kriegskrüppel in Deutschland nnd bei den ehemaligen Ketndstaaten" zu halte». Ter Vorsitzende n»«tft darauf hi», das, im Sommer, wie gewöhnlich, keine Borträge, sondern nur.« sellige Veranstaltungen, wie Bierabende. Ausflüge n, dal. ftattstnden werden. Er schlieft» dir Berlammlnng gegen 11 Uhr. E. V. LaudrSverbaiud Württemberg. baiud sti«. Buchau a. Am SaMStüg. den 1. Juni. bat der Vornvende des Landesverbandes Württemberg. Kam. Dr. med. 8ranz vtrsch Ulm. in der Ortsgruppe Buchau einen Vortrag über das Ddema- "" Jahre KrtrdenSkameradschast" gehalten, zu welchem die Vertreter ~ ~ owie di« gesamte jüdisch« Gemeinde ein« C.-B §"am?Tr. Ärsch bat ^urchsetnescsselndenÄuSsübrünaen die ganzc uhörerschast für dt« Ziele unsere« Bundes begeistert! Im Snngelaöen waren. .199 i